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BLOG vom 12.04.2005


Reaktionen auf Blogs (6): Gedanken und Fakten à discrétion

Präsentation der Leserpost: Walter Hess, Biberstein CH (Textatelier.com=

 

„Schreiben heisst preisgeben. Jedes Erlebnis. Jede Erfahrung. Jegliches Bündnis.“

Wolfdietrich Schnurre

 

„Oft blättere ich im Textalelier und im Blogatelier und finde viele interessante Sachen. Ich bin beeindruckt vom Umfang.

Wir wünschen grüssen Euch ganz herzlich: 

Luz und Franzi Pfosi“  luzpfosi@bluewin.ch

 

Solche Post macht im Blogatelier Freude. Und unser Logbuch (Liste über die Nutzung der Textatelier.com-Homepage) zeigt, dass die Leserzahlen in aller Welt anstiegen, in europäischen Ländern, sogar in Grossbritannien, in den USA, auch in asiatischen und afrikanischen Ländern. Weil wir durch diese enormen Aktivitäten unseren Hostpoint-Server zu sehr belastet (und den digitalen Verkehr „schwer behindert") haben, wie uns die Server-Betreiber berichteten, wurden wir kürzlich an einem Abend für über 2 Stunden vom Netz genommen. 

Man kann das Textatelier mit seinen weit über 1000 Artikeln, zu denen täglich neue hinzu kommen, à discrétion nutzen: Soviel man will, solange man die Texte nicht ungefragt oder ohne korrekte Quellenangabe nachdruckt oder anderweitig weiterverbreitet. Für Verlinkungen aber sind wir jederzeit dankbar, weil diese uns noch besser ins Internet einbinden. 

Fröhliches Schmausen und Trinken

Dieses Internet hat einen À-discrétion-Charakter. Mit dieser Unlimitiertheit, die irgendwo allerdings doch ihre Grenzen findet, habe ich mich im Bericht über ein feierliches Geburtstags-Essen im Schloss „Falkenstein“ in Niedergösgen SO am 28. 03. 2005 befasst. Heinz Scholz aus D-79650 Schopfheim übermittelte mir anschliessend über die seinerzeitigen Möglichkeiten des Schlemmens mittelalterliche Geschichten, zum Beispiel eine Aufzeichnung über eine Markgrafenhochzeit im Jahre 1447 in Pforzheim:

„Nach der Trauung begann im Schloss ein fröhliches Schmausen und Trinken. Aber auch die ganze Bürgerschaft, zahlreiche Arme und fahrende Spielleute waren an diesem Tag zum Essen eingeladen. 100 Ochsen, 1500 Kälber, 8000 Gänse und 17 000 Hühner wurden verzehrt und 150 Fuder (140 000 Liter) Wein getrunken.“

Dies berichten Robert Künzig und Karl Ehmann in ihrem Heimatbuch „Pforzheim − Ein Heimatbuch“ (1956).

Und dieser Reminiszenz war noch eine andere Anekdote aus der Sammlung von Heinz Scholz beigefügt: „1878 weilten die deutschen Finanzminister in Heidelberg. Im Schlosshotel wurde ein opulentes Mahl vorbereitet und das auf Kosten der armen Steuerzahler. Folgendes wurde aufgefahren: Schildkrötensuppe, Kraftbrühe von Hühnern, Forellen mit zerlassener Butter, dazu Erdäpfel, Steinbutt mit Hollandaise, Rehrücken mit französischen Erdschwämmen, Kalbsmilchner mit Trüffeln, Feldhühner mit neuem Sauerkraut, Artischocken mit geräuchertem Rheinlachs, Bresse-Geflügel, Salat, Plumpudding mit Vanilletunke, Maraschino-Sulz mit Früchten, verschiedenes Gefrorenes, Früchte, Käse, Mocca“ (Quelle: „Kulinarische Streifzüge durch Baden“ von Georg Richter, Künzelsau 1982).

Telefonieren à discrétion

„Herrlich dein Blog über die Telefonitis 08. 04. 2005: „Verloren im Labyrinth der Billigsttelefonie“). Du bist mein Seelenverwandter. Mir ist es nämlich auch egal, bei welcher Gesellschaft ich telefonieren darf. Bei all diesen Angeboten, muss ich ehrlich zugestehen, habe ich den totalen Un-Durchblick. Daher, bleibe ich der Swisscom erhalten.“ 

Luigi Scura aus CH-4665 Oftringen (Aargau) schrieb mir das. Und bemi Lesen dieser netten Reaktion kam mir in den Sinn, dass es schon sehr vereinfachend wäre, wenn die Telefongesellschaften einfach ein zeitlich unlimitiertes Herumtelefonieren zu einem Fixpreis anbieten würden. Dann wäre der Vergleich der Fixpreise einfach. 

