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BLOG vom 21.12.2018


Der Abessinienkrieg 1935 und "moderne" Pressetricks

Wie Italien zu einer Flut "Freiwilligen" für Krieg 1935/36 in Afrika kam.


Werner Eisenkopf, Runkel/D.

Es gibt Dinge, die scheinen so modern und zeitgemäss für 2018 zu sein, sind aber tatsächlich schon so ähnlich vor 100 Jahren oder 80 Jahren passiert. Nur stehen solche Dinge nicht unbedingt in offiziellen Geschichtswerken für Schulen. Manchmal auch deswegen, weil damals auch gewisse heiklere Vorgänge passiert aber nicht in Schulbüchern beschrieben sind, weil sie sich nicht unbedingt "sittenmässig" etwa für minderjährige Schüler eigenen würden.

Am 3. Oktober 1935 begann das faschistische Italien unter seinem Diktator Benito Mussolini, einen Feldzug, um mit Abessinien (heute Äthiopien) das damals neben Liberia in Westafrika, noch einzige freie und nichtkolonisierte Land Afrikas zu erobern. Der eigentliche Krieg, dauerte bis zum 9. Mai 1936 und es folge eine teilweise Besetzung Abessiniens, bis 1941. Dann wurde das Land wieder von britischen und abessinischen Truppen befreit.

In diesem Krieg, der faktisch ein italienischer Überfall war, setzte Italien nachweislich und belegt Giftgas (Senfgas) aus Flugzeugen, sowohl gegen abessinische Soldaten, als auch gegen die Zivilbevölkerung ein. In einem zufällig gesehenen Filmbeitrag in ARTE waren dazu sogar originale italienische Filmaufnahmen zu sehen, wie die Flugzeuge Beladen wurden, ihre Abwürfe hatten und wie die leeren Giftgasbehälter dann auf Müllhalden lagen. Doch auch dies ist jetzt mal nicht der eigentliche Grund für diesen Blog.

Anfang Oktober 1935, hatte Italien am Horn von Afrika, die grösste nichtafrikanische Streitmacht aufgestellt, die jemals auf diesem Kontinent zusammengekommen war. Das waren ca. 200 000 Soldaten und Schwarzhemden (ein italienisches Gegenstück zur deutschen SA in der Hitlerzeit). Darunter war ein ungewöhnlich hoher Anteil an "Freiwilligen" und dies ist auch der tiefere Sinn dieses Blogs.

Wie kam es nun, dass Italien derart viele "Freiwillige" scheinbar mühelos zusammenbekam? Das hatte neben verständlichen und auch anderswo gültigen Gründen, wie Aussicht auf schnellen Reichtum und Macht, bei nur erwartetem geringen Eingeborenenwiderstand. Die abessinischen Soldaten kämpften ja am manchen Orten dort teilweise mit Speeren gegen italienische kleine Panzer und Maschinengewehre, sowie deren moderne Luftwaffe. Tatsächlich aber konnten die Italiener auch nach dem Ende des eigentlichen Krieges, ganze Gebirgsregionen gar nicht erobern und besetzen und es gab dort bis 1941 auch überall bewaffneten Widerstand der abessinischen Bevölkerung. Dann wurden die Italiener dort von britischen und abessinischen Truppen besiegt und interniert.

Die wirklichen Gründe für den hohen Anteil an "Freiwilligen" wurden schon rechtzeitig vorher gelegt, nämlich mit der damals auch ähnlich wie in Deutschland, im Sinne der Faschisten faktisch gleichgeschalteten italienischen Presse. Da kamen plötzlich dezente oder weniger dezente Artikel auf, oft mit aus "sittlichen" Gründen, gerade noch in der Zeitung abdruckbaren Bildern mit "untextilierten abessinischen Frauen" garniert, wonach die "Frauen in Abessinien" irgendwie "besonders gut im Bett" sein mussten und zudem "ganz besonders zuwendungsfreudig" (oder in anderer Wortwahl - aber immer Unmissverständlich!) zu ITALIENISCHEN Männern wären. Dort wäre demnach der "italienische Mann" noch ein "wahrer Mann" und hätte immer eine riesige Auswahl aus den schönsten abessinischen Frauen. Das war zwar in der Sache selbst mehrfach gelogen, doch wer sollte daran in Italien zweifeln, wenn alle Zeitungen dazu dasselbe schrieben? "Es stand in der Zeitung, also stimmt es wohl," galt damals ja noch viel mehr als heute.

