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BLOG vom 11.08.2015


Bypass-Operation (1): Notwendig, wenn Gefässe erkranken.

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 

Schon vor 2 Jahren verspürte ich bei Wanderungen beim Bergauflaufen einen Druckschmerz auf dem Brustbein und eine Kurzatmigkeit. Diese Beschwerden häuften sich in letzter Zeit. In Ruhe oder beim Wandern in flachen Gebieten verschwanden diese Beschwerden. Auch hatte ich nie mit Schwindel oder Herzrasen zu tun. Mein Blutdruck war jedoch immer leicht erhöht (laut Hausarzt grenzwertig). Dieser wurde mit Candesartan 8mg/Tag therapiert.

Es folgten die üblichen EKG-Untersuchungen, dann später folgte ein Belastungstest beim Kardiologen. Es wurde nichts festgestellt. Empfohlen wurde eine Stressechokardiographie am Herzzentrum Bad Krozingen. Diese wurde am 17.06.2015 durchgeführt. Ergebnis: Negatives Stressechokardiogramm. Wie mir der behandelnde Arzt sagte, sind durch diese Methode nur 75 % der Schäden sichtbar. Wie sich später herausstellte, zählte ich zu den 25 %, bei denen doch etwas nicht in Ordnung ist. Es blieb jedoch ein Verdacht auf eine relevante koronare Herzerkrankung trotz aktuell negativem Stressecho (bei normaler linksventrikulärer Funktion).

Ein Kardiologe der Berufsausübungsgemeinschaft (Fachärzte Innere Medizin/Angiologie) in Schopfheim empfahl eine Linksherzkatheter-Untersuchung und Röntgenkontrastuntersuchung am Herzzentrum in Bad Krozingen. Ich war sofort einverstanden, wollte endlich wissen, woher die Schmerzen kamen. Ich erhielt in wenigen Tagen einen Termin.

Die Untersuchung ergab, dass etliche Herzkranzgefässe verengt waren. Stents kamen nicht in Frage, sondern nur eine Bypass-OP (Bypass = englisches Wort für Umleitung). Zunächst hoffte ich auf Stents und dann wäre ich schon nach 2 Tagen in die Reha gekommen. Falsch gedacht. Kaum stand das Ergebnis fest, wurde ich dann nach einer Aufklärung und Einwilligung noch am selben Tag operiert. Das war der 02.07.2015 abends. Ich bekam noch mit, wie ein Assistenzarzt  mich rasierte, mit Desinfektionsmittel einrieb und noch andere Vorbereitungen zur OP einleitete. Dann wirkte die Narkose. Es machte sich Dunkelheit breit.

Wie ich später erfuhr, dauerte die OP (ich erhielt 3 Bypässe) ca. 5 Stunden. Sie soll nicht einfach gewesen sein. Die OP ist anspruchsvoll und eine „knifflige“ Arbeit für den Chirurgen. Er muss dabei eine Lupenbrille tragen.

Bei einem anderen Patienten dauerte die OP 8 Stunden. Es erfolgte eine Herzklappen-OP, Bypass-OP und die Beseitigung eines Aneurysmas.

Ich bewundere immer wieder eine solche Leistung der Chirurgen zum Wohle der Patienten. Das Geschick der Chirurgen und die moderne Operationstechnik haben schon viele Leben gerettet.

Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Intensivstation folgten 2 weitere Stationen (Beobachtungsstation, normale Station). Hier wurden wir von Schwestern und Pflegern rundum gehegt und gepflegt. Die täglichen Speisen wurden aufs Zimmer gebracht. In den Zimmern waren immer 2 Patienten untergebracht, die entweder eine Herzklappen- oder eine Bypass-OP hinter sich hatten. Zum Glück hatte ich angenehme Zeitgenossen.

Die Therapien und Untersuchungen waren bei den Frischoperierten sehr umfangreich. Es folgten eine Versorgung der 40 cm langen Wunde am linken Bein (hier wurde für die OP eine Vene entnommen), Blutuntersuchungen, EKG-Aufzeichnungen während der Nacht, Blutdruck- und Pulsmessungen mehrmals am Tag. Es wurden auch Röntgenuntersuchungen der Lunge und eine Herzsonographie durchgeführt. Diese waren nötig, um eine mögliche Wasseransammlung festzustellen. Täglich wurden die Patienten leicht gepiesackt, indem sie täglich eine Heparin-Spritze erhielten. Nötig waren die Medikamente, die wir schlucken mussten. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so viele mir einverleibt.

Störend waren die vielen Schläuche wie der Drainageschlauch, die Infusionszuleitung, 4 Elektroden für die EKG-Aufzeichnung und ein Katheter. Aber bald darauf wurden die meisten Zuleitungen entfernt. Der Wundheilungsprozess verlief sehr gut. Die Ärzte waren mit meinem Zustand sehr zufrieden.

Viele Freunde, Verwandte und Bekannte waren überrascht, dass es mich getroffen hatte. Waren sie doch überzeugt, der Bursche lebt gesund, macht Wanderungen, säuft und raucht nicht.

Bei mir liegt jedoch eine familiäre KHK-Belastung vor. So erhielt meine Schwester schon vor 15 Jahren 2 Stents, eine Tante musste sich einer Bypass-OP unterziehen. Auch meine Oma und Mutter hatten Herzprobleme.

Wie ich von einer Stationsärztin erfuhr, hatte die jüngste Bypass-Patientin ein Alter von 23 Jahren. Grund waren die Hypercholesterinämie und massive Gefässerkrankungen in der Familie, die auch bei der jungen Frau zu sehen waren.

Meine Erkenntnis: Es ist immer wichtig, dass man gesundheitliche Beschwerden ernst nehmen und von einem Arzt abklären lassen sollte. Ich schilderte zwar schon vor 2 Jahren meinem Hausarzt diese, dann folgten Belastungstests, die nichts Auffälliges ergaben. Ich nahm meine Beschwerden bei Wanderungen nicht so ernst, und dachte mir: wird wohl nicht so schlimm sein, das Druckgefühl und die Kurzatmigkeit verschwinden ja immer wieder. Ich hatte unwahrscheinliches Glück. Die Bypass-OP kam gerade noch rechtzeitig.

Nun ist etwas Schonung angesagt. Für die Ermittlung der maximalen Herzfrequenz kaufte ich mir eine Pulsuhr. Die Ausheilung des Brustbeins (bei der OP war eine Aufsägung notwendig)  erfolgt nach 2-3 Monaten. Erfreulich: Bei Änderung des Lebensstils ist die Lebenserwartung nicht reduziert.

Anmerkung: Im 2. Teil berichte ich über meine Rehabilitation in der Theresienklinik, Bad Krozingen.

 
 
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