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BLOG vom 07.05.2005


Massenkultur: Ist die Kunst auf dem Abstellgeleise?

Autor: Emil Baschnonga

Die Welt, scheint es, feiert die Zerstörer und nicht die Erbauer. Diesen losen und weit gefassten Satz möchte ich am Zipfel fassen und auf das Thema Kunst umspulen. Hier einige kunterbunte Brosamen zur Rückbesinnung.

Vernissagen junger Künstler sind an die Wand gedrückt, es sei denn, es gehe um Sensationshascherei mit finanzieller Rückendeckung, etwa von Charles Saatchi.

Das „Saubett“ der Tracey Emin wurde als originell und aussagekräftig von so genannten Kunstkennern gepriesen. Ihr letzter Beitrag „A bird on a stick“, in Merseyside errichtet – der Unfug kostete der BBC £ 59 950 −, kam weniger gut an, wie Zuschriften zur „Art05“ – www.bbc.co.uk − bezeugen. Davon 2 Zuschriften, denen ich mich anschliesse:

 

“An absolute waste of money, some people have style some have taste − she and her 'bird' have neither.”

 

“How? What? Why? I’m gobsmacked. There is only one word to describe this piece of so called ‘ART’. Awful.”

 

Ich weiss, in der Kunst gehen die Meinungen auseinander. So soll es ja auch sein. Emin zerstört jedoch den Geschmack wie Fertiggerichte die gesunde Hausmannskost.

Ich weiss, in der Kunst gehen die Meinungen auseinander. So soll es ja auch sein. zerstört jedoch den Geschmack wie Fertiggerichte die gesunde Hausmannskost.

Es braucht den Tod eines Künstlers, damit er wieder einmal – vielleicht das letzte Mal – öffentlich gewürdigt wird. Paolozzi, der so genannte Vater von Pop Art, starb am 22. April 2005. Der Nachruf lag schon druckreif in der Schublade und erschien prompt anderntags in der Zeitung „Daily Telegraph“. Paolozzi hat einst bemerkt: „Our culture decides, quite arbitrarily, what is waste and rubbish.” Aus Schrott und anderen Abfällen stückelte er viele seiner Werke zusammen.

Wenn ich jeweils in Basel bin, bewundere ich immer wieder gerne das skurrile Brunnengeflecht von Alberto Giacometti, unweit des „Barfüssers“. Der sonderbare Brunnen lebt und macht Spass. Kunst braucht nicht tierisch ernst genommen oder beweihräuchert werden, sobald sie ein Jahrhundert überdauert hat.

Sind Dichterlesungen, ausser in allerkleinsten Liebhaberkreisen, ausgestorben? Charles Dickens ging auf Tournée in Amerika; Thomas Mann las ebenfalls gern aus seinen Werken vor.

Umsonst sucht man in den englischen Wahlmanifesten nach den Wörtern Kunst oder Kultur. Spielen diese Begriffe keine Rolle mehr in der Gesellschaft? Die Kunst hat sich ins Schneckengehäuse verkrochen. Im Fernsehen und in der Presse sind mit Kunst verbundene Inhalte rar geworden. Entweder kommen Kunstberichte kurz vor Mitternacht auf den Bildschirm oder sind meistens zeitlich arg befristet. Nicht so der Massensport, der sich stundenlang breit macht.

Der Kunstfeind Nummer 1 ist bekannt: Medien auf Massenfang aus! Massenkonsum triumphiert. Ich bin beinahe versucht, dafür wiederum die Amerikaner anzuklagen. Doch diese Massenbewegung ist weltweit und hat viele Wurzeln, die es zu untersuchen gälte.

Zum Glück lassen sich nicht alle über einen Leisten schlagen. Wie unsichtbare Raupen nähren sich die Erbauer und Erneuerer der Kunst an der Substanz – dem Lebensquell zur künstlerischen Daseinsfreude. Einige entpuppen sich zu herrlich bunten und gaukelnden Schmetterlingen. Das wenigstens ist mein Wunderglaube. Viva Amadeus!

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