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BLOG vom 13.07.2010


Fussball-WM (7): Spanien! Sympathie-Meister Deutschland
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Wir haben gelernt, auch zu gewinnen, wenn wir mal einen schlechten Tag haben. Das haben uns die Deutschen beigebracht.“
(Mark von Bommel, niederländischer Nationalspieler und Spieler beim FC Bayern München)
*
Als ich Walter Hess in einem E-Mail darauf aufmerksam machte, dass der in den Vorhersagen der Spielausgänge immer richtig gelegene Krake Paul vom Oberhausener Sealife-Aquarium die Begegnungen um den 3. und 1. Platz vorhersagte und ich auch dieselben Tipps zum Besten gab, erwiderte unser bekennende Fussball-Muffel: „Warum spielen die denn noch, wenn das Resultat ohnehin bekannt ist. Noch nie etwas von Energiesparen gehört?“
 
In der Tat hätte man viel Energie sparen können. Aber da wären sämtliche Fussballfans auf die Barrikaden gegangen. Sie wollen Spiele sehen und sich daran ergötzen oder bei Niederlagen in einem Tränenmeer versinken.
 
Der Krake Paul sagte das Spiel um den 3. Platz der WM richtig voraus: Deutschland gewinnt gegen Uruguay (das Spiel ging 3:2 aus). Auch Spanien sollte Weltmeister werden. Das passierte denn auch. Die Spanier gewannen im Soccer-City Stadion von Johannesburg das Endspiel mit 1:0 in der Verlängerung durch ein Tor von Iniesta gegen die Niederlande. Es war durch die häufigen Unterbrechungen kein schnelles und schönes Spiel. Die Niederländer haben es im 3. Anlauf nicht geschafft, Weltmeister zu werden (1974 verloren sie gegen Deutschland und 1978 gegen Argentinien).
 
Vor dem Spiel waren die Niederländer ganz anderer Meinung. Sie wollten einem Kraken nicht trauen. Es kam dann Freude bei den Oranjes auf, als in Singapur ein Papagei auf die Niederländer „setzte“. Der Papagei drehte mit seinem Schnabel eine von 2 Karten mit den Flaggen auf der Rückseite auf und siehe da, es erschien diejenige der Niederlande. Falsch gedacht. Die Niederländer legten im Endspiel der Fussball-WM eine raue Spielweise an den Tag (7 gelbe Karten und eine Gelbrote für die Niederländer, 5 gelbe für die Spanier), so dass den Spaniern zunächst hören und sehen verging. Die Spanier wurden dann aber immer besser und siegten verdient.
Hier 2 Pressestimmen zum Spiel:
 
„Die Biester 0, die Schönen 1 – Spanien erobert die Weltspitze und schlägt die holländischen Holzschuhe“ („Daily Mail“).
 
„Winiesta – Der Gerechtigkeit wurde genügend getan. Spanien wurde zu Recht zum 1. Mal zum Weltmeister gekrönt, die Niederländer begingen dagegen Verbrechen gegen den Fussball“ („The Sun“).
 
Nur ein kleiner Weltmeister
Deutschland wurde laut Presseberichten ein Sympathieweltmeister bzw. „nur ein kleiner Weltmeister“. In der Tat lieferte die junge deutsche Elf die schönsten Spiele ab. Auch das Spiel um den 3. Platz gegen Uruguay war schnell, mitreissend und auch spannend. Obwohl die deutsche Mannschaft ersatzgeschwächt war, liessen die Deutschen ihre spielerische Klasse immer wieder aufblitzen. Auch der Gegner war nicht ohne. Schliesslich stand die beste südamerikanische Mannschaft auf dem Platz.
 
Ein deutscher Spieler bekam dann doch noch eine besondere Auszeichnung. Thomas Müller wurde Torschützenkönig mit 5 Treffer und 3 Tore-Vorlagen. Er erhält den „Goldenen Schuh“.
 
Nun soll der deutsche Trainer Joachim Löw das Bundesverdienstkreuz erhalten. Die Nationalmannschaft wird mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet werden. Das kündigte Bundespräsident Christian Wulff an.
 
Vuvuzelas für die Bundesliga?
Ohne Tröte wird´s dröge“, titelte die „Badische Zeitung“ und plädierte für die Einführung der Vuvuzela bei Bundesligaspielen. Der Kommentator Georg Gulde bemerkte süffisant, dass dieses Blasinstrument den meisten inzwischen ans Herz gewachsen ist. Die wunderschönen Töne begeistern jetzt so manchen Fan. Einen Vorteil hat die Vuvuzela: Sie kann von jedermann gespielt werden. Erst kürzlich erhielt ich eine E-Mail von Rolf P. Hess. Im Anhang war ein Notenblatt mit dem Titel „Vuvuzela Concerto in B Flat“ zu sehen. Auf sämtlichen Notenzeilen waren immer die gleichen Noten eingezeichnet.
 
Und so hoffen viele Tröten-Fans, dass dieses einmalige Instrument aus dem fernen Südafrika zu uns rübergerettet wird. Auch die Polizei dürfte ein Wort mitreden, zumal die Fans die Tröte als Schlagwaffe benutzen könnten. Vielleicht wird sich die Polizei damit eindecken. Der Schlagstock wäre dann überflüssig. Und sie könnte bei Gefahr tröten.
 
Auf jeden Fall würde dann das alte deutsche Liedgut in den Stadien bald verschwinden, und es erklängen wohl keine Liedfragmente, wie „… steh auf, wenn ihr Badner seid?“ oder „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ aus den Kehlen der Fans. Ein Bienengeräusch wäre mir auf jeden Fall lieber.
 
