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BLOG vom 06.06.2016


Durch das urwüchsige, wilde Murgtal

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Felsentunnel
 

Am 01.06.2016 wanderten wir von Hottingen ausgehend durch das wilde Murgtal, das wohl eines der schönsten Schluchtentäler des südlichen Schwarzwaldes ist.  Dieses Erosionstal kannten wir schon von früheren Wanderungen. Diesmal übernahm die Führung Wanderfreund Claus von Wehr. Wir wählten kurzfristig einen regenfreien Tag, fuhren zu siebt mit dem Pkw zur Ortschaft Murg am Rhein und von dort mit dem Bus innert 17 Minuten nach Hottingen auf dem Hotzenwald. Von dort aus stiegen wir in das Murgtal ein. Wir hatten eine Wegstrecke von 10 km vor uns. Er war leicht zu bewältigen, da es immer abwärts ging. Der feinschottrige und gut ausgeschilderte Weg führte uns an Abgründen, Wasserfällen und Felsen vorbei. Höhepunkt war die Durchquerung von 4 Felstunnels, die grob in den dunklen Fels gehauen wurden.

Der Weg ist für Wanderer und Radfahrer bestens geeignet, da er für Autos und Motorrädern gesperrt ist. Früher verkehrten hier Postkutschen und Pferdefuhrwerke, die sich mühsam den Weg hinauf in den Hotzenwald bahnten. Näheres darüber berichte ich später.

20 km, 55 Stationen
Wer den ganzen Murgtalweg von der Quelle der Murg bei Lochhäuser in einer Höhe  von etwa 1000 ü. M. bis zur Mündung in den Rhein am Ort Murg (300 m ü. M.) bewältigen möchte, der muss gut zu Fuss sein. Es sind nämlich 20 km zu absolvieren. Der Wanderer wird jedoch belohnt. Auf der gesamten Strecke sind 55 Stationen zu naturkundlichen, historischen und aktuellen Themen der Region eingerichtet. Besondere Themen befassen sich mit Wasser, Energie, Botanik, Geologie und Industriegeschichte.
Im Murgtal befanden sich Mühlen, eine wurde abgerissen, die Lochmühle steht noch. Diese Mühle  war seit dem 14. Jahrhundert die Getreidemühle der Burg Wieladingen. Teile des heutigen Gebäudes stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Das alte Wasserrad wurde wieder instand gesetzt und kann besichtigt werden.
Empfehlenswert ist ein Besuch des Energiemuseums Rickenbach. Es ist ein Museum zur Wasserkraftnutzung.

Aber wie schon erwähnt, begnügten wir uns mit der Teilstrecke von 10 km, die wohl  am schönsten ist.
An einer Station der Sinneswahrnehmung machten wir Pause und lauschten an 3 Trichter dem Rauschen, Murmeln und Glucksen der Murg. Man hört die Wassergeräusche, die weit entfernt an der Murg von einem ähnlichen Trichter aufgenommen werden. Am mittleren Trichter hörten wir ganz deutlich das Rauschen der Murg.

Steiler Aufstieg zur Burgruine
Den steilen Aufstieg über Treppen und Stege zur Burgruine Wieladingen hatten wird diesmal nicht im Sinn. Wir kannten diese Ruine schon von früheren Wanderungen. Die Burgruine mit dem 25 m hohen Bergfried steht in exklusiver Lage auf einem Gneisvorsprung oberhalb des Murgtals. Die Burg wurde erstmals um 1260 erwähnt. Sie gehörte zum Besitz des Klosters Säckingen. Ein Ritter namens Rudolf von Wieladingen, ein Ministeriale des Klosters, wohnte einige Zeit dort. Durch das Erdbeben 1356 wurde die Burg arg in Mitleidenschaft gezogen, sie wurde nur provisorisch wieder aufgebaut. Im Jahr 1400 gaben die Burgherren auf und verkauften das Anwesen an das Kloster Säckingen. Die Burg zerfiel zusehends. Erst im 20. Jahrhundert wird die Burg durch den örtlichen Förderkreis Burg Wieladingen e.V. restauriert und betreut.
Vom Bergfried aus hat man eine herrliche Aussicht über die Höhen des Schweizer Jura bis zu den Alpen.

