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BLOG vom 09.02.2009


Von den Kriegslügen, Medienlügen und Holocaust-Leugnern
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein CH (Textatelier.com)
 
Als der Zweite Weltkrieg wütete, war ich zwischen 2 und 8 Jahre alt, und ich habe damals überhaupt nicht verstanden, worum es da ging. Ich erinnere mich nur noch an die bewegenden Abschiedszeremonien, wenn mein Vater nach einem kurzen Urlaub „wieder an die Grenze“ und seinen Dienst als Mitrailleur innerhalb der Infanterie (Maschinengewehrschütze, vom französischen mitrailleuse = Maschinengewehr) tun musste. Schiessen musste er nie. Er fluchte, dass er in feucht-kalten Bunkern Rheumatismus aufgelesen habe und dass die Fresserei eine Katastrophe sei, was seinen Eindruck bestärkte, ohnehin nur „Kanonenfutter“ zu sein. Der Hitler, der ihm solches eingebrockt hatte, konnte ihm gestohlen werden.
 
Man wusste damals wenig, was sich in den umliegenden Ländern abspielte. Meine Mutter, politisch ihrer Lebtag lebhaft interessiert, hörte die Freitagabend-Sendung „Weltchronik“ von Radio Beromünster von Jean Rudolf von Salis. Er stand dem Nationalsozialismus kritisch gegenüber, berichtete aber mit grösstmöglicher Objektivität. Seine Leistung wurde auch im Nachhinein allgemein anerkannt.
 
Nach Kriegsende wurde das Kriegsgeschehen vor allem in Deutschland „aufgearbeitet“ – ein Ausdruck, den sich auch die Psychotherapeuten zunutze machten. Es ist bei allen Kriegen (und oft auch hinsichtlich politischer Vorgänge so), dass man erst hinterher, wenn überblickende Gesamtbetrachtungen vorliegen, der Wahrheit näher kommen kann. Bis dahin hat man sich mit einzelnen Schlaglichtern, die oft aus einer Propagandaküche kommen, zu begnügen. Das war auch mit Bezug auf den jüngsten Irak-Krieg so, der von Märchenerzählungen über ein irakisches Atomwaffenprogramm und dergleichen Erfindungen eingeleitet wurde, dem ersten Golfkrieg nicht unähnlich, dem die Brutkasten-Lüge, von der PR-Firma Hill & Knowlton ausgeheckt, zu Gevatter stand. Und dass die Dramatisierung des Iran unter der Bush-Regierung der Vorbereitung als Einstimmung auf einen weiteren Krieg diente, hatte man vermutet; vielleicht wird jetzt verhandelt statt geschossen – Obama hat einige Hoffnungssignale ausgesandt. Er will die US-Vorherrschaft offenbar mit milderen Mitteln vorantreiben, wenn er bei seinen Aussagen bleibt. Die Weltgeschichte ist voller Propagandalügen, doch viele von ihnen verfehlen ihre Wirkung nicht. Noch heute glaubt etwa die Hälfte der fehlinformierten Amerikaner, dass Saddam Hussein hinter den Anschlägen auf das World Trade Center gestanden habe. Man muss den Menschen nur Angst einflössen, um sie gefügig zu machen.
 
Sozusagen alles, was wir heute aus Kriegsgebieten wissen, wird von den in die westliche Wertgemeinschaft eingebundenen, Krieg führenden Ländern (wie die USA und Israel oder militärischen Organisationen wie der Nato) gesteuert und kritiklos von unseren eingebetteten Medien wiedergegeben. Auch bei Meldungen aus Russland, China usf. ist Vorsicht geboten. Unabhängige Berichterstattungen werden in heissen Phasen nicht erlaubt, was Misstrauen weckt. Man wird also immer ein paar Jahre geduldig warten müssen, um einigermassen zuverlässig zu erfahren, was denn wirklich geschehen ist.
 
Der 2. Weltkrieg wurde insbesondere von den Deutschen mit einer bewunderungswürdigen Akribie aufgearbeitet – bis hin zur Selbsterniedrigung. Bei diesem Sachverhalt müsste man eigentlich annehmen, dass auch Details und eine umfassende Gesamtdarstellung des Holocausts (Vernichtung des jüdischen Volks) hinlänglich bekannt sein müssten. Dennoch treten immer wieder Holocaust-Leugner auf, die manchmal Revisionisten sind, die bewirken wollen, dass das gängige Geschichtsbild kritisch hinterfragt, das heisst revidiert wird. Wenn ideologische Ziele dahinter stehen, ist das verwerflich, falls das auf die Gewinnung deutlicherer Bilder geschieht, ist das zu begrüssen und in der Geschichtswissenschaft üblich, besonders wenn neue Fakten aufgetaucht sind. So hat zum Beispiel die Schweiz ihre Geschichte während des 2. Weltkriegs durch eine internationale Historiker-Kommission aus 4 schweizerischen und 4 ausländischen Mitgliedern (aus Israel, Grossbritannien, Polen und den USA) aufarbeiten lassen. Sie legte im Jahr 2002 den nach dem Vorsitzenden so genannten, fragwürdigen Bergier-Bericht vor. Bei der Zusammensetzung solcher Untersuchungsgremien müsste auf grösstmögliche Unabhängigkeit geachtet werden – und Betroffene sollten nur bei der Informationsbeschaffung mitwirken. Bereits die Kommissionszusammenstellung liess wenig Gutes erwarten. Der Bericht ist unbrauchbar. Viele Zahlen sind unüberprüft und Foft nachweislich falsch.
 
