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BLOG vom 06.02.2012


Erdbeben hautnah erlebt: Auf der Insel Cebu durchgeschüttelt
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com), nach Angaben von Rolf P. Hess
 
Aus Cebu (Philippinen) berichtete mir am heutigen Montagmorgen, 06.02.2012, mein dort ansässiger Bruder Rolf, dass er heute zum 1. Mal in seinem bewegten Leben so richtig durchgeschüttelt worden sei. Er lebt zwar mitten im sogenannten Feuerring im Pazifik, wo sich gegen 90 Prozent aller Erdbeben weltweit ereignen. Bis anhin jedoch war Cebu immer als relativ erdbebensicher eingeschätzt worden. Und tatsächlich sieht man bei http://earthquaketrack.com/ph-b7-cebu/biggest, dass während der letzten mehreren Dekaden die Insel Cebu von den Auswirkungen der grösseren Erdbeben in der Visayas Gegend immer verschont geblieben ist.
 
Heute um die Mittagszeit jedoch kam das anders, wie ich einer E-Mail entnahm. Rolf war in seinem Büro, im 3 Stock, eben daran, seine Daten von einem Ultrabook auf eine externe Harddisk zu sichern, als er ein Geräusch hörte, das ihn an eine gewaltige Eisenbahnlokomotive mit endlos vielen Güterwägen erinnerte, die auf seinen direkt am Meer liegenden Wohnblock zuzurasen schienen. Als dann die Fensterscheiben zu rütteln begannen, wurde ihm kristallklar, dass es keine Eisenbahn sein konnte (es gab einmal, vor vielen, vielen Jahren eine kleine Bahn auf Cebu, heute sind aber nicht einmal mehr die Schienen davon zu sehen…).
 
Rolf hat viele Zeit in Erdbebengebieten verbracht, auf Guam, in Tokyo, in Taiwan und in letzter Zeit in Kalifornien (USA), doch nie etwas ähnliches erlebt. Auch hat er nie an einem Erdbeben-Drill mitgemacht (Verhaltensübung im Hinblick auf den Ernstfall) – und so beschreibt er, wie er gegen jedes bessere Wissen zuerst den 6-Zahlen-Code im feuersicheren Safe eingab, um sicherzumachen, dass die Computer Dateien, die Pässe usw. gut verpackt waren – er hat für viele Jahre den Vertrieb dieser Produkte in Asien aufgebaut und wusste, wie oft Leute nach Erdbeben oder grossen Bränden aus dem Trümmern noch ein paar wenige wichtige Sachen holen konnten, sofern sie feuersicher aufbewahrt wurden. Dann begab er sich ins Wohnzimmer und suchte nach seiner Frau. Dann noch auf den Balkon mit dem herrlichen Blick aufs blaue Meer, wohlwissend, dass dies in Anbetracht der Umstände der dümmste Ort war. Glücklicherweise waren die 30 Sekunden der Erschütterung (Stärke 6,7) am Abklingen …
 
Seine Frau fand er im Korridor, wo sich einige Nachbarn fragten, was denn da wohl geschehen sei … Seine Frau glaubte (und glaubt es immer noch), dass das Beben viele Minuten gedauert hat. Rolf wurde klar, dass er sich ganz klar entscheiden muss, was bei einem Wiederholungsfall gemacht werden muss: Kissen über den Kopf, Ultrabook (neue Version eines Laptops) unter den Arm, Treppe hinunter, hinaus ins Freie. Seine Frau ist angewiesen, statt eines elektronischen Geräts eine Flasche Wasser mitzureissen …
 
Für einige Zeit danach war es unmöglich, zu telefonieren. Netzwerk überlastet. Dann fiel der Summton aus. Überraschenderweise funktionierte der Internet-Anschluss (DSL, via die gleiche Telefonlinie) weiterhin.
 
Dann war es Zeit für ein Mittagessen in einem japanischen, 1-stöckigen Restaurant, ganz in der Nähe. Zuerst kamen aber noch 2 Aftershocks (Nachbeben), auch 6 Stunden später wurde nochmals ein recht intensives Beben verspürt, allerdings war es von kurzer Dauer. Wie haben sich die tapferen Japaner nur mit den Hunderten von Nachbeben abfinden können, die nachher kamen, einige davon um ein Mehrfaches stärker, als das, was wir miterlebt haben?
 
Gemäss ersten Berichten scheint der Schaden glückerlichweise auf den Schock bei der Bevölkerung limitiert zu sein – im Gegensatz zur nördlich von Cebu gelegenen Insel Negros, wo leider einige Menschen ums Leben gekommen sind.
 
In einem Land, wo der Nachrichtendienst noch nicht so gut funktioniert wie in Europa, ist die Unsicherheit viel mehr verbreitet – Rolf hat in der Zwischenzeit Berichte erhalten, dass in der Stadt viele Leute voller Panik sind und grosse Angst vor einem Tsunami haben. Mit der ersten Meldung wurde nämlich eine Tsunami-Warnung durchgegeben. Allerdings, wenn man die Gegend kennt, kann man sich vorstellen, dass in jenem schmalen Meeresteil zwischen Negros und Cebu irgendwelche Wellen Cebu sehr schnell erreicht hätten, und zwar auf der Westseite, also nicht dort, wo Cebu City liegt. Die Panik aber dauert tagelang.
 
Rolf hat seine Backups beendet und ist zuversichtlich, dass sie auf Cebu jetzt wieder für ein paar Dekaden Ruhe haben werden. Er hat jene Gegend nämlich genau deshalb ausgewählt, weil sie den Ruf hat, von Taifunen und Erdbeben relativ sicher zu sein.
 
Er erinnert sich aber auch hie und da eine Geschichte, die er vor vielen Jahren im FORTUNE-Magazine gelesen hat. Da hat ein Weltbummler – wie er auch – die ganze Welt abgesucht, um ein Land zu finden, das wettermässig ideal, steuermässig anständig und von netten Menschen bewohnt ist. Er gab seinen Wohnsitz in Amerika auf und zog mit seiner Familie in ein ganz neues Gebiet, das beste, sicherste und vielversprechendste der Welt – damals. Genau 1 Monat bevor der Krieg ausbrach. Auf den Falkland Islands.
 
Mit dieser Geschichte beendete Rolf seine Dream Island Story, obschon, gemäss meinem Bruder, alles zu wackeln scheint, auch wenn es in Tat und Wahrheit nicht mehr rüttelt ...
 
 
Technische Details zum Negros-Erdbeben
 
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