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BLOG vom 07.06.2005


Reaktionen auf Blogs (11): Post auch von den Kokosinseln

Präsentation der Leserpost: Walter Hess

Das Blogatelier hat einen Forumscharakter, wobei die Stellungnahmen nicht sofort, sondern geordnet in unregelmässigen Perioden als Sammelmeldungen ins Netz gestellt werden. Das hat den Vorteil einer guten Übersichtlichkeit, und die Nutzer müssen nicht wieder bereits gelesene Blogs aufrufen, um nachzusehen, ob sich nun eine Diskussion ergeben hat.

Täglich (und nächtlich) treffen bei uns Ansichten über Gott und die Welt aus aller Welt ein, wie man so sagt, selbst von den einsamen Kokosinseln. Alle Reaktionen sind willkommen, und ihr Eingang wird den Nutzern bestätigt und verdankt. Ein Höhepunkt war die Zuschrift von Dr. Rainer Meyer aus CH-4127 Birsfelden:

„Ich verbringe nun schon einige Nächte mit Ihnen (hony soit, qui mal. . .) und bin schon überrascht, dass man neben lauterem Blöterliwasser in diesem Internet auch noch vernünftige Menschen findet. Daher meine Frage: Wer sind Sie? Welchen Bildungsgang haben Sie hinter sich? Welche Erfahrungen? Nicht, dass ich Noten verteilen wollte, sondern man kann sich ja bei diesem Medium nie sicher sein, wer da spricht. Ich jedenfalls habe Ihnen meine Adresse im Klartext mitgeteilt. Im Übrigen: Kompliment!“

Die Fragen habe ich selbstverständlich detailliert beantwortet, und dann traf von der Zwinglistrasse 29 in Birsfelden erfreulicherweise nochmals Post ein, diesmal speziell zum Blog „Die McDonaldisierung frisst Kulturen und Naturwerte auf“ (18. April 2005):

„Schon wieder melde ich mich zu nächtlicher Stunde − dank Jetlag.

Kommentar: Der erwähnte Artikel trifft gut, aber nur den Neuner, nicht den Apfel. Einige Fragen dazu: Richtige Analysen müssen richtige Strategien der Gegenwirkung in sich bergen. Ross und Reiter, und vor allem: wie sich diese im Sattel halten. Wie steht es damit bei Ihrer Analyse? Viele Weltreiche sind untergegangen; das amerikanische wird es ebenso − aber wie? Ich habe noch keine gelungene Auseinandersetzung über die GEMEINSAMEN Gründe des Niedergangs mesopotamischer, ägyptischer, griechischer, römischer oder germanischer Ansprüche gehört oder gelesen. Dennoch hat es sie gegeben, denn sonst würden in Kaiseraugst noch römische Colonen sitzen. Nur der Name bleibt. das sei zugestanden. Darf man sich zurücklehnen und denken: Euch wird schon noch der Himmel auf den Kopf fallen wie den anderen auch? Wer es dabei bewenden lässt, denkt einen Schritt zu kurz.

Deshalb die Frage: Wo ist im amerikanisch-jüdischen System die weiche Flanke? (Wenn Sie jetzt meinen, ich sei ein Antisemit − weit gefehlt − ich bewundere diese Menschen ob ihres Durchhaltewillens und ihrer Konsequenz). Woran also stirbt eine Weltmacht? Woran stirbt eine Zelle? Innere und äussere Fressfeinde. Innen − um es kurz zu machen: Neger und Latinos. Aussen: China und Indien.

Und nochmals innen: Lasst sie doch an ihren McDonald’s ersticken! Aber sie sind ja schon hier bei uns. Das ist das Problem. Die Franzosen haben das als Erste erkannt. Dafür sei ihnen Ehre. Ich jedenfalls mache mir morgen einen währschaften Schweinsbraten und hätte Sie gerne dazu eingeladen, sofern wir uns besser kennen würden. Jedenfalls freue ich mich auf Ihr Buch ‚Kontrapunkte zur Einheitswelt’.“

Soweit diese intelligente Zuschrift, in der meines Erachtens die Antworten, soweit man sie überhaupt geben kann, bereits enthalten sind. Es sind wahrhaftig weltbewegende Fragen. Gute Fragen sprechen für sich, haben ebenfalls eine Aussagekraft. Dass alle Weltreiche zum Untergang verurteilt sind, ist ein wirklicher Trost. In dieser schnelllebigen Zeit darf man mit beschleunigten Abläufen rechnen. Ich habe aus Ihren Ausführungen, Herr Dr. Meyer, gelernt, dass Zerfallserscheinungen auch ihr Gutes haben. Auch in der Natur dienen solche Umwandlungen nicht nur der Erneuerung, sondern sogar der Erhaltung des Systems.

