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BLOG vom 12.08.2009


Starkes Immunsystem (I): Effektiver Grippe-Abwehrkampf
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Täglich ist der Mensch den Attacken von Bakterien, Viren und Pilzen ausgesetzt. Nur unserem wunderbar funktionierenden Immunsystem haben wir es zu verdanken, dass wir diesen Angriffen nicht schutzlos ausgeliefert sind. In der Strategie des Abwehrkampfs stehen Lymphozyten, „Fresszellen“, Killerzellen, Abwehrstoffe und Antikörper an vorderster Front. Leider kommt es in unserer Zeit immer häufiger vor, dass diese Abwehrzellen geschwächt oder unzureichend gebildet werden. Welche Hauptursachen hier eine Rolle spielen und wie man sein Immunsystem bzw. Abwehrsystem stärken kann, werde ich in einigen Folgen darlegen. Ein starkes Immunsystem ist nämlich in Zeiten der „Schweinegrippe“, anderen Grippearten, Infektionen bis hin zum Schnupfen von Bedeutung.
 
Ein massenhafter Menschenversuch
In diversen Publikationen wird meistens über Impfungen zur Bekämpfung von Grippeviren geschrieben und sehr wenig über die Prophylaxe. Aber auch die Behörden und die Pharmafirmen, die sich bei Epidemien durch die Impfungen eine goldene Nase verdienen, verschweigen schamhaft Massnahmen zur Vorbeugung = Krankheitsverhinderung.
 
Zu Recht prangert „Der Spiegel“ in der Ausgabe vom 03.08.2009 (2009-32) das „Geschäft mit der Spritze“ an. Hier wird von einem massenhaften Menschenversuch geschrieben, da ein wenig erprobter Impfstoff an Millionen von Menschen verabreicht werden soll.
 
Auch die Behördenvertreter bekommen ihr Fett ab. „Der Spiegel“ schreibt, dass diese Vertreter „von einer sommerlochtypischen Medienhysterie“ angetrieben werden.
 
Zum Glück reagieren meine Familienangehörigen, Bekannten und auch der überwiegende Teil der Bundesbürger gelassen und lehnen eine Grippeimpfung wegen den Nebenwirkungen ab. Sie plädieren für Empfehlungen zur Minimierung der Ansteckung und für ein starkes Immunsystem, das mit natürlichen Mitteln und Massnahmen erreicht werden kann. Als ich Recherchen für diese Folgen machte, war ich erstaunt, wie viele Tipps es zur Stärkung des Immunsystems gibt. Also packen wirs an und sorgen für eine fitte Abwehr!
 
Ein Team von Spezialisten
Unser Körper befindet sich im permanenten Kriegszustand (verzeihen Sie diesen Ausdruck, aber es ist wirklich so). Wir werden laufend von Viren, Bakterien und Parasiten angegriffen. Wäre unser Immunsystem nicht so raffiniert ausgebildet, gäbe es keinen einzigen Menschen mehr. Die wichtigsten „Krieger“ sind die weissen Blutkörperchen (Leukozyten). Zu diesen gehören die Granulozyten (neutrophile, eosinophile, basophile), Monozyten und Lymphozyten. Die Granulozyten sind die grösste Gruppe der Leukozyten.
 
Die Leukozyten werden auch als Immunzellen oder Immunozyten bezeichnet, da sie an der spezifischen und unspezifischen Immunabwehr beteiligt sind.
 
Jeder gesunde Erwachsene hat 4000 bis 10 000 Leukozyten pro Mikroliter Blut (heute wird der Wert in SI-Einheiten angegeben = Anzahl Leukozyten in G, also Giga pro Liter). Bei Entzündungen, Leukämie (Blutkrebs), Polycythämia vera und bei starken Rauchern (bis 15 000/Mikroliter) steigt die Leukozytenanzahl an. Die Anzahl reduziert sich bei Knochenmarkerkrankungen, bei vielen Viruserkrankungen, bei wenigen bakteriellen Erkrankungen (Typhus, Brucellose) und bei Überfunktion der Milz.
 
Die Leukozyten machen zwar nur einen geringen Teil der gesamten Blutzellen aus, sind aber überaus effektiv und wichtig; sie sind ein Team von Spezialisten und jeweils für ein Spezialgebiet notwendig. Sie strömen nicht nur im Blut, sondern vermögen aus der Blutbahn herauszuwandern, um Eindringlinge zu bekämpfen.
 
