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BLOG vom 05.01.2013


Erkältung: Pflanzen und Hausmittel gegen Viren, Bakterien
Autor: Heinz Scholz, Wissenschaftspublizist, Schopfheim D
 
Am Jahresübergang 2012/13 klagte ein Nachbar, er habe von den Festtagen wenig gehabt, da er wegen einer Erkältungskrankheit geschwächt gewesen sei. Obwohl er, wie er betonte, stärkere Arzneien mit chemischen Wirkstoffen während 2 Tagen eingenommen hatte, trat keine Besserung ein. Im Gegenteil, er verspürte einige Nebenwirkungen. Ich empfahl ihm Naturarzneimittel, die wirksam sind und oft keine Nebenwirkungen aufweisen. Die Heilpflanzen und Hausrezepte, die sich bei Erkältungskrankheiten bewährt haben, sollen hier vorgestellt werden.
 
Grossangriff von Viren und Bakterien
Jeder Mensch möchte gerne den krankmachenden Viren und Bakterien entgehen und gesund durch den Winter kommen. Dies ist nur möglich, wenn wir rechtzeitig unser Immunsystem mit natürlichen Mitteln stärken.
 
Im Winter erlebt unser Körper einen Grossangriff von Viren und Bakterien. In 90 % der Fälle sind es die über die Atemwege eingedrungenen Viren, die Erkältungskrankheiten auslösen. Übertragen werden die Viren durch ausgehustete Tröpfchen oder durch Händeschütteln. Je nachdem, welche Virusart wir einfangen, entwickelt sich entweder ein grippaler Infekt oder eine echte Virusgrippe. Bei den Erkältungskrankheiten können sich auch Bakterien auf den Schleimhäuten ansiedeln und die Beschwerden verstärken.
 
Meist ist der Schnupfen das erste und manchmal auch das einzige Anzeichen einer Erkältungskrankheit. Oft ist es so, dass Halsschmerzen, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und Fieber dazukommen.
 
Wann zeigen sich diese Symptome? Die Viren befallen zunächst die Schleimhäute von Nase und Rachen. Diese schwellen an und produzieren vermehrt Schleim. Die Viren begnügen sich nicht immer mit diesen Plätzen; sie können bis in die Bronchien oder Nebenhöhlen wandern und dort ihr Unwesen treiben. Wir fühlen uns deshalb so abgeschlagen oder bekommen Fieber, weil das ganze Immunsystem (Abwehrsystem) den Kampf mit den Viren aufgenommen hat.
 
Ein gestärktes Immunsystem ist befähigt, mit den Eindringlingen schon nach kurzer Zeit fertig zu werden. Bei einem geschwächten Abwehrsystem dagegen kann die Infektion weitergehen und zu Kiefer- und Stirnhöhlenentzündung, Mittelohr- oder Mandelentzündung, Rachen- oder Luftröhrenentzündung, Lungen- oder Rippenfellentzündung führen.
 
Warum werden wir besonders in den Wintermonaten von diesen Krankheiten heimgesucht? Die Gründe liegen auf der Hand: Abwehrschwäche des Organismus, leichtere Ansteckung durch langen Aufenthalt mit anderen Menschen in geheizten und trockenen Räumen und eine Austrocknung der Nasenschleimhaut. Eine feuchte Nasenschleimhaut hält Mikroorganismen und Schmutzteilchen fern, eine trockene jedoch wird ihrer Schutzfunktion nicht mehr gerecht. Deshalb ist es gut, wenn wir im Winter eine Raumluft mit einer Feuchtigkeit von 50 bis 60 % anstreben. Wichtig ist auch, dass wir uns genügend im Freien bewegen, eine ausgewogene Ernährung (Vollwertkost, vegetarische Kost) anstreben, für einen ausreichenden Schlaf sorgen und den krankmachenden Stress reduzieren.
 
Ideal zur Stärkung des Immunsystems und zur Vorbeugung ist Acerola. Das darin enthaltene natürliche Vitamin C steigert und mobilisiert die körpereigenen Abwehrkräfte. Es verringerte in Untersuchungen die Schwere und Häufigkeit von Atemwegserkrankungen und einfachen Erkältungskrankheiten.
 
Mediziner und Patienten berichten immer wieder von den guten Erfolgen mit Echinacea (Sonnenhut). So wurde eine Verminderung der Infektanfälligkeit, eine Verkürzung der Krankheitsdauer und eine deutliche Abnahme der mit der Erkrankung verbundenen Symptome gesehen.
 
