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BLOG vom 18.08.2012


Savoyen 8: Chambéry F – fängt dort das Juragebirge an?
Autor: Walter Hess, Publizist, Biberstein AG/CH (Textatelier.com)
 
Savoyen, das in Haut-Savoie und Savoie aufgeteilt ist, braucht dementsprechend 2 Hauptstädte: Annecy für oberen und Chambéry für den unteren Teil. Diese Städte rivalisierten und kooperierten, wie es die äusseren Umstände gerade erforderten, wie die Geschichte lehrt.
 
Augenschein in Chambéry
Wir steuerten am Sonntag, 29.07.2012, in der Mittagszeit, von Annecy kommend, auf die Halle-Tiefgarage im Zentrum von Chambéry zu, in deren Betoninnenleben klassische Hintergrundmusik für eine angenehme Atmosphäre sorgte. Die Parkgelegenheit befindet sich unmittelbar beim kompakten Ortskern, bei „Vieux Chambéry“. Die Altstadt mit den zusammengepressten, teilweise uralten Gebäuden hat ihren Platz zwischen dem Rathaus (Hôtel de Ville), dem Vorort Montmélian, dem Elefantenbrunnen und dem Schloss.
 
Man erwartet in dieser vornehmen Atmosphäre jederzeit das Auftauchen von Edelleuten oder gar eines Grafen von Savoyen, so zum Beispiel von Amadeus VI. (1343‒1383), Amadeus VII. (1383‒1391) oder gar dem glorreichsten von allen, Amadeus VIII. (1391‒1434). Es hat nicht sollen sein. Ihre Unsterblichkeit hat nichts mit ihrer physischen Erscheinung zu tun. Um einen flüchtigen Eindruck von diesem Ort zu erhalten, spazierten wir zum Bahnhof, dann zum Justizpalast, dessen Architektur aus Italien importiert sein könnte. Tatsächlich entstand das mächtige und prächtige Haus von 1854, als Turin die Hauptstadt des Herzogtums Savoyen war. Auf einem schweren, hohen Sockel thront neben der Justitia Antoine Favre (1557‒1624) aus Bourg-en-Bresse in Überlebensgrösse, ein Genie der Jurisprudenz. Im Alter von 23 verfasste der Frühreife schon die ersten Bände seiner „Conjecturae juris civilis“, das als fundamentales Rechtswerk gilt.
 
Die Altstadt, die den Namen verdient, mit ihren schmalen Eingängen und den engen Gassen darf man nicht auslassen. Einzelne Häuser sind im oberen Teil mit Zwischenbrücken verbunden, was das Gefühl vermittelt, das alles sei ein zusammenhängender Block – verdichtetes Bauen im besten, modernen Sinne. Man fühlt sich geborgen, umarmt. Über den Gassen aufgehängte Fahnen aus durchscheinendem Tuch zeigen einen aufgestellten, ja verschmitzt lächelnden Jean-Jacques Rousseau, der hier, beziehungsweise im Landhaus Charmettes, für Fussgänger eine halbe Stunde entfernt, seine glücklichsten Jahre verlebte. Auf den Flaggen steht nur „Rousseau 2012 Chambéry“. Jedermann weiss: Dieses Jahr jährt sich Rousseaus Geburtstag zum 300. Mal.
 
Der Schlossvorplatz ist von imposanten Bauwerken umgeben, so vom Hôtel Montfalcon, ein Adelssitz im italienischen Stil, und dem Hôtel Favre de Marnix aus dem 17. Jahrhundert. Im Zentrum des Platzes ist das Denkmal für Joseph und Xavier de Maistre zu bewundern, die sich als Schriftsteller nützlich machten. Joseph war ein erbitterter Gegner der Französischen Revolution, und Xavier beschrieb zum Beispiel die „Voyage autour de ma chambre“, reiste also in seinem Zimmer herum.
 
