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BLOG vom 06.03.2008


Flugerlebnisse: Beinahe-Katastrophen und verlorene Koffer
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Als ich durch Zufall beim Studium der Artikel unter www.spiegel.de ein Video-Angebot über ein Beinah-Unglück am Hamburger Flughafen am 02.03.2008 sah, wurde ich neugierig. Ich startete das Amateur-Video und konnte das Gesehene zunächst nicht glauben. Für einen kurzen Moment stockte mir der Atem: Da flog der Pilot mir einem Airbus A 320 der Lufthansa (Flug LH044) bei starkem Wind die Landebahn 23 an. Das Flugzeug wurde kurz vor dem Aufsetzen auf der Landebahn bei einer Geschwindigkeit von 250 km/h von einer Windböe erfasst und geriet in eine bedrohliche Schräglage. Das linke Winglet, das ist das Ende jeder Tragfläche, touchierte den Boden. Der Pilot startete durch und landete 15 Minuten später ohne weitere Zwischenfälle auf der Landebahn 33. Die fliegerische Glanzleistung des Piloten wurde von den 131 Passagieren mit Applaus bedacht. „Es war wie im Touristenbomber“, sagte ein Passagier. Er meinte damit die Applaudierung, die er sonst nur bei Charterflügen in den Süden kennt.
 
Wie erst in den folgenden Tagen bekannt wurde, steuerte die 24-jährige Co-Pilotin das Flugzeug. Erst im letzten Augenblick soll der Pilot die Verantwortung übernommen haben. Es ist für mich unverständlich, warum der erfahrene 39-jährige Pilot bei solchen Windverhältnissen den Anflug nicht von Anfang an gleich selber geleitet hat. Wie die Pilotenvereinigung berichtete, ist das anscheinend zulässig (Ausnahme ist eine schlechte Sicht). Die Co-Piloten sind gut ausgebildet und müssen selbstständig die Flieger heil hinunterbringen, wenn der Pilot einmal ausfallen sollte.
 
Ein Passagier, der vom „Stern“ interviewt wurde, und sich selbst als ein etwas emotionsloser Mensch charakterisierte, betonte, dass keiner im Flugzeug panisch reagiert habe; nur einige Passagiere mussten sich übergeben. Er nahm den Vorgang ziemlich cool hin und wird auch nicht zum 2. Mal seinen Geburtstag feiern. Der Landeversuch hätte jedoch auch in einer Katastrophe enden können. Vor einigen Jahren verunglückte in Hongkong ein Passagierflugzeug bei ungünstigen Windverhältnissen. Das Flugzeug fing Feuer, und es gab viele Verletze und 2 Tote.
 
„Lis56“ schrieb darauf einen Kommentar und war erstaunt, dass ein solcher Vielflieger so emotionslos reagiert hat. Sie findet solche coole Typen toll. „Ich persönlich bin unangenehm berührt über so viel Arroganz gegenüber dem Leben. Nicht eine Sekunde daran gedacht, dass das Leben am seidenen Faden hing?“ Sie meinte dann noch, man solle sie von Interviews verschonen, und es gebe „sicher irgendwo einen Menschen, der dankbar war“.
 
Ein weiterer Kommentator vertrat die Ansicht, man solle nicht solch ein grosses Drama über diesen Zwischenfall machen, in Südamerika kommen solche Landungen oft vor. Ein anderer verwies auf amerikanische Inlandsflüge, insbesondere auf Billigflieger, und gab seine persönliche Meinung kund: „Die US-Piloten starten eher selten durch, sondern drücken die Kiste auf Teufel komm raus runter, selbst wenn schon die halbe Piste verbraucht ist.“
 
Das sind wohl die tollkühnsten Haudegen aus dem Wilden Westen, die auch mal was wagen. Vorteil: Die Passagiere kommen pünktlich, aber manchmal nicht heil an.
 
