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Schöpfen aus der Natur

Rede vor dem Rotary Club Lenzburg am 11. April 2005, gehalten von Walter Hess

Sehr geehrte Herren,

es ist für mich eine Ehre und eine Freude, in Ihrem Kreise reden zu dürfen. Ich stehe nicht als Lehrer vor Ihnen, sondern einfach als einer, der sich aus eigenem Antrieb und von Berufes wegen während Jahrzehnten Gedanken über unseren merkwürdig destruktiven Umgang mit der Natur gemacht hat.

Das Thema Naturschutz hatte in den letzten Jahren in der öffentlichen Diskussion keine grosse Bedeutung mehr. Es scheint jetzt aber wegen der ökologischen Notlagen, die überall sichtbar werden, wieder neu aufzukeimen. So ist gerade Ende März 2005 ein so genannter Umweltcheck veröffentlicht worden. Er wurde von der königlichen Wissenschaftler-Gesellschaft in London (Royal Society) veranlasst und hat den ganzen Erdball erfasst. An ihm haben 1360 Forscher aus 95 Ländern mitgewirkt. In den Schlussfolgerungen wird festgestellt, dass der Raubbau an der Natur, wie er in den letzten 50 Jahren betrieben worden ist, die Existenz zukünftiger Generationen gefährde. Es war eine folgenschwere Lebensraum- und Klimazerstörung zu verzeichnen.

Meine Frage geht dahin, weshalb wir denn solch ein feindschaftliches Verhältnis zur Natur entwickelt haben, obschon wir ja ebenfalls ein Teil von dieser Natur sind und daraus Nahrung, Heilpflanzen und Rohstoffe schöpfen können.

Verständnislos der Natur gegenüber
Die Natur ist unsere Lebensgrundlage, kein Zweifel. Heilpflanzen und Nahrungspflanzen sollten nicht nur nach altchinesischer, sondern auch nach unserer westlichen Auffassung das Gleiche sein – Pflanzen haben das Überleben der Menschen und der Tiere seit je gewährleistet. Doch ständig – und gerade jetzt wieder – wird versucht, die Heilpflanzen zugunsten synthetischer Pharmazeutika und anderer schulmedizinischer Anwendungen weiter zurückzudrängen: Im Krankenkassenbereich muss man sich für schulmedizinische Behandlungen zwangsversichern lassen; die Naturheilkunde gehört zu den Wahlprogrammen beziehungsweise zu den Zusatzprogrammen. Doch sollte man sich nach persönlicher Wahl auch prioritär für naturheilkundliche Behandlungen versichern können, allenfalls mit einer freiwilligen Zusatzversicherung für schulmedizinische Behandlungen. Denn ich erachte Naturheilkunde und Schulmedizin als gleichwertige – beide haben ihre Vorteile und Schwächen, je nach Einsatzbereich.

Und die Lebensmittel werden zunehmend zu blossen Nahrungsmitteln umfunktioniert, zu verarbeiteten Kunstprodukten oder auf der Grundlage von Laborpilzen, die unsere Gesundheit meistens eher schwächen statt stärken. Die Gentechnologie, die grösste Freilandverseuchung, die diese Moderne initiiert, setzt deren Verstümmelung noch die Krone auf.

Vielleicht hat alles mit der Bibel angefangen, laut welcher der Mensch eine gottähnliche Sonderstellung innehat: „ Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen nach unserem Bilde, uns ähnlich; sie sollen herrschen über die Fische im Meer und die Vögel des Himmels, über das Vieh und alles Wild des Feldes und über alles Kriechende, das auf der Erde sich regt.“ (1. Mose 1, 26).

Übertragen auf ein Industrieunternehmen, würde das bedeuten, dass Sie Ihren Kaderleuten erklären, sie könnten ab sofort die vollkommene Herrschaft über Menschen, Einrichtungen und Materialien ausüben und ungestraft alles tun und lassen, ganz wie es ihnen gerade passt und gefällt. Solch ein Verhalten würde selbstverständlich zu Spannungen und zu Zerstörungen führen, weil es ja an Kooperationsbereitschaft fehlt.

