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BLOG vom 15.06.2011


Katastrophenfolgen: Kälber, die selber zum Metzger gehen
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
„Nur die allerdümmsten Kälber
wählen ihre Metzger selber.“
 
Ein starkes Stück von „Schweyk im Zweiten Weltkrieg“ beziehungsweise Berthold Brecht (1898‒1956) in Anlehnung an Jaroslav Hašek, den Kälbern Dummheit zu unterstellen, auch wenn das bloss im Rahmen einer Metapher geschah.
 
Anderseits: Wenn ich schon geschlachtet werden müsste, würde ich gern bei der Wahl des Metzgers und der Schlachtmethode mitreden. Ich würde einen Schlachter aus der Bio-Branche aussuchen.
 
Aus Katastrophen Nutzen ziehen
Über die Schlachtmethoden, die wir offenbar geradezu herbeisehnen, wird nach Ereignissen, denen wir eine historische Bedeutung zuerkennen, jeweils besonders intensiv diskutiert. Nach dem mysteriösen „9/11“ (11.09.2001) bzw. Nine-Eleven“ in New York wurde, bei gleichzeitiger, fortgesetzter Terrorismusförderung durch kriegerische Aktionen, der Boden derart beackert, dass es für globalisierungsfreudige Behörden, die auf Teufel komm raus eine Einheitswelt herbeizwängen wollen, ein Leichtes war, ihren Regelungs- und Verfügungswahn voll auszuleben. Vor allem die Amerikaner haben ihre Totalkontrollmechanismen derart ausgebaut, dass bald einmal jede Kiste der unübertrefflichen kubanischen Zigarren, die wir uns leisten, allein schon über die elektronischen Zahlungsmodalitäten von ihren Schnüffelcomputern erfasst wird. Ganz schlimm wird es für Leute, die eine Portion Aktien eines US-Unternehmens in ihren Portefeuille haben (was mir nie in den Sinn käme): Sie werden gleich auch noch der US-Steuerpflicht unterstellt. Und das alles geschieht angeblich nur zum Schutze der Menschheit.
 
Das weitere historische Grossereignis war Fukushima, was so viel wie „Glücksinsel“ bedeutet, also der „3/3“ (03.03.2011) – nicht etwa wegen der rund 27 000 Tsunami-Toten und -Vermissten (sie spielten in der öffentlichen Diskussion kaum eine Rolle ...), sondern wegen der Folgen des gewaltigen Erdbebens und Tsunamis für die Kernreaktoren, die nicht für eine solch gigantische, kumulierte Kombination von 2 Naturkatastrophen ausgelegt waren. Dabei gab es bisher keine Toten wegen des Atomunfalls, wobei sich das wegen der radioaktiven Verseuchung leider später noch ändern kann.
 
Hunger nach Abhängigkeit
Die Geschehnisse in Fukushima (nicht die Naturgewalten, sondern ausschliesslich die atomaren) wurden in Deutschland und in der Schweiz mit besonderer Inbrunst hochgespielt, obschon die meisten der in Japan stationierten westlichen Medienvertreter sofort davongerannt waren und die Berichterstattung dementsprechend ganz offensichtlich liederlich war. Das wiederum bot Links- und Linksmitte-Kreisen in Deutschland und in der Schweiz grandiose Voraussetzungen dafür, ihr Land zu schwächen und in verstärkte internationale Abhängigkeiten zu treiben, den Vorschriften der Globalisierungsreligion folgend. Da lobe ich ausnahmsweise einmal die katholische Kirche, die nicht wegen jeder kurzlebigen Aktualität ihren Kurs ändert. Da weiss man, woran man ist.
 
Der verstaubte Geist von Max Frisch, dessen 100. Geburtstag in der Schweiz gefeiert wird, als ob er noch leben würde, lebt weiter. Frischs Lust auf Unfreiheit in der ihn beengenden Schweiz: Man kann mit diesen Schweizern nicht über Freiheit reden, ganz einfach, weil sie es nicht ertragen, dass man sie in Frage stellt, die Freiheit, und dass man sie nicht als ein schweizerisches Monopol betrachtet, sondern als ein Problem“ (im Roman „Stiller“).
 
Biedermänner und -frauen können es kaum erwarten, bis unsere Kernkraftwerke mit ihrem ausserordentlich hohen Sicherheitsstandard abgeschaltet werden und wir in Auslandabhängigkeit geraten, und sie scheinen sich exorbitant erhöhende Elektrizitätsrechnungen förmlich herbeizusehnen. Wie bei den Antiterrormassnahmen lautet das vorgeschobene Motiv: Sicherheit. Die Kampagne hat geradezu religiöse Dimensionen: Wer mitmacht und alles glaubt, wird erlöst, wer sich erlaubt, etwas abseits zu stehen und sich eigene kritische Gedanken zu machen, fällt als Ketzer der Inquisition und anschliessend der ewigen Verdammnis anheim (wie das mit mir in naher oder bestenfalls etwas fernerer Zukunft geschehen wird). Solche Denkstrukturen wurden uns seit Jahrhunderten aufoktroyiert und haben sich vielleicht bereits als Religionsgene in unser Erbgut eingenistet.
 
