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BLOG vom 11.12.2011


Regionales: Knöllchen für den Papst, störendes Glockengeläut
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
In meinen Heimatzeitungen wie die „Badische Zeitung“ , das „Markgräfler Tagblatt“ oder die Zeitung „Der Sonntag“ sind nicht nur die Berichte aus aller Welt von Interesse, sondern auch regionale Meldungen. Einige davon werde ich jetzt aufs Tapet bringen, da sie einerseits kurios, andererseits ungewöhnlich sind. Beginnen wir mit dem Papst:
 
Der Papst und das Knöllchen
Wie wir alle wissen, fährt Papst Benedikt XVI. bei seinen Auslandsreisen immer mit dem Papamobil herum. So auch am 24.09.2011 in Freiburg i. Br. Dabei beobachtete ein Dortmunder Anwalt genau die Herumkurverei des Papsts im Papamobil und stellte fest, dass dieser nicht angeschnallt war. Und unangeschnallte Personen müssen belangt werden. Die Stadtverwaltung erhielt eine Anzeige. Die Meldung schlug hohe Wellen. Dann kam das Dementi von der Stadtsprecherin Edith Lamersdorf: „Kein Knöllchen für den Papst. Das Verfahren wird niedergeschlagen.“
 
Die Bussgeldabteilung hatte genau nachgeprüft, ob eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Das war nicht der Fall, weil die Strecke für den öffentlichen Verkehr gesperrt war. In dieser Zeit gilt nämlich die Strassenverkehrsordnung nicht. Na, so was. Nun, ein Normalsterblicher würde mit 30 Euro Bussgeld belegt, auch wenn er sich unangeschnallt in eine abgesperrte Strasse verirrt.
(Quelle: „Badische Zeitung“, 01.12.2011).
 
Herero-Schädel zurück
Mehr als 100 Jahre lang waren 14 Herero-Schädel in der Freiburger Alexander-Ecker-Sammlung etabliert. Dass es sich um Herero-Schädel aus Namibia handelt, fand die Freiburger Anthropologie-Professorin Ursula Wittwer-Backofen mit ihrem Team heraus.
 
Die Sammlung wurde vom Anatomie-Professor Ecker Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. In der Sammlung befinden sich meist vorzeitliche Schädel, die bei archäologischen Grabungen entdeckt wurden. Erwin Fischer, sein Nachfolger, erweiterte die Sammlung von Schädeln aus aller Welt. Darunter befanden sich auch die besagten Herero-Schädel. Diese wurden von ehemaligen Kolonialherren, die Aufstände brutal niederschlugen, nach Deutschland gebracht. Rasseforscher bemächtigten sich der Körperteile.
 
Die gute Nachricht: Die Schädel sollen im Frühjahr von der Universität Freiburg i. Br. an Namibia zurückgegeben werden. Die Charité in Berlin übergab bereits Ende September 20 Herero-Schädel.
(Quelle: „Der Sonntag“, 27.11.2011).
 
Nächtliche Stille der Glocken
Für einige Bürger von Steinen (Kreis Lörrach D) war das nächtliche Glockenschlagen zuviel des Guten. Sie beklagten sich wegen dieser Ruhestörung. Sie konnten oft nicht durchschlafen. Immer schlugen die Glocken unbarmherzig zu und verkündeten in der Nacht die vollen Stunden. Der Ältestenkreis der Petrusgemeinde hatte bereits im Oktober 2010 entschieden, dass die Glocken zwischen 22 und 06 Uhr schweigen sollen. Das fanden die Gegner der Abschaltung als nicht akzeptabel. Sie beriefen sich auf die Tradition. Sie wollten eine Abschaltung nur um 23 und 24 Uhr (sie dachten wohl, zu dieser Zeit wären schon alle Menschen in Morpheus Arme versunken). Sie legten eine Liste mit 87 Unterschriften der Gemeinde vor und forderten eine Abstimmung unter allen Gemeindemitgliedern. Die Gemeindeversammlung lehnte jedoch die Abstimmung über den Stundenschlag ab (17 Mitglieder waren für eine und 18 gegen eine Abstimmung). „Ob die Diskussion in der Petrusgemeinde damit wirklich beendet ist, wird sich noch weisen“, schrieb ein Redakteur der „Badischen Zeitung“ am 30.11.2011.
 