Pflichtbewusst statteten wir alsdann dem behäbigen Schlosskoloss einen Besuch ab. Das erste Schloss in Chambéry, das im 14. und 15. Jahrhundert erbaut wurde, brannte zweimal ab und wurde durch den heutigen Königspalast ersetzt. Die Geschichte des Schlosses und der Stadt ist im Schatzmeisterturm (Tour Trésorerie) des Schlosses dargestellt, der aus dem 14. Jahrhundert stammt, unter anderem mit eindrücklichen, geschickt beleuchteten Gemälden. Eine Reiseleiterin erläuterte hier ihrer Gruppe den Stammbaum des Hauses Savoyen seit dem 13. Jahrhundert, ein langes, reich verzweigtes Geäst, was mich veranlasste, die Flucht zu ergreifen, weil ich mir mehr als 4 Dutzend französische Namen mit ihren verwandtschaftlichen Bezügen und Funktionen aufs Mal mit dem besten Willen nicht auf Anhieb merken kann. Eine Ausstellung gilt noch bis Ende Jahr 2012 dem Kulturerbe (patrimoine) Savoyens.
 
Dem Jura auf der Spur
In „La Panière Halle“, in der Nähe des Parkhauses, tranken wir, mit Geschichtswissen vollgestopft, zur Verdauung Kaffee und assen duftenden Kuchen aus vollreifen Aprikosen. Am Nachbartisch tat ein mittelalterliches Ehepaar dasselbe. Ich fragte den Mann, der gleich neben mir sass, ob es zutreffe, dass in Chambéry der Jurahügelzug beginne, wie ich in mehreren Büchern gelesen hatte. Er machte einen gebildeten Eindruck, schüttelte den Kopf. Unter dem Begriff „Jura“ versteht er das nahe bei der Schweiz liegende Departement Jura in der Region Franche-Comté. Vom Jura spricht man in Chambéry offenbar nicht.
 
Der Name Jura hat viele Bedeutungen, weshalb ich nie herausgefunden habe, welche Gegend unsere medialen Wetterpropheten im Auge haben, wenn sie von einem „Gewitter und Regen im Jura“ sprechen. Um wenigstens für dieses Blog Klarheit zu schaffen: Mit Jura ist hier das Juragebirge angesprochen. Dieses zieht sich in der Form eines Croissants, dem Frühstücksgebäck aus Hefeteig und viel Butter, dem wir in der Schweiz „Gipfeli“ sagen, vom Raum Chambéry über das Genevois (Genferland), dann im Grenzbereich Frankreich/Schweiz über den Kanton Jura und via die Kantone Solothurn und Aargau bis zur Lägern bei Baden AG (also kurz vor Zürich) hin; beim zürcherischen Dielsdorf taucht der Hügel auf Nimmerwiedersehen in die Mittelland-Molasse ab.
 
Ist das Ende des bewaldeten Hügelzugs bekannt, wird es mit der Bestimmung des Jurabeginns, des Jurabogens (Arc Jurassien) südlich von Genf, schon schwieriger.
 
Blick in die Jura-Literatur
Bereits 1806 hat Hans Conrad Escher von der Linth festgestellt, das Juragebirge beginne bei Les Échelles südwestlich von Chambéry. Laut dem „Geographischen Lexikon der Schweiz“, 1904 im Verlag der Gebrüder Attinger in Neuenburg CH erschienen, befindet sich der Startpunkt noch wenig weiter südlich von Les Échelles, beim kleinen Ort L’Échaillon.
 
Wer sich nicht auf die Äste hinauslassen will, so etwa Toni P. Labhart (in „Geologie der Schweiz“. Ott Verlag, Thun 2001), schreibt etwa, das rund 300 km lange Faltenbündel löse sich „bei Chambéry in Frankreich“ von den Alpen ab.
 
Eine recht detaillierte Beschreibung stammt vom deutschen Geografen Fritz Machatschek (1876‒1957). Er ortete den Beginn des Juras „in einer anfänglich schmalen Molassezone, welche von Voreppe am Nordknie der Isère NW Grenoble über St. Laurent-du-Pont (Eingang zur Grande Chartreuse) und St. Christophe-La Grotte E Les Échelles nach Chambéry streicht, das schon 1802 von Leopold von Buch als Grenzpunkt der Alpen erkannt wurde. Nach Norden erweitert sich die Molasselandschaft gegen Annecy und das Genferland“. Laut Machatscheks Erkenntnissen ist die Chaîne du Raz die südlichste, erste und zugleich äusserste Jura-Kette, „welche westlich Les Échelles und jenseits des Alpenflusses Giers nach NW streicht, um sich in der Faltenlandschaft des schönen Bugey (Stadt Belley) und westlich des Lac de Bourget im Tournier scharf zu individualisieren scheint“ (so zitiert im Buch „Geographie der Schweiz“, Band 1, von Dr. J. Früh, erschienen in St. Gallen 1930).
 