Im Dienste der Machthaber
Unter solchen Voraussetzungen würde der gesamte Herrschaftsbereich ausschliesslich den Zwecken der Machthaber dienen; er könnte beliebig ausgebeutet werden. Das wurde während Jahrhunderten so gehalten. Unser begrenzter Erdball ist als einziges grosses Rohstofflager betrachtet worden, das beliebig geplündert und verbraucht werden kann. Das ist noch heute so. Innert erdgeschichtlich verhältnismässig sehr kurzer Zeit ist es uns möglich, die gesamten Erdölvorräte zu verheizen und damit unser Klima schwer zu beschädigen.

Gerade jetzt bemüht sich die Bush-Regierung mit ihren starken persönlichen Affinitäten zum Erdölgeschäft um die Bewilligung, in einem Naturschutzgebiet von Alaska nach Öl bohren zu dürfen, obschon solche Eingriffe immer mit gigantischen Verwüstungen verbunden sind und eine enorme Infrastruktur erfordern. Ein Projekt, das die totale Ignoranz des Umweltschutzes durch Menschen ohne Bildung und Weitblick erkennen lässt.

Auch alle anderen Rohstoffe werden geplündert. Sie werden oft flächendeckend verbreitet wie die Schwermetalle mit dem Paradebeispiel Blei, das früher dem Benzin beigemischt war – wir haben heute eine weltumspannende Umweltverschmutzung, die alle Kreisläufe, auch unsere Nahrung, betrifft. Daran sind auch unendlich viele synthetisierte Chemikalien beteiligt. Auch wenn Sie in Ihrem Hausgarten naturgemäss anbauen, so werden Ihr Gemüse, Ihre Salate und Beeren von dieser flächendeckenden globalen Verschmutzung erfasst. Es gibt kein Sauberkeitsrefugium mehr.

Ein Bioladen in Kalifornien, von dem ich dieser Tage eine zur Kundenorientierung bestimmte Schrift zugestellt erhielt, hat darin mitgeteilt, obschon die Produkte nach den Organic-Prinzipien angebaut seien, könne man nicht mehr Organic = biologisch darauf schreiben. Denn die Pollen aus der Gentech-Landwirtschaft, die dort weit über 80% der Fläche belegt, würden alle Nutzpflanzen erreichen und verändern. Die neueste Panne der US-Niederlassung der Schweizer Firma Syngenta, die den Genmais Bt11 mit dem verbotenen Bt10 verwechselt und tonnenweise in Umlauf gebracht hat, leistete einen weiteren Beitrag unter sehr vielen an die weltweite biologische Verseuchung.

Das wissenschaftliche Denken und die Folgen
Aus dem erwähnten christlichen Auftrag ist eine Wissenschaft herausgewachsen, welche von diesem ebenfalls intensiv geprägt ist. Im 19. Jahrhundert behauptete Charles Darwin in seiner Evolutionslehre im Prinzip, dass in der Natur ein ständiger Kampf herrsche, aus dem nur die Fittesten lebendig hervorgehen würden, wie das auf allen Schlachtfeldern, mit denen diese Welt so reich belastet ist, der Fall ist. Und diese Fittesten vermehrten sich dann weiter.

Wir haben es offenbar geschafft. Wir haben überlebt! Und die Natur wird zum Opfer unseres Überlegenheitsgefühls. Wir lassen sie das spüren. Und so führen wir denn einen ständigen Kampf gegen sie, gegen alle ihre Äusserungen, empfinden sogar ihr Wachstum oft als bedrohlich, gerade jetzt im Frühling, während dem wir ihre unwahrscheinliche Kraft spüren. Wir treten als Bändiger auf.

Wir haben die Bäche begradigt, Überflutungsflächen trockengelegt und damit grosse Überschwemmungen inszeniert, ganze Landschaften eingeebnet. Wir haben die Tiere ähnlich wie das Bush-Regime die Staaten in manichäischer und ebenso infantiler Art in Gut und Böse, in Schädlinge und Nützlinge, aufgeteilt. Gegen die Bösen und die Schädlinge führen wir Guten einen heroischen Kampf, der sich allerdings nicht gewinnen lässt, sondern gerade den gegenteiligen Effekt hat. Die Schädlinge nehmen zu. Auf der politischen Bühne sind es die Terroristen, die förmlich gezüchtet werden.

