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BLOG vom 03.01.2012


US-Erpressungen: Was ist mit den Schweizer Banken los?
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Mit ihren unverschämten Forderungen an Schweizer Banken und damit zur weiteren Aushöhlung des Bankgeheimnisses werden die USA immer dreister. Der Wirtschaftskrieg eskaliert. Ende 2011 sind 11 Schweizer Banken wie die Credit Suisse (CS), Julius Baer, die Zürcher und die Basler Kantonalbank und ein paar kleinere ins US-Visier geraten: Wiederum wird Datenmaterial erpresst. Herausgegeben werden müssen auch Briefwechsel zwischen den Banken und ihren US-Kunden sowie auch alle Dokumente über das US-Geschäftsmodell und Korrespondenzen mit Drittfirmen wie externen Vermögensverwaltern, die ins Geschäft mit US-Kunden involviert waren (Quelle: www.tagesanzeiger.ch vom 18.12.2011). Das Material muss den US-Behörden sozusagen pfannenfertig frei Haus geliefert werden. Die Geldinstitute müssen die Namen der US-Offshorebanker gleich selber nennen. Und sind die Banken nicht willig, dann brauchen die USA Gewalt: Milliardenbussen oder die Banken werden auf andere Weise in den Ruin getrieben, zum Beispiel mit Unterstützung der Ratingagenturen.
 
Die unterwürfigen Medien servierten dies neueste Erpressungsvariante unter euphemistischen Titeln wie „USA bieten 11 Schweizer Banken Straffreiheit an“ – es tönt wie ein Hohn. Medieninhalte sind verkümmert. Und die Banken stehen in Dulderpose hilflos da, das Gewehr bei Fuss. Ich verstehe das nicht.
 
Von ähnlichen Erpressungen sind alle Staaten der Welt betroffen, was die Sache nicht besser, sondern noch dramatischer macht, eine Folge der neuen globalisierten Weltordnung, die uns aufgeschwatzt worden ist. Beispiel Deutschland: Dort müssen deutsche Fondsgesellschaften der amerikanischen Steuerbehörde Kunden melden, die in Deutschland amerikanisches Geld angelegt haben – obschon es in unserem nördlichen Nachbarland kein entsprechendes Namensregister gibt. China und Kanada verhandeln über Ausnahmebedingen. Aber kein Land und keine Bank klagen die USA für die Verseuchung der Welt mit faulen Kreditpapieren ein, für ihren Schuldenexport, bei dem sie Weltmeister sind.
 
Die Globalisierung als übergreifendes internationales, gnadenloses System beginnt immer deutlicher, seine grauenvollen Seiten hervorzukehren: Die Innen-, Aussen- und Fiskalpolitik praktisch jeder Nation wird von der selbst ernannten Leitmacht USA mitbestimmt. Abtrünnige werden nicht geduldet. Und jedermann spürt auf seine Weise, wie in der gleichgeschalteten Herde die destruktiven Entwicklungskräfte ununterbrochen zunehmen.
 
Geheimnisse ertragen kein Loch
Auch die einst selbstbewusste Schweiz hat sich bis heute von einer geradezu hündischen Unterwürfigkeit gezeigt, wie am Beispiel der Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) illustriert werden kann. Sie versieht das Bankgeheimnis wie einen Emmentalerkäse mit gewaltigen Löchern. Und bei diesem Tun will sie auch gleich die schweizerische Unterscheidung von Steuerbetrug (für schwerere Fälle) und Steuerhinterziehung (weniger beutende Schummeleien) abschaffen. Sie arbeitet als Globalisiererin nach SP-Muster daraufhin, das Schweizer Modell in vorauseilendem Gehorsam den internationalen US-Vorstellungen unterzuordnen ... wobei natürlich die Steuerschlupflöcher im US-Bundesstaat Delaware nicht einmal angesprochen werden und unbehelligt bleiben. Nichts von gleichem Recht für alle – dafür alle Macht den USA. Sie wollen ihre Geschäfte nicht mit besonders hochstehenden Produkten, sondern mit Kriegen und Erpressungen machen. Das liegt ihnen besser.
 