Denn wie man ja nur sehr begrenzte Mengen an Nahrung in sich hineinstopfen kann, so kann man der limitierten Zeit wegen auch nicht mehr als 24 Stunden pro Tag telefonieren (auf einige Stunden bringen es einige Menschen tatsächlich). Auch das Fernsehen ist zeitlich auf 24 Stunden pro Tag limitiert – soviel ist in der Konzessionsgebühr inbegriffen. Man kann allerdings auch mehrere Geräte mit verschiedenen Programmen laufen lassen; auch das liegt noch drin. 

Ein Krankenkassen-Experte, mit dem ich kürzlich über die ständig anschwellenden Krankheitskosten sprach, äusserte die Ansicht, mehr medizinische Leistungen als heute könnten nicht mehr konsumiert werden. Wirklich, man kann auch nicht mehr als 24 Stunden in Wartezimmern ausharren oder in Spitalbetten liegen. Und zudem teilt sich alles auf: Arztbesuche, Telefonieren, Fernsehen, Autofahren, Konsumieren und dergleichen. Das steht alles einander im Wege und limitiert sich gegenseitig. Die Tage sind zu kurz. 

Unlimitierter amerikanischer Waffenkult

Auch wenn sich beinahe alles der Sättigungsgrenze nähert, der Waffenkult nach US-amerikanischem Muster und die Kriegslüsternheit der US-Regierung dürften ihre Höhepunkte noch immer nicht erreicht haben. Am 22. 03. 2005 kommentierte ich die Schulmassaker in den USA, deren Vorbilder und die Indianer. Heinz Scholz verwies mich in diesem Zusammenhang auf einen Bericht in der „Badischen Zeitung“ von Markus Günther: 

„Gleichwohl drängt sich ein bedrückender Befund in den Vordergrund: dass nämlich der amerikanische Waffenkult und der weit reichende Besitz von Waffen in den USA zu Gewalttaten führt, die es in dieser Häufigkeit in Europa doch nicht gibt. . . Zwischen 1999 und 2003 ist die Zahl der Todesopfer durch Schusswaffen in den USA um 14 % gestiegen. Man müsste meinen, dass all dies automatisch zu strengeren Waffengesetzen führt. Doch das Gegenteil ist der Fall. Der amerikanische Urglaube an Selbstverteidigung bewirkt, dass solche Fälle den Ruf nach einer Lockerung der Gesetze eher verstärken. Umfragen zeigen auch, dass weniger Amerikaner restriktive Waffengesetze befürworten als vor 10 Jahren. Leider.“ 

Und Scholz fügte bei: „Von einem Bekannten hörte ich einmal, dass auch das Wandern in den USA sehr gefährlich ist. Wollen Wanderer eine Farm durchqueren, müssen sie damit rechnen, erschossen zu werden. Erst wird geschossen, dann gefragt (falls der Passant noch lebt), nicht umgekehrt. Dies machen einige US-Politiker ebenso. In einer solchen bleihaltigen Luft möchte ich nicht wandern.“ 

Unlimitierter amerikanischer Verhaftungskult

Zum Blog vom 06. 04. 2004 (New York Times: “Seht euch das an, das sind wir“) von Lislott Pfaff stellte Dr. Konrad Ewald aus CH-4410 Liestal dem Blogatelier freundlicherweise Zitate von Horst Kurnitzky zu: „Von 1980 bis zum Jahr 2000 ist die Zahl der Strafgefangenen (in den USA) von einer halben Million auf 2 Millionen gestiegen. Jede Woche ein neues Gefängnis für 1000 Straftäter. Die USA, ein Land, das 4 % der Weltbevölkerung beherbergt, verwahrt ein Viertel aller Strafgefangenen der Welt. ‚Allein Kalifornien hat mehr Gefangene in seinen Anstalten als Frankreich, Grossbritannien, Deutschland, Japan, Singapur und die Niederlande zusammen’, schreibt Konrad Lischka: ‚Mit über 600 000 Beschäftigten sind die staatlichen und privaten Gefängnisse nach General Motors und Wal-Mart der drittgrösste Arbeitgeber der Vereinigten Staaten.’“ 

Ja, dort möchte man wirklich nicht nur nicht wandern, sondern auch nicht leben! Beim liederlichen Umgang mit der Wahrheit, wie er in der USA offensichtlich üblich ist, stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, wie viele unschuldige Menschen, die vielleicht einfach etwas unangepasst lebten, in die USA-Gefängnissen festgehalten werden. 

Beim deutschen Philosophen Theodor W. Adorno kann man dies nachlesen: „Einmal stand eine Prämie auf Individualität, heute macht sie sich als Abweichung verdächtig: dies Klima kann ihr kaum zuträglich sein.“ 

Und es scheint auch, als ob die Individualität den Individualisten nicht zuträglich sei! Die Grundlage der Globalisierung ist eindeutige die Uniformierung; auf sie läuft alles hinaus. Und wer es ablehnt, eine Uniform zu tragen, lebt gefährlich. Wir werden es noch dem Vorbild von Fernand („Sepp“) Rausser (Blog vom 03. 04. 2005) trotzdem auch in Zukunft tun. 