Abschaffung des Naturschutzes
Auf solchen Bränden bzw. Scheiterhaufen können ganze Töpfe voll von Suppen gekocht werden. Zum Beispiel lässt sich auf dieser Basis der Naturschutz (inkl. Landschaftsschutz) elegant aushebeln. Schon jetzt wagen Organisationen, die sich die Bewahrung unserer Biosphäre auf ihre Fahne geschrieben haben, nicht mehr, sich gegen Verschandelungen durch den Ausbau der wenig ergiebigen Alternativenergiearten zu wehren: Ab jetzt können Staumauern beliebig erhöht, Flüsse und Bäche wieder aufgestaut, begradigt, abgetötet und für Generatoren tauglich gemacht werden. Selbst jene Ortsbilder, die noch nicht durch den modernen Plattenbau verschandelt sind, dürfen wie Treibhäuser und Plastiktunnels, die unsere Landwirtschaftsgebiete visuell erschlagen, mit spiegelnden Solarzellenäckern überzogen werden. Wegschauen! Einsprachemöglichkeiten werden ausgeschaltet, damit der Alternativenergie-Wildwuchs ungestört aufblühen kann.
 
Windräder zerhacken Vögel
Eine liebe, befreundete und tierfreundliche Bekannte hat mir kürzlich geschrieben: Abgesehen vom unermesslichen Leid der evakuierten Menschen rund um Fukushima gibt es dort immer noch unzählige Nutz- und Haustiere, die hungrig und verstrahlt umherirren, bis sie elendiglich verenden werden, weil sie nicht mitgenommen werden durften.“ Das ist sicher der Fall, und ich habe ihr Recht gegeben: „Deine Tierliebe ehrt Dich. Mir tun auch gerade noch die Vögel leid, die von Windrädern zerhackt werden.“ Antwort: „Von den von Windrädern getöteten Vögeln habe ich noch nie gehört, wenn's zutrifft, finde ich's auch ganz schlimm.“
 
Meine Bekannte ist belesen und gut informiert. Gleichwohl erstaunte es mich nicht, dass sie noch nie davon gehört hatte; denn genau solche Themen, die den Alternativenergie-Gottesdienst stören, werden unterdrückt. Zwar kann man zum Beilspiel unter
kompetent nachlesen, wie verhängnisvoll die Windmühlen für die Vögel sind. Doch die Tierschützer, die ja auch Atomkraftwerkgegner sind, wie ich annehme, hüten sich wohlweislich, tierschützerische Aktivitäten über den allgemeinwohl-gemeinten AKW-Ausstieg zu stellen, halten sich zurück statt aufzuschreien. Die Grünen, die schon immer ökologische Sprüche als Vorwand für extrem linke Aktivitäten benützten, müssten für Kernkraftwerke einstehen, wenn es ihnen an Natur-, Landschafts- und Klimaschutz gelegen wäre. An Vorbildern fehlt es nicht; viele prominente Umweltschützer wuden zu Atomkraftwerkfreunden, so etwa das Greenpeace-Gründungsmitglied Patrick Moore, der Klimaforscher Jim Hanson und der Gaia-Philosoph James Lovelock, der die Welt als riesigen Organismus versteht.
 
Stattdessen wird nun der Naturschutz ausgehebelt, für viele ein Kollateralgewinn. Allen voran die Kohle-, Erdöl- und Erdgasindustrie dürfte sich über die Entfernung der Atomstromkonkurrenz aufrichtig freuen; eine Serie von Gas-Kombi-Kraftwerken zeichnet sich in der Schweiz bereits ab; den Treibstoff müssten wir in Russland zum den von dort gewünschten Preis kaufen und die Klimaziele vergessen. Ein Beitrag zum rekordhohen Strompreis. In Zukunft wird wohl zudem über die gigantischen Verschmutzungen bei der Gewinnung (Golf von Mexiko), beim Transport und Verheizen von Erdöl – eine permanente, akzeptierte schwere Beeinträchtigung unseres Lebensraums – noch weniger diskutiert werden. Im Schweizer Nationalrat gibt es schon Pläne, die sauberen Elektroheizungen durch andere, wahrscheinlich mit fossilen Brennstoffen Heizungen betriebene, zu ersetzen, nachdem Elektrospeicherheizungen bisher propagiert wurden, weil sie mithalfen, die unterschiedlichen Stromverbrauchsmengen im Tagesverlauf auszuebnen und keinerlei Abgase erzeugen.
 
Schweykiaden
Blödsinnige Massnahmen werden in den nächsten Jahren an der Tagesordnung sein – immer mit Hinweis auf Fukushima. Im sich abzeichnenden zunehmenden Abgasnebel wird die Orientierung noch schwieriger sein. Die Navigationssysteme, die aus falsch interpretierten Katastrophen heraus programmiert werden, zeigen notgedrungen falsche Richtungen an. Vieles geschieht nach dem Muster des braven Soldaten Schweyk, der sich mit List und Tücke durch den 2. Weltkrieg schlägt. Genauso manövrieren sich die politischen Parteien und Meinungsmacher durch die medial künstlich aufgeheizte Stimmung, und die dummen Kälber mit den 2 Beinen und wenig Sachverstand lassen sich führen, verführen, stehen vor voller Ungeduld vor Schlachthäusern Schlange.
 
 
Hinweis auf weitere Blogs über zur Katastrophenlage in Japan
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