Textatelier
BLOG vom: 01.05.2005

P(r)ost festum: Rückblick auf die Textatelier-Vernissage

Autor: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com)

 

Das Publikum, unter anderem aus Boston USA, Schopfheim D, Zürich, Volketswil, Liestal, Pieterlen, Bolligen, dem Berner Oberland, aus dem Raume Bözberg West (unter der Oberleitung von alt Grossrat Peter Bircher, Wölflinswil, übrigens), Rothrist, Reinach AG, Seon, Aarau (Elsi und Hannes Taugwalder), Küttigen, Baden angereist, und sogar etwelche Bibersteiner wie der pflichtbewusste, viel beschäftigte Kulturminister im einheimischen Gemeinderat, René Bircher, waren da. Besonders gut war der Rebweg, an dem wir wohnen, vertreten (mit unseren Nachbarn Liselotte und Bernhard Frey sowie Silvia und Robert Jäger), Menschen mit vielseitigen Kenntnissen und Neigungen. Eine junge, gebildete Bibersteinerin mit kritischem, weltoffenem Geist, Andrea Zemp, kam zur Vernissage, weil sie sich mit dem Thema Globalisierung befasst ( Heinz Scholz : „Ich habe noch selten eine so freundliche, interessierte Person gesehen“). Praktisch dasselbe ist über Beat Jenni zu sagen, mit dem ich früher einige Busfahrten von Biberstein nach Aarau bei anregenden Diskussionen verbringen konnte – er war jeweils schon am frühen Morgen gut gelaunt und zu geistigen Kapriolen bereit.

 

Viele Teilnehmer habe ich bereits in der Vorschau (Blog vom 29. April 2005) erwähnt; die hier Genannten stehen stellvertretend für alle anderen. Es gibt keine Wertungen – jeder Gast hat den gleichen Stellenwert, auch die beiden jungen, behinderten Schlossbewohner, die von den Harfenklängen, die Eliane Zweifel hinzauberte, magisch angezogen waren und am liebsten zwischen die Saiten des königlichen Instruments gekrochen wären – diesen wohltuenden Tönen konnte sich auch sonst niemand entziehen. Der Dorfbach, der so genannte „Brusch“, spielte sanft mit, besonders als „La source“ (die Quelle, der Ursprung) modulationsreich intoniert wurde. Das geschah unter der riesigen Platane im Schlosshof, der ideale Versammlungsort und – laut Primo Lorenzetti – ein „Ort des Friedens“. Er spürte das sogleich.

 

Das Publikum verstand und unterhielt sich so gut, dass es eigentlich gar kein Programm gebraucht hätte.

 

Heiner Keller, der Festredner, der als begnadetes Improvisationstalent erstmals in seinem Leben mit einem Manuskript auftrat (wir werden dessen Inhalt demnächst im Textatelier verbreiten): Fulminant wie immer, mit grosser Lust am Fabulieren, keine Berührungsängste zu spasshaften Übertreibungen, wenns der Pointe, der Aussagekraft nützt, und gewohnt, vor einem grossen Publikum zu sprechen, mitreissend, engagiert, ein wandelndes Lexikon, das mit Pfeffer gewürzt ist. Sprühend.

 

Fernand „Sepp“ Rausser, Mitautor des eingeweihten Buchs „Kontrapunkte zur Einheitswelt“ – er schuf die Cartoons: Seine Ansprache war ein Konzentrat aus Reife im Zeichen des Geistvollen und aus Originalität. Sie stand im Zeichen des Liebenswürdigen, Menschlichen. Rausser ist ein Meister seiner mehreren Fächer (Fotografie, Zeichenkunst, Schriftstellerei), der nur eines (einen) verkennt: sich selber. Es ist unmöglich, von Sepp als Person und seinen Werken nicht fasziniert zu sein.

 

Heinz Scholz : Ein Wissenschaftsautor, bestehend aus deutscher Gründlichkeit, übergreifendem Fachwissen, das ständig gemehrt wird, ein Sammler, Kombinierer, ein Mensch voller Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit, die personifizierte Zuverlässigkeit und mit der Aura aus menschlicher Wärme. Und ein Verkaufsgenie. Der Buchhandel lief zum Erstaunen aller ausserordentlich gut; es wurden auch die zauberhaften Wegwarte-Bändchen und Scholz’ Werk „Arnika und Frauenwohl“ angeboten und üppig verkauft.

 

Die dazu gehörigen Damen sind immer inbegriffen: Elli Filli, Ursula Rausser-von Allmen, Paula Scholz − die erwähnten Eigenschaften brächte ein Mann allein nie zustande. Meine eigene Ehefrau Eva möchte ich davon nicht ausnehmen.

 

Das R im Prost festum bezieht sich insbesondere auf den vergorenen Apfelsaft aus alten Sorten, der neben Süssmost über Heiner Kellers www.moscht.org den Weg nach Biberstein gefunden und die Stimmung aufgehellt hätte, wenn das überhaupt noch nötig gewesen wäre.

 

Gegen Mitternacht überliessen wir die burgähnliche Anlage in Biberstein dem Schlossgeist. Er liess das Ghostwriten, um sich am Nachklang eines harmonischen Abends gründlich genug erlaben zu können.

 

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