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BLOG vom 10.12.2006


Menschen für Äthiopien: Karlheinz Böhm kam nach Lörrach
Autor: Heinz Scholz, Schopfheim D
 
Am 02. 12. 2006 fand im Burghof Lörrach der Benefizabend für die Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ statt. Angekündigt war auch der Gründer der Hilfsorganisation, Karlheinz Böhm. Noch vor einigen Tagen war nicht sicher, ob er im Stadtcasino Basel (01.12.2006) und in Lörrach auftreten könnte, da er gesundheitliche Probleme hatte. „Wir bekamen einen grossen Schreck“, meinte der Veranstalter Hans-Peter Pichlhöfer, 1. Vorsitzender der NaturFreunde e.V. Lörrach, und fuhr erleichtert fort: „aber nun ist er da, wir freuen uns sehr.“ Es ist klar, dass ein so berühmter Mann, der unglaublich viel in Äthiopien bewegt hat, nach diesen Worten und später immer wieder viel Beifall erhielt.
 
Nach einer Ansprache der Oberbürgermeisterin Gudrun Heute-Bluhm, welche die Schirmherrschaft der Veranstaltung übernommen hatte, zeigte die afrikanische Trommlergruppe „Shabba“ ihr Können. Sie begeisterte das Publikum mit ihren Gesängen, einem Stelzentänzer und einem Feuerschlucker.
 
Grossartig waren weitere musikalische Einlagen, wie von den Cellospielern der Musikschule Lörrach und der Liedervortrag der Sängerin Heidi Engler-Ludin, die am Flügel von Siegfried Bürgelin begleitet wurde.
 
Während des Abends wurde den Gästen das Land Äthiopien näher gebracht. Es wurden Dias gezeigt, die anlässlich einer Äthiopienreise im letzten Jahr gemacht wurden. Bei dieser Gelegenheit lernten die Naturfreunde auch Karlheinz Böhm kennen. Es reifte bald darauf der Entschluss, eine Benefizveranstaltung zu organisieren. Die Dias wurden von Vreni Hirt erläutert.
 
Ein weiterer Höhepunkt war die Vorführung eines Filmes über die Projekte von „Menschen für Menschen“. Darüber später etwas mehr. Zunächst möchte ich dem Leser etwas Biographisches über Karlheinz Böhm näher bringen.
 
Er spielte den jungen Kaiser
Karlheinz Böhm wurde am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn der Sopranistin Thea Linhard und des Dirigenten Karl Böhm geboren. Ursprünglich wollte er Pianist werden. Als er eines Tages vorspielte, meinte der Prüfer: „Für den Sohn vom Böhm ist es ein bisschen dürftig.“ Karlheinz Böhm studierte Anglistik und Germanistik und in Rom Kunstgeschichte. Er brach jedoch sein Studium nach dem 1. Semester ab, um Schauspielunterricht zu nehmen. Von 1948 bis 1976 war er als ein erfolgreicher Schauspieler tätig. Er wirkte in 45 Kinofilmen mit, spielte etliche Theaterstücke. Er brillierte als junger Kaiser Franz Josef zusammen mit Romy Schneider in den „Sissi“-Filmen.
 
Als junger Bursche sah ich mir diese Filme, die 1955, 1956 und 1957 gedreht wurden, im Fernsehen an. Alle Familienmitglieder waren damals zu Tränen gerührt. Ich erinnere mich noch heute an den stolzen Kaiser und an sein flottes Gewand, das reichlich mit Orden behängt war.
 
Karlheinz Böhm war mit Elisabeth Zonewa verheiratet (eine Tochter entstammt dieser Ehe), dann mit der Schauspielerin Gudula Blau (3 Kinder). Katharina Böhm ist heute eine bekannte Schauspielerin. Sie entstammt aus seiner 3. Ehe mit Barbara Lass. Seit 1991 ist Karlheinz Böhm mit der Äthiopierin Almaz verheiratet. Mit ihr hat er 2 Kinder (Nikolaus, *1990, Aida, *1993).
 
