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BLOG vom 03.09.2011


Der AGA-Kochherd: Statussymbol in Grossbritannien
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Seit 300 Jahren wird der massive AGA-Kochherd aus Gusseisen, in vielen Farben emailliert, hergestellt. Der Anschaffungspreis und der Unterhalt sind kostspielig (Kaufpreis £ 5000). Der AGA (Herd von AGA Rayburn) ist und bleibt ein Statussymbol für die begüterte Klasse und „Celebs“. Die AGA-Website nennt David Cameron, Chris Evans, Claudia Schiffer und den Prince of Wales u. a. als Besitzer dieses Wunderherds. Wie viele Männer kochen auf diesem Ungetüm? Vermutlich wird sich die tüchtige Hausfrau leichter von ihrem Mann trennen als von ihrem AGA.
 
Verschiedentlich wurden meine Frau und ich aufgefordert, diesen Kochaltar zu bewundern. Schlicht erwähnte die Gastgeberin dabei: „Wir haben unseren AGA schon seit 30 Jahren.“ Das unterstreicht mit einem Satz den sozialen Status des Haushalts und sagt ausserdem aus, dass sich die Familie nicht unter die „Neureichen“ einreiht. Dabei klammert sie unbewusst die „Celebs“ aus.
 
Der AGA strahlt Wärme und Behaglichkeit aus. Die ganze Familie, mit Hund und Katze, versammelt sich um den AGA, wenn es draussen eiskalt ist. Ich lasse mir nicht anmerken, wie kalt mich der AGA lässt. Ich streichle die Katze und unterlasse die Frage, ob die Katze ebenfalls 30 Jahre alt ist.
 
Der AGA kann mit allen Energieträgern wie Kerosin, Kohle, Holz, Elektrizität und Gas betrieben werden. Seitdem die EU auf umweltfreundliches Kerosin mit niedrigem Schwefelgehalt besteht, verrusst der Brenner immer wieder. Der AGA setzt aus. Der AGA-Ingenieur kommt und kratzt den Russ weg. Diese Prozedur muss regelmässig wiederholt werden. Aber die AGA-Besitzer sind hartnäckig und auf ihre Art altmodisch: Sie sparen nicht am Unterhalt ihres Kochherds und lassen das Email von einem AGA-Fachmann regelmässig aufpolieren … Das Do It Yourself (DIY) ist in solchen Kreisen verpönt.
 
Eine vielfältige Auswahl von Pfannen, Teekesseln und anderen Kochutensilien sind auf den AGA abgestimmt – mit nostalgischem Einschlag.
*
Das schwergewichtige AGA-Monster hätten wir niemals in unsere damalige Küche im 3. Stock unserer Wohnung unter dem Dach hochgekriegt. Und wäre es uns gelungen, hätte der Fussboden das Gewicht nicht ausgehalten: Der AGA wäre durch alle Stockwerke ins Parterre durchgerasselt.
 
Stattdessen genügte uns ein kompakter Belling-Kochherd während gut 30 Jahren. Auch wir legen Wert auf Bestand. Dabei ist der Status für uns belanglos. Kaum hatten wir unsere Wohnung verkauft, stand dieser Herd einige Tage später, trostlos dem Regen ausgesetzt, auf dem Trottoir und wartete darauf, verschrottet zu werden. Tempi passati!
 
Wir waren in unser Eigenheim auf der gegenüberliegenden Strassenseite eingezogen. Ein neuer Herd der Marke Neff war installiert. Wir hatten mit der Zeit Schritt gehalten und erst noch einen Mikrowellenofen angeschafft. Inzwischen sind 11 Jahre verstrichen. Beide Kochgeräte funktionieren weiterhin. Unsere Küche ist als Wohnküche nach Schweizer Art gemütlich eingerichtet.
 
Küchen werden heute Wegwerf-Polstermöbel im Schnitt alle 2 Jahre ausgewechselt. Unsere Polstergruppe hatten wir in unserem Hochzeitsjahr 1968 in Zürich erstanden. Gute Qualität macht sich bezahlt und ist dauerhaft. Herr Schoch hatte uns damals gut beraten. Das hat uns viel Geld erspart.
 
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