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BLOG vom 06.02.2012


Lebenselixier Wasser (2): Durst, ein lebenswichtiges Signal
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
„Das Prinzip aller Dinge ist das Wasser; aus Wasser ist alles, und in Wasser kehrt alles zurück.“
(Thales, griechischer Philosoph, 620−540 v. u. Z.)
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„Man kann die Erkenntnisse der Medizin auf eine knappe Formel bringen: Wasser, mässig genossen, ist unschädlich.“
(Mark Twain)
*
Im Wasser entstand das Leben, im Wasser erfolgten die ersten Entwicklungsprozesse. Wie wir wissen, gibt es Organismen, die ohne Licht und ohne Sauerstoff auskommen, jedoch kein Lebewesen, das auf Dauer ohne Wasser existieren kann.
 
Der Wassergehalt mancher Pflanzen und Tiere ist enorm. So enthalten Weinbergschnecken bis zu 84 % und Quallen bis 98 % dieser Wasserstoff-Sauerstoff-Verbindung (H2O). Kakteen und Wolfsmilchgewächse weisen zwischen 85 und 95 % Wasser auf. Dieselbe Menge haben saftige Früchte. Den höchsten Gehalt besitzen Algen, nämlich 95−98 %.
 
Der menschliche Organismus enthält zwischen 48 und 70% Wasser (Mittelwert 60 %). Betrachtet man die fettfreie Körpersubstanz, dann kommt ein einheitlicher Wassergehalt von 71−73 % heraus. Mit zunehmendem Alter nimmt der Wassergehalt beim Menschen ab, weil sich die wasserreiche Muskelmasse verringert und das wasserarme Fettgewebe gleich bleibt oder sogar zunimmt.
 
Obwohl der Mensch ziemlich viel Wasser in sich trägt, reagiert er sehr empfindlich auf einen Wasserverlust. Bei einem Verlust des Körperwassers um 3 % reduzieren sich die Speichelsekretion und Harnproduktion. Bei einer 5 %-igen Austrocknung zeigen sich bereits Herzrhythmusstörungen, eine Steigerung der Körpertemperatur und eine Einschränkung der Leistungsfähigkeit. Bei 10 %-igem Wasserverlust wird der Mensch hilflos, er kann sich nicht mehr ohne fremde Hilfe fortbewegen. Der Tod tritt ein, wenn 15 bis 20 % des Körperwassers verloren gehen. Bei Wassermangel wird das Blut dickflüssig und transportiert weniger lebenswichtigen Sauerstoff. Auch Leber, Nieren und Magen schränken immer mehr ihre Tätigkeit ein, da gerade diese Organe ausreichend Wasser benötigen, um ihre lebenswichtigen Aufgaben erfüllen zu können. Deshalb kann ein Mensch längere Zeit ohne Nahrung, aber nur kurze Zeit ohne Wasser auskommen.
 
Zuviel Wasser bei Teufelsaustreibung
Aber auch ein Zuviel an diesem Lebensspender kann von Nachteil sein. Wie die „Medical Tribune“ berichtete (Nr. 37, 1991), glaubte eine 41-jährige Französin, sie sei vom Teufel besessen. Sie trank zur „inneren Reinigung“ innerhalb von 2 Stunden etwa 7 Liter Wasser. Es bildete sich ein Hirnödem (Hirnschwellung), das zur Atemlähmung führte. An dieser „Exorzismusübung“ nahmen noch andere Personen teil. Obwohl alle Teilnehmer ähnlich grosse Mengen Wasser zuführten, wurden diese „nur“ bewusstlos. Sie konnten nach wenigen Tagen das Krankenhaus verlassen.
 
Bei einer Trinkmenge von mehr als 20 Litern Wasser pro Tag kommt es zu einer „Wasservergiftung“ (Mangel an Salzen). Es kommt z. B. zu einer Hyponatriämie mit permanenten neurologischen Schäden oder zum Tod.
 