Noch ein Nachtrag: Gudula Blaus Schwester arbeitete in derselben Firma (Ciba-Geigy in Wehr) wie ich. Aus diesem Grunde machte ich mich schon früh mit der Schauspielerin Gudula Blau kundig. Sie drehte in den frühen 1980er-Jahren, soweit ich mich erinnern kann, sogar einen Film in Wehr und in der Umgebung. Ich wusste jedoch nicht, dass sie mit Karlheinz Böhm verheiratet war. Nach Studium seiner Biographie war dies für mich eine Überraschung.
 
Hilfe für Afrika
1976 lernte Böhm während eines Kuraufenthaltes in Kenia die Kehrseite der Luxusfassade kennen. Die Armut der Hotel-Angestellten und die der anderen Einheimischen hinterliessen bei ihm einen nachhaltigen Eindruck. Er konnte sich mit der Armut nicht abfinden und entschloss sich, den Armen zu helfen. In der Sendung „Wetten dass…?“ wettete er am 16. Mai 1981, dass nicht einmal jeder 3. Zuschauer eine Mark spenden würde, um die notleidende Bevölkerung in der Sahelzone zu unterstützen. Bei Verlust der Wette würde er persönlich nach Afrika reisen, um zu helfen. Er gewann die Wette, da nur 1,2 Millionen Mark zusammenkamen. Jeder andere hätte das Handtuch geworfen und sich damit abgefunden. Nicht so Karlheinz Böhm. Er reiste mit dem Geld nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 die Hilfsorganisation „Menschen für Menschen“.
 
Die Hilfsorganisation sammelte in 25 Jahren über 230 Millionen Euro an Spendengeldern. In der Stiftung arbeiten heute etwa 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Äthiopien (nur 7 stammen aus Europa). Für das Jahr 2007 stehen 24 Millionen Euro für neue Projekte bereit. Böhm wohnt übrigens einige Monate in Äthiopien und den Rest des Jahres in Österreich. Er ist dann auf Vortragsreisen in ganz Europa.
 
Eindrucksvoller Film über die Projekte
Die Bilanz aus 25 Jahre Hilfe zur Selbstentwicklung wurde sehr eindrucksvoll in einem Film dargestellt. Die Organisation hat bisher 21 Krankenstationen, 3 Krankenhäuser, fast 1000 Wasserstellen, 194 Getreidemühlen und 100 Schulen gebaut. 39 Millionen Baumsetzlinge wurden auf Veranlassung der Organisation gepflanzt.
 
Unermüdlich kämpfen Karlheinz Böhm, seine Frau Almaz und seine Helfer vor Ort gegen die Armut an. In zahlreichen Bezirken, die insgesamt die Fläche von Bayern ausmachen, wurden die Infrastruktur und die Wasserversorgung verbessert. Erfolge wurden auch in der Landwirtschaft, Bildung, Medizin und Sozialarbeit erzielt.
 
Ein besonderes Anliegen von Karlheinz und Almaz Böhm ist die Beseitigung der Benachteiligung der Frauen. Auch gehen beide gegen die Kinderheirat vor und setzen sich für eine vernünftige Familienplanung ein. Die beiden müssen immer noch gegen Vorurteile ankämpfen und allen klar machen, dass Frauen die gleichen Rechte wie Männer haben.
 
Eine Passage des Films hat mich sehr bewegt. In eindringlichen Worten schilderte Böhm anlässlich einer Dorfversammlung den überaus blutigen Vorfall einer Beschneidung von einem Mädchen, das die Prozedur nicht überlebte. Böhm weist dann immer darauf hin, dass sowohl im Koran als auch in der Bibel nichts über diesen barbarischen Brauch steht. Inzwischen ächten auch muslimische Theologen die weibliche Genitalverstümmelung. Sie erklärten anlässlich einer Konferenz in Kairo, die Beschneidung sei nicht mit dem Islam vereinbar.
 
„Der Spiegel“ (2006-49) gab kürzlich folgende erschreckende Zahlen bekannt: Täglich werden 6000 Mädchen Opfer der Genitalverstümmelung. Die WHO schätzt, dass bisher zwischen 100 und 140 Millionen Frauen weltweit beschnitten wurden.
 
