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BLOG vom 28.08.2010


Das Lächeln blieb erhalten. Mutterliebe ist grenzenlos
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Am 24. August 2010 ist meine 96-jährige Mutter eine Stunde vor Mitternacht im Basler Pflegeheim gestorben. Unsere Familie hat sie regelmässig besucht. In den letzten Jahren sprach sie kein Wort mehr. Dennoch telefonierten wir ihr immer wieder, damit sie unsere Stimmen hören konnte. Ihre Pflegeschwester sagte mir nachher unfehlbar: „Ihre Mutter hat gelächelt.“ Also lächeln konnte sie noch immer!
 
Jede Familie hat ihre Geschichte, die meistens im Privatbereich aufgehoben bleibt. Das mag vielleicht erklären, weshalb Erwachsene so selten über ihre Eltern sprechen. Wir sind unserer Kindheit entwachsen. Besuchen wir aber unsere Eltern, leben alte Erinnerungen wieder auf: „Weisst du noch, als wir ...?“ Im Sieb der Zeit verbleiben nur heitere Erinnerungen, die wir gerne auffrischen. Alle schlechten Schulzeugnisse sind längst vergessen, mitsamt allen Strafaufgaben und anderen Ärgernissen.
 
Glücklich ist, wer die Mutterliebe voll und ganz kosten konnte. Glücklich auch, wessen Eltern beisammen geblieben sind – durch dick und dünn. Auf die Mutterliebe ist Verlass, und sie bleibt unser Schutzmantel lebenslang durch alle Irrungen und Wirrnisse.
 
Bei uns Zuhause ist in einem alten Rähmchen in gotischer Schrift folgender Text festgehalten:
 
Amour Maternel
c’est le seul Bonheur
qui dépasse tout ce
qu’on espérait 
 
Meine Mutter hat mir viel auf den Lebensweg mitgegeben, weitaus mehr als die Schule. Sie las gern und ebnete mir den Weg in die Literatur. Sie malte Blumen und schuf eine Reihe von Gobelins nach ihren eigenen Entwürfen mit viel Fantasie. Das ist mir wohlbekommen und unterstützte meine ersten eigenen Gehversuchen in die Welt der Vorstellung. Sie übertrug ihren Enthusiasmus auf mich.
 
Nein, ich will mich nicht in Details verlieren, denn jede Mutter ist einzigartig und gibt durch ihr Beispiel dem Kind Winke für die Zukunft. Das hat sich auch bei der Mutter meiner Söhne erwiesen.
 
Ich glaube, dass die Rolle der Mutter leicht unterschätzt wird. Es gibt keine bessere Aufgabe und kein grösseres Verdienst, als eine gute Mutter zu sein.
 
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