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BLOG vom 08.12.2012


Kuriositäten: Weiche Papsteier, turmspringende Schweine
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Die Bezeichnung „Papsteier“ kannte ich bisher nicht. Als meine Tochter Daniela einen Stängel mit 7 kugelförmigen und stacheligen Ballönchen in einem Gartencenter in Lörrach D kaufte und mir ins Ohr flüsterte, das seien Papsteier, musste ich herzhaft lachen. Die anhängenden haarartigen Gebilde hatten einen Durchmesser zwischen 6 und 8 cm. Neugierig befummelte ich die Papsteier vorsichtig und stellte in der Tat eine Weichheit fest. Bei einem härteren Griff wären sie unweigerlich eingedellt worden. Man muss also Eier immer vorsichtig behandeln.
 
Im Internet recherchierte ich und fand nur spärliche Hinweise. Insbesondere wollte ich wissen, wie der Name entstanden ist. Ein Nutzer schrieb: „Die haarigen Gebilde sehen aus wie Hoden, sie sind innen hohl, daher Papsthoden – mangels Gebrauch.“ Aber es gab ja in der Vergangenheit Päpste, die alles andere als hohl waren, sie zeugten Söhne und Töchter. Also waren die Zeugungsorgane voll im Saft.
 
Unter www.gutefrage.net meinte ein Schreiber, es wäre eine witzige Pflanze, die beim Hören des Namens eine Errötung hervorrufen könnte, besonders dann, wenn man die Gedanken schweifen lässt. „Da merkt man manchmal, wer welche Erziehung genossen hat.“ Steffi (www.fca.at) schrieb, sie finde den Namen gut. Sie habe im Biologieunterricht wohl geschlafen, wenn es um Eier ging. Nun muss sie lernen, dass man mit Eiern (Hoden) pfleglich umgehen muss.
 
Wer sich mit dem Namen Papsteier nicht anfreunden kann (besonders sind hier die Papstverehrer gemeint), kann auch eine andere Bezeichnung verwenden. Im Sprachgebrauch sind auch „Bulleneier“ üblich.
 
Der Vatikan hat nämlich für Sexualität bzw. sexuelle Aufklärung wenig übrig. Papst Benedikt XVI. hat sich gegen sexuelle Aufklärung gewandt. Er wäre auch nicht erfreut, wenn man die Bezeichnung Papsteier im Vatikan oder anderswo gebraucht.
 
Rolf P. Hess fiel beim Betrachten meiner Papsteier-Bilder der folgende Eier-Witz ein:
 
Eine Seniorengruppe besucht das Naturhistorische Museum in Wien. In einem Saal zeigt der Reiseführer auf ein Riesenei und sagt: „Und dies, meine gnädige Damen und Herren, ist das Ei des Strauss.“ Kommt die entzückte Stimme einer älteren Dame aus der hintersten Reihe: „Ach, der liebe Walzerkeenig!“
 
Zurück zur Pflanze, die meine Tochter gekauft hat. Nach einer Woche platzte ein „Ei“ auf, und ich sah im Inneren den braunen Fruchtstand mit unzähligen Samen. Am nächsten Tag machten sich die Samen, die mit einem weissen fallschirmartigen Gebilde, ähnlich wie bei der Pusteblume, im Zimmer selbständig. Meine 6-jährige Enkelin Melina spielte mit den Fallschirmen und war entzückt, als diese beim Hochwerfen langsam herunterglitten. Die anderen Eier werden wohl in den nächsten Tagen aufplatzen. Da ist es mit der Herrlichkeit vorbei. Die gelbgrünen Papsteier sind dann futsch.
 
Turmspringende Schweine
Und nun zu einer anderen Kuriosität: Ich wusste, dass das liebe Borstenvieh aktiv und sehr bewegungsfreudig ist. Die Schweine sausen in freier Natur herum, suhlen sich in schlammigen Pfützen und schnüffeln freudig herum, wenn der Bauer mit dem Futterkorb herumwedelt. Sie erreichen aber auch eine beachtliche Geschwindigkeit, das merkten vor allem jene Zeitgenossen, die von wütenden Keilern verfolgt wurden. Die Keiler wollten nur ihre Jungen beschützen. Auch manch ein Jäger oder Treiber wurde schon umgerannt.
 
