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BLOG vom 11.05.2008


Wirtegeschichten (IV): Spinatknödel, Speck aus Mausefalle
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Küchenchef Jochen Stückler, der zusammen mit seiner Mutter Ruth das Hotel „Arnica“ in Todtnauberg betreibt, machte sich auch als Olympiakoch einen Namen. So hat er bei den Winterolympiaden von Nagano und Salt Lake City (1998 und 2002) und bei anderen Gelegenheiten für Martin Schmidt, Sven Hannawald, Uschi Diesel und anderen Wintersport-Assen Leibgerichte gekocht. Evi Sachenbacher, „die mit ihrem Lächeln alle verzaubert“, isst am liebsten Spinatknödel, verrät Jochen Stückler. Auch lüftet er ein weiteres Geheimnis: Frauen aus dem Olympiakader sind ganz scharf auf Süssspeisen. Langläufer Peter Schlickenrieder versuchte sich als Konditor. Anlässlich seines Geburtstages buk er unter Anleitung seinen ersten Apfelkuchen.
 
Maus im Zimmer, Speck als Köder
Als sich eine Maus im Zimmer der weiblichen Skiasse verlief, stellte Jochen Stückler eine Mausefalle auf. Als Köder verwendete er Speck. Die Frauen beschlossen, die Maus am Leben zu lassen und brachten die Falle zurück. Am Abend gab es Speckknödel. Der schelmische Koch behauptete beim Abendessen, er habe den Mausefallen-Speck für die Knödel verwendet. War das ein Gaumenschmaus!
 
Japanischer Spinat
Bei der Olympiade in Nagano wollte Jochen Stückler Fisch mit Kartoffeln und Spinat zubereiten. Aber woher in Japan Spinat nehmen? Ein Japaner meinte, er könne Spinat besorgen. Dies tat er auch. Während der Zubereitung bemerkte der Koch, dass das grüne Zeug nicht nach Spinat schmeckte. Was tun? Er gab eine Portion Gewürz und Knoblauch hinzu, aber es schmeckte immer noch nicht nach Spinat. Später erfuhr er vom Übersetzer, dass der angebliche Spinat eine Art Kopfsalat war. Die Blätter sahen im rohen Zustand spinatähnlich aus. Die Olympioniken merkten jedoch nichts von dieser Verfälschung.
 
Ein Olympiakoch muss im Vorfeld eine Menge erledigen: Speisepläne erstellen, Fragen mit Zollbehörden klären und Kontakte knüpfen. Für sein Engagement in Salt Lake City fand er in New York einen deutschen Metzger, der Schinken und Weisswürste lieferte. Sein Glück war vollkommen, als er auch einen deutschen Bäcker auftrieb, der Bretzeln und Brötchen herstellte.
 
In Nagano versorgte er die Olympioniken ebenfalls mit „einheimischer“ Kost. Statt Sushi und Glasnudeln gab es beispielsweise Gulasch mit Spätzle und weitere kulinarische Köstlichkeiten aus der Heimat.
 
Alle Furz ein Bänkle
Ruth Stückler hatte ein besonderes Erlebnis mit 2 Damen aus dem Ruhrpott. Kurz nach ihrer Ankunft ergoss sich ein Redeschwall über die Gastgeberin. Sie ist sonst sehr freundlich und ruhig, aber die Damen hielten sie von der Arbeit ab. Immer wieder redeten und redeten sie, wollten dieses oder jenes wissen. „Wie bring ich die Damen wieder los?“ dachte sich Frau Stückler. Da kam ihr eine glänzende Idee. Sie sagte zu den Damen, sie könnten doch bei diesem schönen Wetter vor dem Abendessen einen halbstündigen Spaziergang auf dem „Faulenzerweg“ zur Lourdes-Grotte machen.
 
„Gibt es da auch genügend Bänke?“ fragte eine der Damen. „Es kommt alle Furz ein Bänkle“, erwiderte Frau Stückler. Die Frauen wollten schon auf ihr Zimmer gehen, da wendete sich die redegewaltigere Dame um und meinte: „Eine letzte Frage: Was bedeutet alle Furz?“ Nach einer kurzen Worterklärung war Ruhe im Raum.
 