Im Film wurden auch Besuche in Schulen gezeigt. Es ist unglaublich, mit welcher Begeisterung die Kinder und auch die Erwachsenen (am Abend) zur Schule gehen und lernen. Da könnten sich so manche Kinder bei uns eine Scheibe abschneiden und sich diese lernwilligen und begeisterungsfähigen jungen Afrikaner als Vorbild nehmen.
 
Donnernder Applaus für „Vater Karl“
Nach diesem eindrücklichen Film trat „Vater Karl“, wie er von seinen afrikanischen Freunden genannt wird, ans Rednerpult. Er bekam einen donnernden Applaus. Böhm schilderte dann seine Erlebnisse, die teilweise auch im Film gezeigt wurden. Etwas hat mich besonders überrascht, nämlich seine Motivation. Wörtlich sagte er: „Mein Antrieb war Wut. Wut über die unfassbar grosse Kluft zwischen Arm und Reich auf unserem gemeinsamen Planeten und über die Verantwortlichen, die diese Kluft vergrössern, weil sie mit unserer Welt umgehen, als wäre sie ihr persönliches Eigentum.“
 
Dann hörten alle im Saal seinen grössten Wunsch. Nämlich, dass eines Tages die äthiopische Regierung zu ihm kommt und sagt: „Karl, jetzt warst du schon solange hier. Vielen Dank. Wir brauchen dich nicht mehr und wir kommen mit unseren Problemen selber zurecht.“ Er wünscht der jungen Generation, die jetzt heranwächst, eine existenzielle Sicherheit. Aber sein Wunsch wird wohl nicht so schnell in Erfüllung gehen. „Wir müssen etwas tun als Menschen für Menschen“, waren seine Schlussworte.
 
Zum Schluss der Veranstaltung überreichte Hans-Peter Pichlhöfer einen Scheck über 26 000 Euro an Karlheinz Böhm. Dieser Betrag setzte sich aus Firmenspenden und dem Eintrittspreis (20 Euro pro Person) zusammen.
 
Es war ein interessanter, schöner, aber auch bewegender Abend. Vielen wurden im wahrsten Sinne des Wortes die Augen geöffnet. Auch meine Augen waren weit geöffnet. So wusste ich nicht, dass beispielsweise nur 18 % der Bevölkerung in Äthiopien Zugang zu Wasser haben, 57 % der Bevölkerung über 14 Jahre Analphabeten sind, ein Arzt 33 000 Patienten versorgen muss und es nur ein Krankenhaus für über 800 000 Bewohner gibt.
 
Wichtig ist, dass alle Aktivitäten in enger Zusammenarbeit mit den Bäuerinnen und Bauern geplant und umgesetzt werden. „Die Lösungen sind nicht an politische, wirtschaftliche oder religiöse Bedingungen geknüpft. Die Menschen können sie im Einklang mit ihrer Kultur umsetzen“, so die Stiftung. Die Stiftung schätze ich besonders, weil sie eine „Hilfe zur Selbstentwicklung“ anbietet. Es wird „den Menschen die Möglichkeit gegeben, ihre eigene Entwicklung selbst in die Hand zu nehmen und aus eigener Kraft ihr Leben zu verbessern“.
 
Infos im Internet
 
Adresse in D
Stiftung Menschen für Menschen
Karlheinz Böhms Äthiopienhilfe
Brienner Strasse 46
D-80333 München
Tel.: (089) 383979-0
Fax: (089) 383979-70
Spendenkonto:
Nr. 18 18 00 18
Stadtsparkasse München (BLZ: 701 500 00)
 
Adresse in CH
Stiftung Menschen für Menschen
Stockerstrasse 10
CH-8002 Zürich
Tel.: 043 499 1060
Fax: 043 499 1061
 
Adresse in A
Stiftung Menschen für Menschen
Capistrangasse 8/10
A-1060 Wien
Tel.: (01) 58 66 950-0
Fax: (01) 58 66 950-10
 
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