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BLOG vom 12.11.2011


Die Bücherwürmer in der „Chelsea Antiquarian Book Fair“
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Auch dieses Jahr besuchten Lily und ich die Ausstellung von antiquarischen Büchern im Londoner Chelsea um die Mittagszeit am Samstag, 5. November 2011. In den Ausstellungsräumen boten 78 Aussteller ihre Bücher aus vielen Fachgebieten an. Meine Vorliebe galt den illustrierten Büchern, die zwischen 1900 und 1940 – also in den Jugendstil- und Art Deco-Jahren – erschienen sind.
 
Vorwiegend ältere Leute besuchten diese Ausstellung und besichtigten mit schräg geneigten Köpfen die Titel in den Gestellen. Die Zahl der Besucher war recht bescheiden. Die Händler plauderten vorwiegend untereinander. Die Preise variierten zwischen £ 25 und £ 1600 und mehr für Raritäten.
 
Ich verteilte da und dort meine Bücherliste an die Aussteller von literarischen Werken und verwies dabei auf meine Webseite www.art-deco-nouveau.com. Damit war meine Marketingaufgabe bestimmt. Ob das ein grosses Interesse entfacht, bleibt fraglich. Immerhin verkaufte ich in der Vorwoche 2 Bücher an einen Buchhändler in Wien. Es kam zu einem Gespräch mit einem Aussteller aus Deutschland, der sich ebenfalls für meine Büchersammlung interessierte. Während über 30 Jahre habe ich eifrig Bücher gesammelt – und ich betone: auch gelesen. Meine Hausbibliothek ist zum Bersten vollgestopft, und ich muss Platz für frisches Lesefutter schaffen. Viele meiner Bücher habe ich auf Ramschmärkten in London, Paris, Brüssel, Genf und Basel für wenige „Batzen“ gekauft. Damit ist gesichert, dass ich sie heute mit einem Gewinn zu durchaus vernünftigen Preisen verkaufen kann.
 
Nach einer guten Stunde drängte es uns an die Luft draussen entlang der belebten Sloane Street voller Touristen aus Italien und Frankreich. Meine auf Bücher ausgerichtete Neugier war also rasch gestillt. Das Leben und Erleben hat für uns Vorrang – wozu auch eine Kaffeepause gehört. Das stört mein enges Verhältnis mit den Büchern keineswegs.
 
Wer hat in der heutigen schnelllebigen Zeit noch Musse für Lektüre? Stattdessen bevorzugen die Leute die Unterhaltung sozusagen „pfannenfertig“ aufgetischt: Fernsehen und Videospiele. Eine wahre Flut von Letzteren treibt die Leute in die vorweihnachtlich gerüsteten Läden. Stundenlang stehen die Leute Schlage, um diese und jene neuen gewalttätigen Videospiele amerikanischer Provenienz, worunter „Battlefield“ und „Modern Warfare", zu ergattern. Angesteckt von dieser Hirnseuche, verwirklichen viele Jugendliche Gräueltaten auf den Strassen, wie tagtäglich aus den Nachrichten zu entnehmen ist.
 
Zurück zu den Büchern. Ich habe diese Woche endlich meine Liste von englischen illustrierten Bücher erstellt, woraus ich einige Juwelen nenne: das kleinformatige Buch „Bon-Mots von Samuel Forte“, mit vielen Grotesken von Aubrey Beardsley illustriert, die eleganten und anmutigen Farbillustrationen von John Austen in den Titeln „Roques in Porcelaine“ und „Persuasion“, Robert Anning Bells Illustrationen für die „Poems by John Keats“, verschiedene grossformatige Werke mit ganzseitigen farbigen Illustrationen von Randolph Caldecott. Zuletzt erwähne ich noch den Schweizer Celestino Piatti mit seinen rassigen Farbtafeln in „The Happy Owls“, dem ich bereits früher ein Blog gewidmet habe (siehe Anhang).
 
Viele dieser Bücher tragen handschriftliche Widmungen und kamen als Geschenke auf den Weihnachtstisch. Weitaus angenehmer als Socken und weitaus unterhaltsamer als Video-Spiele, wenigstens nach meinem Dafürhalten. Auf Anfrage schicke ich dem geneigten Leser gern meine Liste zur Einsichtnahme zu. Bücherfreunde müssen heute mehr als je gefördert werden.
 
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