Produktionsstätte für die Leukozyten ist das Knochenmark im Brustbein, in den Rippen und Schulterblättern, im Oberarm- und Oberschenkelknochen. Das Knochenmark ist quasi die Nachschubbasis für Immunzellen.
 
Zentrale und primäre Immunorgane sind Thymus (Prägung von T-Lymphozyten) und darmnahe Lymphorgane (Prägung von B-Lymphozyten); periphere oder sekundäre Immunorgane sind Milz, Lymphknoten, Mandeln, Blinddarm und Peyer-Plaques. Die Peyer-Plaques sind Lymphzentren (Lymphfollikel) im unteren Dünndarm, auch Ileum genannt. Die Peyer-Plaques wurden nach dem Schweizer Anatom Johann Conrad Peyer (1653‒1712) benannt.
 
Das Immunsystem der Darmwand (intestinales Immunsystem) ist übrigens das grösste des Körpers. Dort befinden sich Lymphozyten, Plasmazellen und Makrophagen, Peyer-Plaques, Lymphknoten, Immunglobuline (IgG, IgM, IgE), Komplement und Interferon. 80 % der Zellen, die Antikörper produzieren, befinden sich übrigens in der Darmwand. Damit ist klar, warum das Immunsystem bei Funktionsstörungen und Krankheiten des Darms geschwächt ist.
 
Bevor wir die Arbeitsweise des Immunsystems kennen lernen, noch einige interessante Fakten zu den T- und B-Lymphozyten.
 
T- und B-Zellen
T-Zellen: Die Lymphozyten werden durch die Thymusdrüse geschleust und erhalten ihre immunbiologische Ausstattung. Sie werden quasi „scharf“ gemacht für den Abwehrkampf. Wenn die Thymusdrüse wegen Krankheit ausfällt, übernehmen andere Organe diese Prozedur. T-Zellen sind verantwortlich für die zelluläre Immunität.
 
B-Zellen: Diese Zellen bekamen ihren Namen von einer Drüse, der Bursa. Diese wurde erstmals im Enddarmbereich von Vögeln nachgewiesen. Der Mensch hat keine Bursa, aber ein lymphatisches Gewebe im Darm, das die Aufgabe dieser Drüse übernimmt. Nach Durchschleusung werden aus den Lymphozyten B-Zellen. Die B-Zellen sind verantwortlich für die humorale Immunität und produzieren Antikörper, also Stoffe, die gegen Fremdstoffe (Antigene) gerichtet sind.
 
Gedächtnis des Immunsystems
Zum Glück hat unser Immunsystem ein fabelhaftes Gedächtnis. Einmal ein für ein bestimmtes Antigen produzierter Antikörper bleibt erhalten und wird bei der nächsten Attacke (Infektion) sofort massenhaft produziert. Bei der Impfung wird das ausgenutzt. Bei der aktiven Immunisierung werden abgetötete oder abgeschwächte Erreger injiziert. Der Körper produziert gegen diese Erreger gerichtete Abwehrstoffe (Antikörper).
 
Die Gedächtniszellen vom T- und B-Typ speichern die Struktur des Krankheitserregers in ihrem Gedächtnis.
 
Neben der aktiven gibt es noch die passive Immunisierung. Bei der passiven Immunisierung bekommt der Körper Abwehrstoffe, die Tiere (Pferd, Rind, Schaf) gegen den Erreger gebildet haben. Die passive Immunisierung erfolgt, wenn der Organismus bereits infiziert und es für die Bildung körpereigener Abwehrstoffe zu spät ist. Die Wirkung tritt sofort ein, hält aber nur wenige Tage an.
 
Unser Immunsystem unterscheidet zwischen körperfremden und körpereigenen Stoffen. Dies wirkt sich nachteilig aus bei Bluttransfusionen (falsche Blutgruppe) oder Organverpflanzungen. Leider funktioniert das Erkennen von körpereigenen und körperfremden Stoffen bei den Autoimmunkrankheiten (beispielsweise Rheumatoide Arthritis, Multiple Sklerose) nicht mehr. Die Abwehrzellen greifen körpereigene Zellen an.
 