Darwins Theorie ist meines Erachtens eine dort sehr vereinfachende und auch eingeschränkte Betrachtungsweise, wo es um die Verdrängung des Schwächeren durch den Stärkeren geht, zumal die Natur immer auf das Herstellen von Gleichgewichten innerhalb der Kreisläufe bedacht ist. Auch schwache Elemente finden dort Platz; es gibt nicht nur Löwen und Elefanten – am meisten haben sich die anpassungsfähigen Insekten verbreitet. Zudem wird in der Natur nichts in Schädlinge und Nützlinge aufgeteilt – alle gehören gleichermassen dazu; alle sind ein Teil des Systems und haben ihre Funktion.

Das häufig strapazierte Beispiel Marienkäfer dürfte das veranschaulichen: Den Marienkäfer betrachten wir als Nützling, weil er Blattläuse (also Schädlinge) vertilgt. Nun aber hätte der Marienkäfer nichts zu fressen, gäbe es keine Blattläuse und Konsorten. Also sind Blattläuse keine Schädlinge, sondern Nützlinge. Ohne Futter keine Marienkäfer.

Ich habe in meinen Kommentaren auch immer zur Erhaltung und den Schutz der Borkenkäfer aufgerufen, auch wenn nicht eben zur Begeisterung der Förster. Försterplantagen (wie Monokulturen aus Fichten) sind, wie alle uniformen Einheitsplantagen, sehr krankheitsanfällig. Denn eine Monokultur kann sich nicht selber regulieren; dafür braucht es die Vielfalt; nur unter diesen Voraussetzungen können sich Gleichgewichte herausbilden. Eine Monokultur wird also krank. Wenn der langsame Sterbeprozess von solch einer einförmigen Baumplantage begonnen hat, stellen sich die Borkenkäfer ein, um diesen Sterbeprozess zu beschleunigen. Gesunde Bäume ertränken sie im Herzfluss. Die Wälder brechen dank den Borkenkäfern schneller zusammen, und dann kann dort umso frühzeitiger etwas Neues, Vielseitigeres entstehen, falls nicht wieder künstlich eine kränkelnde Plantage angepflanzt wird. Auch die Borkenkäfer sind also sehr nützlich, und die Borkenkäferfallen, in die sich auch viele andere Insekten verirren, zeugen von einem Unverständnis gegenüber der Natur. Man sollte die Tiere daraus befreien, bevor sie darin langsam sterben.

Neue Bewusstseinsschulung nötig
Ich wollte damit aufzeigen, dass wir von verschiedenen Seiten desorientiert wurden und uns zu vollkommen neuen Sichtweisen aufraffen müssen. Wir müssen zu einer Kooperation mit der Natur finden und ihre Gesetzmässigkeiten verstehen lernen, mit ihr in Harmonie zusammenleben lernen. Es geht um eine Bewusstseinsschulung und ein Wahrnehmungstraining. Daraus entwickelt sich ein vollkommen neues Denken und Handeln.

Stellen Sie sich bitte einmal vor, wie die Welt heute aussehen würde, wenn uns andere Denkmuster mit auf den Lebensweg gegeben worden wären. Wenn wir uns als Teil der Natur, des Ganzen, fühlen würden. Wenn wir, statt ständig auf Kriegsfuss zu sein mit allem, was unsere Umgebung ausmacht, in Harmonie zusammenleben würden. Unsere Gebäude wären aus Naturmaterialien gebaut, die wieder in die Kreisläufe zurückkehren könnten, ebenso unsere Kleider, unsere 2. Haut. Unsere Gärten und Äcker wären so vielfältig belebt, dass sich Regulationsmechanismen einstellen könnten. Wir würden uns aus Naturprodukten statt synthetisierten Industrieprodukten ernähren, aus reinen Lebensmitteln, welche die Gesundheit stärken statt allmählich zerstören. Das tönt zwar schon wie ein Rückfall in jenes Paradies, aus dem wir bereits am Anfang der Bibel vertrieben worden sind. Von jenem Schock haben wir uns offensichtlich nie mehr so richtig erholen können.

In dieser Phase der Globalisierung, die von Naturzerstörung und der Vernichtung der kleineren bis grösseren Unternehmen begleitet ist, hat die multinationale Wirtschaft zunehmend die Führungsrolle übernommen; die Globalisierung steht vor allem im Dienste der multinational tätigen Konzerne. Die Politik ist noch gut, um einige soziale Dienstleistungen zu vollbringen, soweit diese nicht via GATS (Liberalisierung des Dienstleistungssektors) privatisiert und damit ebenfalls in die Wirtschaft integriert werden. Politik und Verwaltung haben der Wirtschaft günstige Expansionsbedingungen zu verschaffen. Und zudem dienen Politiker noch als mediale Unterhaltungsstars, eine Dienstleistung im Interesse der Spassgesellschaft, in der rund um die Uhr von den wesentlichen Problemen abgelenkt wird. Die Atmosphäre der Hilflosigkeit wird so überspielt.

