Textatelier
BLOG vom: 23.12.2019

ALTES FOTOGERÄT in modernstem Einsatz (Prolog)

Was sich Heute, mit Gerät von damals, an erstaunlichen Möglichkeiten ergibt.

von Werner Eisenkopf, Runkel/D.

 


 

Nach anderthalb Jahrhunderten "ANALOGER FOTOGRAFIE" mit darin weitgehender Perfektionierung aller Komponenten, hat sich fliessend um die Jahrtausendwende herum, allmählich ein totaler Wandel hin zur "ELEKTRONISCHEN" Fotografie ergeben. Einstmals Tausende an Franken oder DM kostende Kameras und Fotogeräte, liegen heute oft verstaubend in Schränken herum, während die aktuellen Fotos (und Videos) mit Handys gemacht werden. Allerbeste Geräte wurden und werden weggeworfen, billig verschleudert oder nicht mehr genutzt, weil man die heutigen Einsatz-Möglichkeiten nicht kennt und sich damit auch nicht befasst. Dies ist schade und daher soll hier im Textatelier.com, wenigstens ein bischen gegengesteuert werden. Somit also ein paar Hinweise und Tips zu sehen sein, was mit dem technisch wunderbaren "Altgerät" von damals, heute immer noch an wunderbaren Möglichkeiten ergibt. Manchmal auch noch dazu, was heute damit erst möglich ist. So können Geräte mit Altersunterschieden von sogar 50, 60 oder 70 Jahren, verblüffend gut miteinander verbunden und eingesetzt werden. Man muß es nur kennen und sich näher damit befassen.

Was man sich heute konkret dazukaufen müsste, hängt natürlich von der Erwartung ab und wieviel man damit nun machen möchte. Gemessen an den oft sehr aufwendig gerechneten und gebauten alten Spezialobjektiven der analogen Fotografie, wirken die kleinen Objektive von Handys, eigentlich eher wie "Glasscherben" auch wenn das nicht wirklich zutreffend ist. Gerade im extremen Makrobereich, bis hin zu den Anfängen von Mikrofotografie (faktisch Fotografieren mit Objektiven aus der Mikroskopie), können die Handy-Objektive ihre physikalischen Schwächen und Nachteile, nie mit der Software wirklich ausgleichen. Um also gewisse alte Objektive heute nutzen zu können, benötigt man am Besten eine SPIEGELLOSE SYSTEMKAMERA (engl. DSLM). Das ist ein Kameratyp, der wie eine Spiegelreflex-Kamera aufgebaut ist und ähnlich bedient wird, bei der aber kein realer Spiegelkasten mehr vorhanden ist. Vielmehr wird hier der weggefallene Spiegel, durch einen speziellen Sucher ersetzt. Dies ist nämlich überhaupt erst die Grundlage für ein "kleines Auflagemaß" ab "Filmebene" und damit der freien Einsetzbarkeit diverser alter und neuer Objektive und Adaphter, unanhängig von der Herstellermarke.

Bedingt durch die jahrzehntelange Nähe des Autors dieser Zeilen, mit Fotogerät von LEICA/LEITZ, werden die Tips und Beispiele hier auch an und mit einer LEICA SL (Typ 601) gezeigt. Es könnten aber genauso SPIEGELLOSE Systemkameras von anderen Herstellern (u.a. SONY, NIKON, CANON, FUJIFILM) benutzt werden. Unterschiede sind dann nur noch in den benötigten Adaphtern (u.a. von NOVOFLEX) und natürlich in den Details der jeweiligen Kamerabedienung zu berücksichtigen.

Die hier und in späteren Beiträgen kommenden Hinweise und Tips, sind zwar beschrieben auf Fotografie. Es ist jedoch mit solchen SPIEGELLOSEN Kameras grundsätzlich faktisch immer möglich, die Aufnahmen auch als Video zu filmen. Auch dazu werden gelegentlich konkrete Hinweise und Tips hier zu lesen und an Bildern zu sehen sein. Da sich aber gerade diese Technik faktisch unaufhörlich verändert und fortentwickelt, werden manche der beschriebenen Dinge, irgendwann technisch überholt wirken. Damit muß man aber nunmal einfach leben, weil man sonst gar nichts beschreiben und festhalten dürfte. Das jeweils am Beginn des Textes angegebene Schreibdatum, kann hier eine Art Zeithilfe sein.

 


 

Beginnen wir hier einmal locker mit einer Makrofotografie. Die übliche Streichholzgröße hat soweit jeder und jede, in der eigenen Vorstellung. Es sei nur einmal gestattet, anstatt meist üblichen Streichhölzern mit ROTER Zündbeschichtung, ausnahmsweise mal solche mit BLAUER Zündbeschichtung zu verwenden. Hier sehen wir mal zwei solcher blauer Zündhölzer, auf die Riffelung eines LEICA-Objektives aufgelegt und im warmen Zimmer-Adventslicht aufgenommen.

