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BLOG vom 26.02.2005


Das Komplott gegen die wendigen Londoner Taxis

Autor: Emil Baschnonga

Ich traute meinen Augen nicht, als ich kürzlich in der Zeitung las: „Now our black cabs are in danger!“ Kaum hat der Routemaster (siehe Blog vom 5. Januar 2005) ausgedient, soll das legendäre Londoner Taxi durch die vermaledeiten „people carrier“ (Marke: Peugeot E7) ersetzt werden.

Anno dazumal: Meine erste Fahrt nach der Ankunft mit Sack und Pack im Viktoria-Bahnhof war im alten berühmten Taxi. Zwar verstand ich nicht, was der Fahrer sagte, denn er sprach Cockney. So hielt ich ihm mein Zettelchen unter die Nase, und er kapierte, dass ich nach South Kensington gebracht werden wollte. Ein mächtiges Grossstadtgefühl überkam mich, als ich mich in diesem tollen Vehikel breit machte.

Dem Londoner Taxi wird nachgesagt, dass es auf einem „Sixpence“ (einer kleinen Münze) drehen kann. Wirklich, es dreht sich um seine eigene Achse und schlängelt sich wendig durch den dichtesten Verkehr, dank der Fahrkunst des Cabbie. Er muss eine harte Prüfung bestehen, ehe er die Auszeichnung „Cabbie“ erhält. Er kennt jeden noch so versteckten Winkel von London. Kein Wunder, dass vor Jahren ein Cabbie den „Mastermind“-Titel gewann („Mastermind“ ist nach wie vor ein anspruchsvolles Fernseh-Quiz.).

Die „London Taxis International“ (LTI) besitzt das Hersteller-Monopol für die Londoner Taxi. Wie alle Monopole, missbraucht auch die LTD ihre Vormachtstellung. Das Londoner Taxi kostet rund £ 4000 mehr als das Peugeot-Modell E7. Der „Cabbie“ rechnet nüchtern, und die Mehrzahl der 24 000 Taxifahrer wird zum E7 wechseln. Ausserdem können sie dann die Taximiete erhöhen. Das schwerfälligere E7 wird zudem bedeutend mehr Minuten verschlucken als das viel gerühmte schwarze Taxi. Die Gefühle der Londoner und der Touristen sind den Fahrern schnuppe.

Ich an ihrer Stelle würde es auch nicht anders halten. Als Fahrgast hingegen bin ich sehr dagegen. Der Wechsel geht auf meine Kosten. Meine Freude an Taxifahrten ist futsch.

Dies muss allerdings auch gesagt werden: Der Taxichauffeur bleibt nach wie vor mein Freund, in England oder anderswo. Im Gespräch drückt er seine Meinung klipp und klar aus. Er bezieht Standpunkte, ob es um Politik, Steuern oder Fussball geht. Er informiert mich besser als die meisten Zeitungen. Und ausserdem hat er mir aus vielen Patschen geholfen. Dank ihm habe ich keinen einzigen Flug und kein einziges Treffen verpasst.

Aber das LTI-Monopol kann mir gestohlen werden!

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