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BLOG vom 27.05.2005


Reiseabenteuer dank abgelaufenem Schweizer Pass

Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London

Am Vorabend unserer Abreise nach Basel entdeckte meine Frau, dass mein Pass seit dem 8. März 2005 abgelaufen war. Ihr eigener war noch gültig. Die Flüge, unabänderbar, waren bereits gebucht, das Hotel ebenfalls. Die Schweizer Botschaft in London versicherte uns, dass auch ein abgelaufener Pass weiterhin gültig bleibe – bis auf 5 Jahre . . . 

Nun traute ich dieser Auskunft nicht so ganz. Im „City Airport“ suchte ich den von einer Inderin betreuten Schalter auf und liess meiner Frau den Vortritt. Zum Glück warf die Inderin nur einen flüchtigen Blick auf mein Foto auf der 3. Seite.

Nach der Landung im „grossartig“ genannten „Euroflughafen“ Basel war ich wieder besorgt. Würde der Zollbeamte gewissenhaft nach Schweizer Art im Pass nachschlagen und mich nicht in meine Heimat durchlassen? Nein, er winkte uns mit einer müden Handbewegung durch.

Als wir den Abflugschalter für die Rückreise betraten − vorsorglich hatte ich eine gute Stunde für alle Fälle zugegeben –, da entdeckte die pflichtbewusste Schalterbeamtin auf Anhieb, dass mein Pass nicht mehr gültig war. Meine Zusicherung, dass wir in London anstandslos durchgelassen wurden, beeindruckte sie keineswegs, auch nicht mein Hinweis, dass ich schliesslich in London meine Niederlassungsbewilligung habe. Sie rief eine Kollegin ins Feld.

Passlos stand ich da – eine ganze halbe Stunde lang. Wenn alles schief ging, sprach mir die Schalterbeamtin zu, könne ich den Pass hier im Flughafen für einen Monat verlängern lassen. Kostenpunkt: CHF 150.−. Nach Ablauf dieser Gnadenfrist kostet die Weiterverlängerung nochmals CHF 150.− . . . Endlich kam der gute Bescheid: Nach Telefonanruf bei der englischen Zollbehörde erhielt ich grünes Licht. „Wir dürfen niemand ohne gültigen Pass durchlassen, sonst kriegt die Fluggesellschaft eine Busse“, erfuhr ich zum Abschluss nebenbei.

Schengen-Abkommen hin oder her: Ein Mensch ohne gültigen Pass ist verloren, sozusagen staatenlos. Das trifft wohl auch auf alle Nummern zu, die uns gegenüber Banken ausweisen, unsere Kreditkarten, die uns legitimieren. Es gibt bald nichts mehr, das wir ohne Nummern tun können. Jetzt werden alle unsere Ausweispapiere, Pass inbegriffen, mit ausgeklügelten Identitätsnachweisen bereichert, die zu beschreiben mir die Sprache vorenthält, da ich von gestern stamme und von Technologie wenig verstehe. Aus diesem Grund kenne ich meine Pin-Nummern nicht, schlimmer noch: ich will nichts von ihnen wissen. Meine Geschäfte wickle ich über Personen, nicht über Automaten ab. Leider ist solches Dienstpersonal am Aussterben, wie die vielen unbesetzten Schalter in Banken beweisen. Ein Dieb, der mich um diese Nummern mit dem Messer erpressen will, wird mir nicht glauben – und wer weiss – zustechen.

Nur eines habe ich mir gemerkt: das Passwort – damit ich an meine Schreibfläche gelange und dieses Blog als E-Mail abschicken kann. Die IT – worunter das Internet – hat es in sich und erleichtert mir die Arbeit gewaltig. Soll mir ja keiner den Strom abbinden oder eine Server-Panne bescheren! Und wenn alles schief geht, habe ich einen gewiegten IT-Spezialisten, der mir beispringt. Eben heute wieder wird er meinen alten ausgedienten und kürzlich verstorbenen Drucker ersetzen!

Mir geht mehr und mehr auf, wie wir Menschen zunehmend begrenzt, eingeengt und eingehegt werden in unserem Lebensablauf. Hartnäckig versuche ich weiterhin, meine kleinen Freiheiten zu einem grossen Bogen zu spannen, ehe ich als letzter Widerstandskämpfer von der Gene-Technologie entmündigt werde.

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