Es rüttelte und blitzte
Vor einigen Jahren hatten wir auf dem Rückflug von Rhodos nach Zürich ein Erlebnis der besonderen Art. Wir flogen durch eine Schlechtwetterfront. Das Flugzeug wurde von Windböen gehörig durchgeschüttelt. Es war ein sonderbares Knirschen zu hören. Da ich auf Höhe der Tragflächen in einer Sitzreihe sass, konnte ich die starken Vibrationen der Flügel sehen. Mir wurde es ganz anders, da ich immer dachte, die würden vielleicht von den Naturkräften Schaden nehmen. Ab und zu erhellte ein Blitz den dunklen Wolkenbrei. Nach einer halben Stunde flogen wir in ruhigere Zonen.
 
Während anderer Flüge gerieten wir ab und zu in ein Luftloch. Oft passierte dies gerade beim Essen. Ich kann mich noch ganz gut an eine solche Mahlzeit erinnern. Während ich einen Bissen mit der Gabel zum Mund führen wollte, gelang mir dies nicht, da wir in ein Luftloch hineinsausten. Der grandiose Pilot fing die Maschine jedoch bald wieder ab, und ich konnte mein Mahl wieder geniessen.
 
Auch Walter Hess hatte ein ähnliches Erlebnis auf einem Flug in Russland. Hier sein Bericht:
„Ein bemerkenswertes Flugerlebnis hatte ich 1997 im nordsibirischen Norilsk (Nickelabbau-Gebiet). Es war neblig, und der verwahrloste Flughafen war wahrscheinlich ohne taugliches Radar ausgerüstet. Der Pilot steuerte den Jet einige Male über den Flughafen, der etwa 40 km ausserhalb der Stadt liegt, liess über der Piste die Triebwerke aufheulen, um den Nebel wegzublasen und landete dann bei minimaler Sicht einigermassen sicher. Wir applaudierten. Schlacken und Umweltzerstörungen nahmen wir nach diesem Erlebnis entsprechend gelassener hin.“
 
Tankanzeige war nicht in Ordnung
Hier ein eigenes Erlebnis: 1975 flogen wir mit einer Caravelle von Almeria über Ibiza, Formentera, Mallorca, Menorca, Marseille, Grenoble nach Stuttgart von einem Spanien-Urlaub zurück. Alles klappte. Nur unsere Bekannten, ein Ehepaar aus Siegen, hatte auf der Rückreise Pech. Zunächst hatte sich der Abflug verzögert, dann mussten sie auf Ibiza zwischenlanden. Angeblich war die Tankanzeige defekt. Mit über 3 Stunden Verspätung erreichten sie nicht Düsseldorf, sondern landeten wegen des dortigen Nachtflugverbots in Köln-Bonn. Aber damit noch nicht genug der Schwierigkeiten. In Köln-Bonn stand kein Bus für ihre Heimreise bereit. Sie mussten schliesslich ein Taxi nehmen, um noch in derselben Nacht heimkehren zu können.
 
Als meine Tochter Daniela und mein Schwiegersohn Domenico 1999 von ihrer Hochzeitsreise auf den Seychellen zurückfliegen wollten, verzögerte sich der Abflug über eine Stunde. Anscheinend war etwas mit der Schubumkehr in einem Triebwerk nicht in Ordnung. Beim Einsteigen der Passagiere war ein Mechaniker gerade dabei, etwas an einem Triebwerk herumzukleben. Diese Aktion war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Zum Glück war ein Ersatzteil vorhanden, so dass dann doch das schadhafte Objekt ausgewechselt wurde. Die Erlaubnis zum Starten wurde bei Boeing in den USA telefonisch eingeholt.
 
Wie mir meine Tochter berichtete, hatte sie beim Rückflug ein ungutes Gefühl. Sie dachte sich, ob das Teil wohl hält und beim Abbremsen des Flugzeugs am Boden funktioniert? Aber der Flug verlief ohne Zwischenfälle.
 
Der verschwundene Koffer
Anfang der 90er-Jahre reiste ich zu einem Vitamin-Kongress nach Hamburg. Ich bestieg das Flugzeug in Basel und flog zunächst nach Frankfurt am Main. Auf dem Hinflug gab es nämlich keinen Direktflug. Von Frankfurt aus ging es per Lufthansa nach Hamburg. Ich kam wohlbehalten an, aber mein Koffer nicht. Eine Dame von der Beschwerdestelle für verlorene Koffer gab die Gepäcknummer in den Computer ein. Sie meinte, ein Koffer mit dieser Nummer sei nicht in Frankfurt übrig geblieben. Was blieb mir armem Reisenden übrig, als ohne Gepäck ins Hotel zu fahren, nachdem mir versichert wurde, sobald der Koffer auftauche, würde ihn die Lufthansa per Taxi ins Hotel bringen?
 