Die Bedeutung der Wirtschaft
Früher hatte die Religion das Sagen, dann die Politik, heute die Wirtschaft. Aber gerade weil die Wirtschaft in dieser Zeit eine solch dominante Rolle spielt, kommt ihr innerhalb des ökologischen Geschehens als Schrittmacherin des Umweltschutzes eine enorme Bedeutung zu. Und als Vorbild! Auch sie muss sich dringend bemühen, sich in die Kreisläufe einzufügen und dementsprechend bei der Rohstoffbeschaffung und bei den Produktionsprozessen das Ganze im Auge behalten und auch auf Entsorgungsaspekte bedacht zu sein. Auch sie muss lernen, in Kreisläufen zu denken und das Ökosystem als zentrales Schutzgut zu betrachten.

Laut einer Studie des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim (ZEW) setzen etwa 77% der Unternehmen in westlichen Industriestaaten auf Umweltschutz, Spitzenreiter ist Japan, Schlusslicht Deutschland – was immer das heissen mag. Die Schweiz ist nicht erwähnt, dürfte aber verhältnismässig nicht schlecht liegen. Ich kenne kein anderes Land, in dem so viel für die Reinhaltung der Umwelt geleistet worden ist – nur beim Artenschutz hapert es noch gewaltig.

Die Manager des Wirtschaftsgeschehens dürften nicht die Haltung einnehmen „Gott schütze uns vor dem Umweltschutz“, nur weil dieser zum Beispiel von den Grünen für politische Zwecke missbraucht und im Ansehen dadurch beschädigt worden ist. Als sich die Grünen im Aargau formierten, forderten sie zuerst einmal eine Arbeitszeitreduktion, wiewohl ein ökologisches Verhalten mehr Zeit und mehr Handarbeit braucht. Es wäre verhängnisvoll, den Naturschutz allein solchen Gruppierungen zu überlassen.

Schützen und Nutzen
Ich spreche lieber von Naturschutz als von Umweltschutz, weil dieser „Umwelt“-Begriff immer auch eine anthropozentrische Komponente umfasst; er bezeichnet das, was um mich herum ist. Das Schützen kann und muss auch ein sorgfältiges Nutzen enthalten, denn alle Lebewesen nutzen ihre Umgebung, ansonsten sie ja nicht überleben könnten. Wir müssen nur die ökologischen Gesetze verstehen lernen. Sonst wird die Naturpflege oft zu einer verhängnisvollen Form von Naturschutz, weil damit meistens das Herumpützeln wie das Jäten verstanden wird. Ein gepflegter Garten hat wenig mit einem Naturgarten zu tun, der aber ebenfalls eine gewisse Pflege braucht, ansonsten ja Wald entstünde.

Menschen und die gesamte Wirtschaft können von der Natur lernen. Eine ganze Wissenschaft – die Bionik – hat sich auf das Vorbild der biologischen Funktionen ausgerichtet. Sogar die Märkte könnten davon profitieren. Die von uns geschaffenen Märkte befinden sich, genau wie die Natur, in einem ständigen Wandel, so dass jede Strategie nur während einer kurzen Zeit funktioniert. Jeder Spekulationsgewinn aus einer Anlagestrategie stammt vom Verlust anderer Strategien. Da jeder hinzulernt und seine Strategie anpasst, muss man permanent neue ausprobieren und erfinden. Nicht der Stärkere, sondern jener, der sich auf die gerade vorherrschenden Gegebenheiten am besten einzustellen versteht, gewinnt und überlebt.

Wenn wir schon so viel von der Natur lernen können, müssen wir wenigstens dafür schauen, dass uns diese hervorragende Lehrmeisterin erhalten bleibt. Wir müssen zu ihr Sorge tragen, ihre Vielfalt respektieren und sie nicht laufend weiter zurückdrängen. Wir alle können an unserer Stelle etwas zur Naturerhaltung tun.