Vom Lac du Bourget auf den Col du Chat
Man geht also wohl kaum fehl in der Annahme, dass sich der Knotenpunkt, das heisst die Abzweigung des Jura von den Alpen, in der unmittelbaren Umgebung von Chambéry befindet. Genau das wollte ich einmal mit eigenen Augen sehen. So fuhren wir, von Chambéry kommend, an den Lac du Bourget, und zwar an die Westküste zwischen dem gleichnamigen Ort und Bourdeau. Bei diesem länglichen See, der wegen seiner leichten Biegung die Form einer Bratwurst hat, handelt es sich um den grössten Natursee von Frankreich, der eine Tiefe von 145 m erreicht, 18 km lang und 2 bis 3 km breit ist. Er ruht zwischen den Massiven Chat und Rebard still vor sich hin. Das Westufer am Chat ist steiler als die gegenüberliegende Seite, die vom ausufernden Aix-les-Bains akzentuiert ist.
 
Da es gerade ein sonnendurchfluteter Sonntagnachmittag war, schafften wir es trotz geduldigen Wartens auf einen heimfahrenden Autofahrer nicht, einen Parkplatz zu ergattern. Ein Unglück war das nicht, denn das gleichförmige, auf den Erholungsbetrieb ausgerichtete Seeufer schien, abgesehen vom beruhigenden Blick auf die ruhige, blaue Wasserfläche, nicht viel zu bieten. Also entschloss ich mich, auf den fast 1500 m Col du Chat zu fahren, statt hier Zeit zu vertrödeln. Das würde Gelegenheit bieten, den See und die Landschaft im Grenzbereich von Jura und Alpen von oben zu betrachten.
 
Von Le Bourget-du-Lac führt eine richtige, zweispurige und asphaltierte Passstrasse im Zickzack, wie es sich gehört, in die höheren Regionen des Katzenpasses. Gelegentlich gibt es bei besonders schönen Aussichtspunkten eine Haltemöglichkeit, um das Panorama in aller Seelenruhe auf sich einwirken zu lassen. Das brüchige Gestein am aufgerissenen Strassenrand erwies sich eindeutig als der mir hinlänglich bekannte Jurakalk, mit dem unser Haus in Biberstein AG, am Jurasüdfuss der südlichsten Falte, durch einen massives Betonfundament fest verbunden ist. Der Malm (moderner: Oberjura, Oberer Jura oder Weisser Jura = kalkreicher Lehm, zu Stein verdichtet), ist fürs Juragebirge die charakteristische Schichtengruppe. Die höchsten Kämme und Gipfel bestehen aus solchen Kalkstufen.
 
Also waren wir bereits auf dem Jura, auf unserem Jura. Und der Name war auch für diesen Hügelteil gerechtfertigt. Jura stützt sich auf die keltische Wurzel jor ab und wurde zu juria lateinisiert = Waldgebirge (Westschweiz: Jorat, Joux usw.). Auch hier war Wald, unterbrochen durch einzelne Weiler und Felsabbrüche jüngeren Datums, die zerfurcht in hellem Braun bis Ocker hervortreten. Auch der langgestreckte Hügel auf der gegenüber liegenden Seeseite mit den bräunlichen kahlen Felspartien mit der 1699 m hohen Crêt de Châtillon weist alle Merkmale einer typischen Juralandschaft im Format eines langgestreckten Hügels auf.
 
Der Jurahügelzug ist überall ähnlich: ein üppig bewaldetes Kalkgebirge mit Sätteln, Tafeln und Mulden. Im französischen Jura ist oberhalb der vielen Weinberge ein Buschwald entstanden. Charakteristisch für diesen ist der Buchsbaum, der in Süddeutschland und bei uns in der Schweiz, selbst in meinem eigenen Garten, gerade von den Raupen des Buchsbaumzünslers arg dezimiert wird; die verdorrenden Bäumchen machen einen jämmerlichen Eindruck. Dergleichen habe ich in Frankreich nicht gesehen. In den dortigen Jurawäldern gibt es Wacholder, Eichen, Buchen und ganz oben Nadelgehölze.
 