Internationale und nationale Identitäten

Ein Aspekt der Weltuniformierung ist die EU, die nach den Ablehnungen der Verfassung durch Volksmehrheiten in Frankreich und den Niederlanden einen schweren Rückschlag erlitten hat. Emil Baschnonga aus London kennt die EU von innen, und er kommentierte unter der Überschrift: „EU aufgebläht und ohne Visionen: Rückschlag? Krise?“ (2. Juni 2005) mit kritischer Distanz. Lislott Pfaff dazu:

„Danke für die aufschlussreiche Stellungnahme eines Insiders! Mein Eindruck, dass in Brüssel ein aufgeblähter Wasserkopf residiert, der nicht weiss, was er will, wird durch die Ausführungen von Emil Baschnonga bestätigt. Bestätigt fühle ich mich auch als daheim lebende Schweizerin in meinem Nein zu ‚Schengen’, dem ‚ersten Schritt zur EU-Mitgliedschaft’, wie Bundesrätin Micheline Calmi-Rey sagte.“

Leider hat Frau Pfaffs (und mein) Nein zu den bilateralen Justiz- und Polizeiabkommen Schengen/Dublin (sie wurden am 5. Juni 2005 mit 54,6 % Ja angenommen) nichts gefruchtet. Ab Ende 2007 werden wir stärker in die EU eingebunden sein, falls am 25. September 2005 auch Ja zur Erweiterung des freien Personenverkehrs auf die neuen EU-Länder gesagt werden sollte. Nationale Identitäten werden aufgelöst – eine sportliche Sache. . . siehe gleich nachstehend!

Kurzlebig wie Weltreiche sind auch die Grossmächte des Sports, über die Lislott Pfaff treffend gebloggt hat: “Hopp Gigi Oeri! Der Fussball und die nationale Identität“ (23. Mai 2005). Heinz Scholz auf D-79650 aus Schopfheim antwortete:

„Es war ein Genuss Ihren Artikel über die Fussballwelt der Schweiz zu lesen. Auch in Deutschland haben die ‚Geldsäcke’ immer die Nase vorn. Dies ist beispielsweise der Fall mit dem FC Bayern München, der sich immer die teuersten Spieler leisten kann. Ich freue mich immer riesig, wenn ein kleiner, nicht so mit Geldscheinen gesegneter Verein (z. B. der SC Freiburg) einen Grossen zu schlagen in der Lage ist. Auch in den Amateurvereinen wird schon mit Geld um sich geworfen. Gute Spieler werden gnadenlos von kleineren Vereinen abgeworben bzw. ‚gekauft’. Auch hier regiert der Mammon. Wohin soll das alles noch führen?

In vielen Vereinen sind die Ausländer inzwischen in der Überzahl. Es ist doch ein Unding, wenn in einem deutschen Bundesligaverein nur noch ein Einheimischer, wie das zeitweise beim FC Bayern der Fall war und ist, mitkickt!“

Was soll und kann man denn noch essen?

Ernährungsfragen sind im Blogatelier an der Tagesordnung, wie das Essen es ja auch ist. Für uns arbeitet der ehemalige Lebensmittelchemiker Heinz Scholz mit, der kürzlich das Manuskript für sein Buch „Richtig gut einkaufen“, das in der Verlag Textatelier.com GmbH im Herbst 2005 erscheinen wird, abgeliefert hat. Er glossierte die Jesus-Diät nach US-Vorgaben (25. Mai 2005) und löste bei Lislott Pfaff Zustimmung aus, die sie mit einem ironisierenden Unterton hinterlegte:

„Eine herrliche Satire − danke, Heinz Scholz!

Ach, wie bin ich erleichtert, doch keine Schrotmühle kaufen zu müssen zur Zubereitung des morgendlichen und abendlichen Müeslis nach Johann Georg Schnitzer oder Max Bircher-Benner und keine tibetischen, chinesischen oder japanischen Spezialitäten in abgelegenen Reformhäusern kaufen zu müssen, um nach dem Kochbuch ‚Genuss ohne Reue − Iss dich gesund mit den fünf Elementen’ (das ich für CHF 49.− erstanden habe) kompliziert zu kochen und zu essen. Ich möchte zwar nicht abnehmen (eher ein wenig zunehmen), aber ich bilde mir ein, in meinem Alter müsse ich mich besonders gesund ernähren, um ja keinen Bluthochdruck, keinen Diabetes usw. zu züchten. Deshalb immer wieder die heroischen Experimente mit asketischen oder exotischen Diäten.

