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BLOG vom 14.04.2012


Film „Le Havre“: Eindrücklicher Triumphbogen der Güte
Autor: Emil Baschnonga, Aphoristiker und Schriftsteller, London
 
Das Skript, verfasst vom finnischen Filmregisseur Aki Kaurismäki, und 2011 und von ihm verfilmt, hat als Meisterwerk mehrere Preise gewonnen (an den Filmfestivals in Cannes und München).
 
Zum Inhalt: Als Marcel Marx seine literarischen Ambitionen aufgab, wechselte er mit seiner Frau Arletty nach Le Havre über und verdiente dort seinen Lebensunterhalt als Schuhputzer. Das ältere Paar lebte in der Nähe des Hafens in einem äussert bescheiden eingerichteten Häuschen in einer engen Seitenstrasse des Armenviertels.
 
Hafenangestellte klopften die Container nach überlebenden Flüchtlingen aus Afrika ab. Eine Schar von ihnen wurde entdeckt. Der 12-jährige Idrissa aus Gabun entwischte der Polizei zwischen den aneinander gereihten Containern. Später fand ihn Marcel zufällig hinter einem Pfeiler im Wasser beim Hafen, wo er sich versteckt hatte.
 
Als seine Frau Arletty schwer krank ins Spital eingeliefert wurde, bot Marcel dem Knaben Unterschlupf in seinem Haus. Die Polizei fahndete nach dem Flüchtling. Ein Inspektor war ihm auf der Spur. Doch Marcels Nachbarn boten Idrissa wechselweise ein Versteck. Trotz Razzien der Polizei blieb er unauffindbar. Im Schubkarren des Gemüsehändlers entkam er auf einem kleinen Schiff Richtung London zu seinem Bruder.
 
Soweit der Grobraster des Geschehens. Das Lokalkolorit bindet die Geschichte in eine Kette von herzerwärmenden Episoden ein. Das Drama ist mit Humor durchflochten, wie der Bäcker, der Gemüsehändler und ihre Frauen mitsamt der Wirtin des Cafés dicht hielten und Marcel und Idrissa wacker unterstützten. Auch Marcels Hund Aika spielte eine Glanzrolle als Idrissas Beschützer.
 
Inzwischen fahndete Marcel nach Idrissas Familie im Auffanglager der Flüchtlinge. Auf Umwegen entdeckte er die Adresse eines Bruders von Idrissa, der nach London geflohen war. Die Rettung des Knaben begann. Das Geld für seine illegale Überfahrt nach England wurde gesammelt. Ein alter Sänger und seine Musiker spielten auf, und Marcel erhielt das Geld. Der Sänger gewann im Auftritt seine Jugend zurück. Allein schon diese Darbietung ist ein weiterer Glanzpunkt dieses Films.
 
Sehr nuanciert und lebensnah gespielt, zähle ich diesen Film zu den cineastischen Meisterwerken und will hier nicht mehr darüber preisgeben („Google.com“ liefert erweiterte Einblicke).
 
Eine Vorführung dieses Films im Wimbledoner „Curzon“ wurde am 10.04.2012 von Lily und mir besucht, bannte und rührte uns augenblicklich. Ich folgte Marcel Schritt für Schritt in seiner Umwelt und roch die Meeresluft. Frei von jeder Sentimentalität, deckte mir der Film seine Güte und die seiner Nachbarn auf, zuletzt auch die des Inspektors, der Idrissa entschlüpfen liess: eine Schatzgrube fürs Gemüt.
 
Der kleine Kirschbaum vor Marcels und Arlettys Haus war voll erblüht. Arletty war wieder gesund aus dem Spital heimgekehrt.
*
 
Wer nichts für den blutrünstigen Filmschmarren aus den USA übrig hat, inbegriffen auch das sich gegenwärtig abspielende Titanic-Theater, dem sei dieser Film wärmstens empfohlen.
 
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