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BLOG vom 05.06.2008


Im Regenloch London: Allerlei Schikanen mit Schirmen
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Dieses Jahr ist London wirklich ein Regenloch. Jahrelang kam ich ohne Schirm aus, denn die Gewitter verziehen sich hierzulande meistens rasch. Ich suche dann Unterschlupf in einem Café.
 
Dieses Jahr jedoch wird die Metropole ausgerechnet vom hartnäckigen „Landregen“ heimgesucht. So schaffte ich mir einen Knirps an, nein, einen nach dem anderen. Der 1. sich selbst öffnende Knirps versagte schon beim 2. Mal. Den 2. verlor ich. Den 3. ebenfalls. Beim nächsten Exemplar, ein Billigschirm aus China, verklemmten sich die Speichen. Ich entsorgte ihn in einer Abfalltonne und wartete auf ein Taxi. Bei Regen ist es sinnlos, auf ein Taxi zu warten: alle sind besetzt.
 
Zum britischen Gentleman gehört ein altmodischer, straff gerollter Schirm. Also denn kaufte ich mir schliesslich einen solchen und glaubte mich gut gewappnet. Jetzt beginnt es schon wieder zu regnen. Zum Glück sitze ich diesmal im Trockenen in meiner Bude.
 
Ich weiss nicht, woran es liegt, dass ich nach dem Gebrauch den Gentleman-Schirm nicht straff einrollen kann. Vielleicht besteht der Grund darin, dass ich kein Gentleman bin. Ich muss mich auch damit abfinden, dass ich ein schlechter Rollenträger bin. Dieser Schirm wird mir als Anhängsel am Arm rasch lästig. Und will ich ihn als Spazierstock benutzen, stolpere ich, weil er mir zwischen die Beine gerät. Oder andere stolpern über ihn. Es hat einfach zu viele Leute auf der Strasse. Wer spaziert heute noch? Die Passanten schlängeln sich hastig aneinander vorbei und verpassen ihre Termine dennoch, seien es ihre Züge, der Ausverkauf oder das Stelldichein.
 
Mit aufgespannten Schirmen kommt es leicht zu Kollisionen. Vor kleingewachsenen Schirmträgern sei gewarnt. Ihr Schirmgerippe kann Rippen treffen. Hochgewachsene Leute tragen ihre Schirme oft nonchalant schräg. Das Regenwasser rieselt Leuten ohne Schirm übers Haar oder über die Glatze. Kommt davon diese Redensart: Vom Regen in die Traufe kommen? Der nasse Hund schüttelt sich; der Mensch schüttelt den Regenschirm, kaum ist der Regen vorbei. Das ist nicht höflich. Der Regen kommt dann als Nachspritzer aus allen Richtungen.
 
Was tun, wenn der Schirm, von einer Windböe erfasst, umkippt? Die sonst gelenkigen Speichen bleiben verrenkt, starren himmelwärts. Eine Hälfte des Schirms fügt sich endlich dem Händedruck des Besitzers. So weit – so gut. Auch die andere Hälfte gibt nach. Dagegen hat die 1. Hälfte des Schirms etwas und kippt rachsüchtig sofort wieder um. Inzwischen hat sich der Regen verstärkt. 5 Schritte entfernt ist ein Abfallkübel, dafür geschaffen, den unbändigen Schirm wieder in Fassung zu bringen.
 
Ich stehe „am Schärmen“ (im Trockenen) und bewundere die Findigkeit des Kämpfers mit dem Schirm, wie er ihn kraftvoll in den Kübel stösst. Er muss mehrmals zustechen, denn der Kübel ist mit Abfall überfüllt. Hat er gewonnen? Keineswegs. Vergeblich zerrt und murkst er am Handgriff. Der Grund dazu ist offensichtlich: Der Aluminiumkübel hat schräge Seitenschlitze. Dazwischen haben sich die Streben des Schirms verfangen. Der Schirm ist immerhin am rechten Ort entsorgt.
 
Dem kann ich nur noch hinzufügen: Der beste Aufbewahrungsort für Schirme ist der Schirmständer. Dort bleiben sie wenigstens trocken.
 
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