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BLOG vom 14.09.2006


Genfood-Seuche: Wenn in China ein Sack Gen-Reis umfällt
Autor: Heinz Scholz
 
Schon länger kursiert der Witz, wenn in China aus Nachlässigkeit ein Sack mit genmanipuliertem Reis umfalle, könnte sein Inhalt viele Tonnen normalen Reis verunreinigen. Genau das ist jetzt passiert. Chinesische Forscher der Universität für Landwirtschaft der Stadt Wuhan hatten den Bt-Reis nicht nur für Forschungszwecke angebaut, sondern auch an Bauern verkauft. Der genmanipulierte Reis sollte nach den chinesischen Vorschriften jedoch im Sack bleiben. Als die Geschichte durch „Newsweek“ publik gemacht wurde, zerstörten die chinesischen Behörden entsprechende Felder und verhängten Strafen.
 
Greenpeace liess chinesische Reisprodukte (u. a. Reisnudeln) in Deutschland, Frankreich und Grossbritannien untersuchen. Die Laboranten entdeckten 1½ Jahre nach diesem Vorfall in 5 von 29 Produkten Spuren von Bt-Saatgut.
 
Genreis aus den USA kam nach Europa
Von 162 untersuchten Proben Langkornreis aus den USA enthielten 33 Proben die gentechnisch veränderte Reissorte LL601 (Liberty Link der Bayer AG). Fündig wurden die Untersucher bei einem Discounter (Aldi Nord) in Norddeutschland und in einer Schiffsladung in Rotterdam. So waren 3 Teilladungen der insgesamt 20 000 Tonnen Reis verunreinigt. Die verunreinigte Ware wurde zerstört oder in die USA zurückgeschickt. Soeben wurde auch in Baden-Württemberg Gen-Reis entdeckt.
 
Die Langkornsorten aus den USA wurden nun in Discountern in Deutschland (Aldi Nord) aus den Regalen genommen. In der Schweiz (Coop und Migros) wurde vorsorglich der US-Reis aus den Regalen entfernt.
 
Warum erst jetzt der illegale Reis entdeckt wurde, lag daran, dass die Untersuchungsämter keine tauglichen Testverfahren hatten. Für ein Testverfahren sind nämlich Referenzproben der genveränderten Sorten notwendig. Bayer hat Anfang September 2006, also sehr spät, die Labors mit Referenzmaterial beliefert. Den US-Labors stehen Referenzproben aller in den USA im Feldversuch getesteter Reissorten nicht zur Verfügung. Da können die Laborchefs lange suchen ...
 
Kein Reisfreund kann sicher sein, dass er in den letzten 5 Jahren nicht diesen verunreinigten Reis konsumiert hat. Die Skeptiker hatten also Recht. „Wir essen Genreis und merken es nicht, weil die Packung nicht gekennzeichnet ist“, betonte Daniela Weingärtner in einem Kommentar der „Badischen Zeitung“ vom 13. Sptember. 2006.
 
Keine Feldversuche mehr mit LL601
Seit 2001 werden mit der Reissorte LL601 keine Feldversuche mehr durchgeführt. Die Firma Bayer hatte die Lust an diesem Projekt schnell verloren, weil die Erträge zu gering waren. Nun verklagen die Reisbauern den Konzern, weil der Gen-Reis ihre Felder verunreinigt hat. Die Folgen sind für die Reisbauern verheerend, sie setzen weniger um, und die Preise sinken.
 
Die Europäer importierten bisher monatlich 20 000 Tonnen Reis aus den USA. Japan, der der grösste Importeur von US-Reis ist, setzte vorrübergehend den Import aus. Henning Strodthoff, Gentechnikexperte von Greenpeace, vermutet, dass der Gen-Reis durch kontaminiertes Saatgut verbreitet wurde.
 
„Der Fall des Gen-Reises aus den USA zeigt das hohe Risiko der Verunreinigung erneut. Strenge Regelungen reichen nicht aus. Deshalb fordert Greenpeace ein Verbot für Feldversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen“ ( Zitat von Strodthoff).
 
Gen-Gras weit verbreitet
In den USA breitet sich ein nie zugelassenes Gengras in der Gegend von Portland aus. Das für Golfplätze entwickelte Gras ist gegen das Herbizid Roundup Ready der Firma Monsanto resistent. „Golfplatzbesitzer könnten spritzen, was das Zeug hält, ohne dass ihr grünes Gras darunter leiden würde“, liess Greenpeace verlauten.
 
