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BLOG vom 25.03.2016


Lübecks Altstadtinsel und ein Rundgang mit Ganghäusern

Autor: Richard Gerd Bernardy, Dozent für Deutsch als Fremdsprache, Viersen/Deutschland


Wenn ich einen Stadtplan der Lübecker Altstadt sehe, fühle ich mich an das Bild einer Amöbe erinnert, eine ovale Form mit Wurzelfüsschen, die man auf dem Plan als Ausfallstrassen erkennen kann. Die Lübecker Altstadt ist nämlich rundum von Wasser umgeben. Im Westen ist es der Hansahafen, der Holstenhafen, die Stadt- oder Untertrave und die Obertrave, im Osten der Klughafen und die Kanal-Trave, zwischen dem Klughafen und der Kanal-Trave gibt es noch 2 Teiche, den Krähen- und den Mühlenteich. Parallel zu den westlichen Wasserstrassen gibt es noch den Stadtgraben und den Wallhafen. Man kann die Altstadt in einem gemütlichen Spaziergang in etwa einer Stunde umrunden, entweder auf den Strassen, die sich an die Gewässer schmiegen oder auf angelegten Fusswegen. Man könnte auch eine Altstadtrundfahrt mit dem Schiff unternehmen, das im Hafengebiet ankert.

Schon dieser Rundgang führt an einigen Sehenswürdigkeiten vorbei. Allen voran ist das bekannte Holstentor. Von 1958 bis 1991 war es auf der Rückseite des 50-DM-Scheins zu sehen, heute schmückt es die 2-Euro-Münze.

„Das Lübecker Holstentor ist wohl das bekannteste Stadttor in Deutschland. Es wurde 1464 und 1478 von dem Lübecker Ratsbaumeister Hinrich Helmstede bei einer Modernisierung der Befestigungsanlagen an der Traveseite erbaut. 30 Geschütze brachte man dort unter, aus denen jedoch nie ein Schuss abgefeuert wurde. Ursprünglich liess sich das Tor durch 2 Torflügel schliessen.
Mit seinen bis zu 3,50 m dicken Mauern steht das Tor auf einer 7 m hohen Aufschüttung. Während der Bauzeit sank der Südturm ab und das Tor neigte sich nach Westen. Beim Bau der oberen Geschosse versuchte man die Neigung auszugleichen. Im Laufe der Jahrhunderte gab der Boden immer mehr nach. Heute liegen die untersten Schiessscharten mehr als einen halben Meter unter der Erdoberfläche.“

 


 

Vom Holstentor aus gehe ich in Richtung Altstadt über die Brücke über die Unter-Trave und laufe nach Norden. Im Wasser sind einige alte Segelschiffe zu sehen. Ein paar Hundert Meter weiter komme ich an alte Lagerhallen vorbei, die heute für Veranstaltungen genutzt werden können. Bald sehe ich das hübsche Burgtor. Es ist im spätgotischen Stil 1444 erbaut worden und neben dem Holstentor das von 4 ursprünglichen Toren erhalten gebliebene. 1806 drangen napoleonische Truppen durch dieses Tor in die Stadt ein und ab 1811 bis 1813 gehörte die Stadt zu Frankreich.

Ich gehe den Fussweg weiter am Klughafen vorbei. Bei einem Blick in die Innenstadt kann ich den Turm der Katharinenkirche sehen, die einzig erhaltene Klosterkirche in Lübeck. Sie ist wegen Renovierungsarbeiten geschlossen, beherbergt aber sehenswerte Kunstwerke, u.a. auch von Ernst Barlach.

Kurz darauf zeigt sich der Turm der Aegidienkirche, nach ihr wurde das Viertel benannt und in der Nähe sieht man die Kunsthalle und das Museum St. Annen. Das spätgotische St. Annen-Kloster wurde schon 1532 von den Nonnen verlassen, später wurden die Räume als Armenhaus genutzt und sogar als Zuchthaus, wofür ein weiterer Flügel, das Spinnhaus, errichtet wurde. Heute wird es als Museum verwendet.