Das alles werde ich jetzt hinter mir lassen und das kochen und essen, wonach es mich gerade gluschtet (gelüstet). Deshalb nochmals: Danke, lieber Heinz, für Deinen ironischen Blog über die ‚Jesus-Diät’!“

Krankheitsvermarktungen

Und Lislott Pfaff schrieb zum Thema „Krankheitsvermarktungen“, auf die Dr. Johann Georg Schnitzer immer wieder aufmerksam macht (so im Blog "PFAARä: Wie man Diabetes-2 wirklich heilen könnte" am 13. Mai 2005):

“Die Erkenntnisse von Johann Georg Schnitzer über die Krankheitsvermarktungen im schulmedizinischen Bereich sind interessant (ich habe soeben das Buch dieses Autors „Die kausale Therapie der essentiellen Hypertonie“ gelesen).

Ebenfalls aufschlussreich und weiter ausholend sind die Ausführungen des Biologen, Biochemikers und ‚Spiegel’-Journalisten Jörg Blech in ‚Die Krankheitserfinder − Wie wir zu Patienten gemacht werden’ (S. Fischer Verlag). Die Rezensentin Christine Hinz schreibt unter anderem in www.radiobremen.de: ‚Die Jörg-Blech-Liste erfundener oder zumindest aufgebauschter Krankheiten ist lang, es gibt reichlich Opfer: zappelige Kinder, schlaffe Teenager, sexmüde Männer, frustrierte Frauen. Wer sich aber fit wie ein Turnschuh fühlt und kein Mittelchen gegen generalisierte Heiterkeitsstörungen braucht, der gerät spätestens beim jährlichen Gesundheits-Check in die pharmazeutischen Fänge.’ (. . .) ‚Ich kann da in keiner Weise Ratschlag geben’, meint Jörg Blech. ‚Ich kann nur empfehlen, wie ein Arztbesuch aussehen soll.’

Beispiel (von Blech zitiert, nach Radio Bremen): „Wechseljahre der Frau, früher ein Zustand, heute eine Krankheit. Der Gynäkologe, von der Pharmaindustrie kostenlos auf den Malediven geschult, verschreibt da gern ein Hormonpräparat. Die Patientin spürt Unbehagen. „Im Zweifelsfalle“ heisst es „fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ − aber wonach soll sie fragen?“

Zu empfehlen ist auch die Lektüre dieses Buchs."

Lebenszeichen von den Cocos Islands

Ben Kalenol (E-Mail: ben_kalenol@wmw.cc) äusserte sich von den fernen Kokosinseln (Cocos Islands) im Indischen Ozean aus – schön, dass wir auch dort wahrgenommen werden – zum Blog „Johann Georg Schnitzer und die Rückkehr zur Vernunft“:

„Dass Herr Dr. Schnitzer vielen Menschen, was ihre Gesundheit betrifft, zum Segen wurde, ist sehr lobenswert, auch dass und wie er die Machenschaften von Ärzten aufklärt. Mir ist da ein Fall bekannt, da wurde eine Familie sogar zu einer Operation erpresst. Ja, sie lesen richtig: Erpresst! Aber gegen diesen Lumpen ist kaum anzugehen, was ein anderer Fall bestätigte: Einem schwer kranken Mann wurde die Operation verweigert, weil er sich aus christlichen Gründen weigerte, sich vor Frauen auszuziehen. Er erstattete deshalb Anzeige, die abgelehnt wurde. . . Also gegen diese Lobby geht wohl nichts. Dass Dr. Schnitzer noch wirken kann, ist da schon verwunderlich.

Meines Erachtens stimmt nur seine Behauptung, dass der Mensch 140−150 Jahre leben könnte, nicht. Ich empfehle deshalb: Das Gute behaltet! PS: Ich selbst hatte seine Bücher vor 15 Jahren. Dann begann meine Flucht aus Deutschland. Habe alles verloren. . .“.

Herr Kalenol, der uns mit einer Zuschrift beehrt hat, dürfte einer von rund 620 Einwohnern sein!

Die Qualitäten der Linde

Ein Freizeitvernügen, welches die Lebensdauer verlängern kann, wenn auch nicht um Jahrzehnte, ist das Wandern. Heinz Scholz bloggte zu diesem Thema: „Bözberg West: Das GPS wies den Weg zur Linner Linde“ (1. Juni 2005). Dazu schrieb Marlene Müller, Haus Tannenhof, D-79837 Ibach:

„Der Bericht über die Linde ist sehr gut. In meiner Praxis habe ich gute Erfahrungen gemacht, indem ich ihre Blätter und Blüten in der Ayurveda-Dampfsauna zur Wirkung über die Haut kommen lasse. Diese positive Wirkung wird immer wieder bestätigt (bessere Durchblutung und belebend für Körper und Geist). Allein das Einatmen des feinen Lindenduftes bewirkt eine wunderbare Beruhigung.“

