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BLOG vom 03.06.2007


ISOS und Kanton Luzern: Schulung des Ortsbilder-Sehens
Autor: Walter Hess, Biberstein CH
 
Was da so in der Landschaft herumsteht, ist schon nicht alles reif für die Bezeichnung „Weltkulturerbe“ oder von „nationaler“, „kantonaler“, „regionaler“ oder „lokaler Bedeutung“. Doch gibt es sehr wohl Bauten und ganze Gebäudegruppen (bis hin zu Altstädten), die so gelungen sind, dass ihr Anblick im höchsten Masse erfreut, ja beglückt. Solche Bilder möchte man erhalten, vor verunstaltenden Einflüssen bewahren; vor allem gilt es heute dafür zu sorgen, dass nicht irgendwelche unproportionierte Bauten oder andere ärgerliche Störfaktoren hinzugeklotzt werden. Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz (ISOS) wird zum Begriff Störfaktor eine anschauliche Erklärung abgegeben: „Ein weiss leuchtendes Einfamilienhaus in einem Holzbaudorf beispielsweise trägt nicht zur Verbesserung der Ortsbildqualität bei (...) Der gleiche Bau an einem anderen Ort – beispielsweise am Rand eines alten Arbeiterhausquartiers – würde durchaus nicht als Beeinträchtigung vermerkt.“
 
Man muss also das sehen und urteilen lernen, und nach meiner Auffassung ist die Auseinandersetzung mit dem ISOS die hohe Schulung des Ortsbilder-Sehens. Und das war denn auch der Grund dafür, dass ich die Einladung zu einer Medienfahrt vom 1. Juni 2007 gern angenommen habe. Sie wurde vom Bildungs- und Kulturdepartement des Kantons Luzern veranstaltet. Anlass war das Erscheinen der beiden ISOS-Bände über den Kanton Luzern (23. und 24. Band der Publikationsreihe, Kosten total: 130 CHF), die hervorragendes Dokumentationsmaterial enthalten. Sie stellen 32 (von über 1250 gesamtschweizerischen) Orte(n) von nationaler Bedeutung mit Fotos, Flugbildern und historischen Kartenvergleichen vor. Und mir gefiel es, wieder einmal in einer Meute von Medienschaffenden mit ihrem unkomplizierten und unkonventionellen Verhalten zu sein.
 
Die Exkursion führte zu einigen wenigen exemplarischen Stationen, in Städtchen und Weiler, in denen weise Menschen und ihre Behörden dafür gesorgt haben, dass die Ortsbilder höheren ästhetischen Ansprüchen genügen: Blatten, Geiss, Buttisholz, Sempach, Kirchbühl, Beromünster – alle dank des Dauerregens frisch gewaschen, geduscht.
 
Die ISOS-Seele bzw. -beauftragte, die Architektin Sibylle Heusser, und der Denkmalpfleger des Kantons Luzern, Georg Carlen, waren die kompetenten Begleiter zu den historisch wertvollen Gebäudegruppen. Im Inventar der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz sind 32 Orte von nationaler Bedeutung aus dem Kanton Luzern publiziert, darunter der historische Ortskern Altishofen, die Kulturlandschaft Kastelen und die Villenlandschaft in Meggen (siehe Anhang). Und um sie alle in der Landschaft aufzusuchen, hätte ein halber Tag bei Weitem nicht gereicht. Aber ins Grundsätzliche wurden wir immerhin eingeführt. Und in zukünftigen Reiseberichten werde ich Ortsbeschreibungen von einer höheren Bildungswarte aus vornehmen.
 
Die ISOS-Regeln
Die ISOS-Bewertung basiert auf 4 bemerkenswerten Grundregeln:
 
-- Auch ein Weiler kann nationale Bedeutung haben. Denn nicht allein ein mittelalterlicher Stadtkern, sondern auch ländliche Siedlungen können bestqualifiziert sein, wenn sie aus Bauten, Vorplätzen und Gärten bestehen, die für die Region typisch und die Umgebungen unverbaut sind.
 
-- Quartiere aus dem 19. Jahrhundert können ebenso wertvoll sein wie mittelalterliche Anlagen: Die ISOS-Sichtweise hat sich vom Entstehungszeitpunkt gelöst; sie wendet sich der Art zu, wie sich eine bestimmte soziale, politische und ökonomische Situation (eine bestimmte Lebensform) baulich manifestiert, aus welcher geschichtlichen Phase sie auch immer bestehen mag.
 