Im Südwestfunk hörte ich am 12.07.2010 einen Rückblick auf die WM. Da regte sich eine einheimische Frau über die Vuvuzela auf. Sie sagte: „Die Vuvuzela ist ein typisch südafrikanisches Instrument. Es ist eine Schande, dass dieses aus China kommt.“
 
Und noch etwas Aussergewöhnliches bzw. Unverständliches über die Vuvuzela. Ein Ehepaar aus Montevideo möchte seine Tochter aus Liebe zum Instrument Maria-Vuvuzela nennen. Das Standesamt hat noch keine Entscheidung getroffen, ob der Name erlaubt wird. In Uruguay sind nämlich, genauso wie in Deutschland, verwirrende, aussergewöhnliche oder lächerliche Namen laut Gesetz verboten.
 
Ich wundere mich immer wieder, wie Eltern sich bescheuerte Namen für ihre armen Kinder ausdenken.
 
Überall wurde Fussball geschaut
An den ungewöhnlichsten Orten wurde Fussball via Satellit oder Kabel geschaut. So in Gefängnissen, in Kundus im Feldlager der Bundeswehr-Soldaten, im Weltraum (hier über das Internet), im Kloster, in Kirchen, auf Kreuzfahrtschiffen und in einer Höhle.
 
„Eine Vuvuzela haben wir nicht, aber eine kleine Deutschlandfahne schon“, sagte eine Schwester vom oberschwäbischen Kloster Reute. In manchen Kirchen war Public Viewing angesagt, wie etwa in der St. Anna-Kirche in Oberndorf.
 
Die evangelische Kirche hatte in Berlin 72 Public-Viewing-Stationen eingerichtet, wo sich die Fans mit Gottes Segen Spiele anschauen konnten. Allein in Deutschland gab es 2400 Einrichtungen mit Public Viewing.
 
Ein Priester liess sich während einer Trauung immer per SMS unterrichten, wie die aktuellen Spielstände sind. Dann beglückte er das Traupaar und die Gäste mit guten und weniger guten Nachrichten.
 
In Europas ältester Kulturhöhle in Balve (Sauerland) sahen bis zu 1000 Menschen die Spiele bei angenehmen Temperaturen auf einer 24 m2 grossen Leinwand.
 
Das Fest der Erinnerungen
Es war wohl die kälteste WM aller Zeiten. So mancher Fan fröstelte im Winter von Südafrika.
 
Was war nicht alles Schlimme prognostiziert worden: Organisationschaos, Kriminelle an jeder Ecke, Stromausfälle, Kartenverkaufschaos, Anschläge usw. Es wurde jedoch ein fröhliches und friedliches Fest. Zwischen einheimischen Bevölkerungsgruppen und den Fans aus aller Welt verlief alles sehr freundschaftlich. „Die erste WM auf afrikanischem Kontinent wird als ein buntes Fest in Erinnerung bleiben, selbst die nervigen Vuvuzelas konnten den Spass nicht verderben“, schrieb René Kübler in der „Badischen Zeitung“ im Tagespiegel am 12.07.2010.
 
Und der BZ-Redakteur Andreas Strepenick brachte dies zu Papier: „Südafrika erwies sich als sicherer und zuverlässiger Austragungsort für die grösste Sportveranstaltung der Welt.“
 
Es gab nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer. Zu den Verlierern zählten etliche Stars, die kaum zu ihrer Leistung fanden, und die Mannschaften aus Brasilien, England, Argentinien, Italien und Frankreich, die frühzeitig die Heimreise antreten mussten. Die Enttäuschung war riesengross.
 
Da die Leistungen der Schiedsrichter nicht immer WM-tauglich waren, hat sich der Fifa-Präsident Joseph („Sepp“) Blatter etwas überlegt. Er hat bei der WM 2014 in Brasilien die Einführung von 2 Torrichtern oder die Einpflanzung eines Chips in den Fussball in Erwägung gezogen. Es war eine gewaltige Kehrtwendung, da die Fifa nicht als eine reformfreudige Organisation gilt.
 
Für mich war die Fussball-WM in Südafrika ein besonderes Erlebnis. Sie bot Emotionen pur. Überrascht war ich von den angeblichen Aussenseitern, die in fulminanten Spielen einige etablierte und erfolgsverwöhnte europäische „Altherrenmannschaften“ aus dem Turnier katapultierten. Überrascht hat mich auch die junge deutsche Mannschaft, die einige schöne Spiele hingelegt hat. Dieser Mannschaft gehört die Zukunft.
 
Im Gedächtnis werden mir nicht nur die Vuvuzela-blasenden Fans bleiben, sondern im Besonderen die verrückten Autofahrer, die nach Siegen der deutschen Mannschaft ausflippten und mit Fahnen bestückt wild und hupend herumfuhren. In manchen Autos waren auch junge Frauen zu sehen, die sich auf den Türholmen bei heruntergelassenen Scheiben platzierten und ihre Hintern dem Fahrtwind aussetzten. Sie brauchten wohl eine Abkühlung. Zum Glück waren die Pos nicht nackt, aber oberhalb davon war die eine oder andere Tätowierung („Arschgeweih“) zu sehen. Ein Auto mit den frischluftfanatischen Insassen wurde von der Polizei in Schopfheim sogar aus dem Verkehr gezogen. Zum Glück gab es in unserer Gegend keine Unfälle mit WM-Bezug.
 
Nun beginnt wieder die Zeit ohne Fussball. Die Fans sollten sich trösten, denn bald, so in 4 bis 5 Wochen, rennen die Fussballer wieder dem Ball nach. Dann beginnt nämlich die neue Fussballsaison.
 
Hinweis auf weitere Blogs zum Thema Sport
23.05.2005: „Hopp Gigi Oeri!“ Der Fussball und die nationale Identität
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