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BLOG vom 05.12.2007


Betrügereien im Sport: Der Rollstuhlfahrer, der Marathon lief
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Betrügen und betrogen werden, nichts ist gewöhnlicher auf Erden.“
(Johann Gottfried Seume)
*
Die Sportwelt hat sich hin zum Schlimmeren entwickelt: Kaum eine Woche vergeht, in der kein Skandal aufgedeckt wird. So wird, wie so oft, die angeblich heile Welt des Sports ad absurdum geführt. In den letzten Jahren gab es viele Dopingfälle, Manipulationen von Spielen durch Sportler, Betreuer, Schiedsrichter und Funktionäre. Unglaublich, aber wahr: Sogar bei den Paralympics wurde manipuliert. Da traten keine Behinderten an, sondern die voll im Saft stehenden gesunden Sportler, die denn auch gewannen.
 
Hier einige Vorkommnisse der letzten Zeit:
 
Wurde sie von der Strasse geschubst?
Walter Hess berichtete in dem Tagebuchblatt am 01.11.2007 über den Triathlonunfall von Natascha Badmann (Triathlonunfall: Wurde Natascha Badmann zu Fall gebracht?). Er vermutet, dass dieser Unfall mit Absicht verursacht wurde, eine Konkurrentin auszuschalten. Die Triathletin Natascha Badmann wurde auf Hawaii zum Ausweichen durch einen Motorradfahrer gezwungen, um eine Kollision zu vermeiden. Sie prallte auf eine „Streckenbegrenzung“, überschlug sich und verletzte sich dabei erheblich. Ich schrieb damals an Walter Hess dies: „Wenn eine US-Amerikanerin gestürzt wäre, hätte der Verband alles daran gesetzt, den Unfall aufzuklären und eine Schadenersatzklage anzustreben. Man sollte solche Veranstaltungen boykottieren oder entsprechende Beobachter auf die Strecke schicken.“
 
Die angekündigten Ergebnisse der Unfallursachen sind jedenfalls bis heute nicht an die Öffentlichkeit gelangt, wohl aber der Verlauf der 2. Operation (29.11.2007), bei der 2 abgerissene Sehnen am rechten Arm angenäht werden mussten; in der Voruntersuchung war nur von 1 abgerissenen Sehne gesprochen worden. Die früher operierte linke Schulter kann noch immer nur „sehr beschränkt“ benutzt werden. Auf der Webseite www.natschabadmann.ch heisst es zum allgemeinen, offensichtlich bedenklichen Zustand der tapferen Sportlerin: „Sie kann zwar selber essen, doch zum Aufstehen braucht sie Hilfe.“ Wir wünschen ihr gute Genesung!
 
Ein ähnlicher Fall
Noch in guter Erinnerung ist mir die Attacke mit einer Eisenstange auf eine Eiskunstläuferin. 1994 war die Sportlerin Tonya Harding Favoritin auf den Titel bei der amerikanischen Meisterschaft. Kurz vorher war ihre schärfste Konkurrentin mit einer Eisenstange am Knie verletzt worden. Untersuchungen ergaben, dass der Täter vom Ehemann der Tonya Harding gedungen und bezahlt wurde. Nach der Disqualifizierung hatte die Harding die Schnauze voll vom Eiskunstlauf und wandte sich anderen schlagkräftigen Sportarten zu. Sie versuchte eine Frustbewältigung mit Profiboxen, Catchen und Eishockey.
 
Fabelweltrekord durch Doping
Über Dopingfälle im Radsport habe ich schon in dem Blog vom 30.07.2007 (Tour de France/Farce: Hodenpflaster und Spritze in den Po“) ausführlich berichtet. Hier noch einige Ergänzungen dazu:
 
„Ich tue das, weil ich ein vollkommen reines Gewissen habe“, sagte der Fussballtrainer Christoph Daum, ohne rot zu werden, in die Mikrofone der Fernsehanstalten vor einem Haartest. Es war nämlich der Verdacht geäussert worden, er habe Kokain konsumiert. In seinem Haar wurde dann auch tatsächlich Kokain nachgewiesen. Ohne Rauschgiftkonsum wäre Daum wahrscheinlich Bundestrainer der deutschen Fussball-Nationalmannschaft geworden. Heute ist der Trainer sauber und trainiert den 1. FC Köln.
 
1988 stellte der Kanadier Ben Johnson mit 9,79 Sekunden im 100-Meter-Lauf einen Fabelweltrekord auf. Damals wunderten sich alle, dass so ein muskelbepackter Läufer in dieser unwahrscheinlichen Zeit siegte. 36 Stunden später wurde er als Betrüger entlarvt. Er wurde des Dopings überführt. Anschliessend wurde der US-Amerikaner Carl Lewis zum Sieger erklärt. Später kam heraus, dass er bei der US-Qualifikation für die Olympischen Spiele 1988 als positiv getestet wurde.
 
Bei den Paralympics siegreich durch Betrug
Im Endspiel bei den Paralympics 2000 in Sidney legten die Spanier ein furioses Basketballspiel hin und siegten souverän. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass 10 von 12 Spielern gar nicht geistig behindert waren. In der Mannschaft waren ein Anwalt, ein Ingenieur und ein Student, die alle einen sehr munteren Eindruck machten. Die Mannschaft wurde daraufhin disqualifiziert.
 