-- Auch ein Ortsbild, das keinen einzigen wertvollen Einzelbau enthält, kann nationale Bedeutung haben: Die Sichtweise konzentriert sich also nicht auf kunsthistorisch bedeutende Einzelbauten, sondern auf Gruppen, auf den räumlichen Bezug der Bauten untereinander und zu den Plätzen sowie Strassen.
 
-- Ein Inventar von Ortsbildern ist eine Momentaufnahme in einem Entwicklungsprozess: Die meisten Ortschaften sind über Jahrhunderte hinweg entstanden, und sie dürfen infolgedessen weder in Bezug auf ihre Vergangenheit noch auf ihre Zukunft als statisch betrachtet werden – es geht also ums Denken in Entwicklungsprozessen.
 
Doch manchmal erschrecken Fachleute schon wegen dem, was im Rahmen solcher Prozesse im Zeitalter der Vorfabrikation und Rationalisierung  in kürzester Zeit alles verunstaltet worden ist.
 
Die Wallfahrt zu den ausgesuchten Beispielen
Der fromme Kanton Luzern ist reich an Wallfahrtsorten im religiösen Sinn; er hält diesbezüglich den nationalen Rekord. Und dazu dürften in Zukunft auch Wallfahrten zu baulich schönen Luzerner Orten kommen, die Gesundbrunnen sind und der Erbauung dienen wie alles, was Freude macht.
 
Kriens
In einem kleinen, handlichen Car wurden wir vom Luzerner Theater aus Richtung Kriens chauffiert, das am Vortage gerade zu einer Stadt aufgestiegen war; das Wort Aufstieg rechtfertigt sich, falls die Sache rein quantitativ betrachtet wird. Kriens ist ein verstädtertes Industriedorf. Bei der Vorbeifahrt wurden wir auf die Hofmatt, die alte Station der Kriens–Luzern-Bahn und die alte Post mit der Backsteinfassade auf einem Natursteinsockel hingewiesen.
 
Blatten
Durch die verregneten Carscheiben erhaschte das Medienrudel einen Blick auf Blatten (Gemeinde Malters), das Bautenensemble am Fusse des Blattenbergs, das eine gute Lagequalität hat, mit der berühmten, dem heilig gesprochenen Jost geweihten Wallfahrtskirche, der angebauten Heiliggrabkapelle und der Vermählungskapelle. Das Zentrum des schönen, haufenförmigen Orts besteht aus einem Sakristanenhaus, der Kaplanei, einem Gasthof und gut erhaltenen Bauernhäusern. Rund herum stören keine Neubauten, und die Wiesen dringen in den Weiler hinein. Das machen sie gut.
 
Werthenstein
Der nächste (ehemalige) Wallfahrtsort war Werthenstein (Gemeinden Ruswil und Werthenstein) mit seiner auf einem Felsvorsprung über der viel Wasser führenden Kleinen Emme im 17. Jahrhundert erstellten Kirche, welche der Maria geweiht ist. Die Emme nagt ohne jede Ehrfurcht bedrohlich am Fels und gefährdet die Anlage über ihr, die im 17. Jahrhundert hinsichtlich des Umfangs des Wallfahrts-Tourismus sogar Einsiedeln in den Schatten gestellt haben soll. Der Klosterhof der ehemaligen Franziskaneranlagen Werthenstein wird von einem von 45 toskanischen Säulen getragenen Hallenumgang umrahmt. Die ISOS-Fachleute empfehlen, die Dorfbebauung keinesfalls weiter auszudehnen, weder in der Talsohle noch entlang des Seitenhangs. Es reicht.
 
Geiss
Der dreiteilige Weiler Geiss (Gemeinde Menznau) liegt in einer flachen Geländemulde. Eine Birkenreihe oberhalb und der leicht in die Wiese eingesenkte Schwarzebach unterhalb der Zufahrtsstrasse sind stimmungsvolle, blickführende Elemente im Eingangsbereich zum Weiler. Die leicht erhöht situierte Kirche mit dem von Säulen getragenen Vorzeichen steht in einem reizvollen Zusammenklang mit den Holzbauten von Pfarrhof und Pfarrspeicher. Man erfreute sich sogar an einem Miststock, der vor einer Scheune in eine schmale Strasse hineinragt, empfand ihn sogar als Bijou. Doch ganz so heil ist die Welt nicht mehr überall; es findet sich auch architektonischer Mist dort, wo man ihn lieber nicht sehen würde. So „verunklären“ (ISOS-Sprache) bei der östlichen Dorfeinfahrt beim Schulhaus ein neues Mehrfamilienhaus und die grossen Lager- und Werkgebäude eines Baugeschäfts den Siedlungsrand.
 
