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BLOG vom 07.03.2007


Mit dreifach gereinigter Brille an der Muba Basel unterwegs
Autor: Walter Hess, Biberstein CH

Meine Brille wurde dreimal gereinigt, teilweise auf der Basis von Nanotechnologie, und das Metallarmband meiner Omega-Uhr wurde mit einem Dampfreiniger, der mit allem Unerwünschten fertig wird, bis in die letzten Verstecke von oxidiertem Metall und Staub geputzt. Ich habe Gamswürstel, Hirschwürstel und Bündner Salsiz und allerhand ausgereiften Käse aus Rohmilch probiert – ebenso im Absatzbereich abgerundete Schuhe (MBT physiological footwear), diese allerdings nur an den Füssen. Diese Schaukelschuhe hat der Schweizer ETH-Ingenieur Karl Müller aufgrund der barfuss laufenden Masai (Massai) konstruiert. Da ich selber bei jeder Gelegenheit barfuss gehe, ohne Masai zu sein, brauchte ich diese nach der „Masai Barefoot Technology“ konstruierten Schuhe nicht zu kaufen.
 
Dafür massierte mir eine nette junge Dame mit original-chinesischem Aussehen meine Hände, den Rücken und die Beine mit einem stark vibrierenden Gerät, bei dem noch magnetische Kräfte mitspielen. Und meine Hände wurden anschliessend von einer reifen Österreicherin mit verschiedenen Bio-Salben und Hingabe eingecremt. Die füllige Dame mit mütterlichem Charme hatte erkannt, dass meine Haut etwas trocken sei und die Latschenkiefersalbe eigentlich genau das sei, was mir bisher noch gefehlt hat. Die Natur hält immer die richtige Lösung bereit. Die Asphikan-Datteln und Trockenfrüchte aus dem Iran, die ich gleich nachher degustierte, schmeckten herrlich. Ich nahm von den saftigen, schmackhaften, ausgereiften und süssen Datteln 750 g (10 CHF) mit. Und wohl weil ich dem quirligen Iraner am Stand noch meine Sympathie für sein Land bekundet hatte, schenkte er mir noch ein Paket mit kleinen getrockneten Feigen.
 
Man ahnt es sogleich: Wir waren an der Mustermesse in Basel – und zwar am Montag, 5. März 2007. Und seither weiss ich wieder, was Fakt ist: Der Mensch von 2007 braucht nach wie vor viele Küchenmaschinen, und das Reinigungsprodukte-Gewerbe floriert – bis hin zum erwähnten Dampfstaubsauger. An Kleidern und Möbeln („Wohnsinn“) können die Leute gar nie genug erhalten. Und zum Leidwesen aller Zierfische haben sich auch die Aquarien den Flachbildschirmen angepasst. Es sind Flachaquarien mit reduziertem Volumen entstanden. Deshalb wurden kleinere Fische als Insassen gewählt, die im schmalen Zwischenraum ihre Runden mit engem Radius drehen. Ich hätte sie gern gefragt, was sie davon halten, kann es mir aber lebhaft vorstellen. Und auch der Bedarf an Schmuck wie auch an Bernstein („baltisches Gold“) scheint noch immer nicht vollständig gedeckt zu sein. Er gefällt mir auch.
 
Dieser Stein mit seiner schützenden Kraft hat im Handy-Zeitalter viel zu tun, zumal an weiteren kommunikationstechnischen Geräten noch ein gewisser Bedarf zu bestehen scheint, obschon es ja nichts Schöneres gibt, als mit Menschen direkt zu kommunizieren, wie das an der Muba ja noch möglich ist. Nette Verkäuferinnen und Verkäufer laden einen ununterbrochen zum Plaudern und dann zu Verkaufsgesprächen ein, und allein mit Wein-Degustieren könnte man den ganzen Tag verbringen. Sie mögen bitte Verständnis dafür haben, dass ich nicht alles kaufen wollte, was sie mir anzudrehen sich anschickten.
 
Die Muba ist eine Fundgrube der Erkenntnis: An einer Sonderschau habe ich bestätigt gefunden, dass das Älter werden Spass macht. Das trifft sich gut, denn ich bin in den vergangenen fast 70 Jahren noch keinem einzigen Menschen begegnet, der nicht täglich älter würde. Pro Tag ist es ziemlich genau 1 Tag. Die Welt verändert sich mit uns. Und ich weiss nun, dass diese Moderne gern mit aufblasbaren Zelten und aufblasbaren Reklameträgern arbeitet.
 
Und wem es als Pensionist langweilig sein sollte, könnte an der Muba beim Schaubrauen-Zuschauen das Bierbrauen erlernen oder auch das Kompostieren, letzteres im Rahmen der „Sonderschau Recycling“. Im Parterre der Halle 1.0 zog mich – es war beinahe Zeit zum Mittagessen – eine überlebensgrosse grillierte Kalbsbratwurst in ihren Bann. Und dazu las ich die nachdenklich stimmende Botschaft, dass für die Herstellung auch nur schon einer einzigen solchen Wurst in Normalgrösse (150 g) nicht weniger als 1000 l Wasser benötigt würden, über alles gerechnet (also vom Futteranbau, das Tränken der Kälber und die Vorgänge in der Metzgerei), wovon 80 % auf die landwirtschaftliche Produktion entfallen. Und für ein Brötchen mit dem gleichen Gewicht sind immer noch 200 l Wasser nötig.
 