Besinnliches

Damit sind wir beim besinnlichen Teil angekommen. Zum Blog über eine Beerdigung beim Zofinger Heiternplatz (19. April 2005) schrieb mir ein naher Angehöriger der Verstorbenen, Hannes Siegrist, D-04115 Leipzig, der die Feierstunde in seiner alten Heimat begleitet hatte:

„Mir gefällt die auf das Wesentliche reduzierte und einfühlsame Darstellung der Beerdigung von Ruth, deren Leben auf wenige Wörter und Eigenschaften zusammenschrumpft bzw. verkürzt wird. Und der Priester, der diese Wörter bedächtig aneinander reiht und mit den Worten der Bibel verbindet, so dass − für den religiösen Zuhörer − das Leben der Bescheidenen an Bedeutung und Grösse gewinnt.

War das die Beerdigung im globalen Zeitalter, die trotz universalistischer und ortloser Rituale der Katholiken dann eben doch an Orte, Ortsnamen und Herkunftsangaben wie Heitern, Bergli, Schweiz, Kongo gebunden bleibt!?“

„Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast. . ..“ lautet die Überschrift von einem tiefsinnigen Blog von Heinz Scholz (28. Mai 2005). Eine adäquate Reaktion darauf:

„Dieser Text hängt in der englischen Originalsprache, mit einem goldverzierten Rahmen gewürdigt, in meiner Wohnung. In schöner alter Schrift gedruckt, beginnt er wie folgt: ‚Go placidly amid the noise & haste, & remember what peace there may be in silence. . .’ und ist etwa doppelt so lang wie in dem von Heinz Scholz übermittelten Blog. Ich finde, es lohnt sich, das Ganze zu lesen, und gebe nachstehend die deutsche Übersetzung der restlichen Ratschläge (ab: . . .es ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten’).

Und Lislott Pfaff, die sich angesprochen fühlte, zitiert weiter: „Lasse in deinen geschäftlichen Angelegenheiten Vorsicht walten, denn die Welt ist voller Betrug. Doch soll dich das nicht blind machen für die vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen streben nach hohen Idealen, und das ganze Leben ist voller Heldenmut. − Sei du selbst. Täusche vor allem nicht Zuneigung vor. Und sei, was die Liebe anbelangt, nicht zynisch. Denn trotz aller Gefühlskälte und Enttäuschungen ist sie dauerhaft wie das Gras. − Nimm gelassen den Ratschluss der Jahre an und verzichte mit Würde auf das, was die Jugend gebracht hat. Stärke die Kraft des Geistes, damit er dich bei unvorhergesehenem Unglück schütze. Aber quäle dich nicht mit eingebildeter Unbill.

Viele Ängste entstehen aus Ermüdung und Einsamkeit. Sei gut zu dir neben einem gesunden Mass an Selbstdisziplin. − Du bist ebenso ein Kind des Universums wie die Bäume und die Sterne. Du hast das Recht, hier zu sein. Und ob es dir klar ist oder nicht: Das Universum dehnt sich zweifellos so aus, wie es sich ausdehnen muss. − Darum lebe in Frieden mit Gott, was auch immer du dir unter Gott vorstellst. Halte Frieden mit deiner Seele in der lärmenden Wirrnis des Lebens, was auch immer dein Mühen und dein Streben sei. Trotz aller Falschheit, trotz aller Mühsal und aller zerstörten Träume: Die Welt ist schön. − Sei vorsichtig. Und strebe danach, glücklich zu sein.“

Darunter steht: „Gefunden in der Alten St. Paulus-Kirche in Baltimore, datiert von 1692.“

Und Lislott Pfaff fügte bei: Es könnte nicht schaden, wenn sich gewisse Kirchenleute diesen Text ebenfalls zu Gemüte führen würden.

Vielleicht würde dann in den Kirchen weniger geschlafen, worüber Heinz Scholz unter dem Titel „Referentenschicksale: Störende Katzen und Schnarcher“ am 19. Mai 2005 berichtet hat: Frank Hiepe (E-Mail: mhiepe@web.de) mailte:

„Ihr BLOG-Bericht hat mir sehr gut gefallen.“

Und so werden wir alle uns Mühe geben, noch viele Blogs zu schreiben, die unseren Nutzerinnen und Nutzern gefallen und zum Nachdenken und Beobachten anregen (wie das insbesondere auch Rita Lorenzettis Arbeiten tun) – nicht aus Gefallsucht, sondern um Diskussionen in Gang zu bringen. Ihre Meinung ist ausdrücklich gefragt!

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