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BLOG vom 12.01.2010


Lakonische Zeilen: Spuren von José Ortega y Gasset
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Im neugeborenen Jahr 2010 lese ich wieder einmal auszugsweise „Das Buch des Betrachters“(El Espectador) von José Ortega y Gasset. Dieses Werk des spanischen Philosophen (1883‒1955), vorbildlich und leicht fasslich von Helene Weyl übersetzt und von der Deutschen Verlags-Anstalt herausgegeben, hat seit 1959 in meinem Leben Spuren hinterlassen.
 
In unserer zerfahrenen Welt erkenne ich im Begriff „Weltgeist“ einen Anker der Besinnlichkeit, der mir Halt gibt im Alltagsleben. Die ersten 7 lakonischen Zeilen gingen mir beim Lesen durch den Kopf, unabhängig vom Text dieses grossen Philosophen, doch stimmungsverwandt.
 
Die Welt des Betrachters ist wolkenlos.
 
Zwischen Träumen ruht der Nachtschatten.
 
Mit zunehmendem Alter wird der Mensch mehr und mehr zum Betrachter.
 
Die Beobachtung ist eine Gabe, aus stiller Warte wahrgenommen.
 
Bilder entstehen auch hinter geschlossenen Lidern.
 
Grundsätze müssen auf Pathos und Phrase durchleuchtet werden, damit die Wirklichkeit nicht zum Trugbild werde.
 
Ins Zeitlose verfliessen, wie ein Tropfen Wasser im Fluss.
 
*
Auf Gedankenbahnen zu reisen, ist angenehm und macht Spass. Doch die „Geisterbahn“ gilt es dabei zu vermeiden.
 
Blaue Wunder erleben jene, die jeden Plunder glauben.
 
Zuviel studiert hatte er in jungen Jahren. Damit hat er alle Fehler, die er hätte machen können, auf später verschoben.
 
Sind sie nachträglich? Sie kriegen Spreizfüsse, wenn Sie Vorwürfe nachschleppen.
 
Das ist ein wahrer Poet, der Entbehrungen auf sich nimmt, selbst wenn er schlechte Gedichte schreibt.
 
Geduld ist eine Leistung, die Nerven kostet – die Engelsgeduld ausgenommen.
 
Zuerst ist die Ehe ein Seiltanzen, dann ein Tauziehen.
 
Selbst in der Ehe dürfen die Mittel nicht fehlen, um den Krieg zu gewinnen ...
 
Eine Dummheit nicht begangen, hilft einer anderen voran.
 
Wird der Dumme frech, begeht er die grösste Dummheit.
 
Behandle andere so anständig wie dich selbst.
 
Die politische Debatte gleicht einem Degengefecht vor dem Zerrspiegel.
 
Ziehen oder geschoben werden, das ist die Frage. Wer zieht, kommt voran, wer geschoben wird, steht bald an der Wand.
 
Ein Antlitz voller Güte erwärmt Menschenherzen.
 
Weisheit ist hart errungen, doch trägt sich leicht.
 
Er hatte sein Vorbild aus den Augen verloren.
 
Auch verschlungene Pfade münden mitunter in die Allee.
 
Die Bildung war für ihn nicht mehr als eine Kapitalanlage.
 
Alle Ränke versagten an seinem Unvermögen, sie als solche zu erkennen.
 
Gelassenheit ist wie ein Schmieröl und schützt das heikle Getriebe der Emotionen.
 
Die Sprache wird beim Lästern farbig und anschaulich und ist in der Schweiz von der Landwirtschaft geprägt.
 
Die Seele ist wie in einer Nuss verschalt. Wer sie knackt, stellt oft fest: Es war eine hohle.
 
Treibgut verstrandet.
 
Glauben Sie an die Liebe bis zum Selbstverzicht? Ja, in der Dichtung und allenfalls im Traum.
 
Einander besser verstehen, ist möglich – mit etwas gegenseitiger Nachhilfe.
 
O Graus! Er trampelt mit elefantenschwerem Pflichtbewusstsein einher.
 
Sie entsprang einem Märchenbuch aus Kindertagen. Vergleiche deine Geliebte nie mit ihr.
 
Besser seinem eigenen Fehlurteil ausgeliefert zu sein als fremdem.
 
Hinweis auf weitere Aphorismen-Blogs und Lyrik von Emil Baschnonga
14.08.2006: Erfolgsrezepte gegen den Misserfolg? – Aphorismen
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