Aufgaben des Wassers
Wasser dient hauptsächlich als Lösungs- und Transportmittel für Nährstoffe, Enzyme, Hormone und Stoffwechselprodukte. Ohne Wasser gäbe es keinen Transport des Nahrungsbreis durch den Verdauungstrakt, keine Nahrungsaufspaltung durch die enzymatischen Verdauungssäfte, keine Aufnahme und keinen Transport der lebenswichtigen Nährstoffe (Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Fett- und Eiweissbestandteile) über die Lymphe und das Blut zu den Organen und Zellen. Täglich werden bis zu 9 Liter Flüssigkeit in den Verdauungstrakt abgegeben. Diese enorme Flüssigkeitsmenge geht keinesfalls verloren, der Körper verwendet sie zur Bildung neuer Verdauungssäfte. Die Niere benötigt täglich etwa 1,5 Liter Wasser, um Stoffwechselprodukte wie Harnstoff und Harnsäure und überschüssige Mineralstoffe und Vitamine auszuscheiden. Steht der Niere immer weniger Wasser zur Verfügung, stauen sich die Stoffwechselprodukte im Blut, und die Nierenkanälchen werden geschädigt. Die Nieren filtern täglich 180 Liter Wasser (Primärharn). Infolge der Rückresorption von Wasser in den Kreislauf gelangen nur 1,5 Liter Wasser mit den darin gelösten Stoffwechselprodukten als Harn zur Ausscheidung.
 
Wasser kann jedoch noch viel mehr. Es ist auch an der Regulierung des Wärmehaushalts beteiligt. Die Wärmeabgabe erfolgt dabei durch Wasserverdunstung. Pro Tag verdunstet ein erwachsener Mensch über die 2 Millionen Schweissdrüsen der Haut und zusätzlich über die Lunge etwa 1 Liter Wasser. Bei Hochofenarbeitern und Hochleistungssportlern dringen täglich mehr als 4 Liter Schweiss durch die Poren. Der Schweiss kühlt beim Verdunsten die Haut und entzieht dem Körper Wärme.
 
Der Körper verliert in diesem Fall nicht nur Wasser, sondern auch eine Menge Mineralstoffe. Man rechnet mit 4 bis 6 Gramm anorganischen und organischen Salzen pro Liter Schweiss. Bei 4 Litern wären dies schon 16 bis 24 Gramm Salze. Es genügt also nicht, die Verluste mit Wasser auszugleichen, sondern man muss auch die entsprechenden Mineralsalze zuführen.
 
Durst – ein lebenswichtiges Signal
Wenn wir zu wenig trinken, kommt es zu einem Wassermangel im Organismus. Dieser führt zu einer Erhöhung der Mineralsalzkonzentration (genauer gesagt Elektrolytkonzentration) im Blut und zu einer Abnahme des Blutvolumens. Nervenzellen im Durstzentrum in einem Teil des Zwischenhirns (Hypothalamus) sprechen auf diese Konzentrationsschwankungen an und signalisieren das Körpergefühl „Durst“. Darüber hinaus registrieren Volumenrezeptoren (Rezeptor = Reizempfänger) im linken Herzhof eine Volumenveränderung im Blut und melden dies dem Durstzentrum. Ausserdem sind einige Hormone an der Auslösung des Dursts beteiligt.
 
Durst macht sich mit einem Zusammenziehen der Speiseröhre und einer „trockenen Kehle“ bemerkbar. Dieses Signal bedeutet: „Sofort Blut verdünnen!“ Durch Trinken wird dieser „Befehl“ ausgeführt.
 
Haben wir jedoch zu viel über den Durst getrunken, erhöht sich die Wasserabgabe über Haut, Lunge und Niere. Die Niere, Hauptregulationsorgan des Wasserhaushalts, arbeitet nach erhöhter Wasserzufuhr auf Hochtouren und scheidet vermehrt verdünnten Harn aus. Bei Wassermangel wird demzufolge wenig, dafür konzentrierter Harn ausgeschieden. Die Ausscheidung via Nieren unterliegt einer hormonellen Steuerung. Massgebend ist das im Hinterlappen der Hirnanhangdrüse gebildete Vasopressin (ADH = Antidiuretisches Hormon, Antidiuretin).
 
Das Durstgefühl ist übrigens bei Kindern stark und bei älteren Menschen schwach ausgeprägt. Aus diesem Grunde trinken Kinder viel und ältere Menschen weniger.
 
