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BLOG vom 20.04.2011


Stromverbrauch Schweiz: Warten auf intelligente Leitungen
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Währenddem der Fukushima-Effekt wirkt und Ausstiegsforderungen aus der Kernenergie zum guten Ton gehören, steigt der Elektrizitätsverbrauch munter an – im Jahr 2010 in der Schweiz um unglaubliche 4 Prozent. Das Bundesamt für Energie in Bern erklärt den überproportionalen Anstieg im Stromverbrauch mit dem Wirtschaftswachstum und der deutlich kälteren Witterung. Was ist denn von einem Klima zu halten, das sich über alle Stromsparbemühungen hinwegsetzt, und sich manchmal sogar erlaubt, zu wenig Sonnenstrahlen und Wind zu liefern, um Alternativenergien attraktiv zu machen!
 
Zu den „wichtigen gesamtwirtschaftlichen Treibern, welche den Elektrizitätsverbrauch beeinflussen“ wurde vom Energieamt auch die Bevölkerungsentwicklung genannt. Hier hakte die Schweizerische Volkspartei SVP sogleich ein, die mit einer Einwanderungsbremse einen Teil des wachsenden Energieverbrauchs drosseln will: Ohne die Zuwanderung der letzten Jahre könnte sich die Schweiz bereits heute das AKW Mühleberg sparen, hiess es da. Doch die Linken, insbesondere die Linksgrünen, die gar nicht genug Zuwanderung bekommen können und das Migrationsgeschäft am Florieren halten möchten, erachten den Energieverbrauch der Einwanderer als ungleich kleiner denn jenen von Wohlhabenden, die in grossen Villen residieren. Wenn sie die Verdrehungskünste noch weiterentwickeln, werden sie feststellen, dass die Zuwanderung den Energieverbrauch eigentlich reduziert ... Sie werden den Dreh schon finden. Demgegenüber hielt SVP-Nationalrat Walter Wobmann fest, ein Anstieg der Bevölkerung um 100 000 Personen erhöhe den Energiebedarf der Schweiz um rund eine Milliarde Kilowattstunden. Seit 2007 seien 320 000 Personen in die Schweiz eingewandert, und die verbrauchen statistisch so viel Strom wie das KKW Mühleberg produziert: jährlich rund 3 Milliarden Kilowattstunden.
 
Die Basler Glanzleistung
Die Stadt Basel feierte sich nach der Bekanntmachung der Energieverbrauchsstatistik als grosse Ausnahme; hier fiel der Stromverbrauch 2010 um 1,1 %. Diese Leistung, basierend auf der „konsequenten Energiepolitik des Kantons“, wurde in der Chemiestadt gross hervorgehoben. Nur wenn es sich nicht vermeiden lässt, wurde noch beiläufig erwähnt, „dagegen sei der Gas- und Fernwärmeverbrauch gestiegen“. Seit Jahren sind in Basel-Stadt Elektroheizungen verboten. Dadurch wirkte sich der kältere Winter mit 12 Prozent mehr Heizgradtagen kaum auf den Stromverbrauch aus, schlug aber bei der Gas- und Fernwärme im Jahr 2010 mit einem Mehrverbrauch in dieser Grössenordnung zu Buch – als ob es das CO2-Gesetz nicht gäbe. Die verlustreich gespeicherte und herumtransportierte Fernwärme stammt übrigens grösstenteils aus Erdgas. Der Basler „Erfolg“ war somit eine einfache Umlagerung von Energie zu Energie. Wind- und Sonnenenergie trugen gerade mit 0,2 % zur Stromversorgung Basels bei. 0,2 %. Das wäre der 5. Teil von 1 Prozent. Man braucht schon fast eine Lupe, um das zu lesen. Diese 0,2-Prozent-Glanzleistung brachten über 140 subventionierte Anlagen, die zusammen 2,8 Millionen Kilowattstunden erzeugten, zustande.
 
