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BLOG vom 15.09.2007


Opfikerpark ZH: Wenn die Prärie zum urbanen Raum wird
Autorin: Rita Lorenzetti, Zürich
 
Die Willkomm-Tafel beim Eintritt in den Park erleichterte mir die Orientierung. Sie wies darauf hin, dass ich ausserhalb der Stadt Zürich stehe. Es stand da geschrieben: „Willkommen im Opfiker-Park. Baden im See erfolgt auf eigene Verantwortung. Stadt Opfikon.“ Ich hatte also eine Grenze, oder wie heute gesagt wird, eine Nahtstelle überschritten. Hier dehnt sich der Grossraum Zürich aus. In fernen Jahren, so vermute ich, wird Opfikon ein Stadtteil sein. An diesem Tag aber wusste ich nicht einmal, dass Opfikon selber schon eine Stadt geworden ist. Das verlandete Gebiet, das hier noch sichtbar ist, deutet aber darauf hin, dass hier einmal Landwirtschaft betrieben worden ist.
 
Ich bin erstmals hier. Einerseits wollte ich endlich die seit ein paar Monaten verlängerte Tram-Linie Nummer 11 bis zur neuen Endstation Auzelg kennen lernen. Im Vorbeifahren entdeckte ich die in Einerreihe angepflanzten Bäume, die auf eine Promenade hinwiesen. Also: Nach der Endstation-Schlaufe im Tram sitzen bleiben und zur Station Orionstrasse zurückfahren. Dann Eintauchen in die aus dem Nichts geborene urbane Parkanlage. Im Rücken das Leutschenbachquartier mit den Gebäuden des Schweizer Fernsehens.
 
Dieses Gebiet mit seinen gewaltigen Umwälzungen erinnerte mich augenblicklich an den Ort „Villeneuve Prairie“ an der RER-Metro-Linie D, die als Schnellbahn aus Paris hinausführt. Dort entdeckte ich vor Jahren den Namen „Neue Stadt in der Prärie“. An beiden Orten zeigte sich mir neben der soeben entstandenen Architektur auch das unbebaute und dahindämmernde Land.
 
Es war Sonntag gegen Mittag hin, als Primo und ich auf Opfiker-Boden eintrafen. Der Park noch am Schlafen. Parkwächter aber an der Arbeit. Sie sorgten für Ordnung und Sauberkeit, sammelten da ein Papier, dort eine Blechbüchse ein. Der Wunsch nach Perfektion ist hier gut spürbar. Nichts Störendes soll vom Gesamtkunstwerk dieses neu geschaffenen Erholungsgebietes ablenken. Die Parkwächter in ihren gelben T-Shirts wirkten wie das Tüpfchen auf dem i.
 
Die Parkgärten von heute sind einer strengen Architektur verpflichtet. In Reih’ und Glied oder zu rechteckigen Flächen gestaltet, stehen die Bäume da. Aber die Schattenwürfe sorgen dafür, dass die Strenge gelockert wird. Über das Wasser führen Stege. Auf so genannten Kanzeln wachsen Platanen heran, die in einigen Jahren ein Dach erstellen und den Ort zum lauschigen Schattenplatz gestalten werden.
 
Der künstlich angelegte See bezauberte mich sofort, weil er alles abbildet, was in seinem Umfeld steht oder wächst. Bäume, Schilf, Mauern, Stege, Gebäude, eine Starkstromleitung und auch den Himmel mit der blinzelnden Sonne und den Wolkenfrachten. Alle Formen erscheinen auf dem Wasser weicher, weil es sich leicht bewegt. Es kam mir vor, wie wenn der Blick aufs Wasser die Gefühle dieses gesamten Raumes auffangen könnte. Alles, was nüchtern, allein der Zahlenwelt entsprungen gebaut worden ist, zeigt sich auf der Wasseroberfläche mild und weich.
 
Auch die Sonne zeigte sich im See und konnte dort ohne Sonnenfilter fotografiert werden. Selbst die Rauch- oder Wasserdampfsäule vom nahe gelegenen Kehrichtheizkraftwerk und Recyclinghof Hagenholz liess sich auf dem Wasser abbilden. Erstaunlich, aus welchen Weiten dieser künstliche See Bilder aufnehmen kann.
 
Die auf der linken Seite neu erstellten Wohnungsbauten machten mir deutlich, warum wir solche Häuser mit dem Wort „Block“ bezeichnen. Rechteckige Kuben, ohne Schnickschnack.
 
Am Ende der geraden Parkstrasse wurde eine schräge Betonmauer an den Hügel gebaut. In meinen Augen eine Schutzwand, aus Primos Sicht ein architektonisches Element. Wir sahen Kinder, wie sie diesen Ort erkletterten. Jenseits des Hügels die überdachte Autobahn.
 
Im Bereich der Wohnbauten sind Durchsichten zu Geschäftsbauten in eine hintere Region auszumachen. Diese stehen direkt an der Bahnlinie von Zürich nach Flughafen Kloten.
 
Als unsere Begeisterung so richtig angeschwollen war, stiegen Flugzeuge auf, donnerten über uns hinweg und erschreckten uns. Aha. Der Flughafen ist ja in unmittelbarer Nähe. Wie gehen die Bewohner dieser schönen Anlage mit dieser Hypothek um?
 
Danach verstand ich, warum hier die Wege Namen von Flugpionieren tragen. Da heisst einer Hamilton-Promenade, ein anderer Lindbergh-Allee.
 
Der Rundgang führte uns auf einem geschwungenen Weg nach rechts an den Parkrand. Hier wachsen  Bäume, die ihren Platz möglicherweise vor Jahren noch selber wählen konnten. Sie schotten den Raum dahinter ab. Da und dort sind Feuerstellen angebracht.
 
Auf dem Rückweg zeigte sich die Silhouette noch gegen Oerlikon hin. Da sind zwei Kirchtürme, die sie mitgestalten. Von hier aus gesehen weit weg und in keiner Weise dominierend. Sie gehören einfach zum Horizont.
 
Und über allem ein weiter, offener Himmel, der sich auf die Erde senkt. Hier wird er zu allen Jahreszeiten und mit allen Wetterkapriolen spannend zu erleben sein. Vielleicht auch in klaren Nächten.
 
Die Fläche dieses Gebietes für Naherholung und Freizeitgestaltung ist übrigens rund 12,8 Hektaren gross.
 
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