Tatsächlich aber war dies alles ganz genau "von Oben" geplant und getimt. Von hochintelligenten Leuten in staatlichen und militärischen Führungspositionen. Leuten die genau wussten, ab wann Männer nicht mehr mit dem Hirn, oben drin im Kopf denken, sondern eher nur noch mit ihrem "Elften Finger" etwas weiter unten ...

Da lasen also Hunderttausende von Männern mit nicht unbedingt völlig befriedigtem eigenen Sexualleben, diese märchenhaft anmutenden und scheinbar so wahren Zeitungsartikel über Abessinien und den dortigen Frauen, mit derer angeblicher Sehnsucht nach italienischen Männern. Sicherlich träumten dann Viele die folgenden Wochen und Monate davon, einmal nach Abessinien reisen zu können. Gerade in den grossen italienischen Städten lebten damals viele Italiener getrennt von ihren Familien und Herkunftsorten, in Zimmern und Kleinstwohnungen, am aktuellen Arbeitsort. Dies alles dann meistens in eher einfachsten Wohnverhältnissen.

Eine gewisse Zeit verging natürlich nach den ersten Berichten und Bildern über die abessinischen Frauen in den italienischen Zeitungen aber der exakt getimte heimliche Zeitplan nahm seinen Lauf. Gerade als so mancher der von abessinischen Frauen träumenden Männer sich schon wieder damit abgefunden hatten, nie so eine tolle Abessinierin abzubekommen, kamen plötzlich ganz neue Berichte und Anzeigen mit Aufrufen des italienischen Militärs. Man suchte "Freiwillige" als Soldaten und Kolonialkräfte in Ostafrika. Eritrea und Somaliland. Diese Küstenstreifen des Gebiets unterhalb Abessinien am Roten Meer, waren ja schon seit 1890 besetzte Gebiete und damit italienische Kolonien.

Wer sich also "freiwillig" dafür zum italienischen Militär meldete, konnte somit dann tatsächlich nach einer Art Waffen-Grundausbildung, dann auf Staatskosten in das Land der "abessinischen Traumfrauen" reisen und so erwarten, seine erträumten Wünsche erfüllt zu bekommen. Nur so kam dann also im Jahre 1935 die grösste nichtafrikanische Streitmacht von ca. 200 000 italienischen Soldaten und Schwarzhemden zusammen. Darunter übrigens auch ein gewisser Anteil an eigentlich deutschsprachigen Südtirolern. Wegen des bergigen Landes in Abessinien, waren dort ja Gebirgstruppen für den Kampfeinsatz besonders interessant.

Dieser gezielte Anwerbeakt für Soldaten, mit Signalen an die unterschwelligen sexuellen Wünsche der Männer, war längst nicht der Einzige. Auch am Beginn des Vietnamkrieges, gab es ähnliche Lancierungen in US-Zeitungen, um genügend "Freiwillige" für den Einsatz in Vietnam zu gewinnen. Hier waren dann nur halt nicht "abessinische" Frauen die Verlockung, sondern diesmal die Asiatinnen, die Frauen in Vietnam, die jetzt angeblich eine ganz besondere Vorliebe für "westliche Männer" haben sollten. Wie alter Wein in neuen Schläuchen etwa ...

Auch in ganz anderen Dingen und Entscheidungen, spielten Gründe und Dinge des Sexuallebens eine grössere Rolle, als man je offiziell zugab. So war etwa die Dauer von Fronturlauben in den Weltkriegen, vorrangig von Überlegungen bestimmt, wie lange die Männer zu Hause bei ihren Frauen oder Bräuten sein mussten, damit sie diese mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schwängerten. Sowohl der deutsche Kaiser, als auch später der "Führer" brauchten ja ständig neue Soldaten und damit dringend Neugeburten. Diese neuen Soldaten konnten sie sich ja nicht selbst backen und damit mussten halt eben die Männer als Soldaten lang genug "fronturlauben" um wahrscheinlich dann den gewollten Nachwuchs, dabei hoffentlich gezeugt zu haben.

Wie sagte es mal ein Philosoph fast resignierend? Das menschliche Tun auf der Welt, dreht sich insgesamt eigentlich fast nur um drei grundsätzliche Dinge: Geld, Macht und Sex.

 

Direkter Kontakt zum Autor: fswemedien@aol.com


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