Es kommt mir vor wie damals, als sich die Basler vehement gegen das nahe Kernkraftprojekt Kaiseraugst wehrten und sich gleichzeitig beim fernen Kernkraftwerk Gösgen einkauften. Fasnachtsmotive, die immer konsequent umgangen werden.
 
Statistisches
Kehren wir auf die nationale Ebene zurück: Laut der offiziellen Mitteilung aus dem Bundeshaus haben wir Schweizer im Jahr 2010 59,8 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) verbraucht. Die einheimischen Kraftwerke erzeugten 66,3 Mrd. kWh oder 0,4 % weniger Strom als 2009. Bei Importen von 66,8 Mrd. kWh und Exporten von 66,3 Mrd. kWh resultierte im Jahr 2010 wie in den Jahren 2005 und 2006 ein Stromimportüberschuss. Am gesamten Elektrizitätsaufkommen waren die Wasserkraftwerke zu 56,5 %, die Kernkraftwerke zu 38,1 % sowie die konventionell-thermischen und anderen Anlagen zu 5,4 % beteiligt.
 
Intelligenz aus der Steckdose
Weil man jetzt einfach nicht mehr weiss, wie man energieversorgungsmässig ab dem Jahr 1 nach Fukushima über die Runden kommen kann, ohne die Auslandabhängigkeit zu vergrössern, hat die „NZZ“ ein „intelligentes Netz“ gefordert, aus dem Strom aus Kernkraft oder aus einem Gaskraftwerk, aus Wasserkraft oder ausschliesslich aus Wind und Sonne je nach Konsumentenwunsch zu unterschiedlichen Preisen gekauft werden kann. Genügt die Intelligenz der Übertragungsnetze für diese Sortiererei ..? Und am Schluss merkt man, dass man halt doch immer den gleichen Mischmasch bekommt, aber man darf Erträumtes mitsubventionieren – über Strom und Steuern. Tolle Sache.
 
Eigentlich wären jetzt etwas mehr Besonnenheit nach japanischem Vorbild und Intelligenz nicht nur von den Übertragungsnetzen gefragt, die wegen der Alternativenergieförderung noch mit einem hohen Energieaufwand ausgebaut werden müssten. In der Sendung „10 vor 10“ trat dieser Tage eine Moderatorin auf, die gerade das Ei des Kolumbus nicht nur gefunden, sondern wahrscheinlich auch gerade noch verschluckt hatte. Sie holte tief und hörbar heisse Studioluft und sprach also: „Wenn wir die Elektroheizungen verbieten würden, könnten wir 1 AKW sparen.“
 
Ich stellte den Fernsehkasten ab. Würden dies alle tun, wäre noch eins überflüssig. Von den Fernsehmachern wurde diese Idee bisher nicht aufgegriffen. Warum eigentlich nicht?
 
Und auch von Deutschland können wir lernen: Man kann KKWs abstellen soviel man will, Strom ist immer ausreichend da, ein Luxuswunder wie jenes bei der Hochzeit zu Kana. Man kann ihn zum Beispiel in Frankreich und Tschechien teuer kaufen – die Grosshandelspreise stiegen nach dem deutschen Atommoratorium (7 ältere KKW wurden für 3 Monate stillgelegt und strahlen jetzt unproduktiv weiter) bereits um 20 %, zur Begeisterung aller Ausstiegswilligen. Und ihre Begeisterung wird kaum noch zu bändigen sein, wenn sie erfahren, dass sie neben massiv verteuertem Strom (die landschaftsverunstaltende Alternativenergie verschlingt ausgesprochen hohe Summen) auch noch in den Genuss von Steuererhöhungen kommen, weil die Grossenergieproduzenten dann weniger an Steuern und Gewinnen an die Kantone abliefern. Möglicherweise muss die Öffentlichkeit noch für Schadenersatz geradestehen.
 
Wir warten bei weiter steigendem Energieverbrauch ungeduldig auf mehr Intelligenz, auch aus den Leitungen. Sie müssen zudem so beschaffen sein, dass sie auch Kurzschlusshandlungen abpuffern können.
 
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