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BLOG vom 12.01.2006


Schweiz spielt ihre Rolle im Vogelgrippe-Theater nicht mehr
Autor: Walter Hess
 
Man darf und soll auch loben, wenn dazu Anlass besteht: Die Schweiz beabsichtige derzeit nicht, eine erneute Stallpflicht für Geflügel zu verhängen. Dies gab Hans Wyss, der Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen (BVET), bekannt, da die Schweiz nicht im Einflussbereich von Vogelzügen aus dem Mittelmeerraum sei. Dies ist eine vernünftige, besonnene Haltung mit tierfreundlichen Aspekten. Derweil will Deutschland laut Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) „mit höchster Wahrscheinlichkeit“ eine neue Stallpflicht anordnen.
 
Das Vogelgrippe-Theater ist in den vergangenen Tagen wegen mysteriöser Vorfälle in der Türkei wieder aufgeflammt. Wieder musste man im Fernsehen mitansehen, wie lebendige Hühner zusammen mit allfällig herumliegenden totem Geflügel in Plastiksäcke verstopft wurden. Ich finde es von den TV-Stationen verdienstvoll, dass sie das zeigen. Ich verstehe nur nicht, weshalb solch ein schändlicher Umgang nicht von entsprechenden geharnischten Kommentaren begleitet wird: Das ist doch eine grausame Tierquälerei, die so unter keinem Titel, auch nicht unter dem Titel „Vogelgrippe-Pandemie“, hingenommen werden kann. Für die türkische Familie, die ihre lieben Tiere im Hause vor den Vogelfängern versteckte und so schützen wollte, habe ich lauter Verständnis.
 
Die Menschheit hat doch hinreichend Erfahrung im Umbringen von Geflügel, nehme ich aufgrund der mit Hühnerfleisch prall gefüllten Kühlsärge in den Supermärkten oder der sich drehenden Grillmaschinen an. Mein Vater hat jeweils den Güggeli den Kopf mit einem Beil abgehackt – 1 gezielter Schlag genügte –, bevor die Mutter aus dem Rest (minus Federn und Innereien) ein Suppenhuhn aufsetzte. Das war noch vergleichsweise tierfreundlich.
 
Ich vertrete nach wie vor die Ansicht, dass die Intensivställe im Zusammenhang mit dem weltweiten Fleischtourismus die tatsächlichen Brutstätten für Seuchen sind und nicht etwa die Freilandgehege. Doch können sich die Viren und Bakterien aus den Intensivställen aufs Freiland ausbreiten. Und die Vogelzüge kommen wahrscheinlich als Institutionen zur Verbreitung der Seuchen kaum in Frage, weil schwerkranke Vögel wohl nicht längere Flugstrecken aus eigenem Antrieb zu bewältigen imstande wären. Aber selbstverständlich sucht man die Schuldigen immer dort, wo keine wirtschaftlichen Interessen tangiert werden. Vogelzüge gehören nun einmal nicht zum Rentablen – sie rentieren sich nur für die Zugvögel, falls sie unterwegs nicht durch Delikatessenliebhaber abgefangen werden.
 
Der behördliche Aktionismus unter dem neuen Schauerwort „Pandemie“ (Steigerungsform von Epidemie) ist eine Folge der Panikmache der Weltgesundheitsorganisation WHO, dem globalen Arm der US-Pharmaindustrie, und des darauf fussenden Medienspektakels. In der empfehlenswerten Zeitung „Zeit-Fragen" vom 28. 11. 2005 schrieb der Kanadier Michel Chossudovsky :„Die ‚Hidden Agenda’, die dahinter verborgene Absicht, besteht darin, die Gefahr einer Pandemie und/oder der Misère einer Naturkatastrophe als Vorwand zu nehmen, um das Kriegsrecht hinter der Fassade einer ‚funktionierenden Demokratie’ einzusetzen.“ Darin haben die Amerikaner bereits einige Übung. Unter dem Vorwand der Terrorismus-Bekämpfung können Freiheitsrechte ausgehebelt werden. Nach dem gleichen Strickmuster können Regierungen auch dazu gebracht werden, nutzlose bis gefährliche Impfstoffe massenweise zu kaufen. Die Sache rechnet sich.
 
Deshalb liegt mir daran, das BVET ausdrücklich zu loben. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Amtsstelle weigert, ihre Rolle im frei erfundenen Pandemie-Theater zu spielen.
 
Vorhang. Und Applaus. Aufstanding Ovations.
 
Hinweis auf weitere Blogs zur Vogelgrippe
18. 10. 2005: „Vogelgrippe: Himmelschreiende Entsorgung von Federvieh“
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