Gefahren auch für die Naturheilkunde

Obschon die Naturheilkunde die herkömmliche Medizin ist und bleibt, lebt auch sie gefährlich. Es wird alles unternommen, ihren Einfluss zurückzudrängen, weil immer mehr Menschen bei Naturheilern Heilung (und nicht einfach Behandlung = Therapie) suchen, welche das Vertrauen in die Schulmedizin mit ihrer Anhäufung von krankmachenden und tödlichen Pannen verloren haben. 

Heinz Scholz, ehemaliger Arzneimittelanalytiker, schrieb zum der Blog „Trotz Attacke unsterblich: Die Naturheilkunde“ vom 30. 03. 2005: 

„Das Thema war schon lange überfällig. Leider weiss der Patient sehr wenig über die Nebenwirkungen von Arzneimitteln. Hier einige erschreckende Zahlen: 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind arzneimittelabhängig (www.medizin.de/gesundheit/deutsch/1073.htm), 15 bis 20 % der Arzneimittel können das Reaktionsvermögen beeinflussen. 15 % der Menschen, die im Strassenverkehr auffällig wurden, hatten Benzodiazepine im Blut. 37 % der Unfälle werden durch Alkohol und bei 42 bis 47 % besteht der Verdacht auf Einnahme von Opiaten und Cannabis. 

8000 bis 16 000 Todesfälle jährlich gibt es in Deutschland durch Arzneimittel. Prof. Jürgen Fröhlich, Hannover, schätzt die Zahl wesentlich höher, nämlich auf 58 000 (www.3sat.de). 

Uwe Garbers, Heilpraktiker aus Adendorf (www.praxisgarbers.de/page44.htm) bemerkt: „Ich selber kann in meiner Praxis feststellen, dass zirka 60 % der Patienten allein dadurch gesunden, dass ihnen krankmachende Faktoren, wie − oft völlig überflüssige, oder falsch verordnete − Arzneimittel, krankmachende Zahnlegierungen, Wohngifte oder auch Genussgifte, genommen werden.“ 

Man lese dazu bitte auch das Blog vom 09. 04. 2005 von Lislott Pfaff über die Risiko-Vermarktung und die Medikamentenpleiten von Vioxx über Celebrex bis zu Bextra. 

Sabotiertes Bewusstsein des Wesentlichen

Verfolgt man die Medienshows dieser Tage, scheint es, als ob sie nicht nur von allen guten Geistern, sondern von allen Geistern überhaupt verlassen wären. Hochzeiten und mediale Sterbebegleitungen, die Massenhysterien auslösen, gibts à discrétion – ohne jede Diskretion. 

Ich will, bei dieser Irritation angekommen, nochmals bei Adorno Zuflucht suchen: „. . .die Leistung der meisten Kulturen heute: die Menschen daran zu hindern, über sich und ihre Welt nachzudenken, und ihnen zugleich vorzutäuschen, um jene Welt sei es richtig bestellt, da sie eine solche Abundanz (Überfluss) von Erfreulichem gewährt. Die angebliche Wichtigkeit des Kulturlebens, deren Schein ungewollt jeder verstärkt, der sich irgend damit befasst, und wäre er noch so kritisch, sabotiert das Bewusstsein des Wesentlichen.“ 

Der deutsche Philosoph Götz Dahlmüller kam zum ähnlichen Schluss: „Schon aus nacktem Selbsterhaltungstrieb muss der Kapitalismus verhindern, dass die Menschen auf eigene Gedanken kommen.“ 

Im Zeitalter des Neoliberalismus, dieser Grundlage der Globalisierung, geschieht das noch viel ausgeprägter als noch vor wenigen Jahren. Alle unsere Bloggerinnen und Blogger werden weiterhin alles daran setzen, um Gegensteuer zu geben oder Sie an Gedanken teilhaben zu lassen, die dem eigentlichen Sinn des Lebens entgegenführen.

Und wenn Sie uns schreiben möchten, dann tun Sie es bitte. Ganz ohne Formalitäten. Für uns ist jede Reaktion wichtig. Seit einigen Tagen finden Sie unter jedem Blog einen roten Link zu einem speziellen Kontaktformular. Wir sammeln Ihre Informationen und Ansichten und geben sie als „Reaktionen auf Blogs“ jeweils in den nächsten Tagen als kommentiertes Sammelpaket weiter. 

Beteiligen Sie sich bitte an unseren Diskussionen. Ihre Ansicht ist wichtig! Wir danken Ihnen für Ihre Sympathie zum Textatelier.com und Ihre Mitwirkung.

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