Die „Müllschlucker“ unseres Körpers
Nehmen wir an, Sie verletzen sich bei der Gartenarbeit. Durch die Wunde dringen Bakterien ein. Sofort werden Granulozyten alarmiert und an den Ort des Geschehens gelockt. Als Lockstoffe dienen Lymphokine oder bakterielle Stoffe. Die Leukozyten nehmen körperfremde Partikel, Bakterien, Pilze, Protozoen (Einzeller), Würmer, Tumorzellen und Toxine auf und machen diese unschädlich. Als „Waffen“ stehen ihnen die selbst produzierten Enzyme und Wasserstoffperoxid zur Verfügung. Leider wissen die Granulozyten nicht, wann sie mit dem Vernichtungskampf aufhören sollen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann ihre Enzymvorräte erschöpft sind. Sobald dieser Zeitpunkt eintritt, sterben die Zellen ab. Doch keine Angst, der Abwehrkampf ist nicht zu Ende. Helfend greifen nun die Makrophagen, die so genannten „grossen Fresszellen“, ein. Sie leben länger als die Granulozyten, sind nicht ganz so gefrässig. Sie fahren Tentakel aus, fangen die Fremdlinge ein, umhüllen sie und verdauen diese mittels Enzymen. Die Makrophagen vertilgen auch die abgestorbenen Granulozyten, Stoffwechselabfälle, abgestorbene Blutkörperchen; sie sind die „Müllschlucker“ unseres Körpers.
 
Gesetzt der Fall, einige Bakterien konnten diesen Angriffen widerstehen und sich unbemerkt davonschleichen. Auch hier hat unser Körper in wunderbarer Weise vorgesorgt. Er schickt als nächste „Kampftruppe“ die Lymphozyten an die Front. Die T- und B-Zellen haben wir schon vorher kurz kennengelernt.
 
Die T-Zellen unterteilt man in 3 Untergruppen: die Killer-, Helfer- und Unterdrückerzellen. Killerzellen vernichten Eindringlinge und zerstören Krebszellen; die Helfer-T-Zellen identifizieren den Feind, sorgen mit Botenstoffen dafür, dass genügend Abwehrzellen gebildet werden; sie organisieren die Abwehrschlacht. Die Unterdrücker-Zellen (T-Suppressorzellen) dämpfen die Kampfeslust der Verteidigungszellen; sie verhindern überschiessende Reaktionen. Sie sagen „Stopp“, wenn der Feind besiegt ist. Die beiden letztgenannten Zellen arbeiten eng zusammen. Sie „bestimmen“, wie viel Killerzellen für eine Schlacht notwendig sind. Funktioniert dieses Gleichgewicht nicht mehr, dann breitet sich die Krankheit aus. Schaffen es die Killerzellen nicht, die Angreifer vollständig zu vernichten, dann werden die B-Zellen zu Hilfe gerufen.
 
Die B-Zellen wandeln sich zu Plasmazellen um und produzieren Antikörper. Diese stellen komplexe Eiweisskörper dar und sehen wie ein Y aus. Mit den 2 Fangarmen koppeln sie sich an den Feind an. Entscheidend ist, dass die Fangarme genau – wie der Schlüssel in das zugehörige Schloss – in die Aufnahmevorrichtung des Antigens passen müssen. Jeder von uns hat etwa 10 Millionen verschiedene Antikörper im Körper.
 
Die B-Zellen werden durch das Komplement unterstützt. Es handelt sich um 9 hitzelabile Eiweisskörper, die eine Zusammenballung und Auflösung von fremden Zellen bewirken. Diese Eiweisskörper klammern sich mit dem Antikörper an das Antigen und saugen es aus. Dann ziehen Komplement und Antikörper weisse Blutkörperchen und Fresszellen an sich, die dann den Rest der Eindringlinge verdauen.
 