Buttisholz
Buttisholz im Amt Sursee (in der östlichen Tallehne des luzernischen Rottals) ist eine Besonderheit mit Stil: Dieses Bauerndorf, das 1861 durch einen Brand teilweise zerstört worden war, wurde mit gleichartigen Wohnhäusern in regelmässiger Reihung wiederaufgebaut, beidseitig des offenen Zielbachs. Dieser kanalisierte, nur ganz leicht gekrümmte Zielbach mit den angenehmen Natursteinmauern wirkt wie eine Mittelachse im Dorf, und subtile Betonbrücklein ermöglichen von Zeit zu Zeit das Überqueren. Kirch- und Schlossbezirk sind hierarchisch gegliedert.
 
Sempach
Beim „Adler“ in Sempach am weiten Hauptgassenzug machten wir einen Kaffeehalt. Er war fällig. Aber zuvor betrachtete die Gesellschaft, angeführt von Georg Carlen, noch einen Teil des Gassensystems im unteren Altstadtbereich (Gerbegass) und kehrte durch den von schweren, dunkeln Holzbalken getragenen Durchgang (Adlergässli) beim ehemaligen spätgotischen Rathaus, ein Fachwerkbau mit offenen Lauben für den Warenhandel und einer Altarnische aus dem Jahr 1474, in die weitgehend intakte mittelalterliche Stadtanlage zurück. Die Geschichte wirkt hier nach: 1386 wurde etwa 2 km östlich oberhalb des Städtchens das habsburgisch-österreichische Heer von den Eidgenossen geschlagen, wie man es von uns nicht anders erwartet. Und seither weiss man in Sempach, dass die Vergangenheit subtil zu behandeln ist; im baulichen Bereich sollte man sich nicht wie ehedem Arnold Winkelried in geschlossene Reihen werfen. Auch jeder grosse Wurf gehört an seinen Ort.
 
Kirchbühl
Vom Weiler Kirchbühl (Chilchbüel), der am östlichen Seitenhang des Sempachersees liegt und noch zur Gemeinde Sempach gehört, zeigte sich die ausgesprochene Ästhetin Sibylle Heusser derart angetan, dass der vor dem starken Niederschlag schützende Car verlassen werden musste – und tatsächlich hat sich das Aussteigen bei Regenwetter gelohnt. Laut ihren Feststellungen handelt es sich bei dieser Baugruppe um den wertvollsten Kirchweiler im Kanton Luzern, insbesondere wegen der engen und räumlich interessanten Wechselbeziehung zwischen den Sakralbauten und den für die Region typischen Profanhäusern. Und der Anblick verschlägt ihr jeweils fast den Atem; zum Glück war wegen des vielen Grüns genügend Sauerstoff da.
 
Das Gotteshaus mit dem romanischen und gotischen Mauerwerk ist gerade in Aussenrenovation begriffen und muss wie ein Holzfass durch einen Metallreif zusammengehalten werden, damit die Heiligenstatuen in den gotischen Schreinaltären im Innern nicht erschlagen werden und der umfangreiche Freskenzyklus nicht leidet. Im Friedhof bei der Kirche schienen alte Steingräber und Eisenkreuze bei diesem Wetter direkt aus dem Boden zu wachsen. Zum Weiler gehören aus dem 18. und 19. Jahrhundert stammende Bauernhöfe, grösstenteil so genannte Einzweckbauten, das heisst Wohnhaus, Stallscheune, Speicher und Schopf sind einzelne, voneinander getrennte Bauten.
 
