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BLOG vom 17.04.2017


Knöpflesbrunnen: Warum wurden Weidbuchen gefällt?

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D

 


Weidbuchenplatz mit abgeholzten Bäumen
 

Wanderfreunde und Bekannte, die kürzlich am „Almgasthaus Knöpflesbrunnen“ waren, mokierten sich über die Baumfällaktionen von 4 Weidbuchen an einem Rastplatz. „War dies nötig?“ „Wurden gesunde Bäume ohne Grund rigoros gefällt?“  „Es ist völlig unverständlich, dass Hand an die wenigen, für das extensive Weidegebiet (Allmend) des Südschwarzwaldes so charakteristischen Weidbuchengruppen gelegt werden kann.“ Diese oder ähnliche Aussagen drangen an mein Ohr. Als Naturfreund konnte ich die Fällaktionen zunächst nicht glauben. Ich dachte mir noch, vielleicht sind die Bäume aus Sicherheitsgründen gefällt worden und nicht aus Willkür. Am 09.04.2017 fuhr ich mit Wanderfreund Karl Heinz dorthin, um mir ein Bild von dieser Abholzung zu machen. Es wird auch geklärt,  warum die Bäume gefällt wurden.

Zunächst fuhren wir über Schönau und Utzenfeld bis Königshütte, dann ging es auf einer staubigen, nicht geteerten Strasse immer bergauf bis zu einem Parkplatz unterhalb des Almgasthauses, das sich am gleichnamigen Berg Knöpflesbrunnen (1124 m ü. M.) befindet.
Dann wanderten wir am Gasthaus vorbei bis zu einer Verebung. Auf der ebenen Fläche mit einer Feuerstelle, 2 Tischen und Bänken entdeckten wir einige Weidbuchen und die Überreste der gefällten 4 Weidbuchen. Es war für uns ein trauriger Anblick. Der Platz macht im Umkreis der Baumstümpfe keinen sauberen Eindruck.
An den Stämmen der noch stehenden Weidbuchen und an den Baumstümpfen entdeckte ich seltene Moose und mehrere Flechtenarten, wie die Lungenflechte (geschützt), die Bleiflechte, Hundsflechte, das Eichenmoos, graue und braune Blattflechten.

 


Baumstumpf (innen porös, Baum von innen abgestorben)
 

Ich fotografierte die Flechten, die übrigen Weidbuchen und die Baumstümpfe. Die Baumstümpfe machten auf mich einen gesunden Eindruck. Nur der Innenbereich war porös und von dunkler Farbe.

 


Prächtige Herbstfärbung von Weidbuchen (im Hintergrund wurden später Bäume gefällt)
 

Im Herbst waren wir schon einmal dort. Ich fotografierte die Weidbuchen mit der prächtigen Blattfärbung. Im Hintergrund waren die Bäume noch nicht gefällt. Ein herrlich schönes Bild (s. Foto).

Nach Inspizierung des Platzes wanderten wir in Richtung Tannenharzfelsen. Der steile Weg befindet sich rechts vom Almgasthof. Beim Aufstieg sahen wir 2 erhaltenswerte Weidbuchengruppen. Von hier oben und dann auch am Tannenharzfelsen hatten wir einen fantastischen Blick auf den Belchen und andere Schwarzwaldberge.

Waren die Bäume krank?
Als ich das Foto einem Holzspezialisten und Schreinermeister in Zürich vorlegte (Primo Lorenzetti), antwortete er mir spontan, dass die Fällung richtig war. Die Bäume waren krank. Er sah das an der Qualität des Marks in der Mitte der einzelnen verwachsenen Baumscheiben. „Solches Holz ist porös, von innen her abgestorben.“ Er sagte, das sei ein normales Absterben und nennt es „Werden und Vergehen“.

Kaum hatte ich diese Antwort, bekam ich noch eine E-Mail von der Forstverwaltung Todtnau. Der zuständige Förster äusserte, die Bäume wurden im Auftrag der Gemeinde Utzenfeld aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht gefällt. Die sogenannte Verkehrssicherungspflicht wird aus der allgemeinen Schadenersatzpflicht des § 823 Bürgerliches Gesetzbuch (BGB) abgeleitet.
„Von der Rechtsprechung wurde der Grundsatz entwickelt, dass derjenige, der in seinem Verantwortungsbereich (hier: Gemeinde Utzenfeld) eine Gefahrenquelle schafft oder unterhält (hier: Grillstelle unter Buchen), die nach Lage der Verhältnisse erforderlichen und zumutbaren Vorkehrungen treffen muss, um Schäden von anderen abzuwenden => vergleichsweise hohe Anforderungen bestehen im Bereich von Erholungseinrichtungen (z. B. Grillstelle).“

Die Bäume wurden als nicht mehr standsicher angesehen, zudem hatten die Bäume im Kronenbereich mehrere morsche bzw. bereits abgestorbene Äste. Es bestand also für Nutzer der Grillstelle ein erhebliches Risiko. „Insofern waren die Bäume sogenannte ‚Megagefahren’ im Sinne der aktuellen Rechtssprechung.“

Auf meine Frage hin, ob noch mehr Weidbuchen gefällt werden, antwortete mir die Forstverwaltung Todtnau: „Dem Vernehmen nach sind in dem von Ihnen bezeichneten Bereich bis auf weiteres keine weiteren Fällungen von Weidbuchen vorgesehen. Im Wald (hier Gemeindewald Utzenfeld) werden ehemalige Weidbuchen von uns im Rahmen des von der Gemeinde Utzenfeld beschlossenen Alt- und Totholzkonzepts i. d. R. als sogenannte Habitatbaumgruppen erhalten und bis zum natürlichen Zerfall belassen.“

Das ist gut so. Es wurde von Wanderfreunden zum Ausdruck gebracht, warum an unter so hohen alten Bäumen überhaupt ein Grill- oder Rastplatz eingerichtet wird. Persönlich finde ich jedoch solche Rastplätze schön und schattenspendend.

 

Internet
http://www.bund-rvso.de/weidbuchen.html (Infos über Weidbuchen)
http://www.geobotanik.uni-freiburg.de/Team-Ordner/tludemann/pdfsLudemann/LudemBetting2009 Infos über Jahresringzählung)

 


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