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BLOG vom 22.02.2005


Pilger-Irrfahrten der Sonnenanbeter nach Süden

Autor: Emil Baschnonga, London

Vor rund 20 Jahren bin ich diesem Drang nach Süden wie viele andere auch erlegen. Bezirzt von Andalusien, seinen weissen Städtchen auf Hügeln, wie Vejer de la Frontera, von historischen Kleinoden wie Medina Sidonia und Granada − und nicht zuletzt auch die einzigartigen Sonnenuntergänge an der Costa de la Luz (Küste des Lichts) − haben mich bewogen, für mich und die Familie dort, in der Nähe von Conil de la Frontera, ein kleines „Refugium“ zu bauen. Es war ein sehr waghalsiges Unternehmen. Ich dachte, ich würde mit meinem Spanisch gut zurechtkommen. Aber dort wird Andalusisch gesprochen. Ich eignete mir dieses Kauderwelsch brockenweise an – mit den Zahlen beginnend, damit ich vom Baumeister nicht so leicht übers Ohr gehauen werden konnte. Immerhin sprach wenigstens der Architekt ein gediegenes Spanisch.

 

Im tristen Februar werden diese südlichen Oasen jeweils in den Broschüren der Liegenschaftsvermittler in England sehr verlockend dargestellt. Im englischen Fernsehen sind die von Immobilienagenten begleiteten Pilgerfahrten sonnenhungriger Nordländer hoch beliebt. Die Engländer nisten sich vor allem in Frankreich ein und haben jetzt auch Kroatien entdeckt. Die Skandinavier und die Deutschen stehen ihnen nicht nach. Die Engländer verstehen nicht, weshalb dort ihre Weltsprache kläglich versagt. Die Einheimischen sind ganz anders gewickelt, und ihre Gebräuche befremden sie. Die Liegenschaftspreise schnellen gewaltig in die Höhe, sobald ein Fremdling aufkreuzt. Im Gegenzug zu dieser Völkerwanderung in den Süden drängt es mehr und mehr Leute aus dem Balkan in den Norden, angelockt von besseren Löhnen. Die grosse Ernüchterung bleibt den Zugvögeln in beiden Richtungen nicht erspart.

 

Auch bei mir trat diese Ernüchterung ein. Gewiss erlebten wir etliche angenehme Familienferien. Ich hoffte auf Mieteinkünfte während unseren Abwesenheiten. Mieter, die aus der Hölle zu kommen schienen, zogen ein, blieben die Miete schuldig und hausten wie die Vandalen. Der Garten verwilderte, denn Paco, der Gärtner, kassierte nur. Viele Leute im Ruhestand leben in der ständig wachsenden Siedlung rund um den Golfplatz, teils Steuerflüchtlinge, von den (damals) billigeren Lebenskosten angelockt. Sie leben dort in ihrem Ghetto und trinken übermässig viel Gin und Whisky. Ihre Tränke und Treffpunkt ist nur 300 Meter vom Golfplatz entfernt und heisst „El Colorado“. Sie fahren im Auto zu dieser Bodega und zurück auf der notorisch gefährlichen N340.

 

Vor 3 Jahren hatte ich Glück. Ein englischer Spekulant erwarb unseren Alptraum und baute ihn um und aus, mit Schwimmbad und allem Drum und Dran.

 

Lassen Sie sich nicht in Versuchung bringen! Fragen Sie sich, ob Sie Ihre Ferien wirklich immer am gleichen Ort verbringen wollen! Können Sie sich den Unterhalt Ihrer Villa wirklich leisten? Sprechen Sie die Landessprache? Wenn Sie im Süden sesshaft werden wollen, drängen sich noch viel mehr Fragen auf, die den Rahmen dieses Blogs sprengen würden. Sogar das Wetter kann im Süden tückisch sein: In Andalusien pfeift der Levantewind tagelang; die Fensterläden klappern. Im Winter giesst es oft wie aus Kübeln.

 

Jetzt kann ich die Ferien wieder geniessen, in einem angenehmen Hotel untergebracht, und meine Frau auch, statt sich mit einem zweiten Haushalt plagen zu müssen. Im Übrigen sage ich mir: „Home’s best“.

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