„Süsser die Glocken nie klingen“, dachte ich mir im Stillen bei meinen Besuchen in Oftersheim bei Schwetzingen D. Dort wohnten nämlich ca. 200 m von der Kirche entfernt meine Schwiegereltern. Bei Besuchen fand ich das Glockengebimmle tagsüber und besonders der Stundenschlag während der Nacht als lästig. So manche Stunde wurde ich unsanft geweckt. Nur einen Vorteil hatte der Schlag, ich wusste in der Nacht immer, was einem die Glocke geschlagen hat, also wie viel Uhr es ist.
 
Als am Morgen noch ein Hahn in der Nähe krähte, wurde ich auch geweckt. Ich empfand die natürlichen Laute jedoch angenehmer und gewöhnte mich nach längeren Aufenthalten schnell daran. Das schienen andere nicht so zu sehen. Eines Tages war der Gockel plötzlich verschwunden.
 
Bald wurde es auch meinen Schwiegereltern zuviel. Sie liessen sich neue schallisolierende Fenster einbauen. Nun waren die Glocken nur noch leise zu hören.
 
Mein Vorschlag: Vielleicht zahlen die Befürworter des Glockengebimmels den Schallgestörten in Steinen neue dichte Fenster.
 
Betrug mit „Enkeltrick“
Obwohl in den Medien immer wieder über den „Enkel-Trick“ berichtet wird, fallen besonders ältere Leute darauf herein. Dazu ein neuer Fall, der in der „Badischen Zeitung“ am 05.12.2011 publiziert wurde. Eine 65-jährige Frau erhielt von einer unbekannten jungen Frau einen Anruf. „Hallo, rate doch mal, wer dran ist“, säuselte die Anrufende. Die Frau glaubte, es wäre ihre Enkelin. Die Unbekannte baute zunächst durch ein Gespräch Vertrauen auf. Dann schilderte sie der Frau, sie wäre in Not und bräuchte dringend Geld. Die Seniorin hatte jedoch kein Geld zur Hand. Sie versprach, mit Schmuck und einer wertvollen Uhr auszuhelfen. Die vermeintliche Enkelin erzählte ihr, sie sei verhindert, um diese Sachen abzuholen, sie schicke jedoch eine Freundin vorbei. Diese tauchte dann bald auf und nahm den Schmuck im Wert von 10 000 Euro in Empfang. Erst danach erkundigte sich die Seniorin bei der richtigen Enkelin. Da war ihr schlagartig klar, dass sie einer Betrügerin aufgesessen war.
 
Streit um das Pumpspeicherkraftwerk Atdorf
Die Schluchseewerk AG plant den Bau des Pumpspeicherkraftwerks Atdorf auf dem Hotzenwald. Es soll bedeutend grösser werden als das schon bestehende Hornbergbecken I. Das Vorhaben zählt zu den grössten Wasserkraftprojekten Europas. Das geplante Hornbergbecken II soll ein Speichervolumen von 9 Millionen Kubikmetern Wasser haben. Es soll mit der Kaverne Atdorf (4-6 Maschinensätze für 1400 MW) mit einen rund 700 Meter langen Druckschacht mit 7 Metern Durchmesser verbunden werden. Von dort soll ein etwa 8 Kilometer langer Unterwasserstollen mit einem Durchmesser von 9,5 Metern zum Haselbecken führen. Dieses Becken dürfte ebenfalls 9 Millionen Kubikmeter Wasser enthalten.
 
Die Pumpspeicherkraftwerke sind wichtig, damit keine Unterbrechung der Stromversorgung eintritt (Regelenergie, Spannungshaltung). In Zeiten hohen Stromverbrauchs, zum Beispiel während der Mittagszeit, liefern die Pumpspeicherkraftwerke Strom. In Zeiten geringen Verbrauchs wird Strom aus regenerativen Energien für das Hochpumpen des Wassers benötigt.
 
Der Flächenbedarf wird mit 60 Hektar für das Hornbergbecken II und das Haselbecken angegeben. Durch dieses Vorhaben sind natürlich grosse Eingriffe in die Landschaft und den Naturhaushalt des Hotzenwalds zu erwarten.
 
Eine rege Gruppe Naturschützer gründete nach Bekanntwerden der Planung eine Bürgerinitiative, und diese möchte das Vorhaben verhindern.
 
In der „Badischen Zeitung“ gab es am 29.11.2011 jede Menge Leserzuschriften. Die meisten plädierten für das Pumpspeicherkraftwerk. Leser Jörg T. aus Freiburg wies darauf hin, dass eine harmonische Einfügung der Becken mit bewachsenen Böschungen ins Landschaftsbild möglich sei.
 