Der Dom zu Lübeck hat eine 800-jährige Geschichte, der erste große Backsteinbau wurde 1247 geweiht und hat die beeindruckende Länge von 130 m.

Der Rundgang um die Altstadt ist entspannend, aber verrät nicht die vielen anderen Sehenswürdigkeiten dieser wunderschönen Stadt. Wir wohnen für ein paar Tage in einem Ganghaus im Nordosten der Stadt. Die Ganghäuser sind gar nicht so leicht zu entdecken. Die meisten liegen an der Strasse, die Engelsgrube heisst. Wenn man an den Häusern dieser Strasse entlangläuft, entdeckt man schmale Durchgänge, eingebaut in der langen Front der Häuser. Die Durchgänge sind so schmal, dass oft nur eine Person hindurchgehen kann, für eine zweite daneben wäre kein Platz. Die Gänge sind ein paar Meter lang, so breit wie die Häuser und führen auf die Höfe. Dort sind weitere kleine Häuschen zu finden, manchmal ist noch Raum für einen kleinen Platz, manchmal ist nur ein schmaler Weg zwischen den Häusern.

Doch zunächst kurz zur Geschichte der Gänge, die im 14.Jahrhundert entstanden. Lübeck war zu der Zeit überfüllt. Nur die Menschen, die innerhalb der Stadtmauern wohnten, genossen den Schutz der Stadt. So besann man sich darauf, die zumeist langen Hinterhöfe der Stadthäuser mit kleinen einfachen Häusern zu bebauen und schuf Durchgänge. In den Gängen wohnte vor allem die einfache Bevölkerung wie Hafenarbeiten und Handwerker. Die Namensgebung der Gänge orientierte sich vorwiegend an der dort wohnenden Berufsgruppe. So gibt es den Nagelschmiedsgang, Bäcker- oder Brandweinbrennergang. Der Name Garbereitergang bezieht sich auf das gar-bereiten. Garbrater , also Köche, wurden gerade im Seefahrerviertel benötigt, um die Schiffsbesatzungen mit gegarten Fleisch zu versorgen, da lange Zeit auf den hölzernen Segelschiffen offenes Feuer verboten war.Der Zerrahnsgang, in dem das Blaue Haus liegt, ist wie auch einige andere Gänge, nach seinem früheren Besitzer, Herrn Zerrahn benannt. Von den einst 160 mittelalterlichen Wohngängen und Wohnhöfen bestehen heute noch knapp 100 auf der Lübecker  Altstadtinsel.“

 


 

Die Innenstadt mit dem Rathaus (gegenüber ist das berühmte Café Niederegger mit den Lübecker Marzipan-Spezialitäten zu finden) und der Markt, der durch das Rathaus und die St. Marienkirche begrenzt wird, sind weitere Sehenswürdigkeiten.

Die Hüx- und Fleischhauerstrasse beherben viele kleine Geschäfte, die Kunstgegenstände, alte Bücher und weitere Besonderheiten anbieten, die in den modernen Geschäftsstrassen (die es mit der Breite Str. und der Königsstrasse natürlich auch gibt) nicht zu finden sind.

Die Familie Mann, Mitglieder sind unter anderen Thomas und Heinrich, sind ebenso wie Günther Grass berühmte Schriftsteller dieser Stadt.

Ein Stadtteil ist Travemünde an der Ostsee. Wer ganz Lübeck erkunden will, benötigt schon einige Tage und kann immer wieder interessante Gegenden finden.

Ich meine, Lübeck ist eine der schönsten kleineren Städte in Deutschland, sehenswert wie Nürnberg, Freiburg im Breisgau, Tübingen, Rothenburg ob der Tauber, Weimar und Dresden, um nur einige Beispiele zu nennen!

Quellen:

https://de.wikipedia.org/Lübecker_Gänge_und_Höfe

 


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