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BLOG vom 04.06.2005


Couchepin: Was heilt und wenig kostet, wird bekämpft

Autor: Walter Hess

Was wenig kostet und heilt, wird bekämpft, was sehr viel kostet, selten heilt und oft zu chronischen Schäden führt, wird anstandslos bezahlt. Der Schweizer Bundesrat Pascal Couchepin hat soeben verfügt, dass naturheilkundliche Anwendungen aus der obligatorischen Krankenversicherung gestrichen werden sollen.

Mit anderen Worten: Die Patienten müssen sich obligatorisch (gezwungenermassen) für schulmedizinische Behandlungen versichern lassen. Ich bezahle jeden Monat für meine Frau und mich einige hundert Franken, obschon wir uns standhaft weigern, uns mit synthetischen Medikamenten vergiften zu lassen. Wer eine auf die Ursachen bezogene Heilbehandlung nach traditioneller, bewährter Art erhalten will, muss eine entsprechende Zusatzversicherung abschliessen. Es wäre dementsprechend meines Erachtens sinnvoller, naturheilkundliche Behandlungen obligatorisch zu versichern und dafür schulmedizinische Symptombekämpfungen über freiwillige Zusatzversicherungen abzudecken. Das schwächer und immer kränklicher werdende Schweizervolk würde bei solchen Schwerpunktsverlagerungen gesundheitlich wieder aufblühen und könnte das Geld anders und sinnvoller einsetzen als für ständig steigende Krankenkassenprämien. Immerhin sollen demnächst angeblich auch psychiatrische Behandlungen auf ihren Nutzwert abgesucht werden. Man wird sehen.

Gewiss, es ist eine versicherungstechnische Frage, was über die Grundversicherung abgegolten werden soll und was nicht. Von einer unglaublichen Ignoranz jahrhundertelanger Erfahrungen zeugt aber Couchepins frei erfundener oder vielleicht aufgrund bestellter wissenschaftlicher Gutachten organisierter Vorwand, die naturheilkundlichen Therapien seien zu wenig wirksam und zu wenig wirtschaftlich. Die naturheilkundlichen Therapiekosten liegen in der Grundversicherung unter 1 Prozent, haben aber wirkliche Heilerfolge vorzuweisen.

Die Frage sei erlaubt, wie wirksam denn die nach eingeengten wissenschaftlichen Grundsätzen betriebene Schulmedizin sei. Kann sie wenigstens eine der Zivilisationskrankheiten heilen: Rheuma? Zuckerkrankheit? Herz-Kreislauf-Störungen? Allergien? Alzheimer Krankheit? Aids? Sogar die Antibiotika wurden durch eine missbräuchliche, exzessive Verschreibung heruntergewirtschaftet. Herr Couchepin sollte bitte verfügen, dass alle Behandlungsarten, die erwiesenermassen mehr schaden als heilen, radikal aus dem Grundversicherungskatalog gestrichen werden, wenn er der Feststellung, er sei am schulmedizinisch-pharmazeutischen Gängelband, aus dem Weg gehen will.

Von Couchepins Entscheid, der selbstverständlich vorauszusehen gewesen war, sind ärztliche Behandlungen in den Sparten Homöopathie, Neuraltherapie, anthroposophische Medizin, traditionelle chinesische Medizin und Phytotherapie (Pflanzenheilkunde) betroffen. Ausgenommen sind die Akupunktur sowie einige Therapien der Pflanzenheilkunde, welche in die Spezialitätenliste aufgenommen wurden. Auch laufende Therapien sollen noch unter Zahlungspflicht der Kassen fortgeführt werden dürfen. Wie trostreich!

Die gestrichenen Therapien erfassen den Menschen als ganzheitliches System innerhalb seiner Biosphäre, als ein energetisches Gefüge, wie das ausgeprägt bei der Traditionellen Chinesischen Medizin TCM der Fall ist. Sie zielt im Wesentlichen darauf ab, Energieblockaden zu lösen oder krankhafte Energien aus dem Körper herauszuleiten; denn erwiesenermassen ist alles Energie (selbst in Albert Einsteins Relativitätstheorie wird dies bestätigt). Die Neuraltherapie ihrerseits stellt das Nervensystem in den Vordergrund des Heilungsprozesses. Mit dem Setzen von gezielten Reizen werden die körpereigenen Abwehr- und Heilungsmechanismen aktiviert. Und die Anthroposophische Medizin schliesslich beruht auf den Lehren von Rudolf Steiner. Im Zentrum steht die Berücksichtigung des Zusammenhangs zwischen Umwelt, Leib, Seele und Geist. Die Behandlung von Krankheiten soll die ursprüngliche Harmonie zwischen diesen Faktoren wiederherstellen.

Die mechanistische Wissenschaft, die an isolierten Faktoren hängt und in unbeholfener Art die Krankheitssymptome zu unterdrücken versucht, die herausoperiert oder mit synthetischen Medikamenten die Menschen vergiftet oder mit Bestrahlungen schädigt, bekundet in der Regel kein Verständnis für Zusammenhänge. Die Ausnahmen sollen nicht unerwähnt bleiben: Viele Ärzte haben sich trotz der einseitigen wissenschaftlichen schulmedizinischen Ausbildung, wie sie die Universitäten anbieten, zur Naturheilkunde durchgerungen: In der Schweiz bieten heute immerhin rund 1800 der total 18 000 in eigener Praxis tätigen Ärzte komplementärmedizinische Heilmethoden an, also rund 10 Prozent, weil sie das Ungenügen bis Versagen der Schulmedizin erkannt haben. Zudem gibt es viele talentierte Naturheilärzte ohne Studium, die ihren Beruf aus Berufung ausüben, viel Einfühlungsvermögen und Sinn für Zusammenhänge bekunden.

Selbstverständlich gibt es überall Scharlatanerien, in der Schulmedizin ebenso wie ausserhalb davon. Solche Fehlbehandlungen sind überall dort zu orten, wo ohne genügend übergreifendes Fachwissen isolierte Massnahmen getroffen werden, die Schaden stiften und Kosten verursachen und die Menschen in chronische Krankheiten treiben. Scharlatanerien sind sehr, sehr verbreitet, heute vor allem durch die Ausschaltung körpereigener Regulationsmechanismen durch Pillen aller Art. Die Patienten, die kein Wissen über gesundheitliche Abläufe haben und voller blinden Vertrauens zu „ihrem Arzt“ sind, werden so in eine medizinische Abhängigkeit gebracht und müssen es hinnehmen, dass über ihren Lebensstil und ihr Schicksal bis an ihr jämmerliches Lebensende vollständig verfügt wird. Sie bezahlen für ihre Naivität teuer.

Eine Heilbehandlung kann nur erfolgreich sein, wenn die krankmachenden Ursachen beseitigt und der Organismus durch eine gesundheitsstärkende Lebensführung zur Selbstheilung angeregt wird. Diese Philosophie liegt ausschliesslich der Naturheilkunde zugrunde.

Wenn Bundesrat Couchepin eine Ahnung davon hätte, dürfte er die vorliegenden Gutachten, die er für Millionenbeträge ausarbeiten liess, vollumfänglich veröffentlicht statt verheimlicht und vollkommen anders entschieden haben.

So aber unterstützt und fördert er den weiteren Gesundheitszerfall mit den entsprechenden Folgekosten. Wissenschaft und die einfältige Wissenschaftsgläubigkeit können schon wieder einen Sieg verbuchen.

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