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BLOG vom 29.07.2015


„Treiben – trieb – getrieben“ – was uns so umtreibt

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland

 

Es gibt Grundmorpheme (mit lexikalischer Bedeutung) in der deutschen Sprache, die mit einem Wortbildungsmorphem (Zusammensetzung) eine vielfältige Bedeutungsfülle aufweisen. Eines davon ist „treib“. Ich habe Überlegungen zum Verb „treiben“ angestellt. Schon das einfache Verb ohne Prä- und Suffixe lässt sich nicht einfach ohne Berücksichtigung des Kontextes, in dem es auftritt, in eine andere Sprache übersetzen.

Das Herkunftswörterbuch des DUDEN stellt fest, dass das „gemeingermanisch Verb: mittelhochdeutsch ‚triben’, althochdeutsch ‚triban’, gotisch ‚dreiban’, keine aussergermanischen Entsprechungen“ hat. “Trieb“ ist eine ‚innere, treibende Kraft; Keimkraft; Keim, Schössling’.

Im allgemeinen Sinn hat „treiben“ die Bedeutung von „in Bewegung setzen“. Das Verb wird auch benutzt, wenn wir jemanden zur Eile drängen; bei Pflanzen, die Blüten, Blätter und Knospen hervorbringen; Menschen, die sich mit etwas zu beschäftigen (Gewerbe, Musik, Sport); wenn jemand zu etwas angespornt werden soll; wenn ich Sport mache und einen Ball vor mir her stosse; wenn ich Handel ausübe; Missbrauch mit etwas anstelle, wenn mich die Unruhe nach Hause oder in die Ferne drängt; wenn ich den Wind das Boot vorwärts bringen lasse. Andere treiben es zu bunt, treiben einen Tunnel durch den Berg, Vieh auf die Weide oder in den Stall. Wieder andere treiben andere in den Ruin; treiben es zu toll; verspotten Menschen; bringen Freunde mittels „eines Keils“ auseinander oder gar in den Tod; auch sexuelle Aktivität mit jemandem kann damit gemeint sein.

Nehme ich das Lexem, verbinde es mit einem Nomen, erhalte ich Treibeis, Treibhaus, Treibjagd, Treibsand, Treibstoff.

Als nächsten Schritt verbinde ich das Verb „treiben“ mit einer Vorsilbe oder einer Präposition.

A: ab, auf, aus, an,
B: be-, bei,
D: durch- (trieben)
E: ein-
G: ge- (trieben)
H: herum
R: rum-
Ü: über
U: umher, unter,
V: vor, voran, vorbei,
W: weg, weiter,
Z: zusammen.
 
Die Treibjagd führt in den Treibsand –  ein ganz durchtriebener Dialog
 
Sie machen Treibjagd auf mich!“  
„Du übertreibst masslos!“
„Sie treiben alle zusammen, die das Geld nicht auftreiben können!“

„Das kommt daher, wenn du dich herumtreibst, statt zu arbeiten!“
„Herumtreiben? Ich habe Handel getrieben!“
„Vom Treibhaus her?“
„Na und, ich habe Haschisch vertrieben!“
„Die Polizei wird dir die Flausen schon austreiben!“
„Zuerst muss ich meine Forderungen eintreiben!“
„Reicht es dir nicht, nur Sport zu treiben?“
„Mich treibt die Unruh’ in die weite Ferne!“
„Dann lass’ dich doch einfach treiben!“
„Willst du mich in den Ruin treiben?“
„Dann nicht! Treiben wir es vorher noch miteinander?“
„So triebhaft? Denk’ an deine letzte Abtreibung!“
„Sonst treibst du es doch gern toll?“
„Ich glaube, mir fehlt der Treibstoff!“
Singt: „Die süssen Triebe mitzufühlen, ist dann der Weiber erste Pflicht!“
„Papageno trieben die Triebe, Romeo und Julia die Liebe.“
„Willst du mich auch in den Tod treiben?“
„Lasst uns in die Wüste gehen und im Treibsand untergehen!“
„Du immer mit deinem Todestrieb!“
„Spielst Du mir 'das Lied vom Tod'?“
„Spott treiben, das kannst du!“
 

 


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