Empfehlung: Man sollte mit der Einnahme von Echinacea schon einige Wochen vor Beginn der Erkältungszeit beginnen. Wer das versäumt hat, kann bei den ersten Anzeichen einer Erkältung das Mittel immer noch einnehmen.
 
Heilkräuter bei Erkältungen
Als besonders effizient in der Behandlung von Erkältungskrankheiten haben sich bestimmte Kräutertees mit Lapacho, biologische Hustensirupe mit ätherischen Ölen sowie Kräuterdestillate, Heilkräuter und naturreine Heilpflanzensäfte bewährt. Hier eine Auswahl der wichtigsten Heilpflanzen:
 
Andorn: Andornzubereitungen (z. B. Press-Saft aus frischem Andornkraut) sind nicht nur ein Mittel bei katarrhalischen Erkrankungen der Atemwege, sondern ein vorzügliches Mittel bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und Völlegefühl (dyspeptische Beschwerden). Wenn man beispielsweise zu fett und zu viel gegessen hat, wirkt Andorn auf den Magen-Darm-Trakt beruhigend, durchblutungsfördernd und ausgleichend.
 
Huflattich: Heute kommen Zubereitungen mit Huflattich bei Bronchialkatarrhe mit Husten (auch beim hartnäckigen Raucherhusten!), Heiserkeit und bei leichten Entzündungen der Mund- und Rachenschleimhaut zur Anwendung.
 
Früher kam der Huflattich wegen der geringen Mengen Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) in Misskredit. Obwohl bei normalem Gebrauch keine leberschädigenden Wirkungen zu befürchten sind, wurden Huflattich-Präparate verboten. Bei synthetisierten Arzneimitteln sind die Behörden weniger zimperlich.
 
Der Huflattich enthält Schleimstoffe, Inulin, Gerbstoffe, Flavonoide, Pflanzensäuren, Triterpene, Sterole. Durch in-vitro-Kultivierung und Selektionszüchtung gelang es den Universitäten Wien und Bonn und der Firma Schoenenberger, aus über 100 Pflanzen nur wenige zu selektieren. Diese enthalten quasi keine PA, jedoch alle anderen wichtigen Inhaltsstoffe des Huflattichs. Der Schoenenberger Huflattich-Press-Saft ist übrigens das einzige zugelassene Huflattich-Fertigarzneimittel, das alle Anforderungen erfüllt. Der PA-Gehalt ist kleiner als 1 Mikrogramm/Tagesdosis.
 
Die Schleimstoffe im Huflattich wirken auswurffördernd und reizlindernd auf entzündete Schleimhäute. Die Gerbstoffe des Heilkrauts entfalten eine entzündungswidrige Wirkung.
 
Linde und Holunder: Der Tee aus den Blüten hilft bei Husten, Katarrhen der Atemwege, fieberhafte Erkältungskrankheiten, bei denen eine Schwitzkur angebracht ist, ferner bei Krampfzuständen des Magens und Darms, Nervosität, Schlafstörungen bei Kindern. Als Kinder wurden wir früher bei Erkältungskrankheiten mit Fieber zu einer Schwitzkur verdonnert. Wir bekamen einen Tee mit Linden- und Holunderblüten. Eine solche Schwitzkur war für uns Kinder nicht lustig. Aber die Kur half.
 
Spitzwegerich: Der Spitzwegerich enthält Aucubin, Catalpol, Schleimstoffe, Gerbstoffe, Phenolcarbonsäuren, Aesculetin, Flavonoide, Kieselsäure, Mineralstoffe. Die Stoffe wirken entzündungshemmend, reizlindernd und bakterienabtötend.
 
Anwendungsgebiete sind Katarrhe der oberen Atemwege und entzündliche Veränderungen der Mund- und Rachenschleimhaut.
 
Die zerdrückten frischen Blätter wirken sehr gut bei Insektenstichen, Juckreiz, Schwellungen.
 
Thymian: Die Pflanze enthält ätherisches Öl mit den Hauptkomponenten Thymol und Carvacrol; ferner Rosmarinsäure, Chlorogen- und Kaffeesäure, Flavone und Triterpene. Die Stoffe wirken schleimlösend, desinfizierend und krampflösend.
 
Thymian wird zur Besserung der Beschwerden bei Erkältungskrankheiten der Atemwege mit zähflüssigem Schleim und zur Besserung der Beschwerden bei akuter Bronchitis eingesetzt. Ein Thymian-Bad wird empfohlen bei Ekzemen, Bronchitis, Husten und Schnupfen. Der Thymian bewirkt besonders beim lästigen Husten ein erleichterndes Abhusten.
 
