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BLOG vom 29.04.2012


Hündische Redensarten: Bekannt sein wie ein bunter Hund
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Am 23.04.2012 erhielt ich eine E-Mail mit 4 Fotos von Hunden, die in bestimmten Situationen gemein oder böse sind. Die Bilder, die irgendwie im Internet zirkulieren und ganz amüsant sind, möchte ich hier beschreiben:
 
Bild 1: Ein Polizeikommissar verhört einen Verdächtigen. Dieser sitzt in einem Sessel vor einer grossen Glasfront und trinkt genussvoll eine Tasse Tee. Durch die Glasfront ist ein Swimmingpool zu sehen. Der Kommissar wurde wohl stutzig, als er einen Hund erblickte, der vor der Scheibe das Männchen macht und eine abgehackte Hand in der Schnauze hält. Nun dürfte der zweibeinige Verbrecher bald überführt sein.
 
Bild 2: Der Hausherr stapelte viele kleine Schachteln auf einem Tisch und betrachtete sein vielleicht 2 m hohes Meisterstück. Aber sein Hund hatte ganz anderes im Sinn. Er packte einen Zipfel der Tischdecke und begann zu ziehen. Man kann sich gut vorstellen, wie das Stapelwerk dann zur Erde plumpsen und sogleich zerfallen wird.
 
Bild 3: Ein Blindenhund führt einen Blinden einem breiten Gehsteig entlang. Als eine Baustelle mit einem grosses Loch auftaucht, scheint der Hund, der offenbar abgelenkt ist, nichts anderes im Sinn zu haben als sein Herrchen in das Loch zu führen. Der Hund selber ist jedoch auf der sicheren Seite des Gehsteigs.
 
Bild 4: Diese Tat eines Hundes fand ich super! Der Ehemann kommt nach Hause, geht ins Schlafzimmer und findet seine Angetraute, mit Reizwäsche bekleidet, sitzend im Bett. Man sieht nur die Träger des Nachtgewands und kann vermuten, dass die Frau einen Mann betören wollte. Der Ehemann ist hocherfreut, als er seine Gemahlin so sieht. Dann kommt der Hund ins Spiel. Er zieht mit aller Kraft an einem Zipfel eines Vorhangs. Und was kommt zum Vorschein? Die Füsse des Nebenbuhlers, der sich dort versteckt hatte. Aus war es mit der Vorfreude des Gehörnten.
 
Nun wissen wir alle, woher der Ausdruck „gemeiner Hund“ kommt. Es ist aber „hundsgemein“, wenn man den Hunden alle schlechten Eigenschaften andichtet. „Was kann der arme Hund dafür“, wenn er intelligent und vorausdenkend ist. Es gibt leider auch Menschen, die hundsgemein sind.
 
Weitere Redewendungen
Aber es gibt noch andere Redensarten über den Hund. Oft kommt der treueste Freund des Menschen in den Redensarten schlecht weg. Früher galten die Hunde Wotans sogar als geheiligte Tiere. Dann kam das dunkle Mittelalter, in dem die Tiere verächtlich gemacht wurden.
 
Sogar heute gibt es eine Menge Ausdrücke, wie zum Beispiel Hundeleben, Hundewetter, Hundekälte, hundeelend, feiger Hund. Früher wurden sogar Verbrecher oft zwischen Hunden gehenkt. Ein Adeliger, der mit dem Gesetz in Konflikt kam, musste sogar öffentlich einen Hund tragen (Infos laut Kurt Krüger-Lorenzen).
 
Es gibt Leute, die „auf den Hund kommen“. Das bedeutet, der Mensch ist heruntergekommen, verkommen oder gescheitert. Er ist „mit allen Hunden gehetzt“ bedeutet, dass der Betreffende mit allen Wassern gewaschen und mit allen Kniffen erfahren ist.
 
Weitere Redensarten: „Damit lockt man keinen Hund vom Ofen“, – „Da liegt der Hund begraben.“ Der 2. Spruch bedeutet: Dies ist der Kern der Sache, die Ursache, der entscheidende Punkt. Es gibt hier verschiedene Interpretationen. Nach dem Volksglauben des 17. Jahrhunderts waren damit verborgene Schätze, die von einem schwarzen Hund bewacht wurden, gemeint.
 
„Von ihm nimmt kein Hund ein Stück Brot“ (der Betreffende wird von allen gemieden, verachtet). Es ist gut bekannt, dass Hunde eine gute Witterung für schlechte Menschen haben. Von diesen nehmen sie nichts. Aber es gibt auch gute Menschen, welche die Hunde nicht leiden können. Briefträger, die öfters gebissen werden, können ein Lied davon singen.
 
„Hundstage“ sind die heissschwülen Tage von Ende Juli bis Ende August.
 
„Er hat eine Sache verhunzt“ (entstellt, verunstaltet, verzerrt).
 
„Er heult wie ein Schlosshund“. Damit ist nicht eine Heulsuse gemeint, sondern ein angeketteter Hofhund, der viel heult.
 
„Er ist bekannt wie ein bunter Hund“. Nun, solche Personen gibt es in jeder Gemeinde. Früher war das nichts Schmeichelhaftes.
 
Wenn ein schlechtes Wetter vorherrscht und keiner so gerne hinausgeht, sprechen wir von einem „schlechten Wetter, dass man keinen Hund vor die Tür jagt.“
 
Es gibt immer wieder Ehepaare, die von morgens bis abends streiten. Von ihnen sagt man dann: „Sie sind wie Hund und Katze“. Allerdings es gibt unter den Hunden und Katzen auch solche, die sich gut vertragen.
 
„Das ist ein dicker Hund“. Mit dieser Redensart ist nicht ein fettleibiger Hund gemeint, sondern der Betreffende, der dies äussert, bringt zum Ausdruck, wenn er erstaunt, überrascht, erfreut oder auch entsetzt ist.
 
„Man steht da wie ein geprügelter Hund/ein begossener Pudel/wie ein Hund mit eingezogenem Schwanz.“ Nun, das bedeutet, die betreffende Person (nicht der Hund) schämt sich bzw. er ist kleinlaut.
 
„Das ist ja zum junge Hunde kriegen!“ Es ist zum Verzweifeln.
 
„Mit den grossen Hunden pissen wollen, aber das Bein nicht heben können.“ Damit ist ein Mitarbeiter gemeint, der verzweifelt versucht, in höhere Regionen einer Firma aufzusteigen und es nicht schafft. Oder es ist ein Mensch, der in höheren Kreisen dazugehören möchte, aber nicht die Voraussetzung dazu hat.
 
„Man geht vor die Hunde“ bedeutet, die Person gehe zugrunde, sei verwahrlost.
 
„Dem kleinsten Hund gibt man die meisten Prügel.“ Der Schwächste bekommt das Schlechteste.
 
Wie man sieht, gibt es unzählig Sprüche über die ehrenwerten Hunde, die keine Verleumdung verdient haben. Vielleicht wissen Sie auch einen, den Sie uns dann mitteilen können. Vielen Dank.
 
Internet
 
Literatur
Krüger-Lorenzen, Kurt: „Deutsche Redensarten – und was dahinter steckt“, VMA-Verlag, Wiesbaden 1960.
 
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