5 Typen von Antikörpern
Es gibt 5 Typen von Antikörpern. Zu jeder Gruppe gesellen sich noch weitere Untergruppen. Die wichtigsten Typen sind:
 
-- IgG-Antikörper (Ig = Immunglobuline): Dieser Antikörper ist befähigt, die Blutbahn zu verlassen, zwischen den Zellen durchzugehen und Organe zu überwinden. Er kann sogar bis in die Haut vordringen. Dort macht er Mikroorganismen unschädlich. Der Antikörper kann auch die Plazenta überwinden und den Fötus vor Infektionen schützen. Übertragen wird dieser Antikörper auch von der Muttermilch auf den Säugling. Deshalb ist Stillen so wichtig. Der Säugling bekommt eine grosse Portion Antikörper via Muttermilch: er ist dann vor einer Reihe von Infektionen geschützt.
 
-- IgA-Antikörper: Dieser findet sich im Blut, aber auch im Speichel, Nasenflüssigkeit, Tränen, Lungenflüssigkeit, Darmsaft und Muttermilch. Er hat die Aufgabe, feuchte Oberflächen zu schützen.
 
-- IgM-Antikörper: Zuständig für die Bekämpfung von grösseren Mikroorganismen. Er kann den Blutkreislauf wegen der Grösse nicht verlassen. Er ist nicht so spezialisiert wie der IgG-Antikörper; er verrichtet seine Arbeit in den frühen Phasen der Abwehr. Wie weit eine Krankheit fortgeschritten ist, kann durch das Verhältnis IgM- zu IgG-Antikörpern ermittelt werden. Überwiegen IgM-Antikörper, dann befindet sich die Krankheit in einem frühen Stadium; überwiegen die IgG-Antikörper, dann bedeutet dies eine fortgeschrittene Phase der Krankheit.
 
-- IgD-Antikörper: Treten immer gemeinsam mit bestimmten T-Zellen auf. Sie sitzen auf deren Oberfläche und helfen den T-Zellen beim Anpeilen an die Antigene.
 
-- IgE-Antikörper: Klammern sich an Mastzellen, bewirken eine Ausschüttung von Histaminen. Es entsteht eine örtliche Gewebeentzündung; dadurch werden Lymphozyten und Leukozyten mobilisiert. Leider sind diese Antikörper auch verantwortlich für die überschiessenden Reaktionen bei Allergien (Heuschnupfen, Nesselausschlag, Asthma).
 
Lymphokine und Interferone
Zytokine sind Stoffe, die im Abwehrkampf eine wichtige Rolle spielen. Es sind Stoffe, welche die Abwehrzellen aktivieren und stimulieren oder im Falle der Interferone die Virusvermehrung hemmen. Man unterscheidet Lymphokine, die von aktivierten Lymphozyten, und Monokine, die von Monzyten/Makrophagen produziert werden. Die wichtigsten Zytokine des Immunsystems sind Interleukine, Tumornekrose-Faktor und Interferone. Der Tumornekrose-Faktor schützt Zellen vor Virusbefall, zerstört aber auch bereits infizierte Zellen und kann Krebszellen auflösen. Interferone (Alpha-, Beta-, Gamma-Interferon) werden eingesetzt bei Hepatitis B und C, Multiple Sklerose, Osteoporose und in der Krebstherapie. Was die Behandlung trübt, sind die oft erheblichen Nebenwirkungen.
 
Schock durch Antigene
Antigene sind Substanzen, die vom Körper als fremd erkannt werden und eine Immunreaktion auslösen; sie können von Viren, Bakterien, Pilzen, Parasiten, aber auch von Chemikalien, Medikamenten oder Nahrungsmitteln stammen. Die zuletzt genannten Stoffe sind immer mehr Auslöser einer Allergie. Auch bestimmte Medikamente (Penicilline) können bei überempfindlichen Menschen einen lebensbedrohlichen Schock auslösen.
 
Aus den vorgenannten Zeilen ersehen wir, wie kompliziert und wunderbar unser Immunsystem funktioniert. In der nächsten Folge erfahren Sie, welche Stoffe unser Immunsystem stärken und schwächen.
 
Literatur
Heinz Scholz: „Ein präzises Räderwerk…“, „der fuss“, 1993-10.
John Dwyer: „Krieg im Körper“ (wie sich unser Immunsystem gegen Angreifer wehrt), Heyne Verlag, München 1988.
Ingeborg Münzing-Ruef: „So stärken Sie Ihr Immunsystem“, Heyne Verlag, München 1987.
 
Internet
www.netdoktor.de (Stichwort Leukozyten)
 
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