Seit Jahren wird die Öffentlichkeit mit Meldungen über Holocaust-Leugner und Prozessen gegen diese versehen, die entweder behaupten, die Gaskammern habe es nicht oder nur zu Desinfektionszwecken gegeben, oder aber es sind Revisionisten, welche die angegebene Zahl von 6 Millionen vergaster Juden nicht glauben wollen und sie als Propagandalüge bezeichnen. Dahinter können unterschiedliche Motive stehen – von der Schuldbefreiung bis zum Antisemitismus, den es schon seit 2000 Jahren in unterschiedlichen Ausprägungen gibt.
 
Im Moment drehen sich gerade heftige Diskussionen um den britischen Bischof Richard Williamson, der zurzeit in Argentinien lebt. Er gehört der katholischen Pius-Bruderschaft an, die als „ultratraditionalistisch“ gilt. Williamson hatte im schwedischen Fernsehen gesagt, dass historische Fakten gegen die Existenz von Gaskammern sprächen. Die Nazis hätten ausserdem nicht 6 Millionen Juden ermordet, sondern nur 200 000 bis 300 000, aber nicht in Gaskammern, sagte der Bischof. Diese Aussage erhielt eine internationale Aufmerksamkeit, nachdem der deutsche Papst Benedikt XVI. für ihn und 3 weitere Bischöfe aus der „Priesterbruderschaft Pius X.“ die Exkommunikation aufgehoben hatte. Damit richtete Joseph Alois Ratzinger, wie der Papst mit bürgerlichem Namen heisst, ein fürchterliches Chaos an. Sogar die deutsche CDU-Bundeskanzlerin Angela Merkel wies ihren Landsmann zurecht: er müsse eindeutig klarstellen, dass es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe. Der in eine üble Krise geratene Vatikan machte in Schadensbegrenzung und verlangte von Williamson, seine Thesen zu widerrufen. Aber genau das will der umstrittene Bischof vorerst nicht tun. Laut einem „Spiegel“-Interview will er zunächst die historischen Beweise prüfen, und wenn er diese finde, werde er sich korrigieren, sagte Williamson.
 
Selbstredend ist die Reihenfolge etwas misslungen: zuerst behaupten und dann Beweise sammeln. Dieser Fall zeigt erneut, dass die Holocaustgeschichte bisher zu wenig detailliert aufgearbeitet ist. Zwar gibt es eine Fülle von Werken einzelner Holocaust-Forscher, die vor allem in den USA, Israel, Grossbritannien, Polen und Deutschland geschrieben worden sind und die sich oft auf Holocaust-Überlebende (auch auf mitbetroffene Sinti und Roma) und Institute zur jüdischen Geschichte abstützen; viele von ihnen nehmen wissenschaftliche Beweiskraft für sich in Anspruch.
 
Wahrscheinlich wird kein vernünftiger Mensch den Judenmord im 2. Weltkrieg bestreiten; zu viele Fakten und Indizien sprechen dafür. Und weil es dennoch Holocaust-Leugner und Revisionisten gibt, wurden in verschiedenen Ländern Antirassismus-Strafnormen geschaffen, die das Leugnen des Holocausts verbieten – trotz hochgehaltener Meinungsfreiheit, so seit rund 10 Jahren auch in der Schweiz, wobei allerdings Rassismus in der privaten Sphäre nicht als Straftatbestand erachtet wird. Hinter der Gesinnungswacht steht das Bestreben, zu verhindern, dass Holocaust-Opfer und ihre Angehörigen beleidigt werden. Aber Gesinnungsgesetze lassen sich auf die Dauer nicht halten; sie bewirken meist das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen.
 
Der Schweizer Historiker und SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli hält von solchen Gesetzen nichts, sondern will die Diskussionen dem freien Spiel der Kräfte überlassen. Er schrieb in einer „Weltwoche“-Kolumne (2006-41): „Die Leugner sollen im Licht der besseren Argumente und der freien Forschung verdorren.“ Das trifft den Sachverhalt genau.
 
Noch aber herrscht ein Mangel an umfassenden, aus unabhängiger (ergebnisoffener) Forschung entstandenen Resultaten trotz der riesigen und manchmal auch widersprüchlichen Holocaust-Literatur, zumal das einen einzelnen Forscher wahrscheinlich überfordert. Zweifellos läge es im welthistorischen Interesse, das schreckliche Geschehen durch ein neutrales, vollkommen unabhängiges, angesehenes Fachgremium im Zusammenhang aufarbeiten zu lassen. Vielleicht käme dann heraus, dass alles noch viel schlimmer war, als es die gängige Historiker-Meinung darstellt. Vielleicht ist das jetzige Wissen einigermassen korrekt, und vielleicht gab es propagandistisch oder anderweitig begründete Aufrundungen der Opferzahlen. So lange viele wesentliche Fakten nicht nach wissenschaftlichen Kriterien erhärtet sind und die Grundlagen eher den Charakter von Dogmen haben statt wissenschaftlich breit abgestützte Fakten sind, hören die Diskussionen und Bestrafungen nicht auf. Solche Zustände sind unhaltbar und müssen bereinigt werden, im Interesse aller.
 
Wenn einmal eine allgemein anerkannte Darstellung vorläge, würden sich die Diskussionen wohl von selbst erledigen. Wer abweichende Ansichten vertreten würde, wäre in aussichtsloser Position. Er würde sich selber disqualifizieren. Gesinnungsgesetze zum Erzwingen einer Einheitsmeinung könnten mit zusätzlichen Argumenten bekämpft werden – nochmals im Sinne von Mörgeli: „Es ist noch keine Demokratie an zu viel Meinungsfreiheit gescheitert.“
 
Aus allen Erkenntnisbereichen ist bekannt, dass die Mythenbildung genau dort beginnt, wo das Wissen aufhört. Das ist beim unangepassten Bischof Williamson nicht anders.
 
Hinweis auf ein weiteres Blog zum Holocaust
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