Die Panoramablicke zur Alpenwelt im Osten mit den schneebedeckten Zacken, wo sich auch das in dieser Savoyen-Blogserie ausführlich beschriebene Mont-Blanc-Massiv befindet, und die lieblicheren, abgerundeten bewaldeten Hügellandschaften und Schwemmebenen im Umfeld von Chambéry sind Beweisstücke dafür, dass die altehrwürdigen Alpen und der junge Jura einander genau in dieser Gegend die Hand reichen.
 
Unter der Montagne de l’Épine ist ein Strassentunnel, der ins Departement Isère führt. Über jene Jurafalte, die als 2. gilt, führt auch eine Strasse (Col de l’Épine). Gegen Norden vermehren sich die Juraketten rasch, und sie streben dann sogleich etwas auseinander.
 
Aix-les-Bains
Bevor wir uns auch das noch anschauten, statteten wir noch Aix-les-Bains einen Besuch ab, fuhren ins Parkhaus in der Stadtmitte, gleich beim Hotel „Astoria“. Zu meinem Bedauern war dieses renovationshalber geschlossen, wie am Eingang zu lesen war; doch wirkte es nicht wie eine Baustelle. Die übrigen Badehotels, die noch von guten Zeiten, vorab von der leichtlebigen Belle Époque, träumen (der Aufschwung der Badekultur in Aix-les-Bains begann schon im 16. Jahrhundert), scheinen in der Agonie zu verharren. Die schönen schmiedeisernen Balkongeländer rosten still vor sich vor sich hin, was weniger mit den schwefelhaltigen Quellen zu tun hat als vielmehr von einem offenbar schwächelnden Tourismus. Der Putz bröckelt von den Hotelfassaden; der Lack scheint ab zu sein.
 
Das pompöse Thermengebäude mit den romanischen Bögen, an dem 1864, 1881, 1934 und 1972 gebaut wurde, ist mit seinem modernistischen Banalarchitektur-Mischmasch kein Anblick, der zum Bade ladet, obschon das Gebäude gut unterhalten ist. Im gleichen Haus ist das Tourismusbüro untergebracht. Gepflegt wirkt vor allem das Casino in der Nähe, wo man auf elegante Art Euros definitiv loswerden kann. Davor zeigt der freistehende Campanus-Bogen, ein 9 m hohes Grabmal mit Ehrerbietungen an die Familie des ortsansässigen L. Popeius Campanus das römische Erbe an. Im Übrigen hat Aix-les-Bains den grössten Binnen-Jachtfafen von ganz Frankreich, und es wandelt sich in eine Industriestadt um (Alstom, BBC usw.).
 
Fischessen in Brison-St-Innocent
In Aix-les-Bains hielt uns nichts zurück, und so reisten wir auf der Ostseite des Lac du Bourget nordwärts weiter. In der nächsten Ortschaft, in Brison-St-Innocent, direkt am See, tauchte die „Auberge de Brison“ auf. Da der Abend hereingebrochen war und wir noch keine Unterkunft hatten, frage ich nach einem Zimmer. Doch bedeutet das französische Wort Auberge halt auch Gasthof und nicht nur Herberge. Eine Unterkunft war hier jedenfalls nicht zu haben. Doch gab es fabelhafte Fischgerichte, die Kernkompetenz des Hauses am idyllischen See, wobei es mir die frittierten Perchois (kleine Barsche) besonders antaten; Eva wählte einen gebackenen Barsch (Perche) und war ebenfalls des Lobes voll. Ein Glas Roussette de Savoie aus lokaler Produktion mit dem Duft nach Akazienhonig und wilden Blumen war in diesem Zusammenhang unvermeidlich. Eine junge Serviererin gab sich Mühe, deutsch zu sprechen, was sonst in Frankreich ganz und gar unüblich ist. Périne kramte ihr Schuldeutsch hervor („Hat es Ihnen schmecken?“), war lernbegierig, und sie sagte, sie wolle ein Ingenieur-Studium mit dem Schwerpunkt Alternativenergien machen. Ich belohnte ihre Mühen mit einem stark aufgerundeten Trinkgeld, um zu zeigen, dass sich Sprachkenntnisse auszahlen. Pädagogik von der handfesten Art.
 