Ökologische Risiken durch Gen-Mais
In Deutschland wird seit letztem Jahr der Gen-Mais MON810 (Bt-Mais) auf einer Fläche von 950 Hektar in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt angebaut. Gen-Mais wächst inzwischen auch in Frankreich, Tschechien und Spanien heran, während in Ungarn, Polen, Griechenland, Österreich und in der Schweiz dieser Mais nichts zu suchen hat.
 
Das Saatgut enthält ein Genkonstrukt des Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt). In allen Teilen der Pflanze ist dann das Gift vorhanden. Es tötet den schädlichen Maiszünsler ab. Aber leider werden auch andere Organismen geschädigt, so die natürlichen Gegner des Maiszünslers, die Florfliege und die Schlupfwespe. Wie in einem Report von Greenpeace nachzulesen ist, schlüpfen weniger Wespen aus den Eiern und bei der Florfliege wurde eine erhöhte Sterblichkeit gesehen.
 
Aber damit noch nicht genug: Nehmen Bienen den Bt-Mais-Pollen auf, verringert sich die Brutaufzucht, wenn die Pollensammler von einem natürlich vorkommenden Parasiten befallen werden. Auch bei Regenwürmern macht sich eine Veränderung nach Fütterung mit Bt-Mais bemerkbar. Sie haben ein geringeres Gewicht, und es schlüpfen weniger Regenwürmer aus ihren Kokons. Die Schmetterlinge (Monarchfalter, Tagpfauenauge, Schwalbenschwanz) reagieren besonders empfindlich auf das Bt-Gift. Schon geringe Mengen führen zum Tod. 3 Schmetterlingsarten reagieren genauso empfindlich und eine Art sogar mehr auf das Gift als der Maiszünsler.
 
Auch die Schädlinge wehren sich mit aller Macht gegen das Gift. Sie bilden natürliche Resistenzen aus. Dann ist es vorbei mit den Träumen der Gentechniker, die immer wieder behaupten, es könnten Pestizide eingespart werden.
 
Vielfach wurde behauptet, das Bt-Gift baue sich im Boden rasch ab. Dies ist jedoch nicht der Fall. Neue Untersuchungen wiesen nach, dass das Toxin noch über Monate nach der Ernte im Boden intakt bleibt. Unbekannt ist noch, wie sich das Gift auf die Bodenbakterien und auf Symbionten von Pilzen mit Pflanzenwurzeln auswirkt.
 
Wie Greenpeace weiterhin berichtet, ist die Giftproduktion unberechenbar. So ist das Bt-Gift in allen Pflanzenteilen in unterschiedlichen Mengen vorhanden. Es gibt sogar Bt-Pflanzen, die kein Gift bilden.
 
Auch kann mir heute kein Wissenschaftler sagen, was bei den Transgenen, die mittels Gen-Kanone in die Pflanzenzelle geschossen wird, passiert. Ich bin überzeugt, dass Gene der Mais-Pflanze, aber auch die DNA-Sequenz des Transgens, beeinflusst werden.
 
Risikoabschätzung der EU
Die Europäische Kommission stellt eine verlässliche Risikoabschätzung von Bt-Pflanzen in Frage: „Eine GV-Kulturpflanze, in deren Genom ein neues Bt-Gen eingefügt wurde, führt zu einer Vielzahl unvorhersehbarer Wechselwirkungen (…). Niemand kann wissenschaftlich behaupten, alle Konsequenzen aus dem Vorhandensein und der Wirkungsweise eines neuen Gens in einem Genom, das dieses Gen (…) noch nie enthalten hat, vorhersagen zu können (…).“
 
„Risiken nicht bewiesen“
Auch die Grünen forderten im Kreistag des Landkreises Lörrach einen Verzicht auf Gentechnik in der Landwirtschaft. Ziel ist es, eine gentechnikfreie Region am Oberrhein und am Hochrhein zu schaffen. Der Umweltausschuss des Kreises lehnte den Vorstoss ab. Die Begründung ist haarsträubend; Michael Baas, Redakteur der „Badischen Zeitung“, hat sie in seinem Bericht vom 27. Juni 2006 niedergeschrieben:
 
„Angesichts der globalen Entwicklung erscheine es unrealistisch, eine Insel schaffen zu wollen, so Landrat Schneider. Im Übrigen, darauf wies Reinhold Vetter vom Fachbereich Landwirtschaft hin, seien ,Risiken’ gentechnisch veränderter Lebensmittel für die Verbraucher ,nicht bewiesen’. Vielmehr werde kein anderer Bereich der Lebensmittelproduktion so genau kontrolliert.“
 
Reinhold Vetter sagte aber auch, dass sich ein Verbot auf Kreis-eigenen Nutzflächen erübrige, weil sich die Landwirtschaft darauf geeinigt habe, keine „Grüne Gentechnik“ einzuführen.
 