Der marathontaugliche Rollstuhlfahrer
„Spiegel Online“ berichtete am 10.01.2007 über einen Briten, der 13 Jahre staatliche Hilfe kassierte. Er behauptete, er benütze den Rollstuhl und benötige eine 24-Stunden-Pflege. Der angeblich schwer behinderte 47-Jährige Paul Appleby erfreute sich jedoch bester Gesundheit. Er warf seinen fiktiven Rollstuhl weg und nahm an Marathon-Läufen teil. In einer Zeit von 3 Stunden und 37 Minuten kam er beim Robin-Hood-Marathon rund um Nottingham als 261. von 1118 Läufern ins Ziel. Eine ganz passable Zeit für einen Schwerbehinderten. Sozial-Fahnder deckten dann den Schwindel auf. In der „Sun“ meinte ein erzürnter Leser, es sei unfassbar, wie er alle so lange hinters Licht führen konnte. Ein anderer sagte: „Er ist einer der unverfrorensten Betrüger überhaupt.“
 
Auch beim Berlin-Marathon wurde eine Betrügerin entlarvt. Die Liechtensteiner Marathonläuferin Kerstin Metzler-Mennenga kam mit einem Landesrekord von 2:42:21 angeblich ins Ziel. Sie hatte den Zeitmess-Chip einem deutschen Athleten unter einem falschen Vorwand untergejubelt. Der Athlet wunderte sich, dass die Betrügerin mit derselben Zeit ins Ziel kam wie er, obwohl sie gar nicht neben ihm herlief. Die Liechtensteinerin gab auch Manipulationen in Hamburg und Frankfurt zu. Grund der Manipulationen: Sie wollte sich unbedingt für die Olympischen Spiele in Peking 2008 qualifizieren. Nun kann sie wohl die Spiele im Fernsehen anschauen.
 
Der mexikanische Politiker Roberto Madrazo, wie in der NZZ zu lesen war, lief allen in seiner Altersklasse (über 55 Jahre) davon. Er war unglaublich schnell. Er benötigte für den Berlin Marathon nur 37 Minuten weniger als der äthiopische Weltrekordler Haile Gebrselassie. Der ehemalige Präsidentschaftskandidat Madrazo wurde von der Siegesliste gestrichen, weil er eine Teilstrecke ausgelassen hatte.
 
In einem Interview in seiner Heimat spielte er den Unschuldsengel. Er wollte von Anfang an nicht die ganze Strecke laufen, weil seine Ärzte ihm davon abgeraten hatten. Er lief dann nur 21 Kilometer. Dann hatte er genug, wollte aber die Teilnehmermedaille abholen.
 
Neue Manipulationen im Fussball
Vor der Fussball-WM 2006 in Deutschland erschütterte in Italien ein Fussballskandal die Republik. Zahlreiche hohe Funktionäre (insbesondere der Sportdirektor von Juventus Turin) und Schiedsrichter manipulierten Spiele. Juventus Turin musste absteigen und mehrere Vereine bekamen einen Punktabzug.
 
Auch in Deutschland wurden Manipulationen bekannt. Der Fussballschiedsrichter Robert Hoyzer manipulierte mehrere Spiele der 2. Bundesliga, der Regionalliga und dem DFB-Pokal. Von der Wettmafia erhielt Hoyzer Geld- und Sachspenden.
 
In diversen Zeitungen wurde Anfang Dezember 2007 über einen neuen Wettbetrug berichtet. Nach einem Bericht des „Spiegels“ sollen 26 Spiele (12 Qualifikationsspiele im Uefa-Cup, 8 UI-Cup-Spiele, 3 Qualifikationsspiele für die Champions League, 2 Uefe-Cup-Spiele und ein Qualifikationsspiel für die EM 2008) vor allem in Ost- und Südeuropa manipuliert worden sein. Hinter den Manipulationen steckt vermutlich die asiatische Wettmafia.
 
Die Betrüger haben wahrscheinlich Millionen eingeheimst. In dem 96 Seiten starken Untersuchungsbericht der Uefa heisst es: „Leute, die ein Spiel verschoben haben, können leicht 1 bis 2 Millionen Euro pro Spiel setzen und einen Gewinn in etwa gleicher Höhe damit erzielen.“
 
Michel Platini, Präsident des Europäischen Fussballverbandes (Uefa), bat jetzt die Politik und Europol um Hilfe bei der Aufklärung. Er sagte bei der Auslosung der EM-Endrunde 2008 in Luzern dies: „Wir müssen für die Werte des Fussballs kämpfen.“
 
Es ist gut, wenn um die Sauberkeit im Sport gekämpft wird. Ob dies gelingt, bleibe dahingestellt.
 
Toni Nachbar schrieb am 02.12.2007 in der Zeitschrift „Der Sonntag“ Folgendes: „Man muss sich bewusst machen, dass es nie gelingen wird, Schummeleien komplett aus dem Sport zu entfernen. Denn der Schwindel liegt in der Natur des Spiels, wie der Hang zum Betrug im Wesen des Menschen.“
 
Schwindel, Betrügereien und Täuschungen gibt es auch auf anderen Gebieten. Es scheint wirklich in der Natur des Menschen zu liegen, mit immer neuen Tricks zu versuchen, auf bequeme Art und Weise zu Geld, Ruhm und Macht zu kommen.
 
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