Eine Unterkunft aber konnte mir von den Restaurantinhabern nicht genannt werden, ausser in Aix-le-Bains. Doch wählte ich die Vorwärtsstrategie und steuerte den nächsten grösseren Ort, Belley, an, der schliesslich auch jurakundlich von Interesse ist. Über Culoz und neben der Rhône nach Süden rasten wir ausserhalb Savoyens, im Departement Ain, um etwa 21 Uhr Belley entgegen, in der Hoffnung, dass noch nicht alle Unterkünfte in den Tiefschlaf verfallen seien.
 
Belley im Bugey
Wir folgten der Rhône und dem Südwestrand einer von 4 Jurafalten, erlebten den breiten Fluss mit der see-artigen Ausstülpung bei St-Champ, etwa 5 km vor Bellay. Wegen einer Verkehrsumleitung, die selbst unser Navigationssystem an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit brachte, kamen wir zu einer eindrücklichen, aber zeitfressenden Umrundung des Lac du Lit au Roy mit seinen vielen seichten Stellen. Immerhin fanden wir Belley doch noch. Am unteren Ortseingang erschien uns das „Sweet Home Hotel“ an der Boulevard du Mail wie eine süsse Erlösung. Kurz bevor die unkomplizierte Empfangsdame ihren Feierabend antrat, nahm sie uns freundlich auf, wies uns ein modern eingerichtetes und sauberes Zimmer zu – für 78 Euro inkl. Frühstück für 2 Personen. Wir waren gerettet, schliefen gut, abgesehen von irgendwelchen Umlademanövern von Gütern, die am frühen Morgen im Innenhof, dem unser Zimmer zugewandt war, stattfanden. Das Frühstück war gut, der Kaffee besser als in allen bereits besuchten Hotels.
 
Belley ist der Hauptort der alten, vorkarolingischen Landschaft Bugey (Nantua) im Südosten des Departements Ain. Dieses Belley im unteren Bas Bugey ist vom Rhônelauf, mit dem Scheitel beim Bogen von St-Genix-sur-Guiers, beeinflusst. In dieser Landschaft befindet sich auch der Kernkraftwerkkomplex Bugey – und zwar an der Rhône auf dem Gemeindegebiet Saint-Vulbas. 1978 hatte ich im Rahmen einer Pressereise auf Einladung der Électricité de France (EDF) Gelegenheit, die imposante, aus 4 gebündelten Kernkraftwerken bestehende Stromproduktionsstätte zu besichtigen; von diesen Dimensionen war ich ausserordentlich beeindruckt. An der Rhône befinden sich in diesem Gebiet auch 2 Wasserkraftwerke (Centrales hydroéléctriques), so bei Brens und zwischen La Bruyère und Evieu.
 
Damals war die Zeit des forcierten KKW-Baus, wodurch der zunehmende Energiehunger, der mit dem industriellen Ausbau, der Unterhaltungselektronik (inkl. Radio und TV) und bald einmal mit dem Internet ständig zunahm und auf preisgünstige Weise befriedigt werden konnte. Die alternativen Lösungen sind alle viel teurer, führen zu anderen Umweltbelastungen (CO2-Ausstoss, Landschaftsverschandelungen durch Windräder, die Vögel shreddern, und Länder durchquerende Leitungsbauten, Pumpspeicherwerke, Auslandabhängigkeit usf.), wie der unselige, überstürzte Plan zum KKW-Ausstieg in der Schweiz immer dramatischer zum Ausdruck bringt. Die Anfangseuphorie verfliegt, soweit sie nicht schon verflogen ist.
 
Doch diesmal interessierte mich die Geologie, so dass ich die Landschaft aus einem vollkommen anderen Blickwinkel erlebte. Belley ist zwischen dem Rhônelauf in ein Faltenland mit vielerorts breiten Mulden eingebunden; die Mulde von Belley ist etwa 10 km breit, wobei Wallmoränen für eine Belebung des Landschaftsbilds sorgen.
 
Es lag mir daran, den Jurabogen von Süden her weiter aufzurollen – bis nach Bourg-en-Bresse, worüber im nächsten Blog 9 berichtet werden soll. Unter Einbezug von ¼ Bresse-Poulet, versteht sich.
 
Hinweis auf die vorangegangenen Savoyen-Blogs
18.08.2012: Savoyen 7: Albertville mit Conflans – ein Herz, zwei Seelen
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