Man sollte den Skeptikern und Kritikern von Greenpeace einmal empfehlen, Fachliteratur zu lesen. Besonders empfehlen möchte ich das Werk „Gefahr Gentechnik – Irrweg und Ausweg“ von Manfred Grössler (Hrsg). Hier klären Experten auf.
 
Ich bin überzeugt, dass in naher oder ferner Zukunft die „Grüne Gentechnik“ (welch ein irreführender Ausdruck!) ausgespielt hat. Unsere Nachfahren werden erkennen, welch ein Wahnsinn hier versucht wurde.
 
Auf Dauer unwirtschaftlich
Schon heute wissen wir Folgendes: 
 Mit der Gentechnik kann den Hunger in den Entwicklungsländern nicht bekämpft werden.
 Auf Dauer ist die „Grüne Gentechnik“ unwirtschaftlich. Es gab Fehlschläge, besonders in Indien und Afrika. Bauern mussten teures Saatgut kaufen. Es gab Ernteausfälle, die Bauern mussten danach mehr Pestizide spritzen, weil sich so genannte „Superunkräuter“ ausbreiteten.
David Lawrence, Forschungschef von Syngenta, gab in der Zeitschrift „Die Welt“ zu, dass die klassischen Methoden „ohnehin häufig effektiver“ seien als die Biotechnologie. „Wir haben bei Saatgut und Pflanzenschutz schon viel mit der Gentechnik experimentiert und sind oft gescheitert“, erklärte Lawrence. Endlich gab einmal ein namhafter Forscher den Unsinn der Gentechnik zu.
 Die Gentechnik-Nahrung birgt folgende Risiken: Ausbildung von Allergien, Veränderung des Immunsystems, Antibiotika-Resistenzen. Die giftigen Herbizide können neurologische, respiratorische, gastrointestinale, hämatologische Vergiftungen und Geburtsschäden auslösen.
 
Quelle: Report des Independent Science Panel (ISP) von Mae-Van Hoe. Bei diesem Report beteiligten sich mehrere Dutzend unabhängige Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Das Resultat war „ein Plädoyer für eine gentechnikfreie zukunftsfähige Welt“. In dem Report wird das näher erklärt: „Eine Landwirtschaft ist zukunftsfähig, wenn sie ökologisch einwandfrei, ökonomisch tragbar, sozial gerecht, kulturell angemessen, menschlich ist und auf einem ganzheitlichen Ansatz basiert.“ Als Beispiel wurde die biologische Landwirtschaft, die ja ohne Pestizide, Herbizide und Kunstdünger auskommt, genannt. Es sind in der Tat zukunftsweisende Vorschläge, die hoffentlich immer mehr zum Tragen kommen werden.
 
Da die ökologischen Risiken nicht abschätzbar sind, die Vorteile der Gentechnik in der Landwirtschaft ad absurdum geführt wurden, ist die Forderung von Greenpeace unbedingt zu unterstützen. Greenpeace, die ich als das ökologische Gewissen dieser Welt bezeichne, fordert zu Recht Folgendes:
 
„Kein Anbau von Gen-Pflanzen, keine Gen-Pflanzen im Tierfutter, keine Gentechnik im Essen. Das ist notwendig und richtig.“
 
Literatur
Manfred Grössler (Hrsg): „Gefahr Gentechnik – Irrweg und Ausweg“, Concord Verlag Mariahof, Graz 2005 (www.concordverlag.at).
Heinz Scholz: Richtig gut einkaufen – Die moderne Lebensmittelkunde für den Alltag“, Verlag Textatelier com, CH-5023 Biberstein 2005 (mit grossem Kapitel über Genfood).
Jeffrey M. Smith: „Trojanische Saaten – GenManipulierte Nahrung – GenManipulierter Mensch“, Riemann Verlag, München 2004.
 
Infos im Internet
http://www.greenpeace.de (viele Infos zur Gentechnik)
http://www.spiegel.de (Die Spur des falschen Reissacks)
http://focus.msn.de (Lebensmittelskandal: Jede 5. Probe enthält Genreis)
http://www.sueddeutsche.de (Verbotener Genreis in ganz Europa)
 
Hinweis auf weitere Blogs zur Gentechnik
10.04.2004: „Zielstrebige Genmais-Verbreitung als Schlamperei getarnt?“
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