Sausportlich verhalten sich Schweine des chinesischen Bauern Huang Dermin. Die fitten Tiere werden über eine Rampe auf einen Sprungturm aus Holz geführt. Dann springen sie aus 3 Meter Höhe in den Teich. Man könnte meinen, das Borstenvieh mache Urlaub. Diese Köpferei (Kopfsprünge) in das Nass kenne ich nur von Zweibeinern.
 
Der Bauer ist überzeugt, dass das Fleisch dieser Schweine besser sei. Er könne den dreifachen Preis verlangen. Die sportlichen Schweine benötigen auch fast keine Medizin. Da kam mir der folgende Gedanke: Die Schweine haben vor ihrem Tod noch etwas Spass. Ob es wirklich so ist, darf dahingestellt sein. Aber vielleicht gibt es Schweine, die diesen Freizeitspass geniessen.
 
Ein anderer Bauer aus der Nachbarschaft des Huang Dermin kam auf eine ganz andere Idee. Er verpasste seinen Schweinen einen Schrittzähler. Wenn die Schweine ein bestimmtes Laufpensum absolviert haben, bekommen sie Futter. Die Schweine bleiben schlank und angeblich gesund.
 
Fleischexperten bei uns glauben nicht, dass durch die Springerei der Schweine eine Verbesserung der Fleischqualität erreicht wird. Vielmehr spielen die genetische Veranlagung, die Fütterung und Haltung eine Rolle.
 
Wie schon in einem früheren Blog über sauglückliche Schweine berichtet (siehe Hinweise am Schluss), kann ich mir gut vorstellen, dass Schweine, die artgerecht gehalten und liebevoll behandelt werden, glücklicher sind. Bei gestressten Schweinen lassen sich im Fleisch Stresshormone feststellen. Walter Hess schrieb mir in einer E-Mail vom 23.11.2012 dazu seine Meinung: „Fleisch von Tieren, die vor der Schlachtung beruhigt wurden, schmeckt besser, hat eine gute Qualität. In einem Migros-Schlachthaus werden die Schweine vor dem Einschläfern und Schlachten warm geduscht, damit sie sich wohlfühlen.
 
Werden Tiere getötet, die unter Stress stehen, gibt es oft Bluteinschlüsse im Fleisch. Ich gehe deshalb davon aus, dass Fleisch von jagdbarem Wild, insbesondere, wenn es auf einer durch nichts mehr zu rechtfertigenden Treibjagd erlegt wird, qualitativ herabgemindert ist. Das trifft auf der normalen Jagd vor allem für den Fall zu, dass nicht der erste Schuss den Tod brachte, sondern es schmerzlich verendete. Selbst unter solchen Randbedingungen ist die Jagd, die zu einer Vergnügungsjagd geworden ist, abzulehnen.“
 
An dieser Äusserung ist was dran. Ich sah schon in diversen Discountern Schinken mit kleinen Bluteinschlüssen. Einen solchen Schinken kaufte ich natürlich nicht.
 
Es müsste einmal nachgeprüft werden, ob das Fleisch der Schweine des chinesischen Bauern auch Stresshormone haben. Ich könnte mir vorstellen, dass das nicht so ist, weil die Schweine nicht übertrainiert werden. In einem Schweineleben sollen nur 30 Sprünge geplant sein.
 
Sprungtechnik hin oder her, das Schweineleben ist meistens ungemütlich: Unter der Überschrift „Vor dem Elend können wir nicht die Augen schliessen" kommentierte Dr. R. L. aus Freiburg i. B. in einer Leserzuschrift an die „Badische Zeitung" (03.12.2012), er wisse nicht, ob die chinesischen Schweine glücklich seien; die meisten deutschen Schweine sind es wohl auch nicht. Mehrere Tiere hausen auf wenigen Quadratmetern. Der Leser bemerkte noch, dass die angeborenen Verhaltensweisen wie die Futtersuche, das Suhlen und Herumlaufen nicht ausgelebt werden können.
 
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