Das kann ich bestätigen: Das Hornbergbecken I, das ich immer wieder bei Wanderungen auf dem Hotzenwald erblicke, ist zwar weithin als Erhebung sichtbar, aber die Böschungen sind im Laufe der Zeit mit einem üppigen Pflanzenbewuchs versehen. Mich stören solche „Bauwerke“ nicht.
 
Es kamen auch etliche Leserzuschriften von Schülern des Umwelttechnischen Gymnasiums an der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule, Freiburg i. Br. Die Schüler sind der Ansicht, dass wegen zweier seltener Moosarten und einem geschützten Käfer ein solches gigantisches Zukunftsprojekt nicht verhindert werden sollte.
 
Walter Hess schilderte mir die Verhältnisse in der Schweiz und lieferte einen guten Kommentar: „In der Schweiz wenden wir diese Pumpspeichertechnologie schon seit langem an. Pumpspeicherkraftwerke sind zum Ausgleich des Stromanfalls und Stromverbrauchs nötig, gerade auch bei einer Nutzung von Alternativenergien, die ja meistens dann anfallen, wenn man sie kaum braucht.
 
Die Nachteile: Der Wirkungsgrad; viel Energie geht verloren. Beim geplanten Werk im Schwarzwald entsteht eine Kunstlandschaft – denn Seen sind sonst ja nicht zuoberst auf den Hügeln. Im Schweizer Gebirge konnte man die Stauseen aus topografischen Gründen besser in die Gebirgstäler einbauen.
 
Die Atomausstiegsländer werden sukzessive erfahren, was ihre populistische Politik bedeutet. Pumpspeicherkraftwerke und die entsprechenden Übertragungsanlagen gehören dann halt dazu.“
 
Auf der Suche nach Alternativen
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man solche Umweltprojekte nicht von vornherein ablehnen sollte. Nach dem geplanten Atomausstieg in Deutschland sind jetzt alle auf der Suche nach Alternativen. Aber auch hier sind Umweltschützer aktiv. Viele wollen die Energiewende, lehnen aber einige alternative Projekte ab.
 
In Deutschland soll die Nutzung von regenerierbarer Energie (Energie aus Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie, Erdwärme, Biomasse, Biogas und Holz) von derzeit 16 % auf 50 % (bis 2050) ansteigen. Falls das nicht funktioniert, wird wohl aus Frankreich oder Tschechien Atomstrom bezogen. Und noch etwas wird passieren: Die Strompreise für den Normalverbraucher dürften steigen und steigen … (siehe Anhang).
 
Im Zuge der Energiewende sollen auch die Windräder von Windkraftanlagen gewaltig in die Höhe schiessen. Bisher wurde bei uns eine Gesamthöhe von Windrädern auf 122 Metern festgelegt. Jetzt sind schon Höhen von 140 oder 160 Metern im Gespräch. Beruhigungspille für Naturschützer: In Naturschutzgebieten soll es Ausnahmen geben.
 
In Fröhnd (Kreis Lörrach D) wurden vor Jahren 2 Windräder installiert, obwohl dort wenig Wind herrscht. Eine Anlage wurde kurz darauf wieder abgebaut. Die 2. Anlage hat keine gute Rentabilität. Nun hoffen die Planer, dass höhere Windräder auch mehr Wind bekommen. Zurzeit wird die Suche nach neuen Standorten rund um Todtnau forciert.
 
Anhang
Ansteigen der Strompreise
Ein Leser der „Badischen Zeitung“ wollte wissen, welches System hinter der Erhöhnung der Strompreise steht. Helmut S. aus Schopfheim gab in einem Leserbrief am 07.12.2011 die passende und richtige Antwort: „Es sollen nämlich die Firmen von den Netzkosten befreit werden, für die es sich am ehesten lohnen würde, eine eigene Stromversorgung aufzubauen und damit die Vormachtstellung der grossen Stromerzeuger zu unterlaufen. Volkswirtschaftlich wäre die Stromerzeugung vor Ort oft sinnvoller, als grosse neue Stromtrassen zu bauen. Aber wer in unserer Regierung interessiert sich schon für so etwas, wenn es um die Bedienung der grossen Konzerne geht? Wieder einmal Klientelpolitik.“
 
Im Wiesental wurde schon sehr früh begonnen, mit Wasserkraft Strom vor Ort zu erzeugen. Es waren insbesondere Werke der Textilindustrie. Ich finde, man sollte den Bau von Kleinkraftanlagen besonders fördern und unterstützen, so lange sie umweltverträglich sind.
 
Internet
www.schluchseewerk.de (u. a. Film zum Neubauprojekt Atdorf)
 
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