Ich konnte angesichts solcher Wasserverbrauchs-Dimensionen mit dem Geologen Dr. Thomas Lichtensteiger, Wissenschaftler an der Eawag (Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs) in CH-8600 Dübendorf sprechen. Ich wagte einzuwenden, dass wir in der Schweiz ja zum Glück genügend erneuerbares Wasser zur Verfügung haben (etwa 14 000 l pro Person und Tag stehen uns zur Verfügung, genug für 14 Bratwürste). Demgegenüber beträgt die entsprechende Wassermenge in Südkorea 4100 l – und in Libyen sind es nur 300 l. Kein Wunder, dass es dort keine Bratwürste gibt. Mit anderen Worten: Die Menschen in wasserarmen Gebieten können sich also unseren Lebensstil gar nicht leisten. Herr Lichtensteiger brachte nun die intelligente Idee auf, eigentlich müssten bei der Wahl der Produktionsstandorte der Wasserverbrauch und die zur Verfügung stehende Wassermenge in Übereinstimmung gebracht werden. Die Schweiz würde produzieren, was viel Wasser benötigt, trockenere Gebiete aber, was wenig davon braucht, zum Beispiel Trockenfrüchte.
 
Wer sich für das verantwortungsbewusste Verhalten dem Wasser und auch der Energie gegenüber interessiert, findet im Hauptgebäude des Wasserforschungs-Instituts Eawag an der Überlandstrasse 133 in CH-8600 Dübendorf ZH einen guten Anschauungsunterricht; über Führungen kann man sich auf der Webseite www.eawag.ch orientieren. Das im September 2006 eröffnete EAWAG-„Haus der Kommunikation und der Forschung“ hat eine Fassade mit blauen Glaslamellen zur Regelung der Sonneneinstrahlung, eine hoch isolierte Gebäudehülle und ein Lüftungssystem (aber keine herkömmliche Heizung und keine Klimaanlage). Zur Ausstattung gehören eine Photovoltaikanlage, Sonnenkollektoren sowie ein Lufterdregister, ein Atrium, dessen Glasdach Licht ins Gebäude bringt, ein extensiv begrüntes Dach, welches Regenwasser zurückhält und sammelt, das dann in regenwassergespülte NoMix-Toiletten fliesst, die für die separate Sammlung von Urin eingerichtet sind. Das Haus ist aus umweltverträglichen Materialien erstellt, und ein Goût-Mieux-Restaurant bietet Biogerichte an. Stilrein. Ich habe mir vorgenommen, diese Anlage, die rund 30 Mio. CHF kostete, einmal anzuschauen. Informationen: http://www.forumchriesbach.eawag.ch/fuehrung.htm
 
Ich sammelte beim weiteren Rundgang noch einige Prospekte über die Gastregionen Avenches, Leimental und das deutsche Badenerland mit seinen handwerklichen und bäuerlichen Produkten und seinen Kunstschaffenden wie den Glasbläsern, und auch das Gastland Mexiko, das sich recht bescheiden gab.
 
In „Le Restaurant“ ass ich einen währschaften Hackbraten nach Grossmutterart mit Gemüse und Nüdeli. Und als wir müde waren, kauften wir bei einem Vietnamesen einen faltbaren Hängemattenständer und eine Hängematte mit einer Tragkraft von 150 kg, made in Vietnam für nur 80 CHF – da kann ich also noch deutlich an Gewicht zulegen. Ich mag jenes Land. Der Verkäufer lehrte mich noch den perfekten Einstieg in eine bzw. den Ausstieg aus einer Hängematte, nachdem ich dies bisher jeweils von einer Seite her getan und dabei eine eigentliche Virtuosität erzielt hatte. Das sei nicht richtig, sagte der Vietnamese: Man hebt ein Bein über die Hängematte, setzt sich ab und liegt ab – bzw. umgekehrt.
 
In früheren Jahren besuchte ich die Basler Muba auch aus beruflichen Gründen regelmässig, alle Jahre wieder. In den vergangenen 5 Jahren machte ich Pause. Und nun hatte ich das Gefühl, sie habe mächtig abgespeckt. In einem halben Tag durchforste ich diese Ausstellung problemlos – früher reichte ein Tag nicht aus. Die Natura ist nicht mehr vorhanden (dafür eine NATUR-Messe mit den Bereichen „Natürlich einkaufen“ und „Natur-Wissen“ vom 8. bis 11.3.2007, die während meines Besuchs aber noch nicht offen war), und in der Halle 3 ist nicht mehr viel mehr als etwas Sportbetrieb.
 
Die Zeiten ändern sich, auch die Ausstellungssitten. Im Freien, auf dem Messeplatz, war etwas Schnee hingekarrt worden, dessen Dahinschmelzen mit dem besten Willen nicht verhindert werden konnte. Aber wenigstens wissen wir jetzt wieder, wie Schnee aussieht – eine gräuliche bis schwarze Masse mit einem gewissen Weissanteil.
 
Und auch auf dem Messeplatz kaufte ich bei einem Holzofenbäcker den teuersten Nussgipfel meines Lebens: 2.80 CHF, der meinen Geldbeutelinhalt zum Schmelzen brachte. Ich ersparte es mir, den dafür nötigen Wasserverbrauch zu berechnen.
 
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