Ein Pfarrer nahm etwas mit
Ein evangelischer Pfarrer, der mit seiner Frau anreiste, wurde Zimmer 13 zugeteilt. In diesem Zimmer befand sich ein aussergewöhnlicher Gegenstand: Ein Flaschenöffner aus Messing in Form eines nackten Mädchens. Es war das einzige Exemplar im Haus. Als der Pfarrer mit Frau abgereist war, bemerkte Frau Stückler den Verlust dieses Öffners. Die Gastgeberin schrieb daraufhin den Pfarrer an und bat um Rückgabe der „nackten Frau“. Die Bestohlene erhielt bald einen Brief, in dem Folgendes stand: „Ja, der Öffner hat uns sehr gut gefallen, was kostet dieser?“ Aber Frau Stückler wollte unbedingt das Unikat zurück haben. Einige Tage später erhielt sie den Gegenstand vom Pfarrer, der offensichtlich nackte Frauenkörper liebte, zurück.
 
Verrücktes Frauenzimmer
Ein stattlicher, gut aussehender, freundlicher Mann und eine kleine, runzlige Frau, die sich bei der Anreise kennen gelernt hatten, bezogen die Zimmer Nr. 11 und 12 im Hotel „Arnica“. Die Frau wurde von Frau Stückler als „Nudel“ bezeichnet, denn sie war mit nichts zufrieden. Das Zimmer war ihr zu eng, und sie behauptete, sie komme sich wie in einem Sarg vor. Sie erhielt das Zimmer 9a. Auch mit diesem Raum war sie nicht zufrieden, es war ihr zu klein. Daraufhin die Gastgeberin: „Nr. 1 können sie haben, es ist jedoch ein Doppelbettzimmer.“ Am nächsten Morgen kam eine weitere Reklamation. „Das Zimmer hat keine Jalousien, es ist zu hell, da kann ja kein Mensch schlafen.“ Sie erhielt Zimmer Nr. 5. Sie war mit ihren Wünschen noch nicht am Ende. Sie wollte, dass ihr eine Suppe aufs Zimmer gebracht wird.
 
Die anstrengende Frau hatte sich wohl etwas mehr von ihrer Urlaubsbekanntschaft versprochen. Auf die Frage, wie sie denn die letzte Nacht verbracht habe, meinte die Frustrierte: „Die Nacht mit diesem Herrn habe ich mir anders vorgestellt.“
 
Wahrscheinlich wollte der Mann von Anfang an nichts mit ihr zu tun haben. Vielleicht war sie auch der Meinung, ihre Verführungskünste würden ausreichen, um diesen attraktiven Mann ins Bett zu bekommen. Aber wie schon gesagt, die Frau war runzlig und sehr eigenartig. Da wäre wohl jeder davongelaufen.
 
Kurz darauf reiste der Mann ab, und die Frau drehte völlig durch. Sie rannte am nächsten Tag ins Haus der Kurverwaltung und rief: „Hilfe, ich werde verfolgt.“ Dann öffnete sie ihren Mantel und zeigte ihren nackten Körper.
 
Damit noch nicht genug mit den Erlebnissen dieses sonderbaren Geschöpfes. Die Frau kaufte sich eine Kuckucksuhr. In der Nacht war im ganzen Haus der Kuckuck zu hören. Die Gäste beschwerten sich. Die Recherchen ergaben, dass die Frau die Uhr unters Bett schob und laufend aufgezogen hat. Am nächsten Tag war der Kuckuck kaputt und die Wirtin mit den Nerven fertig. Bald darauf reiste die anstrengende Dame ab und ward nie mehr gesehen.
 
War hier ein Mörder unterwegs?
Auf der Autobahn von Karlruhe nach Basel entdeckten Polizeibeamte ein Auto, das einen blutverschmierten Kofferraumdeckel hatte. Die Beamten waren der Ansicht, hier stimme etwas nicht. Es müsse ein Verbrechen vorliegen. Der Wagen wurde gestoppt und der Fahrer kontrolliert. Dann musste der überraschte Mann den Kofferraum öffnen. Die Beamten waren schon auf das Schlimmste gefasst, schliesslich ist eine Leiche kein schöner Anblick. Als sie das vermutete Corpus delicti erblickten, lachten sie los. Es waren 2 Schweinehälften, die im Kofferraum lagen. Sie erfuhren die näheren Umstände. Er sei Metzger von Beruf und habe bei einem Verwandten das Schwein geschlachtet. Der Metzger war Hugo Stückler, der Vater unseres Olympiakochs.
 
So reagierte sich ein Koch ab
Immer, wenn der frühere Koch vom „Waldblick“ in Todtnauberg zu sehr in Stress geriet, schnappte er sich sein Motorrad, fuhr eine Runde in Richtung „Sternen“ und kehrte beruhigt an seinen Küchenherd zurück.
 
