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BLOG vom 25.07.2015


Das Geheimnis lang andauernder Partnerschaften

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Westdeutschland


Vor Kurzem hat ein benachbartes Ehepaar Diamanthochzeit gehalten, sie sind also 60 Jahre verheiratet. Laut Statistik (2013) werden nach der Eheschliessung etwa 36% aller Ehen in den darauf folgenden 25 Jahren geschieden. Die durchschnittliche Dauer der Ehe hat sich allerdings in den letzten Jahren von 11 auf 14 Jahre verlängert. In mehr als der Hälfte der Fälle reichte die Ehefrau die Scheidung ein.

Das alles ist Statistik und meines Erachtens wenig aussagekräftig, weil es immer mehr Paare gibt, die unverheiratet zusammenleben, Personen, die nach einer Scheidung wieder heiraten usw. Und hier spreche ich nur von heterosexuellen, nicht gleichgeschlechtlichen Paaren.

Gehe ich dennoch von 36% aus, heisst das im Umkehrschluss, dass 64% aller Ehen 25 Jahre und länger halten. Eine Paarbeziehung ist überall auf der Welt die am häufigsten eingegangene Verbindung. Dabei kann, aber muss es nicht darum gehen, auch Nachwuchs zu erzeugen und aufzuziehen.

In den Medien und im Internet wird von einem „Geheimnis“ gesprochen, wenn es um eine lang währende glückliche Beziehung geht. Dieses Geheimnis wird dann gern offenbart.

Die Auflösung der „Geheimnisse“ unterscheidet sich bei den vielen Tipps nicht wesentlich. Einige Autoren sehen eine grössere Bedeutung darin, dass man bei sich selbst den Fehler suchen soll, wenn die Beziehung scheitert, andere geben allgemeine Hinweise, die sich oft nicht umsetzen lassen, weil die Charaktere eben verschieden sind. Über die Bedeutung von Sex ist man ebenso verschiedener Meinung wie darüber, ob vorher ein Gefühl der Verliebtheit vorhanden sein muss. (Auch von Eltern arrangierte Ehen unterscheiden sich nicht wesentlich beim Scheidungsverhalten, vielleicht sind es sogar weniger Paare, die sich trennen!) Manche Forscher sehen einen Bezug zu Haltbarkeit und Dauer im Leben vor der Ehe, im Pomp der Hochzeitsfeier etc.

Es ist also wieder das berühmte „Es kommt darauf an!“ („It depends!“). Und das „worauf“ kann so unterschiedlich sein wie das Leben selbst.

Oder doch nicht? Aus den Lebenserfahrungen eines Ehemannes nach 40 Jahren Zusammensein:

 
Es
 
Wenn Du meinst, das ist Liebe, dann nenne es so.
Ich zögere, das Wort hat seine Unschuld verloren.
 
Ich nenne es Zuneigung, verbunden mit inniger Sympathie.
Wenn sie gegenseitig ist, ist die Basis gelegt.

Ich nenne es Zusammengehörigkeitsgefühl, zu zweit und in der Familie.
Gewiss, ein Wortungetüm, aber das drückt es aus.

Ich nenne es Verbundenheit, unsichtbar an lockerer Leine.
Es sind die unablässigen Gedanken an sie oder ihn.
 
Ich nenne es, sich gegenseitig Freiheiten zu gewähren.
Ein gefühltes Gefängnis macht einsam.
 
Ich nenne es zärtliche Berührung.
Auch über Entfernungen hinweg spüren wir sie.
 
Ich nenne es verzeihende Toleranz.
Dafür muss es manchmal aus der Haut gehen.
 
Ich nenne es beidseitige Kompromissbereitschaft.
Ohne die Wand, durch die man mit dem Kopf geht.
 
Ich nenne es Verzicht, ohne sich durchsetzen zu wollen.
Zweisamkeit paart sich nicht mit Egoismus.
 
Ich nenne es nie endendes Kommunizieren.
Dazu gehören auch immerwährende Wiederholungen.
 
Ich nenne es gemeinsam erlebter sinnlicher Genuss.
Auch wenn jeder anders empfindet.
 
Ich nenne es beidseitiges Teilen von Freud und Leid.
Das eine macht Spass und das andere wird durchstanden.
 
Ich nenne es das Verteilen von Lasten auf die Schultern beider.
Es macht es leichter, sie zu tragen.
 
Ich nenne es Rückblicke auf lustvolle Stunden.
Erinnerungen zu zweit, in der Familie, mit Verwandten und Freunden.
 
Ich nenne es Staunen, bleibendes Erstaunen.
In dem anderen ist immer etwas unerschöpflich Neues zu entdecken.
 
Ich nenne es gelebtes Leben.
Denn nicht das Materielle zählt, sondern das Soziale.
 
Ich nenne es Abschied nehmen zu können.
Aber niemals Vergessen.
 
Nenne es Liebe!
Lass’ das Wort Dein Innerstes berühren, aber sprich’ es nicht aus!
Lebe es!
 
 
Vielleicht ist das ja die Lösung für ein glückliches Leben in Zweisamkeit!
 
Quelle:

 


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