Startseite 
Kontakt  °  Inhaltsübersicht  
Seite weiterempfehlen
     25. September 2018, 21:01 Uhr
 


Schlossportal
 Kundeneingang

 
 
BLOGs nach Datum sortiert Alle BLOGS zum Zurückblättern
BLOG vom 28.03.2015


Bienenmord in Singen D: Vergiftung durch Dieselkraftstoff
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
 
„Schützt die Bienen! Bienen sind nützlich!
Sie leisten hochqualifizierte Bestäubungsarbeit.
Dass die Erde blüht und fruchtet, verdanken wir ihnen.
Bienen liefern Honig, Pollen, Propolis und Gelée Royal.
Sie schaffen Milliardenwerte für die Volkswirtschaft.
Bienen bieten wundervolle Einblicke in Naturvorgänge.
Sie helfen mit, eine gesunde Umwelt zu erhalten.“
 
(Inschrift auf einer Tafel im Bienenkunde-Museum Münstertal D)
 
In der Nacht auf 07.03.2015 ereignete sich ein Vorfall in der Singener Kleingartenanlage Römerziel. Dort übergossen unbekannte Täter 6 Bienenstöcke mit Dieselkraftstoff. Dabei wurden 70 000 bis 100 000 Bienen getötet. Diese Tat erregte Entsetzen, nicht nur unter den Bienenfreunden.
 
Den grausamen Anschlag kommentierte Steisslingens Bürgermeister und Imker Artur Ostermaier im „Südkurier“ so: „Wegen einigen Verrückten mussten Zehntausende Bienen sterben, das ist unglaublich… Einen solchen Frevel habe ich noch nie erlebt.“
 
Auch Karl Max Schönenberger, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Hohentwiel, war schockiert und bemerkte, so etwas sei ihm noch nicht untergekommen. In der Vergangenheit gab es andere Formen von Vandalismus, wie das Auslegen von Gift oder das Zukleben der Fluglöcher. „Aber die Bienenstöcke mit Diesel zu übergiessen, das ist ungeheuerlich“, sagte Schönenberger.
 
Irene Nachtigall, die Besitzerin der Bienenstöcke, fragte sich: „Wie kann man solche schutzlosen Wesen wie Bienen einfach töten?“
 
Anmerkung: Der Bienenzuchtverein Hohentwiel Singen e.V. hat übrigens 104 Mitglieder mit insgesamt knapp 1000 Bienenvölkern. Ein Volk liefert pro Jahr zwischen 15 und 25 kg Honig.
 
Der Anschlag auf die Bienen bewegte mich als Bienenfreund besonders. Alle hoffen, dass die ruchlosen und „hirnlosen“ Täter bald gefasst werden. In einer E-Mail vom 19.03.2015 berichtete mir Benjamin Brumm von der Lokalredaktion Singen des „Südkuriers“: „Leider liegen der Polizei derzeit keine weiteren Erkenntnisse vor.“
 
Die Tierschutzorganisation Peta setzte eine Belohnung von 1000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen.
 
Zeugen können sich telefonisch unter 01520/73 77 33 41 oder per E-Mail an whistleblower@peta.de oder an die Polizei unter 07731/88 80 melden.
 
Was Bienen leisten
Im Bienenkunde-Museum in Münstertal konnte ich mich am 14.11.2009 über die fleissigen Bienen sehr gut informieren. Die Bienenmörder, wie sie in Singen ihr Unwesen trieben, sollten sich einmal die Leistung der fleissigen Bienen vor Augen führen:
 
In Raum 3 des Museums kann man Wichtiges über die Königin, Arbeitsbienen und Drohnen erfahren. Die Königin legt ja die Eier für alle Stockbewohner und wird bis zu 5 Jahre alt. Die rund 50 000 weiblichen Arbeitsbienen, die im Sommer nur etwa 6 Wochen und in der brutlosen Winterzeit etwa 7 Monate alt werden, sind fleissige Blütenbesucher. Bei jedem Anflug sucht die Arbeitsbiene bis 100 Blüten auf. Bei 40 Ausflügen pro Tag sind das 4000 und bei 10 000 Sammlerinnen zirka 40 Millionen Blütenbesuche pro Volk und Tag. Für 1 kg Honig ist die Lebensarbeit von 350 bis 1000 Bienen notwendig. Im Laufe ihres Lebens legt eine Biene etwa 8000 km zurück. Eine enorme Leistung.
 
