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BLOG vom 05.02.2008


Die sanftmütige Lyrikerin Elizabeth Barrett Browning
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Der Verkäufer mit einem Glasauge auf dem Ramschmarkt von Wimbledon wusste nicht, welche Freude er mir machte, als ich für einige Batzen (£ 1) den 551-seitigen Lederband „The Poems of Elizabeth Barrett Browning“ erstand. Dieser Band, 1850 von Frederick Warne innerhalb „The ‚Albion‘ Edition“ erschienen, kann als Erstausgabe gelten, da er viele neue Gedichte von der Dichterin enthält. Der Band war fast taufrisch, ungelesen und ohne Gebrauchsspuren: Das Schicksal vieler Poesie.
 
Ich kannte den Dichter Robert Browning vom auszugsweisen Lesen her, wusste aber nicht, dass er mit dieser Dichterin glücklich verheiratet war und sie ihm in jeder Beziehung ebenbürtig ist, und zur viktorianischen Zeit viel Ruhm und Ansehen genoss. 1806 als Tochter eines Zuckerplantage-Besitzers geboren, war ihre Kindheit von Krankheit überschattet, vermutlich Tuberkulose. So hatte sie viel Zeit, um ihrer Wissbegier zu frönen: Sie meisterte die klassischen Sprachen und gewann einen hohen Bildungsstand. Ab 1845 übersiedelte sie mit ihrem Mann nach Italien. Sie liegt in Florenz begraben (Todesjahr: 1861). Es sei noch erwähnt, dass sie sich auch für die Sklavenbefreiung einsetzte, was sich nachteilig auf die Plantagen ihres Vaters auswirkte …
 
„Aurora Leigh“ ist eines ihrer Hauptwerke, eine „Novelle in Versen“, 1856 in 9 Bänden veröffentlicht. Das Werk ist in der Ich-Form mit autobiographischem Einschlag geschrieben. Natürlich ist dieses ausführliche Werk nicht in meinem Band enthalten. Deswegen wende ich mich hier ihren ebenfalls hoch gepriesenen „Sonnets from the Portuguese“ (1850) zu.
 
„Die Portugiesin“ (sie hatte dunkles, welliges Haar) ist das von ihrem Mann geprägte Kosewort für seine Gattin Elizabeth. Auch dieses Liebessonett, in insgesamt 44 Sonette unterteilt, widerspiegelt ihre intimen Gefühle, wie der nachstehende Ausschnitt bezeugt. Ich beschränke mich auf die Übersetzung der letzten 4 Zeilen aus ihrem Sonett 43 und hoffe, dass Kenner der englischen Sprache dazu verführt werden können, in dieses Werk einzusteigen. Das Sonett wird auch „Klinggedicht“ genannt, nach dem italienischen Wort sonneto –, das für mich musikalisch der Sonate gleich kommt und offenbart, wie eng Poesie mit Musik verbunden ist. Ich denke dabei auch an Schubert-Lieder.
Aus den „Sonnets from the Portuguese”
How do I love thee? Let me count the ways.
I love thee to the depth and breadth and height
My soul can reach, when feeling out of sight
For the ends of Being and ideal Grace.
I love thee to the level of everyday's
Most quiet need, by sun and candlelight.
I love thee freely, as men strive for Right;
I love thee purely, as they turn from Praise.
I love thee with the passion put to use
In my old griefs, and with my childhood's faith.
I love thee with a love I seemed to lose
With my lost saints,—I love thee with the breath,
Smiles, tears, of all my life!—and, if God choose,
I shall but love thee better after death. 
(Ich liebe dich mit einer Liebe, die ich verloren glaubte /
Mit meinen verlorenen Heiligen, ‒ ich liebe dich mit dem Atem, /
Lächeln, Tränen, aus meinem ganzen Leben! – und, wenn Gott will, /
Werde ich dich noch besser lieben nach dem Tod.)
Nach diesem Auftakt streue ich – um bei den Sonetten zu bleiben – noch 2 Auszüge ein und lasse die Dichterin sprechen (diesmal mit Übersetzungen aus dem Stegreif):
Sonnet: The Soul’s Expression (Der Seele Ausdruck)
With stammering lips and insufficient sound,
I strive and struggle to deliver right
That music of my nature, day and night
With dream and thought and feeling, interwound,
And inly answering all the senses round
With octaves of a mystic depth and hight,
(Mit stammelnden Lippen und mangelndem Laut, / Strebe und kämpfe ich, ums Rechte zu geben / Dass die Musik meiner Natur, Tag und Nacht / Mit Traum und Gedanke und Gefühl, ineinander verwirkt, / Und innerlich antwortend den Sinnen rund / Mit Oktaven von mystischer Tiefe und Höhe, … ) 
Sonnett: Consolation (Trost)
All are not taken! there are left behind
Living Beloveds, tender looks to bring,
And make the daylight still a happy thing,
And tender voices, to make soft the wind.
But if it were not so – if I could find
No love in all the world for comforting,
(Alles ist nicht genommen! Es bleiben zurück / Lebende Geliebte, sanftes Ansehen bringend, / Und machen das Tageslicht noch immer eine glückliche Sache, / Und sanfte Stimmen machen den Wind sanft. / Aber wenn es nicht so wäre – wenn ich / Keine Liebe fände in der ganzen Welt zum Trost, …)
 
Und noch der Teil eines Verses – zum Abschied: 
The Claim (Der Anspruch)
A Cloud spake out of heaven, as soft as rain
That fails on water; Lo.
The Winds have wandered from me! I remain
Alone in the sky-waste, and cannot go
To lean my whiteness on the mountain blue,
Till wanted for more dew …
(Eine Wolke sprach aus dem Himmel, so sanft wie Regen / Der aufs Wasser fällt; „Vernimm. / Die Winde sind von mir gegangen! Ich bleibe / Allein in der Himmels Leere, und kann nicht gehen / Um meine Weisse (Wange) ans Bergblau zu pressen / Bis benötigt für mehr Tau …)
 
Habe ich Abschied gesagt? Wiedersehen vielmehr.
 
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