Textatelier
BLOG vom: 01.06.2022

Blütenreiche Wiesen mit Teufelskralle und Klappertopf

Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim

 


Prächtige Blumenwiese
 

Am Freitag, den 27. Mai 2022 plante unser Wanderführer Toni von Lörrach eine Wanderung in der Nähe des Wiedener Ecks. Das Wiedener Eck ist ein 1035 m ü. M. hoher Passübergang zwischen Staufen im Breisgau und Utzenfeld im Südschwarzwald und damit zwischen der Oberrheinischen Tiefebene und dem Wiesental.

Infos über das Wiedener Eck: https://de.wikipedia.org/wiki/Wiedener_Eck

Vom „Berghotel Wiedener Eck“ aus ging es auf dem Westweg durch einen Wald, und später an saftigen Weiden und Weidenhängen vorbei in höhere Lagen. Leider wurde der Weg etwas beschwerlich, weil durch die Viehwirtschaft die Weiden mit Elektrozäunen versehen waren. Die Wege waren schmal und steinig. Talwärts waren etliche Bauernhöfe zu sehen und auf den Weiden grasten Rindviecher, einige lagen faul in der Sonne auf dem Grünen.  Im Gegensatz zu den Rindviechern konnten wir auf einer Anhöhe prächtige Blicke in den Schwarzwald und in das Wiedener Talg geniessen.

Während unserer Wanderung kam keiner kam ins Schwitzen, denn hier oben pfiff uns ein kühler Wind uns entgegen. Die geschätzte Temperatur war wohl unter 15 °C.

Beeindruckend waren auch die vielen Weidbuchen und die herrlichen Blütenwiesen links und rechts des Weges. Solche Wiesen sieht man immer weniger in unserem Land. Woran das liegt, wird später erläutert.

 


Klappertopf
 

Teufelskralle und Klappertopf
Vorrangig werde ich die Pflanzen erwähnen, die in unser Blickfeld kamen. So gab es reichlich den gelb blühenden Wiesen-Bocksbart, die Rote Lichtnelke, den Sauerampfer, den Ehrenpreis, den Hahnenfuß und den Rotklee (Wiesenklee). Der eiweissreiche Rotklee wird gerne von den Weidetieren verspeist. Der Hahnenfuß dagegen nicht. Er wird wegen des scharf schmeckenden Giftes Protoanemonin von Kühen verschmäht. In einem Areal mit Blütenpflanzen entdeckten wir auch die Ährige Teufelskralle (Ährige Rapunzel). Der Name bezieht sich auf die gebogenen Blütenknospen. Dann sahen wir gelbe Blüten, die in Blattachseln hervorlugten. Da uns der Name nicht gleich einfiel, benutzte ich die Pflanzenbestimmungs-App „PlantNet“. Als ich ein Foto einscannte, kam gleich die Identifizierung. Es war der Zottige Klappertopf. Der Name bezieht sich auf die dürren Kapseln, in denen die Samen im Wind klappern. Das Kraut und der Samen enthalten das giftige Aucubin, das besonders für Insekten giftig sein soll. Es waren nur einige Areale mit dieser Pflanze zu beobachten.

Ziel unserer Tour war eine Schutzhütte (1200 m ü. M.), die wir „Ameisenhütte“ nannten. Der Name kam zustande, weil sich am Eingang ein grosser Ameisenhaufen befand. Die Ameisen wuselten am Haufen herum, störten uns jedoch nicht beim Sitzen und bei der Schnapsprobe.

Auf demselben Weg ging es wieder zurück. Auf dem Rückweg entdeckte ein Wanderfreund in einer Wiese eine Orchidee. Es dürfte sich wohl um eine Knabenkrautart gehandelt haben. Wir erreichten nach etwa 2,5 Stunden wieder unsren Ausgangspunkt.

 


Blumenwiese mit Teufelskralle
 

Anhang: Ursachen des Rückgangs
Hauptursachen des Rückgangs von Tieren, Insekten und Blüten sind laut Experten der Klimawandel und die damit verbundenen langen Dürresommer und Hitze sowie die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und der damit verbundene Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln.  Auch der Lebensraum der Tiere wird immer kleiner. Viele Flächen werden zugebaut, Wiesen trockengelegt und es erfolgt eine artenarme Aussaat.  Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) empfiehlt dies: „Nicht alle Flächen gleichzeitig mähen! Örtliche und zeitliche Varianz sind wichtig, um nicht auf einen Schlag den ganzen Lebensraum von Faltern und Raupen zu zerstören.“ Wer zu viel und zu häufig mäht, verhindert nicht nur eine prächtige Blütenbildung, sondern auch eine Reifung und Bildung von Samen. Was besonders fatal ist, dass beim Ausbleiben der Blumenwiesen auch bestimmte Vögel und Insekten verschwinden. Genannt seien die Wiesenbrüter Lerche, Kiebitz, Rebhuhn und Bekassine, Hautflügler und Schmetterlinge.

Auch in unseren Gärten sollte man sich für Insektenfreundliche Blütenpflanzen entscheiden. Infos, wie man eine blütenreiche Ökowiese anlegt, bekommt man unter www.fibl.org (Beratung: Veronique Chevillat) und unter www.bioaktuell.ch

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