Am Abend war der Koffer immer noch nicht da. Was tun? Ich hatte keine Wäsche zum Wechseln, keine Zahnbürste und keinen Rasierapparat. Ich musste mit der Unterwäsche bekleidet ins Bett steigen. Zum Glück erhielt ich an der Rezeption einen Einmalrasierer, so dass ich glatt rasiert, aber mit einem getragenen Hemd zum Kongress schreiten konnte. Bis Mittag ging immer noch kein Hinweis auf den verlorenen Koffer ein. Dann, 2 Stunden vor Rückreise, wurde der Koffer im Hotel abgeliefert. Die Dame an der Rezeption berichtete, der Koffer sei irrtümlich in Kairo gelandet und heute Morgen wieder mit einer Maschine zurück nach Frankfurt und von da nach Hamburg „gereist“. Kommentar meinerseits an die Hotelangestellte: „Besser wäre es gewesen, ich wäre nach Kairo geflogen und der Koffer nach Hamburg.“
 
Bei Flugangst lieber mit dem Schiff reisen
Firmen, die neue Produkte vorstellen wollen, veranstalten eine wissenschaftliche Tagung und laden über Agenturen Journalisten ein. Diese berichten dann über Forschungsergebnisse, die mit diesem Produkt gemacht wurden. Bei diesen Veranstaltungen sind die Abendprogramme sehr beliebt. Entweder wird ein Musical, Theater, eine Hafenrundfahrt oder ein besonderes Abendessen in einem ausgezeichneten Lokal geboten. Dabei kommen sich Referenten, Firmenchefs und Journalisten etwas näher und plaudern aus ihrem Nähkästchen. Eine Geschichte, die schier unglaublich klingt, hörte ich nämlich während einer solchen Tagung, die ich als Autor der Zeitschrift „Ratgeber Frau und Familie“ aufsuchen konnte:
 
Ein Forschungsleiter, der unter Flugangst litt, sollte an einem Kongress in Japan teilnehmen. Ausserdem wurde von ihm verlangt, ein wichtiges Synthese-Zwischenprodukt für eine japanische Firma mitzunehmen. Nun, die Firmenchefs glaubten, die Substanz werde schon in 2 Tagen in Tokio sein. Als sie jedoch von der Flugangst des Angestellten hörten und dieser sich weigerte, ein Flugzeug zu besteigen, war guter Rat teuer. Da kam der Angestellte selbst auf eine glorreiche Idee: Er schlug vor, mit dem Zug nach Moskau zu fahren, die Transsibirische Eisenbahn zu besteigen und dann in Wladiwostok mit einem Schiff nach Japan überzusetzen. Nachdem er grünes Licht seitens der Firmenleitung bekommen hatte, begab er sich auf die abenteuerliche Reise. Die 9300 Kilometer von Moskau nach Wladiwostok bewältigte er in nahezu 2 Wochen. Danach bestieg er das Schiff und da erlebte er sein blaues Wunder. Das Schiff kam in einen gewaltigen Sturm, es schwankte und ächzte, viele wurden seekrank. Auch unser Forschungsleiter blieb nicht verschont. Er lag bleich in seiner Kabine, musste sich des Öfteren übergeben. Mit erheblicher Verspätung erreichte er Tokio. Bleich, unausgeschlafen und völlig aufgelöst lieferte er die kostbare Substanz ab und besuchte am nächsten Tag den Kongress. Zwischenzeitlich wurde er vom japanischen Gastgeber gefragt, ob er die Reise auf demselben Weg zurücklegen wolle. Der Geplagte antwortete: „Nach so einem Erlebnis fahre ich nie wieder mit einem Schiff. Ich fliege lieber.“ Er flog tatsächlich und erreichte ohne Zwischenfall seine Heimat.
 
Hatten Sie auch schon ein besonderes Flugerlebnis? Wir freuen uns über jede Zuschrift.
 
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