Verschiedene ätherische Öle: In Reformhäusern gibt es schon lange ein traditionelles pflanzliches Arzneimittel in Form von Tropfen und Lutschtabletten (Olbas). Es enthält Destillate aus Pfefferminzöl, Cajeputöl, Eukalyptusöl, Wacholderbeeröl und Gaultheriaöl. Die heilsame wasser- und alkoholfreie Kombination von 5 Ölen kann äusserlich und innerlich wie folgt angewandt werden: Einnahme und Inhalation bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit, Einnahme bei leichten krampfartigen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt, zur äusserlichen Anwendung bei Kopfschmerzen, Mückenstichen und bei lokalen Muskelschmerzen nach Überanstrengung bzw. Fehlbelastung.
 
Hausrezepte
Hier sind einige Rezepte von Landfrauen und Kräuterfrauen aus dem Kreis Lörrach. Sie halfen sich mit einfachen, aber wirkungsvollen Rezepten bei Erkältungskrankheiten. Die Rezepte erfuhr ich nach meinen Vorträgen, die ich zusammen mit Frank Hiepe hielt, über Heilpflanzen und Interviews.
 
Wollblume bei Schnupfen: Man gibt Wullblümli (Wollblume, Königskerze), Thymian und Kirschenstängel in einen Topf heissen Wassers und atmet mit einem Tuch über den Kopf die heilsamen Dämpfe ein.
 
Tee bei Erkältungskrankheiten: Man mischt jeweils 20 g Holunderblüten, Lindenblüten und Thymian. 1 Teelöffel dieser Mischung mit 150 ml kochendem Wasser übergiessen, 10 Minuten ziehen lassen, abfiltrieren. Dreimal täglich 1 Tasse dieses Tees trinken.
 
Hustenmittel: Bei Husten werden Zwiebeln in Scheiben geschnitten und mit einer Tasse Weinessig weich gekocht. Nach dem Abseihen mit gleichem Teil Honig mischen. Stündlich einen Teelöffel voll einnehmen.
 
Thymiankompresse: Eine Thymiankompresse ist hilfreich bei Husten, Bronchitis und Halsentzündung. Zubereitung: Tuch mit Thymiantee tränken und eine Kompresse anfertigen, auf die Brust legen und mit einem Wolltuch abdecken, eventuell eine Wärmflasche auflegen.
 
Verstopfte Nase, Heuschnupfen, Stirnhöhlenentzündung: Man kaut 4 bis 5 Fenchelsamen oder Anis zusammen mit einigen Gramm Bienenwabe 6 Mal am Tag jeweils 15 Minuten lang.
 
Leinsamenkompresse bei Schnupfen: Es gibt eine Kompresse, die sich bei Schnupfen, Husten und Nasennebenhöhlenentzündung bewährt hat. Es ist dies die Leinsamenkompresse.
 
Durchführung: Heisser Leinsamen (Leinsamen mit Wasser zum Kochen bringen) auf ein Tuch streichen und zu einem Päckchen zusammenlegen. Restlicher Leinsamenbrei warm halten. Kompresse bei Schnupfen auf die Nase, bei Kieferhöhlenentzündung auf Nase und beidseitig der Nase und bei Stirnhöhlenentzündung auf die Stirn platzieren. Nach 4 bis 5 Minuten wird die Kompresse gewechselt. Gesamte Anwendungsdauer: 30 bis 60 Minuten. Der milde Wickel bewirkt eine Lösung des Schleims und eine Verbesserung der Nasenatmung. Man kann auch einen Brustwickel bei Husten anlegen.
 
Gibt es Nebenwirkungen?
Die Zubereitungen mit Heilpflanzen haben keine oder nur geringe Nebenwirkungen. Wichtig ist, dass der Patient den Beipackzettel bzw. die Gebrauchsinformationen durchliest. Auf diesen Informationen sind Anwendungsgebiete, Gegenanzeigen, Vorsichtsmassnahmen für die Anwendung und Warnhinweise, Dosierungsanleitungen, Nebenwirkungen und andere Infos aufgeführt. Die Nebenwirkungen müssen nicht bei jedem Menschen auftreten. Bei pflanzlichen Arzneien sind es oft allergische Reaktionen, die sich bemerkbar machen können. Auch gibt es Hinweise, ob Kinder das Medikament einnehmen dürfen. Enthält das Medikament Alkohol, dann ist Vorsicht geboten bei Kindern, Schwangeren, Lebererkrankungen und im Strassenverkehr. Wer sich unsicher ist, kann sich Rat bei einem Therapeuten holen.
 
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