Beromünster
Die letzte Station der Wallfahrt: Der altehrwürdige, 1931 in Betrieb genommene Landessender Beromünster im Michelsamt spielte diesmal keine Rolle, sondern es ging ausschliesslich um den zweipoligen Ort Beromünster mit dem Stiftsbezirk und dem Flecken, der in eine weiträumige Geländesenkung eingebettet ist. Wir besichtigten die vornehmen Chorherren- und Würdenträger-Häuser von aussen, ebenso die Propstei, anschliessend den weniger gepflegten Bärengraben, diese hintere Gasse mit Eigenqualitäten, wie die Architektin Heusser sagte, eigentlich ein baulicher Schutzgürtel. Und dann besuchten wir noch das ehemalige Bahnhofquartier – die Züge waren einst von Beinwil am See über Reinach AG und Menziken AG hierhin nach Beromünster gefahren.
 
Regierungsrat Anton Schwingruber erzählte mir bei der Fahrt zum Schloss Heidegg, dass Beromünster bis zum Auftauchen des Landessenders nur Münster geheissen hatte; doch wegen der radiophonen Berühmtheit musste man es von Münster in Deutschland abgrenzen, und der Name wurde 1934 ergänzt, zumal ja das Kloster Münster um 980 durch den Grafen Bero im Interesse des Seelenheils seines Sohns gegründet worden war. Der 215 m hohe Sendemast selber steht auf einem Hügelrücken auf Gunzwiler Boden.
 
Fideikommisse
Während der Carfahrt hatte mich der geschichtlich sehr bewanderte Regierungsrat Schwingruber, der in unmittelbarer Nähe sass, ferner über die Fideikommisse aufgeklärt, von denen es in der Schweiz noch 33 gibt, davon sind 12 im Kanton Luzern. Der Fachausdruck Fideikommiss bezeichnet ein Sondervermögen, vor allem eine Liegenschaft (mit Inhalt), das innerhalb einer Familie nach einer zum vornherein festgelegten erbrechtlichen Ordnung weitervererbt wird. Dieses Sondervermögen steht dem jeweiligen Inhaber zu Alleineigentum zu, allerdings mit der Beschränkung, dass es grundsätzlich weder veräussert noch verpfändet, sondern nur genutzt werden darf, wohl um das soziale Ansehen und die wirtschaftliche Kraft der Familie in alle Ewigkeit geschlossen zu erhalten. Als Steuersubjekt dient der jeweilige Inhaber des Fideikommisses. Diese Person hat, übrigens wie jeder andere Eigentümer eines bestimmten Vermögensobjektes, das Fideikommiss-Vermögen und die daraus fliessenden Erträge zu versteuern. Die Schwierigkeit besteht laut Anton Schwingruber allerdings häufig darin, dass der Inhaber nicht immer finanziell in der Lage ist, eine Liegenschaft zu unterhalten, und Banken geben in solchen Fällen nicht gern Kredite, weil ja die Liegenschaften unveräusserlich sind. Weitere Fideikommisse dürfen nicht mehr errichtet werden.
 
Ich habe zum ersten Mal von dieser originellen Einrichtung gehört; sie hat mir das Luzerner Traditionsbewusstsein bestätigt. Und dabei habe ich mich an den Wall gegen feindliche Firmenübernahmen durch globalisierte Finanzhaie via Aktienkäufe erinnert, den die Schweiz gerade jetzt endlich aufbauen will. Vielleicht können wir von den Fideikommissen noch einiges lernen, damit die Kirchen im Dorf bleiben und der Ausverkauf der Industriebetriebe zu Schleuderpreisen gestoppt werden kann. Soweit ein kleiner, abschweifender Zwischenruf, den man mir verzeihen möge.
 
Feierstunde im Schloss Heidegg
In einer Feierstunde im Festsaal des Schlosses Heidegg und damit beim Anblick der Ahnengalerie der Pfyffer von Heidegg, welche den Anlass aus den Goldrahmen mit Blicken zu begleiten schienen, die mit unmotivierter Skepsis geprägt waren, wurden die neuen Bücher durch den Direktor des Bundesamts für Kultur, Jean-Fréderic Jauslin, mit welschem Charme an den Luzerner Bildungs- und Kulturdirektor Schwingruber übergeben. Das ISOS-Inventar enthalte eine „in Europa einzigartige Gesamtsicht des Siedlungsbestands“, sagte Jauslin. Ja, die Schweiz hat da tatsächlich eine Pionierarbeit geleistet, die übrigens, wie ich beifügen möchte, von Österreich übernommen worden ist. Wenn es der guten Sache nur nützt! Ich habe vorgeschlagen, das ISOS als solches als Weltkulturerbe zu bezeichnen – und damit in einem Aufwisch gleich die ganze Schweiz. Denn was ist hier schon nicht schützenswert!
 
