Textatelier
BLOG vom: 29.05.2024

Schwarzblauer Ölkäfer oder Maiwurm

Ein Kuckuck im Bienenstock

Autorin: Elisabeth Faber, Freiburg im Breisgau

 


Schwarzblauer Ölkäfer (Foto: Elisabeth Faber)
 

Die Schwarzblauen Ölkäfer (Meloe proscarabaeus) werden 1 bis 3,5 cm lang. Das Männchen ist bedeutend kleiner als das Weibchen und erreicht eine Länge von wenig mehr als 1 cm. Der Chitin-Panzer glänzt am gesamten Körper schwarzblau.

Maiwurm heißt der Käfer wegen seiner wurmförmigen Gestalt und der Jahreszeit, in der man ihn zu Gesicht bekommt.

Der Name Ölkäfer bezieht sich auf die Fähigkeit, eine gelbliche (giftige) Flüssigkeit aus Poren an den Beingelenken austreten lassen. Sie erinnert stark an Öltröpfchen und gab den Käfern ihren Namen.

Maiwürmer können nicht fliegen

Die große Überproduktion von Eiern – 2000 bis 4000 – ist bei den Ölkäfern notwendig, da die hoch spezialisierte Lebensweise es nur wenigen Larven dieser Insekten überhaupt ermöglicht, sich zum erwachsenen Käfer zu entwickeln. Experten schätzen, dass nur aus jeder tausendsten Larve ein Ölkäfer wird. Die Eier werden in kleinen Häufchen in der Erde vergraben und verbleiben zunächst fast ein Jahr im Boden. Erst im folgenden Jahr schlüpfen die Larven und klettern auf die Blüten von Pflanzen, um sich an Bienen oder anderen Blütenbesuchern festzuklammern. Findet die Larve einen passenden Wirt (z.B. Wildbienen), wird sie in dessen Nest mitgeschleppt. Dort frisst sie Eier oder Larven des Wirtes. Allmählich verwandelt sich die Larve in eine Made und ernährt sich vom Honig. Die Verpuppung verläuft im Boden.

Die Entwicklungszeit vom Ei bis zum fertigen Insekt dauert zwei Jahre, die Lebensdauer der erwachsenen Tiere beträgt etwa einen Monat.

Die komplizierte Entwicklung ist nicht die einzige Besonderheit am Schwarzblauen Ölkäfer. Er produziert auch ein Sekret, welches das starke Reizgift Cantharidin enthält. Bei Gefahr kann der Ölkäfer es durch Poren in den Kniekehlen pressen. Das Gift, ölglänzende Tröpfchen, soll vor natürlichen Feinden wie Laufkäfer schützen. Erstaunlicherweise sind einige Fressfeinde wie Igel oder Vögel gegen das Cantharidin immun. Auf Menschen wirkt es jedoch schon in kleinen Dosen stark giftig und erzeugt unter anderem Blasen auf der Haut. Dass ein verzehrter Käfer zum Tode führt, machten sich zum Beispiel die antiken Griechen für Hinrichtungen zu Nutze.

Der Ölkäfer bevorzugt wärmebegünstigte Standorte mit sandigen und offenen Bereichen. Die Käfer kommen beispielsweise in Heidegebieten, Trockenrasen, Streuobstwiesen, Waldränder und Lichtungen vor.

In Deutschland sind die Schwarzblauen Ölkäfer auf der Roten Liste der gefährdeten Arten als gefährdet eingestuft.

Der Schwarzblaue Ölkäfer ist Insekt des Jahres 2020.

 


 

Literatur und Internet

Dr. Helgard Reichholf-RiemInsekten: Insekten, Mosaik-Verlag München
Heiko Bellmann: Welches Insekt ist das? Kosmos-Naturführer
https://www.aktiontier.org/artikel/der-maiwurminsekt-des-jahres-2020
https://www.naturspektrum.de/db/m_spezies.php?art=meloe_proscarabaeus
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzblauer_%C3%96lk%C3%A4fer
https://schleswig-holstein.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/kaefer/27317.html

 

Hinweis auf weitere Blogs von Faber Elisabeth
Schwarzblauer Ölkäfer oder Maiwurm
Marienkäfer als Mittel gegen Läuse
Der Kleiber – ein Hausbesetzer
Der Star in der Welt der Singvögel
Szenen aus dem Spatzenleben
Flatternde Farbenpracht
Erdmännchen wachsam und gesellig
Libellen – Die Kunst der Flugtechnik
Sumpf-Herzblatt, Lotusblume und ein fliegender Storch
Das Freiburger Münster aus meiner Sicht
Wunderschöne Aufnahmen von Pflanzen bei Frost
Tierbilder 2020: Ein durstiges Eichhörnchen, bedrohter Spatz
Wenn der Frost Pflanzen zauberhaft verwandelt
Elisabeth Faber: Einige schöne Tierbilder