Die Politik der merkwürdigerweise gefeierten und selbst in schweizerischen Bankenkreisen verherrlichen Justizministerin Schlumpf durchlöchert nicht nur das Bankgeheimnis, das nur zum kleinen Teil kriminell eingetriebener Gelder dient – gegen Massnahmen dagegen ist ja überhaupt nichts einzuwenden –; die Preisgabe des Bankkundengeheimnisses hat das Vertrauen in die Schweizer Banken perforiert und beschädigt, weil die sprichwörtliche Rechtssicherheit geopfert wurde. Die schrumpfenden Bankbilanzen erzählen bereits davon, ohne dass Ursachen und Wirkungen zusammengebracht werden. Um die Kausalität werden grosse Bögen gemacht. Die mit Glanz und Gloria wiedergewählte Bundesrätin Schlumpf, die das Wohl des Landes ihren persönlichen Zielen unterordnet und dabei populistisch agitiert, wurde von „Weltwoche“-Chef Roger Köppel treffend als „Sicherheitsrisiko für das Land“ bezeichnet.
 
Das Stockholm-Syndrom
Für alle kritisch denkenden Menschen, so weit es solche noch heute gibt, ist die passive Rolle der meisten Banken und vieler ihrer Angestellten angesichts solcher zerstörerischer Vorgänge absolut unverständlich. Sie verlieren Ansehen, Arbeitsplätze und jubeln ihren Feinden sogar freudig zu. In der Psychologie kennt man das sogenannte Stockholm-Syndrom (Bezug zum Geiseldrama vom 23. bis 28.08.1973 in Schweden), das sich im Wesentlichen auf Geiselnahmen bezieht und damit als Analogie hier nicht schlecht ins Konzept passt – die USA nehmen ja die Finanzwelt in Geiselhaft.
 
Das erwähnte Syndrom besagt, dass die Opfer allmählich ein positives emotionales Verhältnis zu ihren Peinigern aufbauen. Sie beginnen zu sympathisieren, mit dem Täter zu kooperieren: eine Wahrnehmungsverzerrung, die sich durch ein eingeengtes Refugium einstellen kann. Es kann sogar zu einer Identifikation mit dem Aggressor kommen, wenn Abhängigkeit und Ohnmacht genügend gross sind. Genau das erklärt auch das intensive Trauern der nordkoreanischen Bevölkerung über den Tod von Kim Jong Il.
 
Wegen der unbedingten Unterwerfungsbereitschaft unter amerikanische Vorgaben, wie sie gerade im Finanzwesen (siehe insbesondere die Geschehnisse an den Börsen) in einer exzessiven Ausprägung vorhanden sind, haben die Amerikaner ein verhältnismässig einfaches Spiel, das sie genüsslich auskosten und zu ihren Zwecken nutzen, um wenigstens das Sichtbarwerden des eigenen finanziellen Ruins, der schon da ist, noch etwas hinausschieben zu können. Und die Gefahr, dass Bankmanager und -personal ständig vor US-Botschaften demonstrieren, die Amerikaner in Schranken zu weisen suchen, von ihnen das Stopfen eigener Steuerschlupflöcher fordern und jede Form von Zusammenarbeit ablehnen, bis die heissen und kalten US-Krieger selber ein anständiges Verhalten an den Tag legen, diese Gefahr besteht leider nicht. Ich kann’s selbst bei Zweckoptimismus, den man sich zum Jahresbeginn zu auferlegen hat, nicht fassen.
 
Hinweis auf weitere Blogs über Steuern und Steueroasen
27.03.2007: Dubioser US-Immobilienmarkt: Alles Faule kommt von drüben
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