Ansätze sind da
An einer gemeinsamen Tagung von BUWAL und World Economic Forum von Mitte März 2005 in Genf ging es ums Thema Klimapolitik: Verantwortung von Politik und Wirtschaft“. Dabei stellte etwa die Novartis klimarelevante Projekte in Indien vor, die Zementfirma Holcim ihre Autofahrtrainings für Mitarbeitende, die auf Energieeinsparungen abzielen. Mit solchen und weiteren Beispielen berichteten Firmen-Vertreter über die Erfahrungen ihrer Unternehmen, ihre CO2-Emissionen freiwillig zu reduzieren und so einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Viele Wirtschaftsunternehmen sind ebenfalls in dieser Richtung tätig. Das schafft Vertrauen und trägt zur Imageaufwertung bei, besonders wenn nicht nur sektorielle Massnahmen als Alibiübungen getroffen werden, sondern das Einfügen in die Kreisläufe zur Grundlage der gesamten Politik wird.

In der Wirtschaft gibt es unendlich viele Möglichkeiten für ein naturbewusstes Verhalten, von der Rohstoffbeschaffung über Produktionsvorgänge bis zur Entsorgung; Gedanken über eine Wiedereingliederung der Produkte in die Kreisläufe nach deren Gebrauch müssen schon in die Entwicklung eingeflossen sein.

Das Denken sollte sich nicht auf ein ständiges Umsatzwachstum mit der Folge des Konsumterrors – Konsumieren als Bürgerpflicht – kaprizieren, sondern auf Aspekte der Qualität ausgerichtet sein. Wer 2 Millionen Franken auf der Bank und 2 Autos hat, lebt nicht unbedingt besser und angenehmer als jener, der es nur auf 1 Million und zu einem Auto gebracht hat. Die unendliche Wachstumsphilosophie im quantitativen Sinn ist auf einer endlichen Erde eindeutig zum Scheitern verurteilt; das bedarf wohl keiner weiteren Erläuterungen.

Den Eintopf geniessen statt plündern
Um zum Thema und zum Schluss zu kommen: Wenn wir aus der Natur schöpfen, ergibt sich der Erfolg nicht daraus, wie viel wir – wie mit einer Schöpfkelle aus einem Fleischeintopf – herauszufischen verstehen. Wir sollten nicht einen Krieg um den Topfinhalt führen. Sondern es geht darum, sich am herrlichen Anblick und an den wunderbaren Düften zu erfreuen, das herauszunehmen, was wir für unsere Lebenszwecke unbedingt brauchen und möglichst viel zurückzugeben, damit wir uns und auch unsere Nachkommen daran erlaben können.

Ob das innerhalb der voranschreitenden Globalisierung, die als solche bemerkenswerterweise kaum thematisiert wird, überhaupt noch möglich ist, ist zu bezweifeln. Das globale Dorf mit der Einheitskultur auf tiefem Niveau, der Einheitssprache und dem Einheitsdenken macht aus Individuen, die aus eigener Verantwortung heraus handeln, kollektiv geführte, konsumtaugliche Einheitsmenschen. Und die Häuptlinge des globalen Dorfs scheinen von Naturschutz nichts zu halten.

Ich habe darüber ein Buch geschrieben: „Kontrapunkte zur Einheitswelt“. Wenn Sie heute Nachmittag und bis gegen Mitternacht Zeit hätten, würde ich gern darauf eingehen, wie man sich und die Natur vor der Globalisierung retten kann.

Aber meine Redezeit ist abgelaufen.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Zusammenfassung
Die Bekämpfung und Bändigung der Natur ist ein grundlegend falscher Ansatzpunkt. Wir können uns nur auf der Grundlage der Natur entfalten, dürfen sie nutzen, aber nicht verbrauchen. Eine Wirtschaftsphilosophie, die auf ein ständiges Wachstum angewiesen ist, muss scheitern. Wir müssen vermehrt von Qualitäten statt von Zahlen reden. In diesem Fall wäre die Hinwendung zur Natur zwingend. Sie bietet alles was wir brauchen: Gesunde Nahrung und Heilmittel − beides sollte identisch sein −, Baumaterialien und Rohstoffe, Landschaft, lebendige Böden, Wasser und Luft. Dabei muss in Kreisläufen gedacht werden. Das Naturbewusstsein ist in den letzten wirtschaftlich schwierigen Jahren in den Hintergrund getreten. Es muss neu belebt werden, dringend. Die bereits erkennbaren Folgen aus unserem verächtlichen Umgang mit der Natur zwingen das auf.

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