Karl Max Schönenberger übermittelte mir in einer E-Mail vom 23.03.2015 noch diese ergänzenden Infos: „Die Honigbiene ist ein staatenbildendes Insekt, das ganzjährig lebt. Sie ist auf einen geeigneten Hohlkörper, der als schützende Behausung dient, angewiesen. Die Honigbiene ist als einziger Bestäuber im Frühjahr bei den ersten Massentrachten in der Lage, die Bestäubung der verschiedensten Obstsorten durchzuführen. Die Honigbiene kommt, angelockt durch den Nektarduft, immer wieder zur gleichen Pflanze zurück, bis die Bestäubung erledigt ist. Es wird hierdurch gewährleistet, dass die Blüten mit dem geeigneten Pollen befruchtet werden. Die Biene ist somit blütenstet und gerade jetzt im Frühjahr unersetzlich.“
 
Die Biene leistet nicht nur einen wertvollen Beitrag für die Volkswirtschaft als Blütenbefruchterin und Honig erzeugerin, sondern hilft auch mit, eine gesunde Umwelt zu erhalten.
 
Hier ein Ausspruch, der den Bienenfreunden bekannt ist, von Albert Einstein:
 
„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch 4 Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
 
Verhungern würden wir jedoch nicht, da viele Nutzpflanzen wie Weizen, Reis und Mais, nicht auf Insektenbestäubung angewiesen sind. Der französische Bienenforscher Bernard de Vaissière hat 2005 berechnet, dass die Bienen landwirtschaftliche Wertschöpfungen in der Grössenordnung von jährlich 153 Milliarden Euro herstellen; nach anderen Angaben sind es gar 256 Mia. Euro. Jedenfalls zahlt sich Bienenschutz auch ökologisch aus.
 
Kleines Fazit
Die Bienen zählen zu den wichtigsten Nutztieren. Sie müssen geschützt werden, auch vor der tödlichen Saat Clothianidin. In der Vergangenheit gab es ja durch dieses Gift ein massenhaftes Bienensterben (siehe Blog vom 11.06.2008).
 
Die frevelhafte Tat von Singen hat nicht nur unter Bienenfreunden Empörung ausgelöst. Aber es gibt leider auch noch weitere Tierfrevel wie misshandelte Hunde, verstümmelte Katzen und Pferde. Meistens suchen sich die Täter schutzlos ausgelieferte Tiere aus. Judith Pein von Peta brachte es auf den Punkt: „Kaltblütige Handlungen gegenüber Tiere liegen oft schwerwiegende Störungen der Täter zugrunde.“
 
Anmerkung: Auf Twitter habe ich einige Tweets über die Vorfälle in Singen ins Netz gestellt. „Fabian“ schrieb am 12.03. den folgenden beachtenswerten Tweet: 
„Solange Menschen denken,
dass Tiere nicht fühlen,
müssen Tiere fühlen,
dass Menschen nicht denken.“ 
In einem weiteren Tweet schrieb ich die folgenden Feststellung von Arthur Schopenhauer: „Wer gegen Tiere grausam ist, kann kein guter Mensch sein.“
 
Hanspeter Buehler antwortete mir dies: „Respekt vor Tieren sinkt auch mit dem Niveau der Bildung – nicht nur – oft ist es auch degenerative Empathie-Fernheit.“
 
Internet
 
 
Hinweis auf weitere Blogs über Bienen und Wespen
24.02.2006: Gentechnik: Wie lange gibt es noch den reinen Honig?
Ihre Meinung dazu?

 
Nach oben  
Alle Blogs
Liste der bisher erschienenen Tagebuchblätter
Blogs nach Autoren
Blogs nach Autoren
Artikel nach Autoren
Wer was geschrieben hat
  Twitter
Wir sind auch auf Twitter, ebenso unsere Gedankensplitter
 
   
  © 2002-2017 Textatelier