Selbst die kleine Standart-Zündholzschachtel links am Bildrand, wirkt ab einer bestimmten Vergrößerung schon etwas wie ein Kasten. Diese erste Übung soll aber darin bestehen, altes Makrogerät aus den Achtzigerjahren einzusetzen und einen Zündholzkopf damit möglichst formatfüllend zu fotografieren. Natürlich könnte das auch mit einem Blütenteil, einem Bauteil oder einem anderen winzigen Gegenstand erfolgen. Ein Zündholzkopf hat nur eben den Vorteil, daß fast jeder auch im Kopf weiß, wie die realen kleinen Maße dieses Motivs tatsächlich sind.

Während man früher bei der analogen Fotografie sehr genau messen oder schätzen mußte, mit welcher Lichtmenge man so ein Foto aufnimmt (Parameter: Filmempfindlichkeit + Verschlußzeit + Blende), ist das bei der elektronischen Fotografie ungleich einfacher und leichter geworden. Zudem kann man hier bereits im Sucher bei der Aufnahme, das erwartbare Ergebnis recht gut abschätzen, während früher zur Analogzeit oft erst nach der chemischen Filmentwicklung (Dia oder Negativ) geschaut werden konnte, wie gut oder schlecht das Ergebnis wurde. Auch erst in der Elektronischen Fotografie ist es nun möglich, Belichtungsfehler oder Farbstiche noch bei der Nacharbeit am Computer/Laptop nachzukorrigieren.

 


 

So haben wir also nun als erstes Ergebnis, diesen blauen Zündholzkopf in einer ungewohnten Größe fotografiert. Unübersehbar ist auch ein physikalischer Zwang, den wir leider nicht umgehen können. Nämlich die geringe Schärfentiefe bei so nahen Motiven. Diese bewegt sich hier wirklich nur im Millimeterbreich, auch wenn wir dafür "kleine" Blenden mit maximaler Schärfentiefe (z.B. Bl. 16, Bl. 22) benutzen.

Wenn man sich nochmal das erste Bild hier (Foto 1) anschaut, kann man die scheinbar wirr zusammengesteckte Fototechnik näher ansehen. Beginnen wir links oben. An der Aufschrift "LEICA" unübersehbar, ist da das hier recht "klobig" wirkende Kameragehäuse der LEICA-SL, gebaut im Jahr 2016. An deren Bajonett eingeklickt sieht man hier zwei originale LEICA-Ringe aneinander. Stattdessen könnte dort aber auch nur ein einzelner anderer Ring stecken, wie sie NOVOFLEX als auch LEICA selbst herstellen. Diese Doppelkombination oder ersatzweise ein passender Einzelring, verbindet das spezielle Bajonett der LEICA-SL (mitsamt elektronischer Datenübertragung) mit dem analogen alten LEICA-R - Bajonett (aus den Siebzigerjahren) des alten Balgengeräts von NOVOFLEX, gebaut 1984. Balgengeräte, die aussehen wie eine winzige Ziehharmonika, sind dafür gedacht, den Abstand des Fotoobjektivs von der "Filmebene" der Kamera, möglichst weit zu entfernen. Je weiter weg, desto grösser die Vergrösserungswirkung. Auf der anderen Seite des Balgengeräts, ist ein originales Makroobjektiv von LEITZ aufgesteckt, gebaut 1979. Es hat das alte analoge Leitz/Leica-R - Bajonett. Es sind also hier Geräte völlig funktionierend miteinander verbunden, deren Alter und Bauzeit, mehr als 37 Jahre auseinanderliegt! Wenn man sich damit auskennt, hat man somit ungemein viele Möglichkeiten. In späteren Beiträgen wird da noch so Manches bis in Details, dazu näher erklärt werden.

Um das Ganze für jetzt erst einmal vorläufig abzuschliessen, gehen wir mal zu einem ganz anderen Bild-Motiv über, was zumindest nicht so alltäglich ist, wie "Selfies vor dem Matterhorn" oder so. In Nord-Holland trennt der Abschlußdeich das IJsselmeer von der Nordsee. Über den Deich führt eine ausgebaute Straße und diese hat auch Parkmöglichkeiten. An so einem der Parkplätze dort entstand das Bild mit den vielen Eiszapfen, kurz nach einem Wintersturm.

Noch ein Hinweis. "IJsselmeer" mit BEIDEN ersten Buchstaben in Grossschrift, ist KEIN Schreibfehler. Es ist vielmehr die korrekte niederländische Schreibweise. Das "IJ" ist im Niederländischen eine Ligatur, weshalb auch das J als Majuskel geschrieben wird.

 


 

Direkter Kontakt zum Autor: fswemedien@aol.com

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