Und im Zentrum ist oder war jedenfalls bei dieser Feierstunde der Kanton Luzern. Anton Schwingruber, ein Entlebucher Urgestein, beschrieb diesen Kanton als Zentrum der Welt mit allen Attributen von dieser Welt: als ein vielseitiger Lebensraum mit Attraktionen, wie sie zwischen Mittelmeer und Hochalpen anzutreffen sind, von der Weggiser Exotik am Vierwaldstättersee bis hinauf auf den bergigen Napf, und die darnach schreien, mit Sorgfalt gepflegt zu werden.
 
Als musikalische Sensationen habe ich die Einlagen des Solisten Bernhard Röthlisberger empfunden, einem der talentiertesten und vielseitigsten Klarinettisten der Schweiz, der vor allem im Luzerner Sinfonieorchester tätig ist, aber auch Soloauftritte gibt. Er spielte die Hommage à Johann Sebastian Bach und jene an Manuel de Falla, beide für Klarinette solo und brillierte anschliessend mit der Bassklarinette, als er Pierre Max Dubois Tango aus „Voltage", eine Suite, spielte, ja zelebrierte. Röthlisberger entlockte seiner langen, fast bis zum Boden reichenden Klarinette laute schlagende Töne. Das Blas- wurde für Momente zum Schlaginstrument. Zum Können gesellten sich flüchtige Anflüge von Schalk. Nach der Aufführung habe ich mit dem Musiker über diese Technik gesprochen. Sie braucht eine lange Übung und heisst  „slop tongue" (Zungenklaps). Diese schnalzend-schlagenden Effekte, die an zusammenprellendes Hartholz erinnern, sind nur auf der Bassklarinette und auf Saxophonen zu erzielen: Der Musiker presst die Zuge gegen das Rohrblatt, saugt und erzeugt ein Vakuum. Dann zieht er die Zunge plötzlich zurück; das Vakuum füllt sich mit Luft, und das Rohrblatt wird mit einem Knall freigegeben, der sich je nach dem gegriffenen Ton verändern lässt. 
 
So ging es Schlag auf Schlag. Anschliessend trank man unten im Schlossturm noch schnell 1 bis 2 Gläser Wein, der beim Schloss Heidegg gewachsen war, ass etwas Fleisch, Käse und Brot, bevor nach einer Viertelstunde die Rückfahrt nach Luzern angetreten werden musste. Die Zeit war fürchterlich knapp.
 
Unaufhaltsam enteile die Zeit, sagte schon Schiller. Wir aber suchten verzweifelt das Beständige, so weit uns die Zeit nicht mitriss und davon abhielt. Wo ist es überhaupt?
 
Anhang
Die 32 Ortsbilder von nationaler Bedeutung im Kanton Luzern
Altishofen, Beromüster, Blatten (Malters), Buttisholz, Dierikon, Dottenberg (Adligenswil), Ermensee, Escholzmatt, Geiss (Menznau), Greppen, Schloss Heidegg (Gelfingen), Heiligkreuz (Hasle), Hergiswald (Kriens), Hitzkirch, Hohenrain, Kulturlandschaft Kastelen (Alberswil), Kirchbühl (Sempach), Krummbach (Geuensee), Luthern, Luzern, Marbach, Mauensee, Villenlandschaft Meggen, Perlen (Buchrain, Root), Richensee (Hitzkirch), Ruswil, Seewage (Ettiswil), Sempach, St. Urban (Pfaffnau), Sursee, Werthenstein und Willisau.
 
Vertrieb der ISOS-Bände: Eidg. Departement des Innern, Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, CH-3003 Bern.
oder: Buchhandel
 
Kontakte
Georg Carlen, Kantonaler Denkmalpfleger des Kantons Luzern. Tel. 041 228 53 01.
Sibylle Heusser, Beauftragte für das ISOS. Tel. 044 259 80 30.
Internat: www.isos.ch
Bernhard Röthlisberger, Klarinettist, Sonnegg 10, CH-6275 Ballwil.
Internet: www.clarinet.ch
 
Hinweis auf weitere Ausflugsberichte von Walter Hess
20.07.2006: Wo der Käse und das Geschichtsbewusstsein reifen: Greyerz
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