 


Murg (mit Pestwurz)
 

Eldorado für Botaniker
Für Botaniker ist der Murgtalpfad ein Eldorado. Es ist eine Grundgebirgs- und Schluchtenflora. Am Bachlauf der Murg kann man die Rote Pestwurz (Petasites hybridus) und am Ufer und Wegesrand  diese folgenden Pflanzen sehen: Storchenschnabel , Eisenhut, Wasserdost, Mädesüss, Gebirgshahnenfuss, Ginster, Baldrian, Wald-Engelwurz. Im Frühjahr blühen hier die Frühlingsknotenblume, der Märzenbecher und der Bärlauch.
An den Felspartien entdeckte ich einige Farnarten. Die Felsen und Bäume in der Schlucht sind mit Moosen und teilweise mit Flechten bedeckt.
Auf einem Infoschild wurde auf die Flechten-Algen-Komposition in den badischen Landesfarben Gelb-Rot-Gelb hingewiesen. Ich beobachtete Flechten in diesen Farben. Besonders auffällig war eine gelbgefärbte Art, die ich nur an einer Felspartie entdecke. Es handelte sich um die Schwefelflechte.

Postkutschenfahrten gestern und heute
Die Murgtalstrasse wurde 1867 bis 1869 unter Bauanleitung von Robert Gerwig durch schwieriges Gelände ausgebaut. Vorher bestand keine durchgehende Verkehrsverbindung durch das Murgtal (genannt Elendslöchle oder Elendstal) auf den Hotzenwald. Von 1878 bis 1913 fuhr dann die Postkutsche täglich von Murg nach Herrischried (ab 1902 zweimal täglich) und zurück. Ende Mai 1913 wurde die Pferdekutsche durch die Kraftpost ersetzt. Die motorisierten Vehikel verkehrten auf dieser Strasse so lange bis zum Bau der Eggbergstrasse.
Auf Schautafeln am Wegesrand in der Schlucht konnte man sich einen guten Überblick über den mühsamen Ausbau und dem damaligen Postverkehr machen.

Der Behringer-Hof in Murg-Hänner bietet historische Kutschfahrten und Planwagenfahrten für Firmenausflüge und Kindergeburtstage an. Unter www.murgtal-fahrten.de findet man  im Logo des Hofes den folgenden Spruch: „Erleben Sie wie der Hufschlag den Herzschlag verändert und die Seele baumeln lässt.“ Bei der historischen Postkutschenfahrt kommt die 1865 erbaute Postkutsche zum Einsatz.

Zurück zur Wanderung: Nach etwa 3 Stunden erreichten wir wieder unseren Ausgangspunkt am Bahnhof Murg. Das letzte Stück mussten wir auf geteerten Wegen bewältigen, das spürten wir dann doch an unseren altgedienten Knochen.
Noch eine schöne Besonderheit: Unterhalb der Autobahnbrücke, die zukünftig alle Autos um Murg herumführt, sahen wir ein grosses Feld mit Mohnblumen. Ein herrlicher Anblick.

Internet
www.energiemuseum-rickenbach.de
www.murgtalpfad.de
www.burgruine-wieladingen.de

 

Literatur
Döbele, Leopold: „Der Hotzenwald“ (Natur und Kultur einer Landschaft), Verlag Rombach, Freiburg 1968.
Kroell, Roland: „Südschwarzwald, Kaiserstuhl“, Verlag Moritz Schauenburg, Lahr 1997.
Pohle, Karl-Heinz: „Hotzenwald“,  Verlag Rombach, Freiburg 1988.

 


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