Störungen im Wasserhaushalt
Durch Störungen im Wasserhaushalt entstehen entweder Wassermangelzustände oder ein Wasserüberschuss. Für einen Wassermangelzustand gibt es verschiedene Ursachen: unzureichende Flüssigkeitszufuhr bei desorientierten Patienten, hohe Schweissverluste ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Durchfälle, Erbrechen, Verbrennungen, Blutungen, Nierenschwäche, Störung des Durstempfindens und gesteigerte Wasserabgabe, wie dies zum Beispiel bei der Wasserharnruhr der Fall ist. Die Wasserharnruhr entsteht durch eine Verletzung des Zwischenhirns. Die Folge ist eine mangelhafte Bildung des Vasopressins. Die Patienten leiden unter einer vermehrten Harnausscheidung, da die Nieren durch das fehlende oder nur in geringer Menge produzierte Hormon nicht veranlasst wird, das Wasser im Organismus zurückzuhalten. Ausserdem tritt ein abnormes Durstgefühl auf. Es wird berichtet, dass tägliche Harnmengen von 15 bis 20 Litern bei dieser Krankheit keine Seltenheit sind. Die ständige Zufuhr von Flüssigkeitsmengen wirkt in diesem Fall lebensrettend. Wird das abnorme Durstgefühl bei Kindern nicht erkannt, können bleibende Hirnschäden auftreten. Die Krankheit wird heute durch Gaben des erwähnten Hormons behandelt.
 
Bei Schiffbrüchigen, die Meerwasser trinken, kann es ebenfalls zu einem Wasserverlust kommen. Grund ist, dass für die Ausscheidung von 500 ml (salzhaltigem) Meerwasser zusätzlich 300 ml Körperwasser benötigt werden.
 
Wie macht sich ein starker Wassermangel bemerkbar? Nach einem grossen Durstgefühl beobachtet man eine Gewichtsabnahme, Austrocknung der Haut und Schleimhäute, verminderte Speichelproduktion, verminderte Harnproduktion, Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen, Delirien, Krampfanfälle.
 
Wie kommt es zu einem Wasserüberschuss? Durch exzessive Wasserzufuhr infolge Psychosen, Darmspülungen mit mineralsalzfreien (elektrolytfreien) Lösungen, Blutverlust, Leberschrumpfung, Herzschwäche, Nierenschwäche, Lungenerkrankungen, Gehirnerkrankungen. Auch Medikamente können Wasser im Organismus „zurückhalten“. Nennen möchte ich Morphin, Barbiturate, Sulfonylharnstoff, Cyclophosphamid, Carbamazepin, Clofibrat, Vincristin, Chlorpropamid. Bei Wasserüberschuss nimmt das Körpergewicht zu; es bilden sich in vereinzelten Fällen Ödeme (= krankhafte Ansammlung von Flüssigkeit in den Lymphspalten der Gewebe); das Gesicht ist aufgedunsen.
 
Erste Anzeichen eines Wasserüberschusses sind Müdigkeit, Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Später zeigen sich Durchfälle, Muskelkrämpfe und Muskelzuckungen, Kopfschmerzen, Ruhelosigkeit, Apathie, Verwirrungszustände und Krampfanfälle.
 
Nachlassendes Durstgefühl bei Älteren
Die Flüssigkeitsaufnahme hängt von vielen Faktoren ab. Arbeiter an Hochöfen zum Beispiel brauchen bis zu 10 Liter am Tag. Dagegen geben sich sitzende und leicht arbeitende Menschen mit 2,5 Liter zufrieden. Täglich führen wir etwa 1,5 Liter Wasser aus Getränken und etwa 0,8 Liter aus Speisen zu (ausserdem bilden sich noch etwa 0,3 l Wasser durch die Zellatmung). Die Wasserabgabe erfolgt über Harn (1,5 l), Haut (0,45 l), Lungen (0,5 l) und Kot (0,15 l). Wasseraufnahme und Wasserabgabe halten sich unter normalen Umständen in etwa die Waage.
 
Die ausreichende Flüssigkeitsaufnahme ist besonders bei älteren Menschen problematisch, da bei ihnen oft das natürliche Durstgefühl nachlässt.
 
