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BLOG vom 11.09.2008


Vom Leseroller zum eBook – und die Lesegewohnheit
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Seit meiner im Jahr 1964 geschriebenen Kurzgeschichte „Der Leseroller”  (siehe auch unter der Textatelier-Rubrik „Glanzpunkte 63“) hat die Technologie einen neuen Höhepunkt erreicht: ein elektronisches Lesegerät für das eBook (E-Book, electronic Book). Am 4. September 2008 hat die Bücherkette Waterstone’s das Sony eBook PRS-5055 lanciert. In diesem Gerät können bis zu 160 Bücher gespeichert werden. Das Gerät im Taschenbuchformat wiegt 260 g. Die Batterie reicht aus, um rund 6800 Seiten zu lesen: ideal für die Leseratten in Abflugshallen. Für mehr als ausreichende Ferien-Lektüre ist ebenfalls gesorgt, komme Sonne oder Regen. Dieses Lesegerät kostet eine Lappalie von  £ 199 und enthält nebst Leseauszügen erst noch eine Bibliothek von 100 klassischen Titeln. Wer neue verfügbare e-Books kaufen will, bezahlt zwischen £ 1.20 bis zu £ 15.99 pro Buch. (Sie lassen sich vorderhand noch nicht übers Lesegerät bestellen.)
 
Das ist doch toll! So betrat ich gestern den Waterstone’s Buchladen in Wimbledon. Die Verkäuferin sagte, es sei noch ein einziges Exemplar an Lager … Wie viele seit dem 4. September verkauft worden sind, darüber konnte sie mir keine Auskunft geben. Immerhin lag ein Demonstrationsgerät auf. Ich brauchte etwas Nachhilfe, um mich in die Buchstaben-Suppe einzufinden. Wahllos knipste ich auf einen Titel. Recht rasch war das Buch herunter- oder hochgeladen. Ich konnte vorwärts oder rückwärts blättern. Der Text lässt sich vergrössern oder verkleinern und ist gut lesbar. Der eBook-Besitzer kann erst noch persönliche und andere Daten via PDF, RTF, MS Word, JPEG Bilder (automatisch in RTF konvertiert) ins Gerät einschleusen.
 
Aber alles hat seinen Haken – ganz besonders für mich, der keinen Pfifferling auf das von Waterstone’s angebotene eBook-Archiv gibt, und der Bücher nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Deutsch oder Französisch lesen will. Meine Lesegewohnheiten sind eingefleischt, und ich kann und will sie in meinem Alter nicht ändern. Nichts ersetzt mein Wohlgefühl als ein gutes Buch in der Hand zu halten, besonders jene aus meiner bibliophilen Sammlung, die längst vergriffen sind. Jahre sind es her, seitdem ich ein neues Buch gekauft habe.
 
Dank meiner Söhne erhalte ich hin und wieder Buchgeschenke, die sie mir wohlwollend zum Lesen empfehlen, wie etwa „London – The Biographie“ von Peter Ackroyd, „The Doctors of Revolution – 19th Century thinkers who changed the world“ von Shlomo Barer, „Carnet secrets – Chute et mort du Schah“ von Houchang Nahavandi usf. Aber am liebsten wühle ich in Buchantiquariaten, auch auf Ramschmärkten nach „Trouvaillen“, die mich ansprechen. Nun, das kann nicht Jedermanns Sache sein, und werden mehr Leser über eBook gewonnen, ist das ja gut und kann vielleicht erst noch einen neuen, zusätzlichen Absatzkanal für Autoren werden.
 
Sony ist nicht der einzige ebook-Anbieter. Auch iRex (innerhalb des Phillips-Konzerns) hat kürzlich ein Lesegerät auf den Markt gebracht: iLiad, das 450 g wiegt und £ 399 kostet. Vorderhand ist das eBook noch Neuland, und es bleibt fraglich, ob es sich zu solchen Preisen im Markt durchsetzen kann. Gewiss werden neue, verbesserte Lesegeräte mit ausgeklügeltem technischem Zauber den Kaufreiz anstacheln. Das Handy ist längst nicht mehr nur ein Telefon geblieben, sondern bietet obendrein eine eingebaute Kamera, Navigationshilfe etc. Hoffentlich sind die Lesegeräte wasserdicht für den Leser in der Badewanne.
 
Für mich bleibt ein Buch, ein Buch auf Papier gedruckt, unersetzlich, solange sein Inhalt mich anspricht.
 
Hinweis auf den einschlägigen „Glanzpunkt“
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