Wie soll das Hotel heissen?
„Bevor wir mit dem Bau beginnen konnten, musste ein Name gefunden werden“, so Ruth Stückler über die Namenssuche zu ihrem geplanten Hotel. Sämtliche Familienmitglieder überlegten lange, aber der passende Name wollte ihnen nicht einfallen. Erst eine Verwandte hatte die zündende Idee. Als die Dame das Grundstück inspizierte, entdeckte sie eine Arnika, zeigte darauf und meinte: „Hier hast Du den Namen für Dein Hotel!“ Ruth und Hugo Stückler waren sich dann gleich einig und entschieden sich für „Arnica“ (mit „c“ im Namen) analog der lateinischen Bezeichnung „Arnica montana“. Das Hotel wurde dann gebaut und 1968 eröffnet. Dieser Name scheint einzigartig zu sein. Besonderheiten des Ökohotels sind – neben der Solaranlage und Wärmepumpe – die vielen selbstgemachten Kräuterzubereitungen, das Holzofenbrot, das in einem nachgebauten „historischen" Ofen gebacken wird.
 
Jochen Stückler bietet Bärlauch- und Kräuterkochkurse und Backkurse an (www.hotel-arnica.de). Es ist für mich immer ein besonderes Vergnügen, bei diversen Kochkursen über die gesundheitliche Wirkung der Kräuter in einem Dia-Vortrag zu berichten.
 
Rezepte
Die Rezepte Bärlauchbutter, Bärlauchgnocchi und Bärlauchplätzchen wurden bereits im Blog „Bärlauch frisch vom Wald in die frühlingshafte Haute Cuisine“ am 20.03.2008 publiziert.
 
Bachkressebutter
Zutaten: 500 g weiche Butter, 100 g gewaschene Blätter von der Bachkresse (zarte, junge Blätter, die Pflanze darf noch nicht blühen), etwas Orangensaft, Salz und Pfeffer, 5 Karotten, etwas Muskat.
Zubereitung: Alle Zutaten durch einen Küchenwolf geben, dann mit einem Handrührgerät so lange vermischen, bis eine homogene Masse entsteht. Da die Bachkresse sehr herb ist, empfiehlt sich die Zugabe von Karotten, die den Geschmack mildern. Butter lässt sich einfrieren und steht das ganze Jahr zur Verfügung.
Verwendung: Würzmittel für Fleisch und Saucen oder zum Kochen einer Suppe.
 
Pesto
Zutaten: 50 g Basilikumblätter, 2 gehackte Knoblauchzehen, 1 Esslöffel Pinienkerne oder Mandelkerne, ½ Teelöffel Vollsalz, 150–200 ml Olivenöl.
Zubereitung: Sämtliche Zutaten im Mixer mischen.
Hinweis: Gleiches Rezept, aber mit Mandeln und 50 g Parmesan.
 
Spitzwegerich-Zucchini-Suppe
Zutaten (für 4 Personen): 2 Esslöffel Olivenöl, 1 klein geschnittene Zwiebel, 1 Lorbeerblatt, 1–2 gewürfelte Zucchini, 4 Hand voll fein geschnittene Spitzwegerichblätter, 1 Knoblauchzehe, 1 Tasse Sahne, Salz, Pfeffer, Muskatnuss, 1 Liter Gemüsebrühe.
Zubereitung: Die Zwiebel und die klein geschnittene Knoblauchzehe in Öl glasig dünsten, dann Zucchini und die Spitzwegerichblätter und die Gemüsebrühe dazugeben, 5 Minuten köcheln lassen und mit Salz und Gewürzen abschmecken. Eventuell pürieren und Sahne hinzufügen.
 
Kräuter-Erfrischungstrunk
Zutaten: 3 Zweige Pfefferminze, 2 Zweige Melisse, 3 Zweige Zitronenthymian, 1 Zweig Johanniskraut, 5 Spitzwegerichblätter, 2 Esslöffel Tannenhonig.
Zubereitung: Alle Zutaten mit 2 Liter kochendem Wasser übergiessen, 10‒15 Minuten ziehen lassen, abgiessen. Zur Dekoration oder zur Intensivierung des Aromas kommen 2 Zweige Melisse in die Kanne. Der erfrischende Trunk kann sowohl warm als auch kalt getrunken werden.
 
Hinweise auf die vorherigen Blogs mit Wirtegeschichten
26.04.2008: Wirtegeschichten (I): „Da gibt es keine Speisen à la carte!"
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