Wie unter www.focus.de nachzulesen war, starben im Rekordsommer 2003 in Europa Zehntausende Senioren an Austrocknung. Wichtig ist, dass Ältere ausreichend Flüssigkeit aufnehmen. Die DGE empfiehlt das tägliche Konsumieren von Flüssigkeiten in Höhe von 2,25 Litern. Bei Hitze und akuten Erkrankungen mit Fieber und Durchfall muss mehr getrunken werden.
 
In einem Kommentar zu einem Artikel in der Ärztezeitschrift „Medical Tribune“ (29.11 2007) war dies zu lesen: „Wenn Sie allmählich in die Jahre kommen, sollten Sie besonders darauf achten, gesund, schmackhaft und abwechslungsreich zu essen und genügend zu trinken. Es lohnt sich: Wer gut ernährt ist, lebt länger.“
 
Dies stimmt in der Tat. Es gibt nämlich Ältere, die nicht nur wenig trinken, sondern auch mangelernährt sind. So gibt es laut Untersuchungen in Deutschland 10 % Unterernährte, die daheim leben und 40 % Unterernährte, die in Heimen wohnen. Das hängt nicht nur mit dem nachlassenden Geschmackssinn, sondern auch mit Problemen mit den Zähnen oder schlecht sitzenden Zahnprothesen zusammen. Wie www.focus.de berichtet, spielen auch soziale Gründe wie Einsamkeit am heimischen Esstisch, lieblos zubereitete Speisen oder Zeitdruck bei den Mahlzeiten im Heim eine Rolle. Dabei kann einem wahrlich der Appetit vergehen.
 
Im Allgemeinen wird eine tägliche Zufuhr von Getränken von etwa 1,5 Litern und durch die Nahrung von 0,8 Litern empfohlen. Diese Menge gilt für Jungendliche und Erwachsene. Schwangere und Stillende benötigen etwas mehr Wasser, ebenfalls Sportler und Arbeiter, die eine schweisstreibende Tätigkeit ausüben.
 
Tipp: Über den Tag verteilt Flüssigkeiten in kleinen Mengen trinken. Gefülltes Glas oder eine Flasche Mineralwasser im Blickfeld aufstellen. Somit weiss der Betreffende, wie viel er getrunken hat. Dies gilt nicht nur für Ältere, sondern auch Jüngere. Wie ich hörte, sind viele während der Arbeit so abgelenkt, dass sie das Trinken regelrecht vergessen.
 
Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit in Form von gutem Leitungswasser, Mineralwasser, Fruchtsäften ohne zusätzlichen Zuckerzusatz, Gemüsesäften, Kräutertees oder Kokosnusswasser ist wichtig für die „Nierenspülung“. Stoffwechselprodukte werden schneller ausgeschieden und der Bildung von Nieren- und Blasensteinen vorgebeugt. Auch bei sportlichen Betätigungen sollte man reichlich trinken. Bei Ausdauersport von mehr als 30 Minuten schon während der sportlichen Aktivitäten trinken (Schutz vor Überhitzung, Erhaltung der Leistungsfähigkeit). Gut bewährt haben sich bei unseren sommerlichen Wanderungen eine Magnesium-Tablette und Mischungen von Mineralwasser und Apfelsaft (Verhältnis 3:1). Nach dem Sport wiederum reichlich trinken. Mischungen von Mineralwasser und Fruchtsaft (Verhältnis 1:1) sind hier empfehlenswert. Man braucht also keine zuckerhaltige und teure Elektrolytgetränke.
 
Internet
 
Literatur
Becker, Ulrike: „Gut essen – fit bleiben“, UGB-Forum, 2/2004.
Lenz, Ursula: „Unser wichtigstes Lebensmittel“, Kneipp-Journal 6/2004.
Scholz, Heinz: „Mineralstoffe und Spurenelemente“, Trias-Verlag, Stuttgart 1996.
Scholz, Heinz: „Richtig gut einkaufen“, Verlag Textatelier.com, Biberstein 2005.
Ernährungsgesellschaften von D, A, CH: „Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr“, Umschau/Braus Verlag, Frankfurt 2000.
 
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